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Ligurien – Italien 2019

Mai 2019 – Italienreise mit Problemen

Am Abend wird das Auto bepackt und in der Nacht geht es los. Um 3 Uhr in der Früh sind die Straßen schön leer und auch der kleine Enrico schläft dann noch im Auto eine ganze Weile ohne ständig am Fenster zu hängen und zu drängeln, dass es hier doch ganz gut aussieht und ihm, also ihm würde es genügen und wir könnten von ihm aus gerne hier bleiben.

So kommen wir schnell in den Süden von Deutschland und halten zur ersten Rast.

Enrico springt durch das hohe Gras, findet es ganz aufregend hier, nur etwas zu klein und möchte am liebsten unter dem Zaun durch, der den Rastplatz begrenzt. Zur Ablenkung hilft da nur Wasser und Futter und so stehen wir beide eine Weile da und halten ein spätes Frühstück im Stehen ab.

Dann geht es auch schon wieder weiter. Am späten Nachmittag halten wir zur zweiten Rast. Sehr zum Missfallen von Enrico haben wir das Mittagessen ausgelassen. Dass die Portion größer ist, fällt ihm nicht weiter auf. Gute Ideen spricht er lieber nicht an. Nicht, dass dies nachher ein Versehen war und dann wird es bei der nächsten Mahlzeit gekürzt.

Abends gegen 21.30 Uhr sind wir da und wie immer, nehmen wir nur das Wichtigste mit aus dem Auto. Der Rest hat bis morgen Zeit.

Vor der Ferienwohnung mussten wir leider feststellen, dass wir nur einen Haustürschlüssel haben, aber zwei Schlösser abgeschlossen sind. Also zuerst den netten und hilfsbereiten Nachbarn aus dem Bett geklingelt. Der hatte schon geschlafen und kam, nur mit einer Jacke über dem Pyjama, schlaftrunken mit einem Reserveschlüssel an. Den Schlüssel hatte ich auch und das Schloss war offen. Also den Verwalter aus dem Bett geklingelt, der nun ebenfalls im Schlafanzug und Bademantel herbeieilte, seine Frau im Schlepptau. Zum Glück hatten sie auch den zweiten Schlüssel dabei. Zur Sicherheit wurde uns noch mitgeteilt, dass es sein könnte, dass das Wasser abgestellt ist, das war uns beiden aber erst einmal egal. Endlich da.

Beide setzten wir uns jetzt ans Fenster und hatten ein spätes Abendessen mit einem wunderbaren Blick auf das Meer. Also, wenn es hell gewesen wäre, hätten wir den Blick gehabt. So schauten wir mehr auf die erleuchteten leeren Straßen. In diesem beschaulichem Ort gehen die Menschen um 21 Uhr ins Bett. Es wird früh aufgestanden und früh geschlafen. Selbst wenn man nicht mehr auf das Feld geht sondern in das Büro, der Lebensrhythmus der ländlichen Bevölkerung ist geblieben.

Am nächsten Morgen haben wir erst einmal einen großen Spaziergang gemacht und dabei alle Stellen kontrolliert, an denen wir im letzten Jahr Katzen gefüttert hatten. Welche Katze, welcher Kater war noch da, gab es neue, junge Katzen?

Heute hatten wir aber fast nirgends Glück. Kaum eine Katze lässt sich blicken. Ab und zu ein Katzenschwanz, von einer Katze, die gerade noch um die Ecke verschwindet.

Mittags werden auf einem langen Spaziergang die Außenfutterstellen begutachtet. Wo stehen Schalen, wo wird hier gefüttert. Genügend Katzenfutter haben wir dabei. Alles was nicht verfüttert wird, lassen wir den freundlichen Damen da, die die Katzen das ganze Jahr füttern. Zum Glück sind die Italiener sehr tierlieb.

Hunde laufen auch frei herum, haben aber alle ein Halsband und damit einen Besitzer. Sie sind alle gut sozialisiert und damit verträglich. Im Gegensatz zu den Hunden, die nur in der Wohnung oder im Garten leben müssen. Sie haben meist nur sehr wenig Auslauf und sind, wenn man ihnen begegnet, sehr unfreundlich zu anderen Hunden.

Das Wetter ist trocken aber kühl, Regen ist angesagt. So verteilen wir an den alten Stellen und einigen neuen, an denen Futterschalen stehen, oder von uns hingestellt werden, Katzenfutter. Verwilderte Hauskatzen lernen es von ihren Müttern, dass sie sich bei Regen rechtzeitig ein trockenes Plätzchen suchen müssen. Eine Katze die nass geworden ist und dann im Kalten sitzen muss, hat ganz schnell, nicht nur einen Katzenschnupfen sondern auch einen veritablen Nierenschaden. Beides schränkt die Lebenserwartung deutlich ein. Diese Katzen verenden meist spätestens nach zwei Jahren. Die meisten, die einen Katzenschnupfen hatten, habe ich schon im nächsten Jahr nicht wieder gesehen.

Zwischen Einkaufen gehen, vor allem Vogelfutter und Spielzeug für Enrico, dem sitzen am Meer und der Kontrolle und dem Auffüllen der Futterschalen für die Katzen, treffe ich so die eine oder andere Katze aus dem letzten Jahr wieder. Einige haben einen Besitzer, was ihre Lebenserwartung deutlich ansteigen lässt. Diese sind auch kastriert, was die Akzeptanz in der Bevölkerung erhöht. Zu viele Katzen führen zur Ablehnung, da vor allem die unkastrierten Kater deutlich riechen. Die Hormone helfen einen unkastrierten Kater von einem kastrierten Kater zu unterscheiden. Allein über die Nase.

Mit jedem Tag, den wir hier füttern, zeigen sich mehr Katzen. Einfangen tue ich sie lieber im Katzenkorb, da eine Katzenfalle, die ratternd zuschlägt, die nicht eingefangenen Katzen für Tage vertreibt. Also Katzenkorb hingestellt, Futter rein, hinter dem Korb mit Strippe in der Hand stehen und ist eine Katze drin, schnell an dem Bindfaden ziehen. Hinter dem Katzenkorb muss ein Stein oder dicker Ast stehen, damit man beim Zuziehen und festhalten nicht versehentlich den Korb mit nach hinten zieht. Die Katze im Korb hat erst einmal so viel Panik, dass sie mit aller Gewalt zu entkommen versucht. Sobald man allerdings eine Decke darüber ausbreitet  und es im Korb dämmrig ist, beruhigt sich die Katze schnell. Dann kann, in der Ferienwohnung, sie in den Zwangskäfig  umgeladen werden und die Narkosespritze bekommen. Die Kastration erfolgt unmittelbar nach dem Einfangen. So versuchen wir den Stress für das Tier so gering wie möglich zu halten. Anschließend muss der Kater einen Tag und eine Katze drei Tage bei mir im Bad kampieren, und wird an der gleichen Stelle, an der sie eingefangen wurden, wieder in die Freiheit entlassen.

Mit jedem Tag wurden die Katzen zutraulicher. Inzwischen wussten die Tiere, dass ich mehrmals am Tag zum Füttern kam und manche Tiere warteten schon auf mich. Jede Katze hat ihren eigenen Rhythmus und so sah ich meist alle Katzen früher oder später, die in diesem Bereich wohnten. Mache kamen nur morgens, manche nur mittags und manche nur abends.

In der Zwischenzeit habe ich Kontakt mit dem Tierheim in der Nähe aufgenommen. Mir das Tierheim anzusehen, konnte ich nur bis zum 2. Zwinger ertragen. Dann habe ich lieber abgebrochen. Fotos durften nicht gemacht werden. Zu den Katzen bin ich gar nicht erst gegangen. Erwachsene Katzen haben, bei der Vielzahl an Jungtieren, keine Vermittlungschance. Es werden nicht einmal alle Jungtiere vermittelt.

Mein Angebot war, dass ich Sachleistungen bringe und dafür Katzen oder Kater aus meinem Dorf kostenlos kastriert werden. Ein wenig schade ist es schon, da die Einwohner ihre eigenen Katzen kastrieren lassen, weil sie weder den Gestank eines Katers noch die ständigen Babys wollen. Aber das Einfangen gestaltet sich, innerhalb von 14 Tagen doch eher schwierig. Außerdem ist jede kastrierte Katze/ jeder kastrierte Kater ein Gewinn für dieses Tier. Und auch das Kastrieren der Tiere mit Besitzer ist Tierschutz.

An einem Abend habe ich mich auf meiner nächtlichen Fütterungsrunde nicht nur mit Katzenfutter eingedeckt sondern auch mein Handy mitgenommen. Auf den Aufnahmen sieht man es ganz gut, dass die meisten Katzen schon einen dicken Bauch haben. Der Monat April/Mai ist für die Kastrationsaktionen schon etwas spät im Jahr.

Wie auch die Jahre davor musste ich feststellen, dass ein Aufenthalt von 14 Tagen, ohne Unterstützung von Bewohnern des Dorfes, zu kurz ist. Um die misstrauischen Weibchen einfangen zu können, braucht man schon fast die ganzen 14 Tage. Meist sind sie dann erst so weit, dass die Katzen mich in der Nähe des Futters dulden. Dann müssen sie aber auch noch in den Korb gehen und drei Tage unter Aufsicht bleiben. Ohne diesen dreitägigen Aufenthalt kann ich keine Katze kastrieren. Zwar haben bisher erst drei Katzen in 20 Jahren sich die Fäden sofort nach der Operation selbst gezogen. Aber wer möchte schon dafür verantwortlich sein, dass eine Katze mit offenem Bauch elendig im Ort verendet. Das würde auch die Akzeptanz der Bevölkerung sofort senken.

Fazit: Erst ein Aufenthalt von drei besser vier Wochen kann zu einem erfolgreichem Anfang werden. Und vielleicht die Unterstützung des angrenzenden Tierheimes. Tierschutz ist überall wichtig, wo man Tierelend sieht. Egal ob in Brandenburg oder im Ausland.