Puck – unbeachtet in einem Deutschen Tierheim

 

 

Puck, unser wunderschöner Terrier-Mix ist 7 Jahre alt. Kornelia hat ihn aus einem Deutschen Tierheim zu sich in ihr Hunderudel geholt. 2,5 Jahre saß er dort, keiner hat ihn beachtet.

Im Rudel von Akira, der alten und souveränen Setterhündin, sowie von Enrico, ebenfalls ein Terrier-Mix, soll er wieder zurück in das Gesellschaftliche Leben finden.

Vor allem Enricos Aufgabe wird es sein, ihn zu einem sozialisierten Hund zu machen:

 

Enrico resozialisiert einen Terrier aus dem Tierheim:

Enrico erzählt:
Die Tage sind immer noch kühl und windig und nach dem Frühstück verschwindet Frauchen. Das ist nun schade, da mir das Wetter recht wenig ausmacht. Ich trotze jedem Wetter.

Trotzdem muss ich zu Hause bleiben und lege mich erst einmal schlafen. Nach langweiligen Stunden kommt endlich wieder Bewegung in die Wohnung. Wir dürfen endlich wieder raus. Auf der Straße darf ich aber nicht wie sonst von der Leine. Wir werden zum Auto geführt und dann steigt ein anderer Rüde aus. Ich darf nicht schnüffeln, wir werden zügig weiter geführt. Zwischendurch möchte ich dann doch mal den anderen Rüden zwicken. Werde aber durch den zügigen Schritt von Frauchen daran gehindert. Ich glaube der andere denkt auch so. Dann laufen wir beide nebeneinander auf einer Seite. Er riecht schon sehr komisch der Neue. Irgendwie ein wenig nach Hundepippi. Oder sollte ich sagen, er stinkt ganz gewaltig nach Pippi.

Ein wenig ist ihm das peinlich. Was soll ich sagen, das wäre es mir an seiner Stelle auch. Wie kann man so stinken? Wie ein Penner. Er meint, er kommt aus einem Heim und ich sollte mal so viele Jahre so leben, immer in einem Zwinger und irgendwann drückt die Blase so, dass er sich dann doch in seinem Zwinger erleichtert hat. Obwohl er schon immer, sobald er den Zwinger verlassen durfte, seine Blase vollständig entleert hat. Na ja.

Wir vermeiden es beide, bei diesem Spaziergang uns anzusehen. Beide schielen wir nur so aus dem Augenwinkel zum anderem rüber. Was ist das für einer, wie muss ich den einschätzen. Wer muss sich wem unterordnen. Alles so sehr wichtige Fragen, die wir so schnell nicht beantworten können.

Wieder zu Hause, wird der Neue erst einmal im Treppenhaus an das Treppenhausgeländer gebunden. Endlich Futter. Wir bekommen unser Futter an der gleichen Stelle wie immer. Der Neue frisst in der Küche. Wird mit einem Gitter von uns getrennt. Na, o.k.  Es riecht so, als wenn er auch nur Trockenfutter bekommen hat. Gut. Allerdings bekommt er, wie ich, einen Futterball und das restliche Futter wird in der Küche verteilt. Na gut, immer was neues. Ich bin schnell mit meinem Futter und schaue durch das Gitter zu. Anschließend wird Fleisch, zu gleichen Teilen, an uns verteilt. Der Neue hätte kein Fleisch gebraucht. Das kennt er doch gar nicht. Man muss nicht alles teilen.

Anschließend wird das Gitter geöffnet und der Neue fängt sich erste einmal an alles anzusehen. Ich bleibe ihm auf den Fersen und schaue nach, dass er keinen Unsinn macht. Schließlich habe ich hier die Verantwortung. Es kümmert sich ja sonst niemand. Allerdings bleibe ich im Hintergrund und schiele nur immer so zu ihm hin. Dabei sehe ich, dass er auch immer zu mir rüber schielt. Ein wenig vorsichtig beschnuppern wir uns erst einmal. Wenn wir im engen Flur aneinander vorbeigehen dann schaut jeder in eine andere Richtung. Nur nichts provozieren.

Am nächsten Morgen gibt es wieder einen langen Spaziergang, an dem ich nicht spielen und schnuppern darf sondern zügig an der Leine neben dem Neuen, der übrigens jetzt Puck genannt wird, laufen muss. Warum hat der jetzt einen neuen Namen? Das heißt doch meist, dass er etwas länger bleibt? Allerdings werde ich von Akira beruhigt. Es kommt kein dritter Hund auf Dauer zu uns in Haus.

Heute wird auch wieder mein Futter versteckt. Zuerst der Futterball und dann wird die leckere Wurst im Wohnzimmer plaziert. Die beiden anderen bekommen sie als Leckerli aus der Hand.  Dann gibt es Fleisch und anschließend werden nun immer alle Näpfe weg geräumt. Erst dann darf Puck aus der Küche raus.

Das mit der Küche finde ich ganz gemein. Wir beiden anderen dürfen nicht in die Küche. Und der Puckelmuck, der darf da drin sogar fressen.

Das Leben ist eine einzige Enttäuschung. Immerhin darf ich am Nachmittag mit Frauchen mit. Als einziger. Puck ist ziemlich angepisst. Macht nichts, er stinkt sowieso immer noch danach. Sollte der nicht mal gebadet werden?

So richtig viel Spaß macht es allerdings nicht. Es sind immer nur kurze Ausflüge aus dem Auto. Meist muss Frauchen arbeiten und ich muss im Auto warten. Dann gehen wir zu meiner früheren Familie. So richtig gerne gehe ich dort nicht mehr hin. Mein alter Kumpel ist nicht wirklich freundlich zu mir. Als ich die Wohnung betreten habe, schmeiße ich mich erst einmal auf den Rücken und warte darauf, dass er mir erlaubt aufzustehen. Anschließend geht er mit einem Knochen, den er vor mir in Sicherheit bringen will, erst einmal auf den Balkon. Ich sitze aber trotzdem lieber bei Frauchen auf dem Schoss.

Endlich gehen wir nach Hause. Zu Hause angekommen will ich freudig in die Wohnung laufen. Aber ein Zerberus stürzt sich auf mich und ich werde ordentlich gebissen.  So schnell kann ich gar nicht reagieren und bin froh, dass sich Frauchen einbringt und Puck am Kragen packt. Ich werde angemeckert! Weil ich wenigstens Puck auch mal zwicken möchte. Ich bin so verwirrt, dass ich tatsächlich aufhöre Puck zu attackieren. Der hat aber nicht gezwickt, die Bisse tun ganz schön weh. Um diesen rasenden Irren zu stoppen hatte Frauchen alles fallen lassen und ist auf den Po geplumpst, was nicht gerade zur Hebung ihrer Stimmung beiträgt. Puck wird am Schlawittchen gepackt. Zuerst schreit er in den höchsten Tönen, das erinnert mich an meine Quietschespielzeuge, und ich bin doch versucht, mal so nebenbei, dolle in seinen Hintern zu zwicken. Allerdings lasse ich mich von Frauchens strengem Verbot davon abhalten. Wenn sie schlechte Laune hat, sollte man besser nicht auf ihrem Schirm auftauchen.

Puck schießt mit seiner stärksten Waffe, die ihm, neben dem in die Hand beißen, bleibt. Er entleert seine Analdrüse auf Frauchens Hose, Hand und dem Teppich. Endlich riecht er mal gut. Eigentlich eine gute Idee, muss ich auch mal machen, wenn ich mal wieder Ärger bekomme. Das ist immer dann der Fall, wenn ich einen anderen Hund gezwickt habe. Da ich immer nur zwicke und nicht so wie dieser Puck richtig zubeiße, sollte es eigentlich eine Steigerung geben. Ist doch ungerecht, dass wir beide für unterschiedlich falsches Verhalten, gleich schwer bestraft werden. Puck muss sich nun hinlegen, und ganz schön lange. Das zeigt, dass Frauchen ganz schön sauer ist. Er hat noch kurz überlegt, ob er Frauchen vielleicht in die Hand beißen soll, dann sich aber dagegen entschieden. Dafür hat er dann noch ein paar mal laut aufgeschrien. Da wir wegen des plötzlichen Angriffs keine Zeit hatten die Wohnungstür zu schließen, war das für alle Nachbarn bestimmt sehr interessant was bei uns so los ist.

Am Abend vorher hat Puck auf dem Teppich vor Frauchens Bett geschlafen. So richtig habe ich mich an dem nicht vorbei getraut. Man weiß ja nicht, ob er vielleicht erschreckt.

Diese Nacht hat er dann doch im Korb geschlafen. Er steht auf der einen Seite des Bettes. Und mein Korb auf der anderen Seite. So kommen wir gefahrlos aneinander vorbei. Also eigentlich. Wir schielen immer aufeinander, wenn wir aneinander vorbei gehen.

Puck hatte für den Tag die Nase voll und so verging der restliche Tag in rosaroter Langeweile.

Am nächsten Morgen dürfen Akira und ich wieder ohne Leine laufen. Mein Ball fliegt wieder und ich habe viel Spaß. Ich sehe zwar, dass Puck so langsam den schiefen Blick bekommt, das stört mich aber nicht. Er ist weiter an der Leine, natürlich. Er ist ja auch erst zwei Tage da.

Kurze Zeit später kommt uns mein Feind entgegen. Ich werde heran gepfiffen und muss an die Leine. Als ich zu Frauchen komme, natürlich sofort nach dem ersten Pfiff, ist Pucks Geduld überstrapaziert und er stürzt sich mal wieder auf mich. Ich nicht faul, aber so was von zurück. Ich bin außer mir. Puck wird in die Luft gehoben und damit meiner Rache entzogen. Bin aber noch so in Rage, dass ich mich sofort auf meinen alten Feind stürze. Lasse mich von dessen Besitzer aber davon abhalten, ihn öfter zu zwicken. Was eigentlich schade ist. Bestraft werde ich in jedem Fall.

Das alles hat ziemlich viel Getöse verursacht. Schließlich ist es erst 5.30 Uhr, öffnet sich so das eine oder andere Fenster und strafende Blicke treffen Frauchen. Sie schäumt vor Wut. Ich halte mich jetzt lieber etwas zurück und laufe ganz brav hinter Frauchen. Puck versucht. Er versucht dieses Mal erst gar nicht zu beißen, dafür schreit er umso lauter. Hätte ihm sagen können, dass dies Frauchens Laune nicht gerade hebt. Allerdings öffnet sich für ihn kein Fenster. He, he, das hat er jetzt davon.

Er dackelt nun etwas bedripst den restlichen Spaziergang vor sich hin.

Mittags gehen wir erst wieder zügig durch den Park. Als wir kurz stehen bleiben, bemerke nicht nur ich den schiefen Blick von Puck, den er mir zuwirft. Frauchen sieht ihn auch und stupst Puck sofort an. Er hat nun die Nase voll und geht einfach weiter mit uns spazieren.  Mich würdigt er keines Blickes mehr. Ich ihn auch nicht. Da kann er aber lange drauf warten, kann er da.

Nach jedem Spaziergang muss Puck erst vor der Tür sitzen und warten, bis das Futter fertig gemacht ist. Dann kommt er in die Küche und es wird ein Gitter vor die Tür geschoben. Er darf erst wieder raus, wenn wir alle aufgefuttert haben und die Näpfe weggestellt sind.

Wenn Frauchen geht, muss Puck in die Küche. Das Gitter wird vorgeschoben. So können wir uns sehen, kommen aber nicht zueinander. Eigentlich ist Puck ein wenig dusselig. Sein Trockenfutter wird in der Küche verteilt und er muss es suchen. Scheinbar hat er dazu keine Lust. Es liegt noch, ein wenig versteckt, jede Menge davon in der Küche rum. Als Frauchen mal wieder arbeiten ist, versuche ich in die Küche zu kommen. Ich springe also gegen das Gitter und es kippt ein wenig, fällt aber nicht. Das hat mich dann doch ein wenig verschreckt und ich lasse das Gitter jetzt in Ruhe. Wenn Puck von der anderen Seite dagegen springen würde, könnte ich Glück haben und das Gitter fällt in den Flur. Dann würde es nicht auffallen, dass ich versucht habe, in die Küche zu kommen. Aber nein, schon um mich zu ärgern, er ignoriert das Gitter und akzeptiert das Eingesperrtsein in der Küche. Blödmann.

Heute hat Frauchen eine super Idee. Wir fahren zum Spaziergang an die Havel. Ich tobe sofort los, Akira etwas langsamer hinterher. Puck hat heute eine Schleppleine dran.  Die heißt so, weil man eine ganze Menge Leine hinter sich herschleppen muss.Da heute der erste richtig warme Tag des Jahres ist springen Akira und ich sofort ins Wasser. Der große Puck, ha ha ist ein Feigling. Er steht am Ufer und traut sich nicht einmal zu trinken. Erst auf dem Rückweg taut er sich dann mal mit den Vorderpfötchen rein ins Wasser. Und ganz vorsichtig auch noch mit den Hinterpfoten. Was ist das denn für ein Weichei. Muss ihm mal zeigen wie das geht und stürze mich, hinter meinem Stock her, in die Fluten. Kaum komme ich mit meinem Stock wieder raus, greift sich Puck das freie Ende vom Stock und zieht daran. Also so leicht gebe ich meinen Stock nicht her. Und so zotteln wir ein wenig. Dann wird mir das aber doch zu aufregend und ich lasse den Stock lieber los. Renne zu Frauchen und frage sie, was ich jetzt machen soll. Frauchen streckt mir tröstend einen anderen Stock hin, den sie mir ins Wasser wirft.

 

Puck bekommt seinen Stock auch geworfen. Natürlich Weichei nur ans Ufer. Aber selbst den holt er nicht und so komme ich schnell aus dem Wasser und hole mir meinen Stock wieder, der viel schöner ist. Ist nämlich selber ausgesucht.

 

Puck erzählt:

1.Tag

Heute ist Dienstag und es steht der Höhepunkt des Tages auf dem Programm. Es gibt gleich Futter. Im Tierheim sind die Tage ziemlich gleich. Manchmal habe ich Glück und mein Gassigeher kommt mich zu einem Spaziergang abholen. Das ist leider nicht so oft, wie ich mir das wünsche. Manchmal kommen wir auf einen Hundeauslauf. Das geht aber nur, wenn keine Besuchszeiten sind. Zu hoffen, dass jemand kommt und sich für mich interessiert, habe ich aufgegeben. Nur weil ich es mir angewöhnt habe, ziehe ich noch jeden Tag in der Woche einen Strich an der Wand, um zu wissen, welcher Tag heute ist.

Ah, die Tür zum Flur öffnet sich, es gibt also Futter. Etwas früher als sonst, aber na ja. Wer meckert schon bei Futter. Eine fremde Frau kommt rein und sie schreit nicht, bei meinen beiden Kumpels, die auch im Raum sind: „ Och wie süß“, nein, sie hockt sich vor meinen Zwinger. Natürlich renne ich hell auf begeistert sofort hin und dann passiert etwas unglaubliches, sie kommt einfach rein. Hockt sich neben mich und macht mich an die Leine. Ich freue mich so, mir fehlen die Worte. Ein neuer Gassigeher. So ganz nebenbei bekomme ich auch ein Stück Hundewurst. Sie schmeckt himmlisch. Würde sie am liebsten lutschen, um länger etwas davon zu haben. Aber sie flutscht einfach so meine Kehle runter. Ich versuche mich an alles, was ich jemals über gutes Benehmen gelernt habe, gleichzeitig zu erinnern. Ich glaube, das gelingt mir auch ganz gut. Jedenfalls brauche ich nicht zurück und es sieht so aus, als wenn das kein Versehen wäre, sondern wirklich ich zu einem Spaziergang abgeholt werde. Leider kommt der blöde Maulkorb wieder ins Spiel. Die nette Frau will ihn mir einfach aufsetzten. Ich zeige ihr aber durch Wegdrehen des Kopfes, dass ich den gar nicht mag. Da legt sie ein Stück Hundewurst rein. Die darf ich mir rausnehmen. Dann kommt noch ein Stück rein und sie setzt mir den Maulkorb auf. Na gut, Hauptsache ein Spaziergang.

Draußen gehen wir den Weg entlang, den ich immer gehe, wenn ein Gassigeher kommt. Schnell erledige ich alles an Pfützen und Häufchen, was es zu erledigen gibt. Die Frau wundert sich, wie voll meine Blase ist. Na ja, im Heim muss jeder seine Blase sofort vollständig entleeren. Hier hat man keine 30 Minuten Zeit sein Revier zu markieren. Man weiß nie, wie lange so ein Spaziergang dauert.

Wir laufen zügig ein Stück und dann fangen wir an zu rennen. Gut, wenn sie wissen will, ob ich das kann. So viel Kondition wie sie habe ich auch.

Viel zu schnell sind wir zurück im Heim. Da sind auch schon wieder die Pflegerinnen. Ob die Frau jetzt öfter kommt? Aber obwohl meine Pflegerin schon die Hand nach der Leine ausstreckt, gibt die nette Dame meine Leine nicht ab. Ich gehe durch fremde Türen. Bin aufgeregt und gleichzeitig etwas ängstlich. Was passiert jetzt? Eine Ewigkeit stehen wir an der Rezeption. Es wird über Papiere gesprochen, die unterschrieben und getauscht werden. Die rettende Freiheit ist nur eine Tür entfernt. Ob ich einfach versuchen sollte zu entkommen? Aber nein, ich habe den blöden Maulkorb drauf. Also stehe ich gottergeben da und warte. Endlich geht es weiter. Wir gehen durch diese eine Tür und sind wieder an der frischen Luft. Wir sind wieder draußen. So ganz sicher bin ich mir nicht, ob ich vielleicht träume. Wie auf Wolke 7 schwebe ich zu einem Auto, springe hinein und werde angeschnallt. Der Leiter des Tierheims steht da und winkt und wir fahren los. Jetzt kommt der Moment, an dem ich aufwache und liege in meinem Zwinger. Aber als ich zu mir komme, bin ich immer noch in dem Auto und wir fahren.

Mir ist ganz schön warm hier und so befreie ich mich erst einmal aus dem Geschirr. Das kann ich, schließlich habe ich nicht umsonst den Ruf ein Entfesselungskünstler zu sein, ohne etwas zu beschädigen oder zu öffnen. Nur den blöden Maulkorb bekomme ich nicht ab. So lege ich  mich dann in den Fußraum schlafen. Oben, auf dem Sitz,  ist es mir zu warm. Und da das alles nur ein Traum sein kann, mache ich jetzt lieber die Augen zu und versuche so lange wie möglich den Traum festzuhalten.

Wir fahren ganz schön lange. Fast wären wir in den nachmittäglichen Stau gekommen. Nur flüchtig bedaure ich, dass ich noch immer kein Mittagessen bekommen habe. Egal, es scheint sich hier ein echtes Abenteuer zu entwickeln.

Endlich halten wir und die Frau steigt aus. Nanu und ich? Und weg ist sie. Nach einer gefühlten Ewigkeit, mir wurde schon ganz blümerant ums Herz, kommt sie mich holen. Zügig werde ich aus dem Auto geholt und muss nun neben einem anderem Hund herlaufen, den ich vorher gar nicht bemerkt hatte. War viel zu aufgeregt. Der Kleene hält sich ständig die Nase zu und schielt entsetzt zu mir rüber. Zwischendurch versucht er mal mit mir Kontakt aufzunehmen, was aber nicht gelingt, weil wir zu schnell laufen.

So viel bin ich schon Ewigkeiten nicht mehr gelaufen. Dann halten wir an und wir dürfen aneinander schnüffeln. Etwas befangen stehen wir beide da und wissen nicht, wo wir zuerst schnüffeln sollen. Dann gehen wir wieder weiter. Nach einiger Zeit gehen wir in das Haus und vor einer Wohnung werde ich an das Treppengeländer gebunden. Eine wunderschöne, etwas betagte Hündin kommt raus um mich zu begrüßen. Sie stellt sich vor und meint, dass sie Akira heißen würde. Der etwas verschreckte Kleene da wäre übrigens Enrico.

In der Wohnung höre ich vertraute Geräusche. Endlich scheint es Futter zu geben. Wusste gar nicht, wie hungrig ich bin. Die beiden anderen fressen schon, ich werde ich die Küche geführt, der Maulkorb wird endlich entfernt und ich bekomme vor Aufregung fast nichts runter. Zwischen den anderen Hunden und mir steht ein Gitter. Ich kann die anderen beiden sehen, wir sollen aber in Ruhe unser Futter fressen. Wer hat an so einem aufregendem Tag schon Ruhe zu fressen. Irgendwie ist mein Napf dann doch leer geworden. Nun gibt es diese leckere Hundewurst und anschließend gekochtes Fleisch. Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich so etwas leckeres zuletzt gegessen habe.  Unglaublich gut.

Anschließend wird das Gitter entfernt und ich kann mir die Wohnung ansehen. Enrico immer hinter mir her. Wenn ich umdrehe, schauen wir immer aneinander vorbei. Keiner traut sich den anderen anzusehen. Nur nicht provozieren.

Die Dame sagt, ich darf Frauchen zu ihr sagen und sie zieht sich in das Schlafzimmer zurück. Meine beiden neuen Kumpels legen sich in ihre Körbe und ich lege mich auf den Teppich, direkt vor das Bett. Nicht, dass hier etwas passiert und ich bekomme das nicht mir.

Irgendwann stehen wir alle auf und es wird wieder eine Gassirunde gedreht. Anschließend gibt es wieder Futter. So kann es bleiben.

Langsam wird es dunkel und nun gehen wir alle schlafen. Der Tag war aufregend genug. Ich schlafe ohne mich einmal zu rühren durch. Genau vor dem Bett, auf dem Teppich.

 

2.Tag 

Am nächsten Morgen, es ist noch dämmrig, gehen wir wieder in den Park. Ich leider immer noch an der normalen Leine. Enrico nervt mit seinem Spielzeug und meine Nerven sind noch deutlich angespannt. Es ist alles so neu und schön und doch irgendwie beunruhigend.

Nicht das ich wieder ins Tierheim zurück möchte, Gott bewahre, ich bin nur die Regelmäßigkeit der letzten Jahre gewöhnt. Nun ist plötzlich alles anders. Ich bin den ganzen Tag mit zwei anderen Hunden zusammen.  Der hibbelige Kleene geht mir gewaltig auf die Nerven. Werde ebenfalls ganz hibbelig. Möchte mir eigentlich, neben jeder Menge Schmuse Einheiten erst einmal alles hier in Ruhe ansehen. Geht aber nicht, der Kleene macht dicken Wirbel und wenn er sein Spielzeug jagt, quietscht er auch noch. Das erweckt nun wieder meinen Jagdtrieb und ich würde Enrico gerne einmal zwicken.

Die Gelegenheit ergibt sich bald. Frauchen fährt mit Enrico weg und ich lege mich zu meiner neuen Freundin Akira schlafen. Ein bisschen Ruhe tut nach der ganzen Aufregung ganz gut.

Endlich kommen die beiden wieder. Als Enrico durch die Tür will kann ich nicht anders, ich muss mich auf ihn stürzen. Was will der hier? Dachte ich bin den los. Frauchen plumpst gegen die Wohnungstür und kommt auf dem Fußboden zum sitzen. Dabei hat sie mich festgehalten. Ich bekomme Todesangst und schreie, was das Zeug hält. Aber es passiert nichts weiter? Zitternd bleibe ich liegen. Frauchen ist böse auf mich, ich merke es genau. Aber das kann doch mal passieren, dass man einen Eindringling vertreiben will und versehentlich den Falschen erwischt. Jetzt hat sie doch mich, da braucht sie doch den kleinen Hibbelfritzen nicht mehr. Der kann auch mal eine gewisse Zeit im Tierheim sitzen. Aber gut, aber gut, jetzt habe ich verstanden. Ich darf keinen anderen Hund beißen. Mache ich nicht mehr. Versprochen. Geknickt schleiche ich in den Hundekorb. Ist schön so einen Korb zu haben, so groß und so kuschelig. Das ist ganz allein meiner. Da geht keiner von den anderen beiden rein. Herrlich!

 

3.Tag 

Am nächsten Morgen stehen wir wieder alle um 5 Uhr auf. Also an die Uhrzeit kann ich mich gut gewöhnen. Frauchen geht immer erst unter die Dusche. Also dieser Sauberkeitsfimmel der Menschen ist aber schon irgendwie lästig. Dann werden die Käsehäppchen geschnitten und los geht es.

Ich laufe sehr brav an der Leine. Also ich will ja nicht petzen oder über andere schlecht reden, aber der Kleene zerrt und zieht an der Leine, da sollte Frauchen doch noch mal ein wenig nachbessern in der Erziehung. Aber ich hab nichts gesagt.

Im Park angekommen, dürfen alle von der Leine,  nur ich nicht. Versuche hinter Enrico her zu rennen. Werde aber von der Leine ausgebremst. Ich möchte auch!

Der Ball fliegt, Enrico rennt und ich schaue lieber nicht mehr hin. Viel interessanter sind die Vögel. Also pirsche ich mich langsam ran und schwupps, erst ist der Vogel weg und dann auch noch die Leine zu Ende. Also fange ich ein wenig an meiner zweit liebsten Beschäftigung nachzugehen, Buddeln. Hier riecht es so schön nach Mäusen und Ratten. Und der Boden ist so schön weich. Ich bin dicht dran und werde schneller, da wird abgepfiffen.

Eines habe ich gelernt, wenn gepfiffen wird und wir kommen, dann gibt es für jeden ein Stück Käse oder Hundewurst. Ich komme natürlich immer sofort. So nah war der Duft der Mäuse dann doch nicht. Zumindest war der Duft des, heute gibt es Käse, stärker.

Mach ein ganz sanftes Gesicht. Das kann ich gut. Dazu wedele ich noch mit dem Schwanz. Aber ich werde nicht abgeleint. Schade. Ich arbeite an dem Projekt „Leine los“.

An einer Stelle im Park werde ich immer an einem Baum angebunden. Verschiedenes Spielzeug fliegt in verschiede Richtungen für Enrico und dann muss er „Platz und bleib“ machen. Dann kommt Frauchen zu mir. Ich muss „Sitz und bleib“ machen und  es werden Käsewürfel im Umkreis meiner Leine versteckt und dann komme das Kommando „such“ bzw. „hol“. Wir beide nichts wie los. Akira holt sich in der Zwischenzeit den einen oder anderen Hundekeks von Frauchen ab.

Enrico muss sein Spielzeug nach dem Namen suchen, ich muss meinen Käse nicht nach dem Namen suchen. Allerdings schummelt Enrico. Er nimmt auch schon mal das falsche Spielzeug, sieht dann, dass Frauchen sich weg dreht, lässt es dann fallen und nimmt sich dann das richtige Spielzeug. Er findet es völlig überflüssig etwas anderes als seinen heißgeliebten Ball zu holen. Das ganze andere Spielzeug, es nach dem Namen, also in der Reihenfolge zu suchen, findet er blöd. Hält nur auf. Aber wenn es unbedingt sein muss.

Dann ist endlich wieder alles eingesammelt, ich habe den ganzen versteckten Käse gefunden und von mir aus, ja, also von mir aus könnten wir jetzt weiter gehen. Aber Enrico ist noch nicht fertig. Jetzt kommt erst noch einmal der Ball allein dran. Ich schaue vorsichtshalber noch einmal nach, ob ich ein Käsestück übersehen habe. Aber nein, leider nicht. Also, ich will ja nicht meckern, aber ein wenig mehr Käse könnte Frauchen schon verstecken. Wenn ich doch hier so lange warten muss, menno!

Enrico muss seine Kunsstückchen absolvieren. Ball wird geworfen. Enrico muss liegen bleiben. Enrico wird geschickt, wird aber kurz vor dem Ball abgepfiffen, Enrico muss den Ball liegen lassen. Rennt zu Frauchen zurück, macht „Fuß“ und „Platz“  und wird wieder geschickt. Das dauert alles immer ganz schön lange. Und ich stehe hier kurz vor dem Hungertod. Akira bekommt die Hundekekse rein gestopft und was ist mir mir? Ich stehe hier angebunden und wedele mal so ein wenig erwartungsfreudig mit dem Schwanz. Aber nichts passiert. Ich muss warten bis das Spiel beendet ist. Herr schenke mir Geduld und das sofort.

Am Kai hat ein Schiff festgemacht und wartet auf irgendetwas. Wir stehen also auf unserer Wiese rum, Akira mampft, Enrico düst dem Ball hinterher und ich stehe und langweile mich. Da kommt auf dem Schiff ein anderer Hund zum Vorschein und fängt mal an uns ein „Hallo“ rüber zu bellen. Oh, wie schön, endlich passiert was, ich fange an mich mit dem fremden Kumpel zu unterhalten. Doch da bekomme ich eine Verwarnung. Ach, der Mund wird einem hier auch verboten. Na prima. Hatte ich erwähnt, dass ich, also ich nehme meine Aufgaben sehr genau, Geräusche im Treppenhaus hörte, dies durch Bellen anzeigte, verwarnt wurde? Also Bellen darf man hier in geschlossenen Räumen nicht. Im Freien aber auch nicht. Also, ich meine damit in erster Linie den Hinterhof und dann hier im Park oder im Wald. Habe versucht Frauchen zu erklären, dass dies, neben Mäuse und Rattenjagd, mein Job ist. Aber nein, ist verboten. Dann eben nicht. Muss ich nicht machen. Nein, wirklich nicht. Belle ich eben nicht mehr. Also ich, ja, ich kann schweigen. Mhpf!

Auf dem Weg nach Hause sieht Frauchen noch ein Grannenfeld, lässt die Leine locker und fängt an diese fiesen Kräuter mit Stumpf und Stiel auszurupfen. Ich schnüffele mal so ein wenig rum, da steigt mir ein köstlicher Duft in die Nase. Eine Kothaufen, wie herrlich, von einem Menschen. Zuerst überlege ich, ob ich ihn auffresse. Aber nein, ich möchte auch Frauchen mit dem köstlichen Duft betören und wälze mich genussvoll darin. Einmal die Schulter rundum. Stolz komme ich zu Frauchen zurück. Die rümpft allerdings die Nase, sie meint ich stinke. Jetzt weiß ich auch, was damit gemeint ist, wenn es immer heißt, dass Menschen einen schlechten Geruchssinn haben.

Am See soll ich Platz machen, die frisch gerupften Büschel sollen nun das gröbste meines herrlichen Kotschmuckes abwischen. Dazu soll ich am Ufer Platz machen. Im feuchten Sand, ich? Ist die Frau irre? Das mache ich nicht. Frauchen hält mich fest. Und so langsam bekomme ich Angst und versuche mal so ein wenig in die Hand zu kneifen, die mich da am Wickel hat. Das führt aber nur zu nun auch noch einer mündlichen Verwarnung und so lege ich mich dann so halbwegs freiwillig auf den feuchten Boden. Traurig muss ich es zulassen, dass meine köstliche Kot -Panade abgewaschen wird. Als sie fertig ist rieche ich immer noch ein wenig. Für meine Nase reicht es noch gut aus.

Zu Hause muss ich vor der Wohnungstür warten und werde gleich dort mit Shampoo eingeseift. Anschließend werde ich zum ausspülen in die Wanne gesetzt. Also in Zukunft werde ich das lieber auffressen, dann kann mir das niemand mehr wegnehmen. Menschen zu verstehen ist manchmal schwer.

Nach dem Spaziergang gibt es wieder Futter, dann wird Käse versteckt und dann gibt es noch einmal Fleisch im Napf. Mhhh! Käse suchen macht auch Spaß. Futterball, na ja. Das muss schneller rausfallen, dass Futter. Da nun ewig hinterher rennen, wie das der Kleene mit seinem Futterball macht, ist mir zu langweilig. Da verliere ich schnell die Lust. Dann holt sich Enrico den Ball und spielt damit, bis er endgültig leer ist. Der und seine Bälle.

 

4. Tag

Normalerweise gehen wie in den Park. Heute gehen wir aber in eine andere Richtung. Egal, Hauptsache laufen. Fast alles Straße und Enrico und ich sind fast die ganze Zeit  an der Leine. Bei fremden Hunden werde ich nun näher ran genommen. Ich bin nicht gut auf all die anderen fremden Hunde zu sprechen. Sollen mir ja nicht zu nah kommen. Ansonsten darf ich an der Flexileine, so weit sie reicht, laufen.

 

Unser Weg endet vor dem Hundefleischer. Hier riecht es wie im siebten Himmel. Oder ist das schon der Himmel? Dann kommt für jeden von uns ein Stück angeflogen. Das habe ich zuerst gar nicht mitbekommen. Da liegt plötzlich, wie vom Himmel gefallen, ein leckeres Stück vor mir. Kühl und überaus köstlich. Die beiden anderen haben es schon gefressen und werfen begehrliche Blicke auf meine Köstlichkeit. So versuche ich vorsichtig mir dieses Stück Fleisch einzuverleiben.

Zuerst langsam und genussvoll, dann doch etwas schneller. Irgendwie habe ich das dann doch ziemlich schnell verputzt. Schade, gibt es einen Nachschlag?

Unser Hundefleisch wird gekauft und dann werden noch als Leckerbissen Schulterblätter für jeden gekauft.

Das Fleisch kommt in den Kühlschrank, die Schulterblätter liegen zum temperieren, lecker vor sich hinduftend, in der Küche und ich bin der einzige, der die Küche betreten darf. Ich lege mich unter diese Köstlichkeiten und träume, dass ich sie alle ganz allein essen darf.

Später am Tag bekommt jeder sein Stück. Ich das Kleinste Stück, weil ich so langsam fresse, ist die Begründung. Gemein, ist das, richtig gemein. Am Ende habe ich mein Stück vertilgt und die anderen sind noch am futtern. Dann wird ihnen jeweils ihr Stück weggenommen. Ha! Das haben sie jetzt von ihrem großen Getöne.

Angeblich ist das für den nächsten Tag. Na, mal sehen. Muss ich dann zusehen, weil ich mein Stück schon aufgefuttert habe?

 

5. Tag

Der Samstag kommt und mir wird gleich erzählt, dass dies Frauchens Sporttag ist. Ach, ist das Laufen kein Sport, was wir hier jeden Tag machen?Möchte nicht rechthaberisch sein und warte erst einmal ab. Nach dem langen Morgenspaziergang mit lauter überflüssigem Bälle werfen geht es schon wieder vor die Tür. Diesmal zum Bäcker. Es wird ein Croissant gekauft.

„Ist das für uns? Wir kommen alle einen langen Hals.“ Wir sind alle vor dem Laden angebunden. Könnte sein, dass hier ganz furchtbar etwas schief läuft. Die beiden anderen verdrehen nur die Augen. Also muss ich mal wieder aktiv werden. Ich bin an der Flexileine angehängt und laufe erst einmal los um den Laden zu erkunden. Frauchen meint, ich soll wieder raus gehen. Dachte so, „dann geh doch selber raus.“ Ich würde mir hier auch gerne etwas aussuchen. Gibt es aber nicht. Ach so gemein ist das hier also. Die leckersten Düfte und alles nur für Menschen.

Im Treppenhaus muss ich nun nicht mehr warten. Ich habe Enrico schon eine ganze Weile nicht mehr gebissen. Mein gutes Verhalten wird belohnt. Ich darf nach den anderen beide in die Wohnung. Ach so. Aber Enrico ist zu manchen fremden Hunden auch ganz schön frech und wird vorher immer an die  Leine genommen. Er kann  nicht anders, er muss sie wenigstens anknurren. Viel lieber würde er sie aber zwicken. Und der darf fast immer frei laufen und ich nicht. Gemein ist das.

„Pscht!“ Meint Enrico.

 

6. Tag

Heute ist Sonntag und wir fahren wieder Auto. Ich bin dolle aufgeregt. Wo geht`s hin?

Wir fahren ein ganzes Stück durch den Wald und kommen an eine abgelegene Stelle. Die beide anderen rennen los und sind erst einmal verschwunden. Akira um ihr großes und kleines Geschäft in aller Ruhe zu verrichten und Enrico um Spuren zu finden. Ich versuche ebenfalls gleich los zu spurten. Scheitere aber irgendwann an der Flexileine. Da ruft mich Frauchen zu sich. Zuerst bekomme ich einen Belohnungskeks und dann werde ich abgeleint. Ich renne durch den Wald ohne Leine. Wann durfte ich das zuletzt? Egal, nicht denken, rennen. Frauchen ruft und ich drehe um und renne zu ihr. Ich werde gelobt und darf wieder rennen. Und so geht das immer weiter in den Wald hinein. Enrico rennt mit und ich versuche ihn zu überholen. Schließlich hat er kürzere Beine als ich und ich muss einfach vorne sein. Akira lässt es langsam angehen. Da sie nicht mehr so gut hört und sieht will sie auf keinen Fall zu spät kommen, wenn Hundekekse verteilt werden. Zwischendurch  schaut sie Frauchen fragend an, ob es nicht schon wieder Zeit ist für einen Hundekeks ist. Mir sind die Kekse egal. Ich möchte einfach nur rennen.

Es kommt uns ein Radfahrer entgegen. Eigentlich sollten doch alle wissen, dass mich so etwas nicht interessiert. Aber wir werden alle heran gerufen und gehen ein Stück in den Wald um möglichst viel Platz zwischen dem Radfahrer und uns zu haben.

Dann geht es weiter. Wer noch nie den Duft von frischem Waldboden gerochen hat, der hat nicht wirklich gelebt.

Als uns eine Gruppe von Menschen entgegen kommt, drehen wir ab und gehen zurück. Also, so langsam könnte Frauchen mal Vertrauen zu mir  haben. Ich beiße nicht!

Leider sind wir dann viel zu schnell wieder am Auto und fahren nach Hause.

 

7. Tag

Als echter Frühaufsteher bin ich schon wach wenn Frauchen sich regt. Unter der Woche ist es immer um 5 Uhr in der Früh. Akira meint, früher konnte es auch nicht früh genug für sie sein, heute würde sie gern etwas länger schlafen. Aber nach dem Spaziergang gibt es Frühstück und dann legt sich die alte Dame wieder hin und schläft weiter. Kann nicht verstehen, wie jemand so viel schlafen kann. Sie meint dann nur ganz lakonisch: „So wird es Dir auch einmal gehen.“

Inzwischen darf ich morgens auf der Wiese immer meine Runden drehen und ein wenig ohne Leine rennen. Damit es für mich etwas länger dauert, gehen wir einmal um die Wiese herum. Dann muss ich wieder an die Leine. Frauchen meint immer, dass es ihr zu aufregend wäre, wenn ich länger frei ohne Leine laufen würde. Und dann kommen dann vielleicht andere Menschen und vielleicht auch noch andere Hunde. Sie meint „Gott bewahre.“ Ich weiß jetzt nicht so genau, was das heißen soll, bin aber ein wenig beleidigt. Ich bin ein sehr lieber verträglicher Hund.

Anschließend muss Frauchen weg. Eine Wohnung muss geräumt werden. Enrico darf mit. Sie meint, dass ein Hund als Trost dabei sein muss, weil es einfach deprimierend ist, die Reste eines Lebens zu sortieren und nach – ist noch zu gebrauche,, ist zu verschenken, ist für den Müll – einzuteilen.

Als die beiden wieder kommen, frage ich Enrico wie es war. Er meint, es roch ganz interessant. Vielleicht war der Schimmelgeruch bei den Lebensmitteln etwas stark. Selbst Frauchen hat sich darüber beschwert und sofort erst einmal ein paar Säcke Müll in die Mülltonne gebracht. Anschließend sind wir durch die verlassene Wohnung gegangen. Nun haben wir Hunde eine sensible Ader und können Emotionen erspüren, hier jedoch war die Trauer und Verzweiflung so stark zu spüren, dass selbst Frauchen ganz betroffen war.

Wir sind dann auch ziemlich schnell wieder gegangen. Nur eine Bestandsaufnahme, was muss renoviert werden, wieviel muss auf den Sperrmüll, wie viel Handwerker und vor allem welche Gewerke brauchen wir und dann nichts wie raus hier. War dann doch ganz froh, dass ich nicht mit war. Verzweiflung und Trauer hatte ich bei mir selbst und bei anderen Hunden oft genug gespürt. Ich möchte jetzt in eine glückliche Zukunft durchstarten. Das meint Akira auch zu mir. Heute geht es Dir gut und das ist alles was zählt. Recht hat sie.

 

Tag 8

Jeden Tag freue ich mich nicht nur auf die weiten Spaziergänge sondern vor allem an die Phasen ohne Leine. Einmal wollte ich sie allein etwas ausdehnen und habe meine Ohren auf Durchzug gestellt. Da wurde aber Frauchen richtig sauer, kam hinter mir her und hat mich sofort an die Leine genommen. Danach war mit jeder Form von Spaß für den restlichen Spaziergang sense. War keine gute Idee. Aber wenigstens probiert haben wollte ich es einmal.

Seit über eine Woche laufe ich jeden Tag zwei mal über eine kleine Holzbrücke. Die ersten Tage waren so aufregend, da bin ich da einfach drüber gelaufen. Konnte auf nichts anderes achten als auf die wechselnde Umgebung, die wechselnden Gerüche und die wechselnden Begegnungen. Meist mit den verschiedenen Vögeln, aber auch manchen Hunden  oder Menschen. Nun ist das Neue nicht mehr ganz so neu. Zuerst bemerkte es Enrico auf dem Rückweg nach Hause, wenn ich nicht mehr ganz so voller Energie war, dass ich vorsichtiger lief und immer nach unten schnüffelte. Inzwischen habe ich nun auch auf dem Hinweg damit angefangen. Akira habe ich erklärt, dass in den Nachrichten immer kommt, welche Brücke saniert werden muss. Eine muss sogar ganz abgerissen werden. Und wenn die alle mit der Brückensanierung so viel zu tun haben, dies an allen Brücken aber eher zufällig entdeckt worden ist – angeblich wegen Genua ( was das auch immer heißt, das konnte mir Akira auch nicht erklären ) – dann ist doch so eine kleine Brücke vielleicht ganz unentdeckt baufällig und ich stürze rein, bin an der Leine, kann deshalb nicht an das Ufer schwimmen und ertrinke. Das ist auch der Grund, weshalb ich, aber nur an warmen Tagen, nur mit den Pfötchen ins Wasser gehe. Nicht dass da noch eine Monsterwelle kommt und zieht mich ins offene Wasser.

„Puck, das sind Flüsse und Seen, da kann man nicht aufs offene Wasser gezogen werden. Komm mal mit an die Riviera, da war ich jetzt schon zwei mal. Um meinen Stock zu holen bin ich zu weit rein und eine Welle hat mich erst überrollt und mir dann auch noch die Pfoten weg gezogen. Oder umgekehrt.“

„Weißt Du Enrico, Deine Angeberei immer. Ich sage doch, ich gehe nicht weit rein, damit ich nicht von einer Welle überrollt werde.“

„Am Wannsee? Das sind doch keine Wellen, das sind Wellchen.“

„Ich wehre den Anfängen.“

„Blödmann!“

„Angeber!“

Nachdem das geklärt war, ging jeder seiner Wege. Gelegentlich kreuzten sich unsere Wege, ich schüffelte dann an Enricos Schnute, wie um zu erfahren, ob er etwas Interessantes zum Fressen gefunden hat oder um die Losung abzufragen.

Wir beiden Rüden akzeptieren uns. Lieben, ja lieben tun wir beide nur Akira, die mit ihrer souveränen Art uns beiden Sicherheit und Ruhe vermittelt. Enrico ist, schon aus Rasse und aus Altersgründen ein Hibbelfritze und ich bin ein Stress anfälliger kastrierter Rüde, der sich dann leicht überfordert fühlt. Und getreu dem Motto erst schießen und dann fragen wer da ist, auch lieber erst zu schnappt und dann erst schnüffelt. So läuft alles unter dem strengem Blick von Frauchen ab, die, sollte ich mal wieder von Enrico genervt sein, mich nur streng anzusehen braucht und ich weiß eigentlich gar nicht mehr, was ich gerade noch machen wollte. Also gut, ich weiß es noch. Ich wollte Enrico zwicken. Lasse es aber lieber. Frauchen wird sonst sauer. Muss ich nicht haben. Bekomme dann Ärger. Ist nicht schön.  Wirklich nicht.

 

Tag 9 

Jeden Morgen darf ich nun auf der Wiese ein Stück ohne Leine laufen. Vorher schaut sich Frauchen aber um, ob kein anderer Hund oder Mensch da ist. Also als wenn ich mich auf jeden Hund oder Menschen stürzen würde. Ph!

An einer bestimmten Stelle werden wir dann heran gepfiffen und ich muss wieder an die Leine.

Heute sind wir an einer Stelle vorbei gegangen, da standen lauter Buden. Soll ein Straßenfest sein. Es hatte natürlich um diese Uhrzeit noch geschlossen. Um die Buden herum lag jede Menge Müll. Das eine oder andere hätte mich schon interessiert. Vorhin hatte ich etwas Interessantes gefunden, es genüsslich gekaut, zwar eine Geräuschkulisse im Ohr gehabt, mich aber nicht angesprochen gefühlt. Man soll doch nicht reden wenn man isst. Hat jedenfalls meine Mutter immer gesagt.  Das wäre unhöflich. Also habe ich es erst abgeschluckt und dann geschaut, was es so gibt. Und dann habe ich gSchimpfe bekommen. Weil ich nicht „Aus!“ gemacht habe. Also, was soll denn so etwas. Die Menschen lassen alles fallen, wo sie gerade gehen oder stehen und ich darf die guten Reste nicht verwerten. Das ist Futterverschwendung. Als nächstes hat es Akira getroffen. Sie hatte eine Stelle mit leckeren Pommes Frites gefunden und wollte sich gerade darüber her machen. Also hat diese Frau ihre Augen eigentlich überall?  Akira war so klug und hat die Idee diese Köstlichkeiten, die da vor ihr auf dem Boden liegen, zu fressen, sofort aufgegeben und ist mit Todesverachtung  daran vorbei gelaufen. Ich war je leider an der Leine. Aber als ich wieder etwas Leckeres gefunden habe und gerade versuche es einzuatmen, da kommt wieder diese verfluchte „Aus!“ und ich habe es sofort ausgespuckt. Dafür wurde ich dann gelobt. Na gut, auch nicht schlecht.

Auf dem Rückweg haben wir dann zwei Herren mit ihren liebreizenden Hündinnen getroffen. Enrico nichts wie rüber und vor Verzückung gequietscht wie ein Quietschetier. Natürlich wollte ich auch hin. Schließlich kenne ich die beiden Damen schon recht gut. Durfte aber nicht. Also ein wenig mehr Vertrauen muss man so langsam aber zu mir haben – oder?

 

Tag 10

Mittags fahren wir jetzt immer irgendwohin in den Wald. Sind keine Menschen oder andere Hunde da, dann darf ich frei laufen. Bei diesen Spaziergängen haben wir alle immer viel zu tun. Ich schnüffele nach Mäusen, werde ich zu aufgeregt, kommt Enrico sofort angerannt und will mitmachen. Kameradschaftlich teilen wir uns auf  und versuchen den kleinen flinken Mäuschen den Weg abzuschneiden. Leider haben wir noch keines erwischt. Sind sie weg, gehen wir wieder  jeder unseres Weges. Enrico jagt Käfer, kann ich nichts Interessantes dabei finden, und ich versuche zu erschnüffeln, wer hier noch so alles vorbei gekommen ist.

Zu Hause gibt es für alle Mittagessen. Dann ist Verdauungspause. Während wir ruhen unterhalten wir uns oft.

„ Da ist doch diese Zwangsräumung.“

„Du meinst die, über die Frauchen so traurig war, weil sie meinte, dass sie da in einer verlassenen Wohnung vor den Scherben eines Lebens steht?“

„Genau, was können wir ihr denn da raten. Sie muss doch wieder rein, alles raus, was da noch so drin steht, um dann die Wohnung für die Neuvermietung zu sanieren.“

„Was willst Du denn da raten?“

„Man könnte vielleicht sagen, dass der Mann mal für einige Zeit in ein Tierheim gesperrt werden sollte.“

„Puck mal wieder.“

„Mein lieber Puck, für Menschen heiß das Psychatrie  und hat es Dir da so gut gefallen?

„Der Mensch hätte dann wenigstens Struktur und einen geregelten Tagesablauf. Täte ihm vielleicht ganz gut. Also wenigstens mal für eine Weile.“

„Hat es Dir gut getan?“

„Nö, bin auch kein Mensch und so ein Tierheim haben sich doch Menschen ausgedacht. Da muss es doch für etwas gut sein.“

„Um Tiere, die keiner mehr will, irgendwo unter zu bringen.“

„Was heißt hier, keiner will, mich wollte man schon, nur so richtig kamen sie nicht mit mir zurecht. Also irgendwie konnten sie meine Hundesprache nicht richtig lesen. Das hatte mich dann verunsichert und aus dieser Unsicherheit heraus ist es eben manchmal suboptimal gelaufen.“

„Suboptimal, lach mich Tod. Würde sagen, ziemlich mies.“

„Ich zwick Dich gleich.“

„Trau Dich!“

 

Tag 11

Auf unseren Spaziergängen an der Havel kommen wir an mehreren Badestellen vorbei. Lockerer weicher Sand lädt zum Rennen und Toben ein. Enrico fängt dann gern an zu buddeln. Ich, wieder an der Flexileine, weil Menschen in der Nähe, will mitmachen. Leider komme ich mit meiner Leine unter Enricos Schwanz. Das kann er aber gar nicht leiden. Er fängt an zu knurren und fährt herum zu mir. Ich nicht faul, auf ihn mit Geknurre. Habe ihm das Ohr getackert. Frauchen versucht mich zu greifen. Geht nicht, zu wenig Fell. Also werde ich an der Leine nach oben gezogen. Leine reißt ein und fast durch. Enrico nicht faul, nun wieder frei, schnappt sich mein Bein, das so vor ihm in der Luft hängt, also mit mir zusammen. Nur meine Schnute ist leider zu weit oben, so dass ich ihn nicht mehr erwische. Er erwischt aber mein Bein und tackert einmal richtig rein. Dann werde ich gepackt und als ich wieder aufstehen durfte, tat das Bein so weh, dass ich erst einmal nur auf drei Beinen stehen kann. Dafür steht Enrico nun  mit schiefem Kopf da, weil ihm das Ohr so weh tut. Frauchen ist sauer und Akira ebenfalls. Der Spaziergang wird nun ohne weitere Keksverteilung und ohne weitere Pausen zügig beendet.  Dass ich noch den ganzen restlichen Tag gehumpelt habe brachte mir allerdings kein Mitleid ein. Enrico hat dafür noch mehrere Tage den Kopf schief gehalten und immer wieder den Kopf geschüttelt. Gut so. Er hat angefangen. Ich wollte mich nur verteidigen.

 

Tag 12

Heute fahren wir Mittags wieder in den Wald. Prima. Die Stelle an der die Mäuse leben kenne ich schon und renne als erstes sofort dorthin. Leider sind heute an diesem warmen Tag sehr viele Menschen unterwegs. Wir drehen also wieder um.

„Das war jetzt aber keine Stunde.“

„Macht nichts, dass wird an einer anderen Stelle dran gehängt.“

Zuerst fahren wir aber mal zu einer netten alten Dame, die uns mit leckeren Keksen füttert, Decken ausbreitet und vor allem mich streichelt. Enrico hat zu tun und sammelt alles Spielzeug ein, was er von dem erst kürzlich verstorbenen Hund so findet. Nach einiger Zeit er sitzt auf der Lehne hinter Frauchen, das eine Stofftier neben dem anderen. Natürlich versucht Enrico auf die Couch zu springen und sich die Stofftiere wieder zu holen. Er wird aber sofort runter geschickt. Ich lege mich brav zu den Füßen dieser netten Dame ab und lausche im Halbschlaf ihren Gesprächen. Zwischendurch bückt sie sich runter zu mir um mich zu kraulen. Dann stehe ich immer sofort auf, damit sie besser ran kommt. Streicheleinheiten kann ich nicht genug bekommen, die haben mir in den letzten Jahren wirklich gefehlt.

Enrico rollt sich zu Frauchens Füßen ein und schläft nun auch. Fremde Menschen interessieren ihn nicht. Er hat das Versprechen, dass er immer bei Frauchen bleiben darf.  Glückskeks.

Weil wir so brav waren, dürfen wir auf dem Rückweg im Wald noch einmal richtig rennen. Jetzt ist es später Nachmittag und der Wald schön leer. Somit kommen wir zügig voran und haben so unseren Nachmittagsspaziergang gleich mit erledigt.

Abends gehen wir noch eine kurze Runde. Obwohl es noch hell ist mag ich dann nicht mehr wirklich laufen. Enrico düst immer, kaum ist er ab von der Leine, los, als hätte er Raketenantrieb. Ich bleibe gerne zögernd stehen und möchte lieber zurück. Auch die Begleitung von Akira kann mich nicht trösten. Wir haben den Deal, dass ich eine Pfütze gemacht haben muss und Akira ein Häufchen. Meine Pfütze geht schnell und dann stupse ich Akira an, sie soll hinne machen.

„Wenn Du mich drängelst und alle mir zuschauen, dann kann ich nicht.“

„Haste Angst, ich schaue Dir was ab? Nun mach schon, ich will wieder nach Hause.“

Endlich fängt sich Akira an in Position zu bringen, Frauchen sammelt ein und wir können wieder zurück. Auf dem Weg zum Haus wird aber jeder Mensch genau betrachtet und, bis wir vorbei sind genau beobachtet. Nicht, dass hier noch einer auf dumme Gedanken kommt. Da passe ich aber auf.

 

Tag 13

……