Pünktchen schreibt Tagebuch

Eine Freundin für Enrico

Pünktchen kam, nach einer über 10 Stunden dauernden Odysse in Berlin an. Sie kommt von unserem Partnerverein „Griechische Fellnasen e.V“, lebte ursprünglich auf der Straße und wurde, als 7 ihrer Geschwister durch Menschenhand verschwanden, zusammen mit 1 Schwester in der Notstation aufgenommen. Da die Notstation für Straßenhunde laut Anweisung der Stadt Xanthi aufgelöst werden musste, kam sie nun auf eine Pflegestelle.
Eigentlich heißt sie Jane. Aber da sie so zuckersüß ist, mit ihren großen Augen, schwarz umrandet, bekam sie von ihrer Pflegestelle sofort den Kosenamen „Pünktchen“. Sie ist eine etwas schüchterne Griechin.
Zur Sicherheit blieb sie erst einmal in ihrer offenen Transportbox. Am Morgen schwänzelte sie vorsichtig. Wollte allerdings lieber in der Transportbox bleiben. Vorsichtig wurde sie aus der Box gezogen.

 

Tag 1

„Nein, ich möchte nicht raus.“

“ Das ist schön, wir gehen jetzt spazieren, das macht richtig Spaß, Du wirst sehen. Übrigens, ich heiße Enrico.“

“ Ich heiße, verschwinde sonst gibt es Dickes.“

„Reg Dich ab, ich heiße Akira und bin hier die Chefin. Wenn Du Dich an die Regeln hältst, bekommen wir keinen Ärger.

Gut. Somit ist alles geregelt. Nur leider kenne ich die Regeln nicht und es steht immer noch ein Spaziergang an. Ein Kumpel hat mir erzählt, wenn ich mich ganz platt auf den Boden drücke und klein mache, dann bin ich unsichtbar. Also ich versichere euch, das funktioniert nicht. Jedenfalls hat mich die Tante gesehen und eine Hand unter den Bauch geschoben. Sie meinte ich sollte mal „pischern“. Was das auch immer ist, ich will das nicht. Halb zog sie mich zur Tür, halb trug sie mich. Dann kam die Treppe. Also wirklich, nö. Auf gar keinen Fall. Dann hat sie mich runter getragen. Also ich sage nur, furchtbar. Unten wurde ich abgestellt und versuchte es noch einmal mit dem Unsichtbarmachen. Tante meinte, wenn ich pischere, darf ich wieder zurück. Allerdings in die Höhle würde ich gern wieder gehen.

Wenn ich nur wüsste, was dieses vermalledeite Pischern ist.

So versprach Tante mir, dass wir nur ein kurzes Stück gehen würden und so zog sie halb, halb trug sie mich. Zog sie die Hand unter meinem Bauch weg, lag ich sofort platt auf dem Boden. Irgendwann bekam ich einen interessanten Duft in die Nase und schnüffelte dann doch mal. Wollte schließlich erfahren, wer hier alles so lebt. Die Hand wurde weggezogen. Dafür fummelte mir die Tante zwischen den Beinen rum und zog meine Rute vor. Die wurde nun hoch gehalten. Dafür war die Hand unter meinem Bauch weg. Aber angenehm fand ich auch das nicht. Dann, wie sollte es bei Menschen auch anders sein, fand die Tante, dass ich doch schon ganz gut laufe und wir nun doch einen richtigen Spaziergang machen könnten. So viel zu dem ursprünglichem Versprechen. Allerdings habe ich auch noch nicht dieses Pischern gemacht, sagt die Tante.

So sind wir dann doch gleich 90 Minuten gelaufen. Den Schwanz habe ich dann lieber hängen lassen und nicht mehr unter den Bauch geklemmt. Das Gefummel zwischen meinen Beinen war nun wirklich nicht schön.

Nach dem Spaziergang gibt es etwas zu Fressen. Nicht schlecht. Leider waren da so komische Kugeln drin. Akira meint, das sei Trockenfutter und wenn ich es nicht mag, dann würde sie das gerne noch übernehmen. Also erst einmal abwarten. So schnell gebe ich etwas Essbares nicht her. Aber das Büchsenfleisch, das war schon lecker. Nur der Rest, na ja. Habe ich erst einmal für später gebunkert. Scheine ja länger in der Höhle hier zu bleiben. 5 Stunden später ging es schon wieder raus. Diesmal laufe ich lieber gleich selber los. Den Schwanz klemme ich auch nicht mehr. Ich lasse ihn einfach runter hängen.

Nach dem Spaziergang gab es wieder etwas Futter. Nicht schlecht diese Höhle hier. Nur der Inhalt des Napfes ist noch verbesserungsfähig. Nicht etwa eine schöne Wurstpelle oder eine schöne Käserinde sondern wieder Trockenfutter und diesmal gekochtes Fleisch. Hatte wieder nicht gepischert und muss nun, weil die Tante nun weg geht, in die Küche. Ein Gitter wird vor die Tür gestellt, so können keiner von den beiden anderen hier rein und

ich aber auch nicht raus. Inzwischen ist mein Lieblingsplatz der Läufer im Flur. Aber ich wollte nicht so sein und lege mich auf die Decke in der Küche.

Als Tante zurückkommt, hatte ich eine riesige Pfütze gemacht. Hatte meine Blase wirklich so viel fassen können? Die halbe Küche war geflutet. Tante hat erst einmal angefangen die Küche zu wischen. Zwar hat meine Decke auch etwas abbekommen, aber es riecht so tröstlich nach mir.

Dann kommt der nächste Spaziergang, das kenne ich nun schon. Treppen laufe ich nun, etwas vorsichtig, aber allein. Wer will schon getragen werden. Ich bin schließlich schon eine erwachsene 15 Monate alte Hündin. Meinen Schwanz trage ich hoch. Ich habe eine wunderschöne Fahne. Die will ich auch zeigen. Man sagt von mir, dass ich intelligent bin. Finde ich übrigens auch.

Den Weg kenne ich nun schon. Das ist zwar einerseits nicht so spannend als wenn wir einen neuen Weg gehen würden. Allerdings gibt es mir auch ein wenig Sicherheit, da ich den Weg schon kenne. Dann gibt es wieder etwas zum Fressen. Gute Ideen hat die Tante schon, wenn sie das Trockenfutter nur weg lassen würde. Zwar war nun mehr Büchse und gekochtes Fleisch dran, aber der Napfinhalt ist noch ausbaufähig.

Ich lege mich wieder auf meinen Lieblingsplatz im Flur. Alle liegen irgendwo rum. Akira in dem einen Raum, Enrico, der Nervbolzen, liegt bei der Tante. Gelegentlich kommt er „Hallo“ sagen. Ich zeigte ihm nur kommentarlos einen Zahn, dann geht er wieder.

Als es schon dunkel war, gehen wir noch für einen kurzen Gang vor die Tür. Dafür gibt es aber kein Futter. Warum?

Die Nacht habe ich dann wieder in der Küche verbracht. Diesmal auf Handtüchern.

 

Tag 2

Der nächste Morgen. Es ist stockdunkel und Tante meint, wir gehen jetzt spazieren.

„Was jetzt? Es ist doch erst 5 Uhr! Ist die Irre?“

„Das macht Frauchen, damit Du Dich nicht fürchtest, wegen der vielen Autos und der vielen Menschen hier und so.“

„Hä, fürchten, meint sie in Griechenland gibt es keine Menschen und Autos?“

Wir gehen also im Dunkeln los, ich mit dem Schwanz oben, die Treppen laufe ich, als wenn ich schon immer Treppen gelaufen wäre. Nur im Park, die Büsche, die Schatten, die Geräusche, das ist schon ein wenig gruselig.  Zudem muss ich mich mit den beiden anderen Kumpeln auf den Platz einigen, an dem ich an der Leine laufen soll. So gehe ich ein wenig vor, aber dass Tante hinter mir läuft und ich nicht sehen kann, was sie macht, ist mir dann zu aufregend. Ich will lieber immer mal nach der Tante schauen können. So gehe ich mal neben ihr und mal einen halben Schritt dahinter.

Ich musste mal dringed Groß. Sofort meinte Tante:“Fein schönchen gemacht, ganz fein!!!!“ Warum hat hier alles einen Namen?

Eine Pfütze habe ich aber nicht gemacht. Muss erst sehen, wie das hier so läuft. Nicht dass ein anderer Hund meine Fährte aufnimmt.

In der Höhle gibt es wieder Futter. Tante ruft mich mit einem Namen. Was soll das jetzt? Dann ruft sie mich mit Pünktchen. Da bin ich gekommen.  Keine Ahnung was der andere Name sollte. Habe natürlich nicht darauf reagiert. Allerdings nennt sie mich auch mal “Mäuschen”. Dabei sehen die ganz anders aus. Das weiß ich genau, die kenne ich. Neben gekochtem Fleisch und einem Teil Büchse, wieder Trockenfutter. Ich bin aber auch konsequent und habe es wieder nicht gefressen. Mal sehen wer länger durchhält.

Inzwischen habe ich schon die ganze Höhle erkundet. Da lag so eine kleine Stoffmaus. Die habe ich mir erst einmal organisiert und mich darauf gelegt. Enrico wollte sie wiederhaben.

„Das ist meine Maus, ich hätte sie gerne wieder.“

„Nö, die habe ich gefunden und somit gehört sie mir. Solltest Du anderer Meinung sein, dann schau Dir mal meinen Zahn an.“

Enrico wollte nicht rechthaberisch sein und zuckelte ab.

Ich probierte mal Akiras Bett bei der Tante aus. Leider saß zu deren Füßen schon wieder Enrico.  Natürlich wollte er unbedingt an mir vorbei. Für solch eine Störung hab ich nur ein kurzes Knurren. Dann stand Tante auf und führte Enrico an mir vorbei. Ach so, ich soll das akzeptieren. Na gut, ich leg mich sowieso viel lieber auf meinen Lieblingsplatz im Flur.

Nach einiger Zeit setzte ich mich vor die Wohnungstür. Ich hatte etwas gehört. Sofort steht Tante auf und führte mich raus auf die Straße. Aha, ich soll an den Baum gehen. Und was soll ich hier? Nach drei Bäumen, geht es zurück. Zuerst komme ich aber auf den Hof. Und was soll ich jetzt hier? Leben? Ich lege mich gleich hin. Das mit dem Unsichtbar machen funktioniert nicht, das hatte ich schon probiert. Aber zum nachdenken ist hinlegen auch nicht schlecht. Dann nimmt Tante die Leine wieder auf und wir gehen die Treppe hoch in die Höhle. Futter gibt es schon wieder nicht.

Es scheint hier bergab zu gehen.

Tante fängt an zu putzen. Da liegt so ein schöner Stock. Ich versuche vorsichtig ihn zu greifen. Tantchen gibt ihn mir und ich legte mich darauf. Einen Schuh habe ich mir auch noch organisiert. War schön wieder etwas zu haben. So viele schöne Dinge liegen hier rum und gehören keinem. Wunderbar.

“ Moment mal, hey, Moment. Hast Du der gerade meinen Stock gegeben?” Was soll das, das ist meiner, dachte Enrico ganz traurig. Wenn die zur Tür geht, darf sie sofort raus. Na gut, ich darf mit. Aber trotzdem. Somit belle ich mal ein wenig um zu zeigen, dass ich hier der Wachhund bin. Sofort kommt ein “Aus.” Ich mache aber weiter. Ich möchte auch Aufmerksamkeit. Da kommt dann der Finger von Frauchen. Der bedeutet, wenn ich jetzt nicht aufhöre, gibt es Ärger.  Gut, ich höre ja schon auf. Zur Abwechslung winsele ich mal ein bisschen. Pünktchen liegt wieder auf ihrem Lieblingsplatz im Flur, hat meinen Stock und meine Maus im Auge und lässt mich nicht vorbei. Und Frauchen beachtet mich nicht. Na toll.

Der Mittagsspaziergang führte wieder ans Wasser. Hier gibt es Enten und Wildgänse. Wunderbar. Leider bin ich an der Leine. Enrico aber nicht und da Tantchen ständig mich im Auge hat, kann Enrico entwischen und hat den Strand ratzeputz leer gefegt. Eine Gans ist nicht so schnell, die hat er glatt umgerannt. Vorwärts rennen und seitlich schauen. Aus dem wird nie ein guter Jäger. Aber ich hätte da schon gerne mitgemacht. Hier möchte ich öfter her.

Der restliche Spaziergang führte wieder über Wiesen und dann zurück zur Höhle. Anschließend gibt es wieder Futter. Wieder Trockenfutter drin. Allerdings steigt der Anteil an Büchse und gekochtem Fleisch. Das ist schon mal ein Angebot. Habe das Trockenfutter trotzdem nicht gefressen.

Nach dem Futter wird für Enrico Fleisch versteckt. Er muss es suchen. Kann ich da auch mal mitspielen? Dann muss Tantchen weg und ich werde wieder in die Küche gesperrt. Was soll das jetzt? Ich hätte noch nicht gepischert. Also wirklich.

Als Tantchen wieder da ist, ist sie doch sehr erstaunt, dass die Küche diesmal trocken geblieben ist. Was denkt sie von mir. Nur weil ich seit 24 Stunden keine Pfütze mehr gemacht hatte? Ich bin ein stubenreiner Hund.

Es kommt der Nachmittagsspaziergang. Also unterwegs bin ich hier viel. Zuerst treffen wir einen Kangal Junghund. Er ist auf der anderen Straßenseite. Gut. Tantchen schickte Enrico rüber zum spielen. Von mir aus. Dann kommt die Besitzerin mit ihrem Hund aber rüber. Zuerst will er mit Enrico spielen. Er ist doch etwas grob und begräbt Enrico erst einmal unter sich. Schnell bringt der sich in Sicherheit und hält nun lieber etwas Abstand. Dann will dieser ungeschickte Riese zu mir. Ich habe aber sofort laut und deutlich geknurrt. Da geht er zu Akira, die, bei seinem liebevollem Angriff, sofort ins schwanken kommt. Tantchen stellt sich dazwischen. Ach so ja, bei der macht sie das. Und was ist mir mir. Ich knurrte gleich noch einmal. Enrico hält sowieso Abstand. Endlich gehen wir weiter. Später meint Enrico, den ich immer noch Nervbolzen nenne, er könnte mir imponieren, indem er einen Pitbull angeht. Na, der hatte doch einen Maulkorb drauf. Dafür bekommt er von Tantchen geschimpft. Sag ich doch, Nervbolzen oder sollte ich Doofkopp sagen?

Dann gibt es wieder Futter. Wieder mit Trockenfutter. Das blieb, nachdem ich es wieder verschmäht hatte, diesmal stehen. Von den anderen darf niemand in die Küche. Meinetwegen? Akira meint nö, war schon immer so!

Der letzte Gang im Dunkeln und anschließend werde ich in die Küche gesperrt. Und das obwohl ich so schön schon im Schlafzimmer geschlafen hatte. Alles wegen diesem doofen pischern was ich immer noch nicht gemacht habe. Na und, na und. Die beiden anderen werden jedesmal furchtbar gelobt, wenn sie eine Pfütze machen. Da ruft Tantchen dann immer: “So fein gepischert.” Die beiden Kumpels schauen sehr erstaunt. Sollte pischern = Pfütze sein?

 

Tag 3

Diesmal gehen wir los als es schon dämmerte. Tantchen ist erstaunt, dass keine Pfütze in der Küche war. Gott, als kastrierte Hündin muss ich nicht so oft.

Auf der Wiese flitzten Akira und Enrico gleich los. Ich will hinterher. Geht leider nicht. Meine Leine ist noch dran. So springe ich dann nur in die Luft und freue mich riesig. Als Belohnungshappen gibt es unterwegs diesmal Hundewurst und nicht so blödes Trockenfutter. Geht doch! Man muss das Trockenfutter nur lange genug immer wieder ausspucken. Nun bekommen Akira und ich Wurst und Enrico Trockenfutter. Akira bekommt zusätzlich auch Trockenfutter. Ist mir doch egal. Außerdem ist sie der Chef. Allerdings habe ich mich auf Platz 2 hochgearbeitet. Enrico bekommt nun immer nach mir seine Belohnungsstücke. Auf der Wiese habe ich lange geschnüffelt, den geeigneten Platz gefunden und eine Pfütze gemacht. Wurde dafür sehr gelobt. War schön. Meinen Haufen habe ich dann auf der Straße vor der Haustür gemacht. Er wurde kommentarlos aufgesammelt. Dafür aber  nicht gelobt. Warum? War doch ein schönes festes Würstchen.

In der Höhle gibt es wieder Futter. Tantchen hat mich gelobt, dass ich über Nacht dann doch das Trockenfutter aufgegessen hatte. Ich wollte mal nicht so sein und war zu diesem Kompromiss bereit. Dafür erwarte ich allerdings, dass das Trockenfutter nun über Tag verschwindet. Also am Morgen hat es nicht funktioniert, ist schon wieder Trockenfutter dabei. Diesmal darüber gestreut. Sie lernt es nicht oder besser, nur ganz langsam. Ich arbeite daran.

Dann soll wieder Fleisch versteckt werden. Das wird aber abgebrochen. Ich wollte sofort hinterher und so Enrico zeigen, wie man das macht. Nicht da faul im Korb liegen und warten, bis alles versteckt ist. Tantchen hat dann abgebrochen. Sie meint, das geht nicht mit mir. Aber sie hat mich gelobt, dass ich schon “Halt” an der Straße kann. Jedenfalls meist und “Sitz” kann ich auch schon. Sie hält das Fleisch immer so über meinen Kopf, dass ich mir den Hals verdrehen muss. So komme ich automatisch hinten runter. Allerdings machen mich Hände von oben immer noch ein wenig ängstlich. So setze ich mich lieber gleich hin, wenn das “Sitz” Kommando kommt. Ich weiß ja, was sie will.

Dann zieht wieder der gemütliche Vormittag ein. Tantchen arbeitet, wir anderen schlafen, als es an der Tür klingelt. Enrico wurde wild. Er wird in den Korb geschickt und Tantchen fragte an der Sprechanlage nach, wer da ist. Diesen unbemerkten Augenblick benutzte Enrico um aus dem Korb zu stürzen und Tantchen in den Fuß zu beißen. Dafür gibt es Ärger. Das machte ihn aber nur noch wilder und er springt nun an ihr hoch und versuchte in ihre Hand zu beißen. Ich schaute mir das an und überlegte, dass es jetzt doch Zeit wäre, diesen ungezogenen Hund zu maßregeln. Vermutlich hat er in jungen Jahren nicht genug Erziehung bekommen und ich überlege, ob man das jetzt nicht noch nachholen kann. Allerdings werde ich weggeschickt. Tantchen spricht mit ganz böser Stimme. Ihm sind fast die Augen raus gefallen. Aber geknurrt hat er immer noch. Ich hätte ihn auch gern noch gezwickt. Habe mich jetzt aber nicht mehr getraut. Bin lieber zu meinem Lieblingsplatz gegangen und habe dort gewartet. Als Tantchen wieder ins Arbeitszimmer gehen will, stehe ich vorsichtig schwänzelnd im Flur. Sie hat mich sehr gelobt, dass ich helfen wollte. Meinte aber, dass müsste sie allein machen. Aber den Kleenen, den greif ich mir nochmal.

Der Mittagsspaziergang führt uns zum Hundefleischer. Es gibt für jeden ein Würstchen zusätzlich, von der Verkäuferin. Haben wir aber nicht bekommen. Akira meint, das bekommen wir über den Tag verteilt als Leckerli. Na ja, eigentlich haben wir das geschenkt bekommen. Aber ich will mal nicht so sein.

Auf dem Rückweg hat die Schule aus und sehr viele Schüler strömten auf die Straße. Laufen die jetzt alle an mir vorbei? Platt hinlegen bringt hier nicht viel. Besser weg laufen. Verflixt, hänge an der Leine. Also habe ich jeden ganz bittend angesehen. Leider habe ich mit niemandem Augenkontakt bekommen. Jeder war nur mit sich beschäftigt. Manche gehen ganz dicht an mir vorbei. Mit ist das Herz in die Hose gerutscht. Meine Kumpels laufen freudig zwischen all den Menschen hin und her. Ich kann vor Schreck erst einmal nicht weiter laufen. Hätte auch nichts genutzt. Die Schulkinder sind überall. Passen da so viele Menschen rein in das Haus?

Endlich tröpfelte es nur noch aus dem Schultor. Also mein Würstchen habe ich mir jetzt wirklich verdient.

Nachmittags fährt Tantchen arbeiten. Sie will unser Hundefutter verdienen. Also von mir aus kann sie das Trockenfutter weg lassen und dafür mehr zu Hause bleiben. Aber gut, wie genau es hier so läuft, kann ich nach den wenigen Tagen noch nicht beurteilen. Aber dass ich dafür in die Küche gesperrt werde, ist gemein. Das macht aber nichts. Ich habe mich, nachdem wir allein waren, sofort befreit. Ich kann gut ausbrechen.

Der restliche Tag und Abend verläuft in der vertrauten Gemütlichkeit. Ich schlafe in Akiras Bett im Schlafzimmer. In der Nacht muss ich allerdings alle darauf aufmerksam machen, dass da im Treppenhaus was nicht mit rechten Dingen zugeht. Zuerst knurre ich. Da knurrt Tantchen zurück. Was soll jetzt das? Sie versteht nicht, da ist jemand im Treppenhaus. Also muss ich deutlicher werden und ein, ich gebe zu, es klang etwas hoch und ängstlich, “Wuff” loslassen. Darauf steht Tantchen auf und trägt mich in die Küche. Gitter vor und verschwindet wieder kommentarlos im Bett. Na ja wie gesagt, dass macht nichts, ich kann das Gitter gut wegschieben. Muss allerdings leise sein und trotzdem schnell. Immerhin liege ich in Akiras Bett und will nicht, dass es nachher besetzt ist. Zum Glück ist Akira nicht so schnell und ich kann mich gemütlich auf diesem schönen weichem Bett ausstrecken. Am nächsten Morgen habe ich den Chef gefragt, warum von ihnen niemand den nächtlichen Treppenhausbesucher angezeigt hat. Die Antwort war kurz und knapp:” Eine der Regeln ist, wenn Frauchen im Bett liegt, wird kein Lärm gemacht. Man springt nicht auf das Bett und versucht auch sonst die Nachtruhe nicht zu stören. Aus der letzten Wohnung sind wir rausgekündigt worden. Das soll nicht noch einmal passieren.” Ach so. Gern hätte ich gefragt wie viele Regeln es noch gibt und ob sie gekündigt wurden, weil jemand gebellt hat oder in der Nacht auf Tantchens Bett gesprungen ist und sie vielleicht dann den Lärm gemacht hat. Allerdings ist Akira schon wieder eingeschlafen. Warten wir ab, so viele Regeln kann es nicht mehr geben. Hoffe ich.

 

Tag 4

Der Morgen kommt und wir stehen alle gleichzeitig auf. Tantchen ist auch nicht mehr erstaunt, dass ich nicht in der Küche bin. Sie kennt meine Geschicklichkeit beim Ausbrechen nun schon.

Im Park hätte es so schön sein können, wenn da nicht die Laubbläser wären und der kleine Rasenmäher, der Gras und Laub gleich auf einen Anhänger bläst. Warum muss das alles so viel Lärm machen? Ich denke an Flucht. Meine beiden Kumpels springen zwischen Rasenmäher und Laubbläser fröhlich hin und her. Ich möchte zurück. Den Sonnenaufgang kann ich nicht genießen und die Hundewusrtstücken schlinge ich schnell hinunter. Kurz vor dem Ende des Parks wird es etwas ruhiger und ich mache eine schöne große Pfütze. Einen Haufen verkneife ich mir. Wir gehen sicher bald wieder.

Nach dem Frühstück wird geschlafen. Ich habe allen erklärt, dass das Bett von Akira nun meines ist. Der Chef widerspricht nicht. Dann wird eine lange Leine rausgesucht und wir gehen zum Mittagsspaziergang los. Diesmal soll ich ins Auto steigen. Alle sind schon drin. Mir rutscht allerdings das Herz in die Hose. Was ist das für ein Ungetüm? Enrico winselt über so viel Dusseligkeit ungeduldig vor sich hin.

“Nun komm endlich. Nach der Autofahrt kommt immer etwas Schönes.”

“Dann fahrt ihr und ich bleibe hier. Basta!”

Da werde ich auch schon hochgehoben und ins Auto gesetzt. Darf man hier keinen eigenen Willen haben? Außerdem ist es gemein. Nur weil ich so klein und leicht bin. Wenn ich 40 kg wiegen würde, dann würde das keiner mit mir machen. Aber bei meinen 15 kg, da heben sie mich einfach rein.

Im Auto werde ich angeschnallt und musste “Platz” machen. Das Kommando kenne ich noch nicht. Da aber alle liegen, lege ich mich auch hin. Anschließend werde ich furchtbar gelobt und so bleibe ich die ganze Fahrt liegen obwohl ich gerne mal aus dem Fenster geschaut hätte.

Irgendwann sehe ich seitlich nur noch Bäume. Enrico springt schon ganz aufgeregt herum. Ich bleibe aber immer noch ganz brav liegen. Dann dürfen wir  aussteigen. Ich an der langen Schleppleine, die beiden anderen frei. Na ja!

Es gesellt sich noch eine andere Frau zu uns, die ebenfalls zwei kleinere Hunde hat. Enrico und einer der beiden Hunde fangen an zu spielen. Da bekomme ich auch Lust und renne mit. Immer nur gelegentlich ausgebremst, wenn die Schleppleine zu Ende ist. Inzwischen kommen wir an den See. Hier ist also Hundeauslaufgebiet am Grunewaldsee. Ah, ja!

Ein Frauchen wirft einen Ball, der eigene Hund will nicht. Somit Enrico nicht faul, hinterher. Ich dann hinter Enrico her. Akira schwimmt gleich richtig raus, so sind wir alle im Wasser. Anschließend spielen wir alle Einkriegen. Es ist richtig toll. Nur die Schleppleine stört gelegentlich. Dazwischen werden wir alle rangerufen. Es kommen auch die Hunde von der anderen Frau. Ich komme nicht. Auch nicht schlecht, ich bekomme mein Stück Hundewurst gebracht. Na also. Geht doch.

Akira meint nur:” So kommst Du so schnell nicht ab von der Leine.” Warum?

Dann geht es ab in ein Restaurant. Wir stehen oder liegen alle brav am Tisch. Da aber niemand kommt um unsere Bestellung aufzunehmen, gehen wir wieder. Hätte ich hier auch ein Steak bestellen dürfen?

Auf dem Rückweg wird jeder Kumpel bei seinem Namen gerufen und springt ins Auto. Als  der Name Pünktchen gerufen wird, springe ich nicht ins Auto. Nach einem kurzen Zögern springe ich doch von alleine rein. Na gut, na gut.  Schließlich bin ich schon ein großer Hund und muss nicht mehr getragen werden. Und was zu Essen kann ich jetzt auch gut vertragen.

Zurück in der Höhle, gibt es Futter.

Als anschließend für Enrico das Fleisch versteckt wird, machte ich, wie die beiden anderen auch solange “Sitz”, bis das Kommando “Such” kommt. Allerdings werde ich festgehalten und darf nicht mitsuchen. Das ist gemein. Ein wenig tröstet es mich, dass wir alle hinterher noch einmal Fleisch in den Napf bekommen. Akira meint, dass sich meine Anwesenheit doch sehr positiv auf die Menge der Fleischverfütterung auswirken würde. Ich sag`s doch, man muss nur lange genug den Napf stehen lassen.

Dann wird geschlafen. Eigentlich ganz gemütlich hier. Schade, dass ich hier nur bis zur Vermittlung bin.

Zum Nachmittagsspaziergang wird die Matratze für Akira aus dem Auto geholt. Die anderen Hundebetten sind doch etwas klein für solch einen großen Hund, wie es Akira ist. Und sie soll es doch gemütlich haben, meinte Tantchen. Finde ich auch.

Nach dem Füttern fange ich mit Enrico an zu spielen. Weichei. Nur weil ich ihn ein wenig zwicke quietscht er und rennt zu seinem Frauchen. Dabei könnte ich schon noch ein wenig spielen. Schade, er will nicht mehr. Ich komme ab und zu schauen, aber der Feigling versteckt sich. Jetzt hat er sich meine Maus geklaut und will lieber mit Tantchen spielen. Feigling, der er ist.

Der restliche Tag vergeht mit gemütlichem Schlafen.

 

Tag 5

Beim Morgenspaziergang ist wieder alles so schön leise und friedlich, wie ich es mag. Ich habe meine Schleppleine um und so fege ich hinter Enrico her, wenn er seinen Ball jagt. Manchmal habe ich den Ball vor ihm. Er muss vor dem Balljagen immer Sitz machen und auf das Kommando warten. Da bin ich viel schneller. Allerdings finde ich den Ball langweilig und lasse ihn schnell wieder fallen. Das erschwert aber die Suche für Enrico, da er beim Ballwerfen  immer den Kopf so hält, dass er nach dem Ball schielen kann. Habe ich den Ball nun woanders abgelegt, muss er länger suchen und fegt wie ein wild gewordener Handfeger über die Wiese. Ich nicht faul, hinterher. Uhi, der Kleene ist schnell. Musste ein wenig am Halsband ziehen um ihn zu überholen. Aber er hat den Ball in der Schnute und kann nicht fiepen. Anschließend werden wir ran gepfiffen. Ich trödele so ein wenig im Abstand von 1 m herum. Meine Kumpels bekommen ein Stück Hundewurst. Dann gehe ich auch hin. Möchte auch was haben. Gibt es aber nicht. Ist schon wieder weggepackt. Nach wenigen Schritten kommen erneut 3 Pfiffe. Die beiden rennen sofort hin. Ich bleibe wieder im Abstand von 1 m stehen. Als ich mich dann doch entschließe hinzugehen, ist die Wurst schon wieder weg gepackt. Na, dann eben nicht.

Auf dem Rückweg, inzwischen hält Tantchen meine Schleppleine in der Hand, wird erst aus dem See getrunken und dann wieder gepfiffen. Diesmal werde ich mit der Leine sanft das letzte Stück gezogen. Nun bekommen wir alle 3 unser Stück Hundewurst. Ich versuche noch schnell das von einem anderem zu klauen. Ist egal von wem. Sind aber beide so schnell, hat nicht geklappt.

Nun gibt es erst einmal Frühstück. Ich bekomme halb Fleisch und halb Trockenfutter. Das futtere ich nun aber inzwischen ganz gern weg. Wenn man sich an dem Geschmack von Trockenfutter gewöhnt hat schmeckt es eigentlich ganz gut.

Mittags fahren wir an die Havel. Hier gibt es einen Weg am Wasser entlang und ab und zu kommt eine Bucht. Mit ganz weichem Sand. Ich habe eine normale Leine dran und tobe damit durch das Wasser. Zwar schwimme ich nicht. Doch bis zum Bauch liebe ich das Wasser. Anschließend Fangen mit Enrico gespielt und dann in dem wunderbaren Sand gewälzt. Herrlich. Selbst Akira bekommt Lust und macht mit. Obwohl sie zuerst immer eine Runde schwimmen muss. Enrico bringt ein Stöckchen und holt das dann aus dem Wasser. Ich gehe trotzdem nur bis zum Buch ins Wasser. Ist sicherer. Nachher kommt eine Welle und zieht mir die Füße weg.

“Mensch Pünktchen, das ist hier die Havel, da kommen nur Wellchen. Da läufste durch.”

“Enrico, Du warst doch noch nie wirklich am Wasser, also am Meer. Da kann Dich so eine Welle umhauen.”

“Doch, das habe ich dieses Frühjahr an der Riviera erlebt. Da hat mir eine Welle die Füße weggehauen. Brauchst also gar nicht so anzugeben. Fräulein weitgereist.”

“Pft!”

Akira hält sich aus solchem Geplänkel lieber raus. In ihrem Alter beschäftigt sie sich nur noch mit den schönen Dingen im Leben.

Zurück in der Höhle, gab es Futter. Nicht schlecht dieses Deutschland.

Mittagsschlaf wollte ich nicht machen. Da meine Kumpels so faul rumlagen, hab ich mir da so ein Kleidungsstück geholt. Gut, es hing auf der Leine und lag nicht am Boden, aber zu sagen, ich würde Diebin sein, war gemein. Und der Aufschrei hätte von Tantchen auch nicht zu sein brauchen. Vor Schreck habe ich gleich ein paar Tropfen Urin verloren. Bin in meinen Korb geflitzt und stand, als Tantchen kam, vorsichtig schwänzelnd darin. Wurde aber nicht beachtet. Akira hat nicht einmal den Kopf gehoben. Später habe ich sie gefragt, was daran so schlimm ist, wenn ich ein wenig auf den Sachen herum kaue.

“Du hast gegen eine Regel verstoßen.”

“Ich kenne die Regeln aber nicht, Akira. Woher soll ich also wissen, was ich darf und was nicht.”

“Na die Regel kennst Du jetzt aber.”

“ Also wie kann man nur so kleinlich sein. Es hängt auf der Wäscheleine oder es liegt auf dem Boden. Das ist doch fast dasselbe. Auf dem Wäscheständer hängt es nur knapp über dem Boden.”

“Wenn es nicht auf dem Boden liegt, gehört es uns nicht.”

Akira konnte ganz schön rechthaberisch sein. Na gut, es liegt hier noch so viel rum, alte verknotete Socken, meine Biene und jede Menge Schuhe. Kann ja damit spielen und darauf ein wenig herum kauen.

 

Tag 6

Heute musste Tantchen arbeiten. Es stand eine große Operation an und nach dem Spaziergang und dem Frühstück wurde alles dafür vorbereitet. Wir wurden alle ins Schlafzimmer gebracht und dann kam ein großer Hund ins Haus. Sie verschwanden im Praxisraum und dann hörten wir nichts mehr. Nach einer gefühlten Ewigkeit dürfen wir wieder raus. Der Hund sitzt schon wieder und wir sind alle neugierig und stellen 1000 Fragen. Er ist aber nicht gesprächig und riecht auch nicht schön. Chemie und Blut. Keine schöne Mischung. Kenne ich von mir. War eine Operation und hinterher war ich ganz benommen. Wollte aber nicht neugierig erscheinen und fragte deshalb nur:

“ Na Kumpel, nicht Dein Tag heute, was.”

Er hat nicht geantwortet. Eigentlich hätte er höflicher sein können. Dann gibt es nur eine kurze Runde als Mittagsspaziergang. Aber wenigstens bleibt die Futtermenge gleich. Auch der femde Hund bekommt ein wenig Fleisch. Moment, ist das von meiner Ration abgezogen? Er frisst es doch nicht, also gib her. Aber nein, der Hund, die Decke und das Fleisch werden aufgenommen und alle verschwinden aus der Höhle. Und wir?

Nach einiger Zeit kommt Tantchen wieder. Allerdings ohne den Hund, wir werden nun ebenfalls alle in das Auto gebracht. Die Tierarzttasche wird ebenfalls mitgenommen und los geht es. Das kenne ich inzwischen schon. Autofahren bedeutet immer etwas lustiges am Ende.

Leider erst am Ende. Wir müssen im Auto bleiben und Tantchen und die Arzttasche verschwinden. Endlich kommt sie wieder und weiter geht die Fahrt. Die Stelle kenne ich nun schon. Wie schön, heute wieder der Grunewaldsee. Nichts wie raus und ab.

Heute sind hier aber mehr Hunde unterwegs. Wenn ein fremder Hund an mir schnüffeln will, klemme ich immer erst einmal die Rute unter den Bauch. Ich will keinen Ärger und zeige das auch deutlich. Die Taktik von Enrico ist gegenteilig. Er macht sich erst einmal groß und nuschelt immer, er soll nur kommen, er soll nur kommen, komm doch. Das bringt ihm jede Menge Ärger ein, vor allem bei Hunden die größer sind als er. Tantchen hat ihn immer im Auge und ruft, wenn es brenzlig werden könnte immer ganz freudig, dass sie hier etwas für uns alle hätte. Eigentlich nicht schlecht. Es gibt jede Menge Hundewurst und zwischendurch auch Trockenfutter. Vielleicht ist das Enricos  eigentliche Taktik und die ist gar nicht so schlecht.

 

Tag 7

Heute haben wir auf dem Morgenspaziergang eine riesige schwarze Hündin getroffen. Nachdem sie mich beschnüffelt hat, meinte sie ganz großzügig, dass ich nun auch zu ihren Freunden gehöre. Uff!

Anschließend spielen wir Fangen. Sie rennt vorneweg und Enrico und ich hinterher.  Herrlich. Die Besitzerin fragt an, ob ich vielleicht Nala heißen würde. Sie hätte von mir geträumt. Wie süß. Sie würde mich gerne übernehmen. Sollte das mein neues Frauchen werden? Da kommt schon die Einschränkung, vermutlich wird ihr Mann das nicht erlauben. Schade, die große Schwester hätte mir gefallen.

Dann geht es zum Frühstück nach Hause. Nun werde ich Nala-Pünktchen gerufen. Das finde ich süß, schließlich haben die Menschen auch einen Vor- und einen Zunahmen. Ich bin jetzt Frau Nala Pünktchen.

Anschließend gibt es Sport. Frauchen verschwindet. Also kein Sport für uns.

Enrico erklärt mir:”Das macht se, wejen der Fijur.”

“Würde da mit uns toben oder weniger Essen nicht mehr helfen?”

“Wes ick nich,” erklärt Enrico übel launig. Immer wenn er schlechte Laune hat, fängt er an zu berlinern. Missmutig dackelt er ab in sein Körbchen. Und wer spielt mit mir?

Endlich kommt Tantchen wieder und es geht leider nur ums Karree. Ich brauche ein wenig Zeit beim Hundezeitunglesen, schließlich muss ich das immer erst übersetzen. So gut kann ich noch nicht Deutsch. Schließlich bin ich Griechin.

Dann gibt es Futter und schon ist wieder Ruhe angesagt. Das ist aber ein versauter Tag. Findet Enrico auch.

Wenigstens hat er Lust mit mir zu spielen und so jagen wir durch das Haus. Meine Schuhsammlung wird wieder eingesammelt. Hey das sind doch eigentlich jetzt meine. Und alle lagen auf dem Boden. Akira verdreht nur die Augen. Enrico erklärt, dass Schuhe doch immer auf dem Boen liegen, trotzdem für uns aber verboten sind. Wie soll ich das jetzt auseinander halten? Hä? Wie?

Zum Glück ist kein Schuh angekaut. Akira meint, zum Glück für mich. Ach Jott, ach Jott, hoffentlich kann ich das auseinanderhalten und vor lauter Schreck fange ich auch schon an zu berlinern. Hab ich vom Kleenen gelernt.

 

Tag 8

Heute ist Sonntag. Na und, na und? Heute bin ich eine Woche hier. Aha!

In der Nacht gab es ein wenig Ärger, weil ich nun glaubte, dass es mein Job ist, jeden im Treppenhaus anzuzeigen. Und meinen Job will ich wirklich gut machen.  Aber Tantchen knurrt mich an. Ich sage vorsichtshalber noch einmal “Wuff.” Vielleicht war das zu spät  oder was hat ihr gefehlt? Nun kommt ein scharfes “Pfui.” Meint sie mich oder die beiden anderen Schlafmützen, die gar nichts sagen? Also frage ich am nächsten Morgen Akira. Sie erklärt mir eine weitere Regel. In der Zeit, in der Frauchen im Bett liegt, darf von uns kein Lärm gemacht werden.

“Ach so und wenn ein Einbrecher kommt, hä, was ist dann?”

“Der ist dann an der Tür, Du Döskopp und läuft nicht nur im Treppenhaus vorbei.”

Nach dem Frühstück geht es ab ins Auto. Nicht schlecht so ein Sonntag. Allerdings fahren wir ganz schön lange, bis wir endlich raus dürfen. Da stehen wir erst einmal vor einem netten Ehepaar und pieschern alle erst einmal kräftig gegen deren Blumenkübel. Sehr zum Missfallen von Tantchen, die uns wegrufen will. Es kommt aber keiner. Dafür pieschern wir alle gleich noch einmal dagegen. Vielleicht gehen wir dann schneller los?

Dann geht es ab. Auf einem wunderbaren Feldweg werde ich von der Leine gemacht und ab geht es über die Felder. Ich vorneweg und Enrico hinterher. Akira bleibt lieber neben Tantchen auf dem Weg. Sie müsste auf die aufpassen, meint sie. Wer`s glaubt. Jedenfalls macht es riesigen Spaß durch den weichen Sand zu rennen. Ab und zu werden wir rangepfiffen, dann gibt es ein Stück Hundewurst und ab geht es wieder.

Dann kommt der Wald. Wir drei riechen eine frische Fährte. Ich sage Wildschwein, Akira meint ein Fuchs und Enrico ist alles egal. Es riecht einfach wundervoll. Aber in den Wald dürfen wir nicht. Wir werden zurückgepfiffen. Na ja, dafür gibt es jedesmal ein Stück Hundewurst. Der Wald wäre aufregender.

Zurück gibt es Futter und wir sind alle so müde, dass wir alle erst einmal einschlafen.  War schön aufregend.

 

Tag 9

In der Nacht bin ich wieder aufgeschreckt und habe versehentlich ein “Wuff” losgelassen. Tantchen hat wieder geknurrt. Vorbeugend hatte ich dann noch einmal gewufft und wurde in die Küche getragen. Gitter vor und da stand ich nun. Ist aber nicht schlimm, da ich, wie alle wissen, ganz schnell ausbrechen kann. Damit es auch alle wissen, habe ich sofort das Gitter weggeschoben und mich erst einmal ausgiebig geschüttelt. Es soll schließlich jeder wissen, dass ich wieder da bin. Hat aber keiner was gesagt. Habe mich dann zur Sicherheit zu Akira gelegt. War mir einfach sicherer. Auf dem Hundespaziergang durfte ich am Wasser ohne Leine laufen. Zuerst hängt die Leine noch dran und wird von mir hinterher geschleift. Dann, wenn ich ein paar Mal auf das Pfeifen hin gekommen bin und mir ein Stück Hundewurst abgeholt habe, wird die Leine ganz abgemacht. Akira meint, ich lasse mich zu schnell und zu sehr ablenken. Also finde ich nicht. Muss schließlich gucken, was hier so los ist. Und Vögel und Wasser sind schon oberspannend. Menschen nicht, Kinder schon. Die haben mich früher oft gestreichelt. Die mag ich gern.

Nach dem Spaziergang gibt es wieder Futter und dann wird eigentlich geschlafen. Nur Enrico ist immer noch voller Energie. Obwohl wir gerade dolle gerannt sind. Er mir immer hinterher. Wenn ich ihm hinterherrenne mag er das nicht so sehr. Das ist ihm unheimlich. Bin ja auch eine unheimlich tolle Hündin.

Mittag sind wir mal wieder an die Havel gefahren. Da sind weniger andere Hunde und ich werde nicht so schnell abgelenkt. Gute Idee, hier riecht es so schön nach Enten und anderen Wasservögeln. Außerdem waren in der Nacht Wildschweine da. Das findet Enrico nun einerseits sehr interessant. Andererseits hat er ein wenig Angst. Na ja, Weichei eben.

Och endlich ab von der Leine, düse los und immer rein in das Schilf. Irgendwo höre ich was pfeifen. Keine Ahnung wer das ist und was das soll. Riecht doch gerade so schön hier. Enrico dreht ab und verschwindet. Kurze Zeit später kommt Tantchen angestampft. Will die zu mir? Überlege gerade noch, ob ich mich nicht vorsichtshalber auf den Rücken legen soll und schon bin ich an der Leine. Jetzt muss ich Fuß gehen. Das ist doch eine richtige Spaßbremse, diese Frau. Aber eine richtige.

Ein Stückchen später kommen wir an drei Männern vorbei, die gerade Pflasterarbeiten machen. Wir müssen jetzt alle drei Fuß gehen. Die Männer springen auf und stellen sich an den Rand. Macht schon Spaß so ein Rudel.

Dann darf ich wieder ab von der Leine und düse los. Nicht mehr ganz so in das Schilf hinein. Will ja nicht gleich wieder an die Leine genommen werden.

Schade, die schönen Dinge sind immer so schnell vorbei. Ab geht es ins Auto und zurück. Wenigstens gibt es in der Höhle wieder Futter. Wenn Enrico sein Fleisch suchen muss, mache ich jetzt auch immer ganz brav “Sitz”. Wenn dann das Kommando “Such” kommt, stibitze ich mir immer ein Stück. Enrico merkt es nicht. Er schnüffelt zwar immer an der Stelle an der das Fleischstück vorher lag, ich zucke aber nicht mit der Wimper und dann gibt es sowieso noch einmal für alle Fleisch. Anschließend muss Tantchen arbeiten und der schönste Teil des Tages ist vorbei. Alle weiteren Spaziergänge sind jetzt nur noch Straße.

Hatte ich schon erwähnt, dass ich nicht die Mülltüten leere? Ich bin ein anständiger Hund. Die können noch so verlockend riechen, ich geh da nicht ran. Meine Mutsch hat immer gesagt, so etwas macht kein anständiger Hund, der etwas auf sich hält. Ich knabbere dafür gern an Wäsche oder Schuhen rum. Letztens habe ich mir die Straßenschuhe mit Schnürsenkel geholt. Also nicht, dass ich sie gemopst hätte, die standen da eben so rum. So habe ich sie in meinen Korb geholt und mal so wenig an dem Schnürsenkel gekaut. Schwups war er ab. Na, das kann doch mal passieren, da muss man sich nicht so haben. Vorsichtshalber habe ich ihn aber trotzdem aufgefuttert. Als Tantchen die Schuhe am nächsten Tag wieder anziehen wollte hat sie den Schnürsenkel anders gestellt. Nun ist er zwar sehr kurz, geht aber noch. Zur Sicherheit dreht sie die Schuhe nun immer um. Also wenn sie glaubt, dass ich so nicht an den Schnürsenkel rankomme, na dann, aber. Allerdings mache ich das jetzt nicht mehr. Er schmeckt nicht.

 

Tag 10

Heute habe ich in der Nacht nur ganz leise geknurrt als jemand im Treppenhaus war. Also das ist doch mein Job hier, oder nicht. Da werdet ihr Euch alle schön umgucken, wenn plötzlich die Einbrecher da sind. Akira meint, die kämen jetzt tagsüber. Also ich kann mich nicht um alles kümmern. Tagsüber ist der Rest des Rudels dran. Allerdings hat Tantchen wieder geknurrt. Enrico ist vor Schreck gleich in seinen Korb gerannt. Ich habe zur Sicherheit noch einmal kurz geknurrt. Vielleicht war ich gar nicht gemeint. Allerdings höre ich schon wieder ein Knurren. Bin also vermutlich doch gemeint. Na, dann eben nicht. Werdet schon alle sehen, was ihr davon habt.

Schlafe also weiter.  Endlich der Morgenspaziergang. Wie schön und ich darf wieder ohne Leine und tobe mit Enrico.

Auf dem Rückweg finde ich einen toten Fisch. Er hat noch nicht den richtigen Geruch aber trotzdem, ich wälze mich sehr ausführlich darin. Enrico kommt dazu und macht mit. Dann kommt Tantchen und macht nicht mit. Statt sich ebenfalls ausgiebig darin zu wälzen, was macht sie, nimmt uns beide an die Leine. Spaßbremse, habe ich doch gesagt. Macht aber nichts, der Spaziergang war schon fast zu Ende und an der Straße müssen wir immer alle an die Leine. Auf dem Rückweg hat Tantchen mir angedroht, dass ich unter die Dusche muss. Also wirklich, stecke ich Tantchen ins Wasser, wenn sie das scheußlich riechende Parfüm aufträgt, mache ich das? Aber sie darf? Na ja, spätestens morgen bin ich wieder bei meinem Fisch.

In der Höhle riecht es wunderbar nach Fleisch. Es wird Portion um Portion gekocht. Dann kommt es in eine große Tüte und wird auf den Balkon gestellt. Akira meint, dass ist für jemanden anderes.

In einem unbemerkten Augenblick entwische ich auf den Balkon und stecke, ist das herrlich, so viel Fleisch, meine Nase gleich in die Tüte und lege los. Enrico verpetzt mich nicht, oh nein, er steht im Flur, starrt Tantchen an und schielt mit den Augen Richtung Balkon. Sofort höre ich die energischen Schritte. Sind sie lauter als sonst? Sie sind ein Zeichen ob Tantchen sauer ist oder nicht. Sie ist sauer und ich dackele schnell ab in meinen Korb. Alte Petze. Aber mein Bäuchlein ist so schön gefüllt. Hat sich gelohnt, der kleine Rüffler.

Der Mittagsspaziergang findet wieder bei uns am Wasser statt. Da sind allerdings viele Hunde. Vor allem ein Husky schaut so interessiert. Ich schaue vorsichtig zurück. Der ist zwar an der Leine, das ist aber eine Schleppleine und die ist ganz schön lang. Zur Sicherheit lasse ich den Schwanz schon mal hängen, dann habe ich ihn schneller unter den Bauch geklemmt. Ich höre Tantchen pfeifen. Kann doch jetzt dem nicht den Rücken kehren. Er schaut rüber und ich schaue zurück. Dann kommt Tantchen und ist sauer. Vorsichtshalber lege ich mich gleich auf den Rücken. Komme trotzdem an die Leine. Die Besitzerin des Huskys ruft irgendwas rüber. Vermutlich denkt sie ich bekomme jetzt Haue. Na ja, Leine ist auch doof.

Zur Strafe gehe ich jetzt an der Leine an der Straße. Vermute allerdings, die Frau mit dem Hund soll erst verschwinden. Gehe also ganz brav “Fuß”. Werde aber nicht gelobt. Dabei ist das nicht selbstverständlich. Enrico kann das nicht, die Hibbelbirne.

Zurück am Wasser darf ich wieder ab von der Leine und soll nun mit Enrico spielen. Ich lass mir doch nicht alles sagen. Enrico schaut erwartungsfroh. Ich schnüffele aber lieber. Schließlich kommt da hinten der Fisch. Ha, ich komme vorher an die Leine. Enrico auch. Das ist sowas von gemein.

Der restliche Tag vergeht in lilaroter Langeweile. Abends werden Würstchen gekocht. Ich bettele nicht. Mutsch meinte immer, das gehört sich nicht für ein anständiges Mädel. Und das bin ich. Wenn aber Akira erwartungsfroh beim Essen zusieht, weiß ich inzwischen, dann gibt es etwas zusätzlich. Tatsächlich, jeder bekommt vom Joghurt etwas ab. Nicht schlecht. Würstchen wäre besser gewesen.

 

Tag 11

Habe heute in der Nacht mal wieder ein wenig geknurrt. War nur ganz leise. Tantchen gleich zurück geknurrt. Gott ist die kleinlich.

Beim Hundespaziergang werde ich jetzt immer sofort von der Leine abgemacht. Enrico bekommt den Ball geworfen und muss erst einmal “Sitz und bleib “ machen. Ich nicht. So habe ich mir den Ball geholt und darauf gewartet, dass Enrico das merkt und mich jagt. Hat die Knalltüte aber nicht. Er ist rumgewetzt und hat sich gewundert, dass er den Ball nicht findet. Ha, ich hatte den ja auch im Maul und bin fröhlich vor ihm rumgesprungen. Tantchen hat dann noch einen Ball aus der Tasche gezogen. Man ist die langweilig. Enrico als Oberangeber bringt den Ball immer zurück. Ich hab den Ball dann einfach fallen lassen. Langweilig so ein Ding, wenn es kein anderer haben will.

Um weiter am Wasser laufen zu können, müssen wir dazwischen immer ein kleines Stück Straße gehen. Das ist meine Hundetoilette. Hier mache ich mein Würstchen. Da kann man es doch wunderbar wegmachen. Akira und Enzo verschwinden dafür im Gebüsch. Also ich zeige mein Würstchen gern. Zumal es nach der Entwurmung vor drei Tagen nun wunderbar fest ist. In 7 Tagen bekomme die nächste Entwurmung. Also mich stört es nicht. Die Tabletten werden immer so wunderbar verpackt. Könnte ich jeden Tag wegmampfen.

Nach dem Frühstück lege ich mich in meinen Lieblingssessel. Nicht dass es hier so viel Auswahl an Sesseln gibt. Es sind nur zwei. Die Couch beachte ich jetzt nicht mehr. Nachdem Tantchen so aufgejault hatte, ist die mir unheimlich. Gut, ich hatte dabei noch den seidenen Unterrock zwischen den Pfoten. Aber so zu quietschen war dann doch übertrieben. Also ich gehe da nicht mehr drauf. Aber der Sessel ist schön. Enrico legt sich immer auf den anderen, der eigentlich ein gepolsterter Stuhl ist. Wie schön, dann ist der Ohrensessel für mich. Werde aber von Tantchen runter gezogen. Warum?

Hatte gestern vorsichtig versucht auf das Bett zu kommen und stellte mal meine Vorderfüße drauf. Wurde aber wieder runtergeschoben. Gut, das hat nicht geklappt aber der Sessel? Tantchen geht und ich liege wieder auf dem Sessel. Werde wieder vorsichtig runtergezogen. So langsam dämmert es mir, warum Enrico sich immer auf den gepolsterten Stuhl legt. Im Sessel sitzt Tantchen selber. Ach nee nee und ich? Lege mich dann lieber in meinen Korb. Will ja nicht rechthaberisch sein.

Ist noch nicht Mittag ? Hunger hätte ich auch schon wieder und auf dem Balkon ist nichts mehr. Alles weggefuttert. Leider nicht von mir.

Endlich geht es zum Mittagsspaziergang an die Havel. Darf fast von Anfang an ohne Leine laufen. Wow, hier sind frische Wildschweinspuren, da muss ich hinterher. Irgendwer pfeift. Kann mich nicht darum kümmern, muss erst einmal der Spur folgen. Oh, das Tantchen kommt. Lege mich vorsorglich auf den Rücken. Werde aber kommentarlos an die Leine genommen und muss nun “Fuß” laufen. Kenne ich schon und bin ganz brav. Es kommt jetzt wieder ein Stück Straße, da hätte ich sowieso ra gemusst. Auf dem Stück mache ich aber nicht mein großes Geschäft. Mache ich nur einmal am Tag. Reicht doch.

Nach der Straße darf ich wieder rennen. Als es schon wieder pfeift. Kruzifix, bin doch gerade erst los. Vermutlich bin ich gar nicht gemeint. Da kommt schon wieder die Leine an und ich muss schon wieder brav laufen.

Enrico rennt vor und ruft mich, hier ist eine frische Rattenspur, na wie soll ich den kommen, ich habe doch Leine. Also langweilig nebenher getrottet, bis ich endlich wieder losflitzen darf. Und dann geht es ab, rein ins Wasser, im weichen Sand rum, einfach herrlich. Akira schnappt sich einen Stock, den sie genüsslich auffrisst, während wir toben. Als wir weitergehen nimmt sie ihn mit. Für später. Wir brauchen immer so lange und ins Wasser darf sie nur noch mit den Pfoten. Ich nicht, ich darf ganz. Weil sie Rheuma hat. Ich nicht, ich hab Hummeln im Hintern.

Ein Baum liegt quer, der Wind ist aber auch wunderschön. Enrico und ich rasen los. Mit dem Wind rennen, das ist schön.

Wir treffen zwei fremde Hunde. Zur Sicherheit lasse ich den Schwanz hängen und verbelle sie. Ich gebe zu, meine Tonlage war ein wenig hoch und trotzdem hätte ich nicht dafür geschimpft bekommen brauchen. Immerhin hat der Kleene mitgemacht. Gut, das “Pfui” war für uns beide. Trotzdem. Zum Glück liefen die fremden Hunde woanders hin und ich konnte beruhigt weiterspielen.

Ein Paar, das sehr gut gerochen hat, lief an uns vorbei. Sind das meine neuen Besitzer? Das mache ich gerne, Menschen, die gut riechen den laufe ich gerne nach. Dann höre ich auch kein Rufen. “Wartet mal, so wartet doch mal.” Da dreht sich die Frau um und verscheucht mich. Das kenne ich aus Griechenland. Wenn ich da gebettelt habe, wurde ich von den Erwachsenen auch immer vertrieben. Dann eben nicht. Laufe zurück zu meinem Rudel und nehme Akira den Stock weg. Enrico nicht faul, mir hinterher.

Da kommt ein Vater mit zwei Kindern. Beide zwischen 6 und 10 Jahren, also im richtigen Alter. Es ist aber ein Mann. Ich versuche es trotzdem und bettele die Kinder an. Die haben aber Angst vor mir und klammern sich an ihren Vater. Hier wird es wohl nichts geben. Also toben wir weiter. Enrico ist immer zu allem bereit. Hauptsache rennen.

Oh, ein freundlicher Basset kreuzt unseren Weg. Wir sagen alle freundlich “Hallo” zueinander. Nur Enrico wird ganz steif und will ihn ins Genick beißen. Er wird aber nur von dem wesentlich stärkerem Basset weggeschleudert und dann bekommt er richtig geschimpft. Gut so. Was ist er auch so frech. Nun hat er Leine.

In der Höhle gibt es erst einmal Futter. Hab ich schon erzählt, dass Enrico wunderbar schmatzen kann? Ich versuche es auch immer. Bei mir hört sich das aber nach gar nichts an.

Ich übe weiter.

Nach dem Füttern kehrt Ruhe ein und ich mache mich an die Ausgehjacke ran. Da ist noch das Futter vom Spaziergang drin. Zwar nur das Trockenfutter, aber immerhin. Leider war ich zu laut und wurde ertappt. Ich glaube ich nenne Tantchen jetzt nur noch Meckertante. Bin dann in meinen Korb ins Exil gegangen.

 

Tag 12

Hab heute Nacht nur ganz leise geknurrt. Tantchen gleich zurück. Das ist aber auch laut hier. Wer rennt hier zu nachtschlafender Zeit durch das Treppenhaus. Knurre noch einmal ganz wenig. Tantchen lauter zurück. Meint sie also tatsächlich mich? Versuche es noch einmal mit einem kurzen Knurrer. Nun wird Tantchen aber noch lauter. Also ich muss nicht immer das letzte Wort haben, ich nicht. So lege mich hin und denke nur :“Ph!”.

Dann wird endlich aufgestanden und es geht ab zum Toben ans Wasser. Werde nach der Straße gleich von der Leine gelassen und ich schaue erst einmal wer in den letzten Stunden alles so vorbeigekommen ist. Leider wird schon wieder gepfiffen. Ist aber zu spannend hier, kann nicht kommen. Die anderen bekommen Hundewurst. Mir egal, ich schnüffele. Dann kommt leider Leine. Ich schwänzele ein wenig entschuldigend, werde aber nicht beachtet. Hundewurst gibt es natürlich auch keine. Gemein.

Nach einiger Zeit darf ich wieder ab. Enrico macht immer noch seine langweiligen Ballspiele und hat keine Zeit für mich. Stehe so ein wenig mit Akira rum, da wird schon wieder gepfiffen. Diesmal für Enrico. Da er neben mir sitzt, beugt sich Tantchen so dicht neben mir runter um den Ball aufzunehmen. Vorsichtshalber lege ich mich auf den Rücken. Oh, ich war gar nicht gemeint. So tue ich so als wenn ich mich nur habe wälzen wollen und rolle gemütlich über den Rücken. Ist gar nicht so einfach zu erkennen wer gerade gemeint ist, der Pfeifton ist doch immer gleich. Dann kommt Straße und ich muss an die Leine, dann wieder Wasser und ich darf ab. Man, man, man, das ist hier vielleicht eine Wirtschaft. Als wenn ich nicht wüsste, dass ich nicht mehr auf die Straße soll. Aber nein, ich muss, wenn wir Straße gehen immer an die Leine. Wieder am Wasser liegt da so ein Mann unter der Brücke. Riecht spannend. Da wird schon wieder gepfiffen. Vielleicht hat der was zu Essen für mich? Habe die sechs Pfiffe verpasst und muss wieder an die Leine. Essen habe ich bei dem Mann auch nicht gefunden. Blöd gelaufen.

Nun muss ich die langweiligen Ballspiele von Enrico mir an der Leine ansehen. Ist schon mit schnüffeln langweilig genug. Aber so ist es  richtig doof.

Dann darf ich endlich wieder ab und ich düse erst einmal  mit Enrico los. Hab mich heute noch nicht ausgetobt. Das Wasser schmeckt hier auch einfach besser als in der Höhle. Ich trinke immer extra lange um zu zeigen wie gut es hier schmeckt. Merkt aber keiner.

Dann spurte ich los, der Fisch ist nun drei Tage alt und müsste jetzt genau richtig riechen. Enrico nicht faul, aber sowas von hinterher. Leider Tantchen auch. Wir kommen fast zeitgleich an und es reicht nicht mal für ein schnelles Wälzen. Nun habe ich wieder Leine. Enrico nicht. Das ist gemein.

In der Höhle gibt es Futter. Ich bekomme versehentlich Enricos Napf hingestellt. Hab aber sofort protestiert und konnte gerade noch verhindern, dass der Kleene meinen Napf bekommt. Bei mir ist der Fleischanteil höher. Wär ja noch schöner, erst meine größere Portion Fleisch im Napf, dann Fleischsuchspiele und dann noch einmal Fleisch als Nachschlag. Ne, ne, da passe ich schon auf, schließlich muss es hier gerecht zugehen.

Dann ist Verdauungsschlaf dran. Enrico möchte nicht, Enrico möchte spielen. Bekommt immer sein albernes Spielzeug geworfen. Das ist mir aber wirklich zu unruhig. Außerdem ist die Handbewegung des Werfens dieselbe, die auch eine Hand ausführt die schlägt. Lege mich erst mal vorsichtshalber auf den Rücken. Da wird mir der Bauch gestreichelt. Schon mal nicht schlecht. Kaum bin ich wieder auf den Füßen, schon wird wieder geworfen. Das ist mir hier nun aber wirklich zu unruhig und ich verziehe mich auf meinen Sessel. Werde runter gezogen. Das ist doch nun wirklich gemein, da sitzt doch gar keiner drauf. Als ich wieder allein bin, springe ich wieder drauf. Schon kommt Tantchen wieder an und zieht mich runter. Nervensäge. Lege mich auf den Teppich und bleibe da solange liegen, bis alle zur Ruhe gekommen sind. Da jetzt hier gearbeitet wird, verschwinde ich im Schlafzimmer. Da bin ich mit Akira allein und kann mich so schön an sie kuscheln. Wenn ich die Augen zumache stelle ich mir vor, dass ist meine Schwester und wir sind wieder zusammen. Aber ein lieber anderer Hund, egal ob Rüde oder Hündin, sind auch schön. Hauptsache ich habe jemanden zum Kuscheln.

Schon wieder Lärm im Treppenhaus. Nun darf ich aber bellen. Enrico erschrocken gleich fragend mit. Hat er doch tatsächlich überhört. Bekomme schon wieder geschimpft. Tagsüber bellen darf ich auch nicht? Langweilig hier.

Am Nachmittag besuchen wir die Tante mit Ihren Hunden, die mich aus Frankfurt vom Flughafen geholt hat. Oih, drei so große Hunde rennen da rum. Im Wald bleibe ich an der Leine und gehe ganz brav “Fuß”. Möchte möglichst nicht auffallen. Enrico ist mir auch keine Hilfe, er fühlt sich im siebenten Haremshimmel. So viele Hündinen. Noch zicken sie und beißen ihn weg. Aber er ist zuversichtlich.

Dann geht es ab in den Garten. Enrico wird ins Auto gesperrt und ich muss mit. Fotos machen.

Enrico fühlt Verrat und macht, als er uns weg gesehen sieht und er im Auto bleiben muss, vor lauter Verzweiflung die Warnblinkanlage an. Wenn er damit SOS funken könnte, er hätte es getan. Im Garten ist mir das alles nicht geheuer. Ich klemme den Schwanz und stehe da sehr ängstlich rum. Dann hat Tantchen ein Erbarmen und holt Enrico aus dem Auto. Er mischt erst einmal die Mädels auf und dann fangen wir an zu toben. Die anderen werden festgehalten. Dazwischen werden immer wieder Fotos gemacht und ich bekomme auch das eine oder andere Stückchen Hundewurst.

Tantchen trinkt Kaffee. Leider sehr schnell und wir müssen gehen. Hätte es hier noch weiter ausgehalten. Die Mädels hier sind echt super und der Rüde ist so stürmisch, wie ich es schon von Enrico kenne. Nur viel größer.

 

Tag 13

Heute muss Tantchen gleich nach dem Morgenspaziergang los. Na, das kann ja heiter werden. Mittags geht es nur die gleiche Runde, die wir am Morgen immer gehen. Das bedeutet nichts gutes. Sie muss also am Nachmittag wieder weg. Enrico und ich jagen uns ein wenig. An einer Laterne liegen ganz viele Pommes Frittes. Schnell ein paar hinuntergeschlungen. Tantchen kommt angelaufen und ruft so was wie “Aus und pfui.” Kenne ich nicht, schmeckt auch zu lecker. Dann gibt es wieder Leine. Nur widerwillig lasse ich mich von dieser wunderbaren Futterstelle wegziehen. Ich bin halt ein Straßenhund. Aber ich will ja nicht so sein und komme ganz lieb mit. Nach einiger Zeit darf ich wieder ab von der Leine. Ich nicht faul, drehe um und renne zurück. Für einige Maulvoll hat es gereicht. Leider nicht alles geschafft. Man, dass frisst jetzt ein anderer Hund. Gemein. Wir gehen nun in den anderen Abschnitt am  Wasser. Hier darf ich wieder ab von der Leine. Zum Toben habe ich heute keine Lust. Schnüffele nur so ein wenig rum. Dann habe ich da so eine Spur in der Nase und laufe mal ein Stück los. Nach einiger Zeit höre ich ein Pfeifen. Ist hier viel zu spannend. Ich bleibe hier erst einmal dran. Das Pfeifen ist auch soweit weg, das ist vermutlich gar nicht für mich. Außerdem komme ich doch wieder. Will nur mal riechen, wo es hier so hin geht. Da kommt Tantchen angerannt. Ich lege mich vorsichtshalber auf den Rücken und muss wieder an die Leine. Ich muss “Fuß” gehen und es geht in Richtung Höhle. Man ist das langweilig.

Der Nachmittag verläuft so langweilig wie der Vormittag. Wusste ich doch, dass wir wieder allein gelassen werden.

Am Nachmittag gibt es nur Straße. Ich werde meine Koffer hier bald packen, wenn das so langweilig weiter geht.

 

Tag 14

Habe ein neues Spiel entdeckt. Immer wenn der Ball fliegt, muss Enrico “Sitz und bleib” machen bis er los darf. Ich muss das nicht. So laufe ich los, schnappe mir den Ball und renne immer vor Enricos Nase damit rum. Er ist aber so darauf fixiert den Ball zu suchen, dass er gar nicht mitbekommt, dass ich den Ball im Maul habe. Irgendwann tut er mir dann Leid und ich lasse den Ball fallen. Dann muss er noch ein bisschen suchen, weil der Ball nun nicht mehr in Wurfrichtung liegt. Anschließend bringt er ihn freudig zu Tantchen. Ich wiederhole die Aktion und schnappe mir den Ball wieder. Man ist Enrico blöd, ich renne vor seiner Nase mit dem Ball im Maul rum. Meint ihr der sieht das? Nö, rennt wie ein geisteskranker immer mit der Nase am Boden durch die Gegend. Ich habe ihm den Ball sogar gezeigt. Wollte nicht so sein, aber er rennt einfach an mir vorbei. Langweiliges Spiel. Nach dem Ballspiel toben wir noch ein wenig, Enrico immer vorneweg. Der ist ganz schön schnell. Muss ihn ein wenig am Pelz festhalten. An sein Geschirr komme ich nicht ran. Dann überschlägt er sich, dreht sich um und rennt weiter. Also nichts wie hinterher. Und ihn wieder an Fell festgehalten.Dann renne ich auch mal vorneweg. Leider muss  Enrico vor Freude dann immer kläffen. Das ist ein wenig lästig. Aber soll ich es ihm sagen? Das muss doch eigentlich seine Frau machen. Akira meint, sie hätte das schon getan. Hätte aber nichts geholfen.

Nach dem Frühstück geht Tantchen zum Sport. Und wir? Wir würden auch gern Sport machen.

Das haben wir dann auch gemacht. Als Tantchen wieder zurückkommt, sieht sie, dass wir die Wohnung umdekoriert haben. Einen Fußabtreter haben wir in kleine Flocken zerlegt und schön verteilt. Eine Zeitschrift zerpflückt. Ein paar Schuhe haben wir sehr dekorativ dazwischen verteilt. Ich sage immer wir, weil ich eine wohlerzogene Hundedame bin. Enrico und Akira haben sich das mehr interessiert angesehen. Eigene Ideen haben sie nicht gehabt. Und so richtig geholfen haben die beiden auch nicht.

Auf der Nachmittagsrunde, es gab nur Straße und ich hatte wieder Leine, haben wir einen Malteserwelpen getroffen. Wie süß und sie hatte so schön viel Angst vor unserem Rudel. Enrico wollte rammeln und sie hat sich gleich auf den Rücken geschmissen. Ich habe sehr intensiv den Bauch abgeschnüffelt. Ich liebe es, wenn ein anderer Hund vor mir Angst hat. Das macht mich so stark. Zumindest fühle ich mich dann so. Allerdings werden wir weggezogen, mit der Begründung, wir wären zu grob. Spaßbremse, sag ich doch.

 

Tag 15

Heute sollten wir alle länger schlafen. Enrico hatte dazu keine Lust und hat mit jedem Atemzug ein wenig gewinselt. Ich hab ihn gefragt, ob er Pfütze machen muss. Nö, er wollte nur endlich Action. Ich eigentlich auch. Aber den Rüffel  hat er bekommen. Dann ging es endlich ab zum Wasser.

Ich habe wieder das Ballspiel gemacht. Ist aber schnell langweilig, Enrico schnallt es einfach nicht. Ich kann mit dem Ball noch so vor ihm rumspringen, er rennt weiter und sucht den Ball. Hab ihn dann allein weiterspielen lassen und bin mal so zu den anderen Hunden gegangen. Mal angefragt wie es so bei denen zu Hause läuft. Erscheint mir doch bei den anderen Hunden ein wenig langweilig zu Hause. Dann gehe ich doch lieber mal die Büsche kontrollieren. Vielleicht finde ich ja etwas Essbares. Nur nichts umkommen lassen.

Da wird schon wieder gepfiffen. Mal sehen was sie will. Ach so, ich muss an die Leine, wir gehen jetzt ein Stück Straße.

Die hinteren Wiesen haben keinen direkten Zugang zum Wasser. Schade. Ich hatte mir das angesehen, ob ich da wieder rauskommen würde, wenn ich runter ins Wasser springe. Wohl eher nicht. Tantchen pfeift auch schon wieder. Gut,wenn ich komme gibt es immer ein Stück Wurst. Nicht schlecht. Auch die Idee mit dem Futterbeutel ist ganz gut. Wir allerdings erst einmal nur in der Höhle gespielt. Angeblich weil das ein Herr Rütter so vorgegeben hätte. Wer das auch immer ist, er weiß nicht, wie sehr wir alle draußen toben und außer Enrico mag in der Höhle niemand mehr spielen. Außer wenn wir allein sind. Aber dann kann auch niemand den Futterbeutel werfen oder verstecken. Obwohl, da würde uns dreien schon etwas einfallen. Also mir.

Auf dem Rückweg haben wir noch so eine riesige schwarze Hündin getroffen. Ich habe erst einmal gezeigt, dass ich mich unterordne und habe den Schwanz eingeklemmt. Die Hündin meinte das wäre ok. Und tobte mit Enrico los. Ich nicht faul, ebenfalls hinterher. Wie schön, die Hündin rannte immer vorneweg und dann ab in eine Pfütze und sich rein gelegt. Wir beiden anderen hinterher. Irgenwann wurde es mir dann aber langweilig und ich schnüffelte schon einmal ein Stück weiter. Da waren interessante Spuren. Mein lieber Storch. Irgendwoher pfiff es leise. War bestimmt nicht für mich. Ist auch so leise, sonst wird doch immer lauter gepfiffen. Ist so weit weg. Ist nicht wichtig, kann nicht auf jedes Pfeifen hören. Da kommt Tantchen auch schon angerannt. Was will die Spaßbremse von mir? Laufe zur Sicherheit erst einmal weiter. Bin ja auch vielleicht gar nicht gemeint. Doch, sie rennt mir hinterher. Lege mich, nun etwas erschrocken,  lieber auf den Rücken. Vielleicht krault sie mir das Bäuchlein. Nein, ich werde nur an die Leine gemacht und wir gehen zurück zur Höhle. Wusste schon, warum ich lieber weiter gelaufen bin.

Wenigstens bleibt das Rudel heute am Sonntag den ganzen Tag zusammen. Und heute wird auch wieder der Futterbeutel in der Höhle versteckt und wir suchen ihn alle drei gemeinsam.

 

Tag 16

Heute haben wir beim Morgenspaziergang am Wasser mächtig getobt. Unsere große schwarze Freundin aus Rumänien ist auch wieder da. Sie rennt so toll vorneweg. Anschließend legt sie sich immer in den Kanal. Dann hat sie Leine. Menschen scheinen hier so zu sein. Für alles gibt es eine Regel. Selbst für mein Häufchen. Ich soll dafür ins Gebüsch gehen. Dabei denke ich, ich darf nicht ins Gebüsch, Hä!  Und nun erklär mir das mal einer.

Anschließend wird wie immer gearbeitet und wir schlafen um unser Frühstück zu verdauen. Dann ist endlich Mittag und es geht an die Havel. Eigentlich sollte heute, aus Zeitgründen, nur Wasser dran sein, aber der Spaziergang an der Havel ist für alle so entspannend.

Sand und Wasser, wir haben wieder toll getobt. Plötzlich taucht hinter uns ein Mann mit Jack Russel auf. Enrico stolperte fast über seine Füße, weil er den anderen nicht aus den Augen lassen will. Da der Besitzer ziemlich schnell läuft, stellen wir uns alle an den Rand. Jeder mit einem Stück Hundewurst vor der Nase, damit wir auch da bleiben. Hundewurst will ich schon. Ich hätte zwar auch gern an dem fremden Hund geschnüffelt, will aber nicht unfair gegenüber dem Kleenen sein. Der wäre ganz schön traurig über meinen Verrat.

Kaum haben Herr und Hund uns überholt, werden sie langsamer. Zum Glück ist es nicht mehr weit zum Auto sonst hätten wir irgendwann rückwärts laufen müssen. Schließlich muss Enrico an die Leine, der andere ist zu nah. Ich muss auch gleich mit ran. Dann stehen sich der fremde Rüde und Enrico Auge in Auge gegenüber. Wir können nicht weiter, der andere will nicht weiter. Irgendwann ruft Tantchen, ob er nicht mal weiter gehen könnte, wir würden auch gerne weiter. Als er dann geht, ruft sie noch ein „Vielen Dank“ hinterher. War schon ganz schön genervt das Bedanken. Also so richtig gilt das nicht. Das hätte ruhig freudiger sein können, dann wäre er jetzt vielleicht auch ein wenig schneller gelaufen. Der fremde Rüde bleibt nun an jedem Erdhuppel stehen um zu schnüffeln und Herrchen steht mit. Nur weil unser Auto so nah ist, schafften wir es in einem kürzerem Zeitraum zum Auto als der ganze Hundespaziergang gedauert hat. Und Tantchen ist so in Eile.

Dann ist nur noch Verdauungsspaziergang dran.

Als Tantchen dann abends nach Hause kommt, sie war ganz schön lange weg gewesen, hatte ich einige Zeitschriften ausgelesen. Nun ja, sie sehen ein wenig zerfleddert aus, aber blättern Sie mal mit den Zähnen um. Da kann schon mal die eine oder andere Ecke etwas leiden. Oder die Seiten. Akira meint, sie hat früher immer die Bücher so gelesen, dass sie anschließend noch einmal gelesen werden können. Aber das macht man doch mit einer Zeitschrift gar nicht. Außerdem drängelt Enrico, weil er mit mir spielen möchte. Da kann ich, bei der Drängelei, nicht sorgfältig mit der Pfote blättern. Da muss man schon die Zähne nehmen.

 

Tag 17

Hab heute mal wieder Enrico den Ball gemopst. Er hat ganz schön lange gesucht bis er es gemerkt hat. Dann habe ich ihn lieber liegen lassen. Er kann ganz schön sauer werden.  Beim nächsten Werfen habe ich ihn mir geholt und schnell eingebuddelt. Dann bin ich um ihn rumgesprungen und hab immer gerufen:“Such doch, such doch.“ Hat er natürlich nicht gefunden, obwohl nur ganz wenig Sand drauf war. Hab ihn dann wieder selber ausgebuddelt und liegengelassen. Ist ja langweilig mit ihm.

Zurück in der höhle gibt es, nach dem Frühstück keinen langen Verdauungsschlaf. Wir werden ins Auto gepackt und ab geht es nach Ludwigsfelde. Keine Ahnung wo das sein soll. Ist jedenfalls ganz schön grün. Ich würde gern aussteigen, die anderen beiden auch. Ging nicht, wir müssen im Auto bleiben. Erst wird behandelt. Mein Gott, das dauert wieder.

Dann endlich kommt Tantchen mit einem netten Ehepaar, die nun mit uns spazieren gehen wollen. Auch gut. Hauptsache endlich rennen. Nur wollen sie mich auch gleich anfassen. Hat ihnen noch niemand gesagt, dass man einen fremden Hund nicht anspricht, ansieht und anfasst? Mir wird himmelangst und bange und ich habe mich erst einmal in die Büsche geschlagen. Akira ist dann hingegangen und hat gesagt, dass sie gern gestreichelt werden würde. Enrico hatte schon zu tun. Es gibt hier so viel zu erschnüffeln. Wir beide nichts wie vorneweg. Ab durch die Büsche. Irgendwann wird gepfiffen. Der Streber Enrico dreht natürlich sofort um. Ich natürlich nicht. Das nette Ehepaar riecht, als ich dann zurückkomme, deutlich nach Angstschweiß. Dachten sie, ich bleibe hier und muss mir mein Futter wieder selber suchen? Obwohl ich hier noch eine Menge gerochen habe, was ich verputzen könnte. Aber die Hundewurst schmeckt doch besser und die gibt es zur Belohnung, wenn ich zurückkomme. Die beiden anderen müssen immer auf mich warten, weil wir nur alle zusammen unser Stück  Hundewurst bekommen. Enrico hat mir angedroht, dass er mich das nächste Mal zwickt, wenn ich mir wieder soviel Zeit lasse. Ich wüsste doch, bis zum 3. Pfiff muss ich auf dem Rückweg sein, sonst gibt es keine Hundewurst. Kann mir mal jemand von den so regelwütigen Deutschen erklären, was „auf dem Rückweg“ bedeutet? Wenn gepfiffen wird, drehe ich meinen Kopf sofort in Richtung des Pfiffes. Manchmal irre ich mich in der Richtung. Das kann doch mal passieren.

Bis jetzt bekomme ich fast immer mein Stück Hundewurst. Auch wenn es etwas länger dauert, bis ich komme. Ich darf nur nicht den Fehler machen, dass Tantchen mich die ganze Zeit sieht und somit weiß, dass ich, es sind immer nur kleine,  Umwege einlege.

Dann muss ich an die Leine und es gibt keine Hundewurst. Blöde Regeln.

Das Ehepaar dreht lieber um, es ist ihnen wohl ein wenig zu aufregend mit mir. Es riecht aber auch alles so toll hier. Und dass hier Leinenzwang ist, das Ehepaar hat behauptet wir dürften hier frei rennen. Na also!

Nach dem Essen sollte es eigentlich Büroarbeit geben. Leider kommt ein Anruf und Tantchen muss zur Behandlung weg. Die Zeitungen hatte ich alle schon ausgelesen. Was also tun. Zum Glück finde ich noch einige Unterlagen, die ich durcharbeiten kann. Hey, sie lagen auf dem Boden. Waren also eigentlich für uns hingelegt. Also fast. Ich kann nichts dafür, dass Akira zum Lesen schon eine Brille braucht und immer vergisst, wo diese gerade ist. Und Enrico ist viel zu hibbelig. Der hat nicht die Geduld so ein Blatt zu lesen.

Tantchen scheint die Unterlagen nicht mehr zu brauchen, sie sammelt sie ein und wirft sie weg. Warum hat sie denn nicht gesagt, dass die schon veraltet sind? Dann hätte ich sie auch nicht mehr zu lesen brauchen. Allerdings sind die Schnipsel, die ich übrig gelassen habe, schon irgendwie sehr klein.

 

Tag 18

Heute sind wir noch im Dunkeln zum Morgenspaziergang aufgebrochen. Tantchen will den Sonnenaufgang sehen. Ah ja!

Am Wasser will Enrico unbedingt Ball spielen. Er meint, er würde an der Stelle immer Ball spielen und darum spielt er das auch jetzt im Dunkeln. Obwohl er nicht erst wartet bis der Ball liegt, sondern schon beim Werfen hinterher ist, findet er ihn ewig nicht. Er ist entsprechend schlecht gelaunt. Wird auch nicht besser als er ihn dann endlich hat. Doofe Dunkelheit.

An der Straße brauche ich nicht an die Leine, weil es zum einen eine Anliegerstraße und dann auch noch eine Einbahnstraße und außerdem so früh ist, dass hier noch keine Autos unterwegs sind. Trotzdem habe ich gezeigt, dass ich den Unterschied zwischen Straße und Bürgersteig sehr wohl kenne und bin ganz brav auf dem Bürgersteig geblieben. Auf dem Rückweg muss ich trotzdem an die Leine, weil dann die Ablenkung für mich noch zu groß ist. Pft!

Als es heller wird, Sonnenaufgang sehen wir irgendwie nicht so richtig, will Enrico unbedingt wieder Ball spielen. Ich habe ihn, als er wieder warten muss, mir schnell gemopst und eingebuddelt. Er rennt wie ein Irrer. Irgendwann zeigt Tantchen ihm, wo der Ball ist. Er holt ihn sich und sieht mich dabei aber ganz böse an.

Als der Ball wieder fliegt, hole ich ihn mir lieber nicht noch einmal. Er findet ihn trotzdem nicht. Ätsch! Irgendwann wird es mir zu langweilig und ich fordere ihn zum Spielen auf. Da ist er so wütend auf mich los, dass ich mich lieber gleich auf den Rücken werfe. Tantchen kullert ihm einen anderen Ball hin. Der andere ist weg. Wir bekommen nun jeder unser Stück Wurst und ich frage noch einmal bei Enrico an, ob wir nicht spielen wollen. Er ist aber immer noch so böse auf mich. Musste mich gleich wieder auf den Rücken legen.

Später hat er sich dann beruhigt und wir können wieder zusammen toben. Ich muss aber vorneweg. Von mir will er sich noch nicht jagen lassen. Gott ist der Hund nachtragend. Zuletzt, als der Ball tatsächlich weg war, hatte ich ihn vorher nicht woanders hingelegt. Gelber Ball, gelbes Laub und der Fall ist erledigt. Ist aber zum Glück der kaputte Ball. Ersatzball ist schon gekauft. Hat ihn aber trotzdem mächtig gefuchst, dass er den Ball nicht gefunden hat. Vielleicht findet er ihn morgen wieder.

Als wir alle wieder an der Leine sind, muss Enrico seinen Frust noch an der Leine auslassen und zottelte mächtig an ihr rum. Ich laufe schon immer sehr gesittet an der Leine. Habe nur einen leichten Linksdrall. Da ich rechts laufe, schiebe ich mich dadurch manchmal ein wenig vor Tantchens Füße. Allerdings ist sie erst einmal über mich gestolpert. Meist passe ich schon auf.

Abends wird der, auf dem letzten Ausflug gekaufte, Kürbis zerlegt. Er hat eine rote Farbe mit grünen Bereichen. Hätte jemand mich gefragt, also ich wusste, dass der noch nicht richtig reif ist. Das macht sich dann beim Zerlegen bemerkbar. Tantchen braucht erst einmal ein Glas Wein zur Beruhigung ihrer Nerven. Da könnte ich jetzt auch einen Schluck von gebrauchen. Bisher sind allerdings noch alle Finger dran. Gehe lieber in mein Körbchen. Das Fluchen will ich nicht hören und mitansehen kann ich es auch nicht. Ich bin sicher, hier fließt noch Blut.

Widererwarten ist alles gut gegangen. Der Kürbis riecht wirklich gut und wir bekommen alle ein Stück. Schmeckte irgendwie mehlig. Moment mal, kann ich auch ein bisschen von der Suppe haben? Typisch, das isst sie allein. Angeblich zu viel Chili und Curry dran. Na, wie könnte es sonst auch schmecken. So mehlig etwas?

 

Tag 19

Der Morgenspaziergang findet wieder im Morgengrauen statt. Das kennen wir jetzt schon. Ende des Monats soll es noch mal deutlich früher dunkel werden, da gibt es eine Zeitumstellung!? Zeitumstellung, so was können sich nur Menschen ausdenken. Und nun soll es der inneren Uhr schaden. Da haben wir Hunde es einfacher, wir haben nicht einmal eine äußere Uhr. Tantchen auch nicht mehr. Nachdem sie ihre verlegt hat, versucht sie sich über Handy die Zeit zu holen. Meist hat sie das Handy aber vergessen, dann muss sie Leute fragen. Menschen sind so kompliziert.

Im Park kommt ein Mann mit zwei großen Hunden an der Leine direkt auf mich zu. Zuerst renne ich wütend bellend hin. Die laufen aber immer weiter auf mich zu. Erschrocken drehe ich mich nach Enrico und Akira um. Akira hat wie immer nur die Kekse  im Kopf und Enrico, achtet zwar darauf, dass keiner von den beiden Hunden seinem Spielzeug zu nahe kommt, ist aber ansonsten mit Suchen beschäftigt. Ich rette mich dann doch lieber zu Tantchen, die mich auch ganz lieb streichelt. Sie finde das auch doof, dass der mit seinen zwei Hunden direkt auf und zu kommt. Extra über die Wiese um an uns vorbei zu gehen. Warum macht er so etwas? Akira und ich bekommen ein paar Extrakekse. Wurst ist heute vergessen. Na wenn schon mal was schief geht, dann aber richtig.

Den Ball von gestern haben wir nicht wiedergefunden. Nicht, dass ich danach gesucht hätte, ich hab nur mal so ein wenig geschaut. Endlich hat Enrico das ganze heute verteilte  Hundespielzeug gefunden und zurück gebracht. Nun kann ich endlich anfangen mit ihm zu spielen. Vorher hat er ja keine Zeit.

Leider treffen wir den Mann mit seinen beiden großen Hunden wieder. Diesmal bleibt er zum Glück auf dem Weg und wir weichen über den Rasen aus. Enrico muss an die Leine. Spielt sich ein wenig auf, als wäre er ein Kampfhund. Angeber der, dabei ist er ganz froh, dass er an der Leine ist und nicht zu den großen Hunden rennen kann.

Am Ende des Spaziergangs fange ich wieder an zu humpeln. Hatte mir gestern ein wenig die Pfote verstaucht. War heute vielleicht ein wenig viel getobt. Tantchen schaut nach, ob ich eine Verletzung oder  mir etwas eingetreten habe. Ich zeige genau auf die Stelle, die weh tut. Tantchen pustet und ich tue mir ganz dolle selber Leid. Bekomme ganz viele Streicheleinheiten. Fühle mich auch schon viel besser und kann, ohne zu humpeln, zum Frühstück laufen.

Bis auf Enrico halten wir nun alle unseren Verdauungsschlaf. Er möchte sein Spielzeug geworfen bekommen. Dann düst er, freudig aufgeregt, hinterher. Das macht mir allerdings große Angst. Mit eingezogenem Schwanz schleiche ich vorsichtig aus dem Zimmer. Hui, das weckt böse Erinnerungen. Zum einem an Schläge und zum anderem an Hunde, die auf Krawall aus sind und auf andere Hunde losgehen. Musste ich leider in Griechenland schon mit ansehen. Wenn sie dich dann auf dem Kieker haben, dann Gnade dir Gott. Dann bist Du entweder sehr schnell oder tot. Ich bin nun nicht so sehr schnell. Also verziehe ich mich rechtzeitig.

Heute gibt es nur einen Mittagsspaziergang am Wasser. Na ja, Enrico und ich toben ein bisschen. Zur Schonung meiner Pfote dauert er heute nur eine halbe Stunde. Damit Enrico sich austobt, bekommt er seinen Ball geworfen. Ich streune so ein wenig herum. Ein kniehoher Rüde würde gern mit mir spielen. Nachdem ich ihn vorsichtig beschnüffelt habe,  gehe ich gern darauf ein. Da höre ich schon einen Pfiff. Soll ich dem jetzt wirklich folgen? Möchte noch ein wenig spielen und reagiere nicht. Da kommt die Spaßbremse auch schon an und ich habe wieder – kommentarlos –  Leine.

Nach dem Mittagessen muss Tantchen weg. Das wird jetzt aber langweilig. Zeitung habe ich ausgelesen, ein paar Unterlagen finde ich noch und stöbere sie durch. Ein kurzes Fangen mit Enrico gespielt, dann schlafen wieder alle. Also was jetzt? Sammle alle Schuhe ein, die ich so finden kann. Ah, da sind wieder einige mit Schnürsenkel dabei. In Gedanken kaue ich auf den Schnürsenkeln rum. Und runtergeschluckt. Uih, die habe ich jetzt ganz kurz abgefressen. Lege mich in einen anderen Hundekorb. Mit den Schuhen habe ich nichts zu tun.

 

Tag 20

Am Morgen versucht Tantchen ihre Schuhe mit den Schnürsenkeln zu schließen und es geht nicht. Sie sind so kurz, dass sie nur noch als Attrappe dienen können. Also das kann doch mal passieren. Es war einfach furchtbar langweilig.

Beim Morgenspaziergang ist es noch so düster, dass Enrico nur unter einer Laterne seinen Ball suchen kann. Es ist dann auch ein recht kurzes Spiel. Ich darf inzwischen regelmäßig auf der kleinen Straße ohne Leine laufen. Und bleibe immer brav auf dem Bürgersteig. Nur die Ecke kürze ich ein ganz klein wenig ab. Das ist doch aber auch unlogisch, der weiten Kurve des Bürgersteiges zu folgen, wenn ich die Ecke mit zwei Schritten abkürzen kann. Es wird aber nicht kommentiert.

Und weiter geht es unter der Brücke durch. Hier schlafen oft Menschen. Das riecht immer so lecker. Ich frage mich, ob es hier ein wenig Futter zu stibitzen gibt, werde aber schon wieder abgepfiffen. Es wurden vor einiger Zeit hier Lampen angebracht. Nun ist es Taghell und man kann alles genau sehen. Wer macht so etwas? Am Wasser sind die Lampen defekt und es ist stockdunkel. Unter der Brücke aber, unter der die Obdachlosen schlafen, werden Lampen installiert. Verstehe einer die Menschen.

Heute kann ich wieder toben. Meine Pfote tut nicht mehr weh und ich düse mit Enrico durch den weichen Sand. Akria ist, genau wie ich, von Enricos Jagdgekläffe absolut genervt. Sie hoppelt ein wenig bellend hinter uns her. Viele glauben, sie will mitspielen. Will sie aber nicht. Sie möchte Ordnung schaffen.

Auf dem Weg nach Hause wird den bettelnden Krähen, wie immer, eine Erdnuss hingeworfen. Eine Erdnuss fliegt zu kurz und ich konnte sie mir schnappen. Schnell hinuntergeschlungen. Die Schale hat ein wenig im Geschmack gestört. Konnte mich aber nicht mit dem auspacken der Nuss aufhalten.

Nach dem Frühstück wird mir der Schuh, von dem ich den Schnürsenkel abgefressen habe, an mein Halsband gebunden. Angeblich hat das ein Herr McMillan empfohlen. Was für eine blöde Idee. Zuerst nehme ich den Schuh ins Mau und trage ihn ein wenig herum. Das wird aber schnell doof und ich lasse ihn wieder fallen. Nun stört er aber beim Laufen, weil er mir vor den Pfoten rumbaumelte. Dieser sogenannte Hundetrainer hat das wohl für eine Stunde empfohlen. Tierquäler, der er ist. Zum Glück wird mir der Schuh schon nach 10 Minuten wieder abgenommen. Ich habe ihn mit keinem Blick mehr gewürdigt. Ich bin ja auch schon groß und Schuhklau ist doch nur was für Kleinkinder.

Mittags fahren wir an die Havel. Wie schön. Und ich bin ganz lieb und komme  immer sofort, wenn nach mir gepfiffen wird. Überall frische Wildschweinspuren. Und zwar ganz frisch. Enrico und ich stöbern ein wenig, um zu sehen, ob wir irgendwo noch welche finden. An zwei Stellen riecht es dazu noch wunderbar nach Ratten. Haben aber keine erwischt. Schade.

Kurz vor dem Auto finde ich dann noch eine Tasche mit Essen. Und muss doch erst einmal versuchen diese zu leeren. Die Pfiffe kann ich leider nicht beachten. Zwar hörte ich, dass Tantchen nun suchend durch das Gebüsch stapft, aber hey, man kann nicht immer gewinnen. Doch ich mache mich so klein wie möglich und stecke meinen Kopf nun tiefer in die Esstasche.

Nachdem ich alles verputzt habe, zeigte ich mich wieder. Natürlich gibt es jetzt wieder Leine. Aber wir sind kurz vor dem Auto und ich wäre jetzt vermutlich sowieso an die Leine gekommen.

Anschließend gibt es wieder Futter und Verdauungsruhe. Tantchen musste jetzt los. Sie war sehr gespannt, ob bei ihrer Rückkehr Schuhe in meinem Korb liegen werden. War nicht. Von Schuhen hatte ich erst einmal genug. So was will ich nicht noch einmal am Hals haben. So gibt es für alle am Abend eine extra Portion Fleisch.

 

Tag 21

Jeden Tag wird es ein Stück dunkler. Inzwischen müssen wir durch einen stockdunklen Park laufen. Die Lampen sind schon seit Jahren kaputt. Es fällt schwer hier vernünftig Ball zu spielen. Wir laufen immer vor bis zu der kleinen Straße. Hier haben wir eine Straßenlaterne und Enrico findet seinen Ball schneller wieder.

Zu meinem Erstaunen sind heute die Lampen unter der Brücke aus. Sind die schon wieder kaputt? Endlich kann der Obdachlose wieder ruhig schlafen. Den Sonnenaufgang haben wir immer noch nicht gesehen. Es stehen zu viele Bäume mit Laub vor der guten Sicht.

Im Gebüsch finde ich wieder leckeres Futter. Das muss ich erst herunterschlingen, bevor ich auf das Pfeifen hören kann. Da kommt aber schon Tantchen an und ich habe wieder Leine. Hatte dieser Hundetrainer nicht gesagt, dass dies alles ohne Verärgerung erfolgen sollte? Und was ist, Tantchen ist sauer. Ist das etwas ohne Emotion? Aber da hört sie nicht auf  ihre Hundetrainer, da nicht. Ein Schmatzen kann ich allerdings nicht unterdrücken. Es war einfach zu lecker, was ich da im Gebüsch gefunden habe. Später habe ich Blähungen. Keine Ahnung woher.

Dann wird wieder geschlafen und wir werden allein gelassen. Die meisten Schuhe werden versteckt. Als wenn mich die noch interessieren würden.

Es ist ziemlich langweilig, weil es so lange dauert bis wieder jemand kommt. Die Zwischenzeit habe ich aber gut genutzt und ein wenig umgeräumt. Ein paar Unterlagen habe ich sehr genau durchgearbeitet. Hey, sie lagen auf dem Boden. Waren damit wohl für uns Hunde gedacht. Bei dem Kugelschreiber wusste ich nicht so genau, wie das funktioniert. Habe ihn erst einmal auseinandergenommen um zu sehen, wie er funktioniert. Wie das so ist, ich habe ihn nicht mehr zusammen bekommen. Vermutlich hat diese Miene die Aufgabe einfach zerkaut zu werden. Das kann erledigt werden. Schuhe sehe ich natürlich nicht mehr an. Wenn die Menschen da so eigen sind, dann eben nicht.

Dann kommt endlich der lang ersehnte Spaziergang. Leider zu viele Menschen um richtig zu toben.

Zurück in der Höhle fege ich erst einmal mit Enrico durch alle Räume. Dazwischen wird versucht unsere wunderbare Ordnung wieder zu zerstören. Unsere Stöcke, die wir uns aus dem Wald mitgebracht haben, hatten wir schon ganz schön zernagt. Die Holzbrösel lagen zum Teil auf dem Fußabtreter. Tantchen nimmt ihn auf um ihn aus dem Fenster zu schütteln. Als sie ihn gerade hochhebt, kommen wir um die Ecke gedüst und Enrico rannte genau gegen den Abtreter, der im hohen Bogen wieder auf den Boden fliegt. Alle Holzbrösel verteilten sich nun überall auf dem Teppichboden und müssen von Hand einzeln aufgesammelt werden.

Enrico meinte nur:“ Ups!“ rennt aber gleich weiter. Ich nicht faul, hinterher. So können wir den Tag wenigstens noch gemütlich ausklingen lassen.

 

Tag 22

Heute ist es schon hell, als wir zu unserem Hundespaziergang aufbrechen. Enrico möchte wieder nur mit seinem Ball spielen und zerfetzt ihn. Ich streune so ein wenig rum und Tantchen sucht Walnüsse. Damit habe ich freie Bahn und kann im Gebüsch verschwinden um mal nachzusehen, was es hier so zu Fressen gibt. Da wird schon wieder gepfiffen. Ich komme gleich angerannt um mir mein Stück Hundewurst abzuholen. Enrico kommt nicht. Bekommt auch nichts. Akira und ich stehen weiter ganz lieb und abwartend da. Dafür gibt es noch einmal ein Stück Wurst. Enrico wartet auch und bekommt auch ein Stück.

Wie immer warten die Krähen schon auf ihre Erdnüsse. Eine Nuss fliegt in meine Nähe. Die Krähe traut sich nicht ran. Also wenn die die Nuss nicht möchte, dann würde ich sie nehmen. Aber Tantchen sieht es und ruft mich. Schnell versuche ich noch mir die Nuss zu schnappen. Jetzt kommt ein „Nein“. Gott, ich weiß nicht was dieses nein heißt, aber es wird so scharf gesprochen, dass ich mich nun nicht mehr traue. Laufe also schnell meinen Kumpels hinterher. Dann wird mit Enrico wieder Ball gespielt und ich renne schnell zurück um mir die Nuss zu holen. Weiß noch genau, wo sie liegt. Kurz vor meiner Nase holt sich so eine freche Krähe meine Nuss. Also ich wusste doch, dass ich sie mir hätte sofort holen sollen. Vor meiner Nase, das ist gemein.

Auf dem Rückweg tobe ich mit Enrico über die Wiesen. Ich verschwinde im Gebüsch. Enrico nicht. Er traut sich nicht. Draußen pfeift es. Na und, na und? Beim 7. Pfeifen komme ich dann doch. Jetzt gibt es eigentlich Leine. Aber so blöd bin ich dann doch nicht. Ich kam aus dem Gebüsch gedüst und  Enrico fegte hinterher. So kann ich nicht an die Leine genommen werden. Schade, dass ich diese Idee nicht schon früher hatte. Solange wir uns jagen kann ich nicht abgerufen werden. Und hinterher ist der Zeitpunkt verpasst um mich noch an die Leine zu nehmen. Hätte ich früher wissen sollen.

Beim Mittagsspaziergang wird Bilanz gezogen. Ich kann schon „Sitz, Platz (im Auto), Halt an der Straße, Nein (bei Spielzeug), Pfui, wenn ich Futter nicht aufnehmen soll, Aus (ist Unsinn, warum sollte ich lecker Essen ausspucken) und Hier ( kann ich gut, wenn nicht gerade Futter in meine Nase sticht). Ich ziehe nicht an der Leine und springe auch niemanden an. Bekomme ich einen Keks, dann nehme ich ihn ganz vorsichtig aus der Hand. Was ich immer noch mache ist Wuffen oder Knurren wenn ein Hund an der Wohnungstür vorbei geht oder wenn Hunde im Fernseher bellen. Ich knurre dann immer eine Warnung, dass sich ja keiner trauen soll, hier rein zu kommen. Dafür bekomme ich immer sofort geschimpft. Aber ist schon mal einer reingekommen? Nein! Na also!

Der Spaziergang ist viel zu kurz und es gibt nur Straße. Ich frage, ob ich nicht, wie die anderen beiden Kumpel, auch ohne Leine gehen dürfte. Noch zu früh, wird mir mitgeteilt. Ich kürze noch die Ecken über die Straße ab. Na, sag doch mal selbst, wozu soll ich außen rum, wenn ich an der Ecke auch quer rüber kann. So ein kleines Eckchen, da kann doch nicht viel passieren. Keine Chance.

Am Nachmittag geht es ans Wasser. Leider nur. Am Wasser ist es bei dem schönem Wetter voll. Das Verhältnis von Baum zu Mensch ist ungefähr 1:1. Überall sitzt, kraucht oder picknickt es. Kinder toben, Radfahrer fahren und Hunde rennen an der Laufleine herum. Ein vernünftiger Spaziergang ist einfach nicht möglich. Bei jedem Menschen, der Futter in der Hand hält, stelle ich die Ohren auf Durchzug und fange an zu betteln. Pfeifen kümmert mich nicht. Das gibt dann immer Leine und macht den Spaziergang noch langweiliger. Ständig wird gepfiffen, ich reagiere natürlich nicht, dann kommt Tantchen und nimmt mich an die Leine. Dies ist heute die ständige Reihenfolge. Dann gehen wir zurück und wenigstens schmeckt das Futter. Blöder Tag.

Was ich noch unbedingt erzählen muss. Ich bin ja hier nur auf Pflegestelle. Also, ich suche noch ein schönes Zuhause.

 

Tag 23

Heute ist es beim Morgenspaziergang noch stockdunkel. Enrico will trotzdem spielen. Geht aber nur unter der Laterne. Vor lauter Frust darüber, dass der Ball immer nur ein kurzes Stück kullert, zerfetzt er ihn. Schön blöd, nun kann er gar nicht mehr spielen.

Ich habe dafür entdeckt, dass es hier noch überall jede Menge Futter gibt. Intelligent wie ich bin, merke ich mir jede Stelle, an der ich nicht alles aufessen konnte, weil ich zu früh beim Futtern entdeckt werde. Komme ich wieder in die Nähe des leckeren Futterrestes, renne ich rechtzeitig los, um lange genug vor allen anderen an der Stelle zu sein, um auch noch den letzten Rest Futter zu verputzen. Meist merken sich aber auch alle anderen diese Stelle. Kaum renne ich also los, rennen alle anderen hinterher und es gibt wieder Leine und ich werde geschimpft. Na ja, nichts ist perfekt. Nun wird ständig „Aus“ geübt. Dafür wird ein Stück Hundewurst vor mir auf den Boden gelegt. Schon mal nicht schlecht. Dann darf ich das Stück Wurst aber nicht fressen. Was für eine Idee. Als ich dann aufgefordert werde es nun zu essen, traue ich mich nicht. Ich habe zwar nicht verstanden, warum ich das Stück Hundewurst erst vor die Nase gelegt bekommen habe und es dann doch nicht essen darf. Aber gut, Menschen sind nicht immer zu verstehen. Dann überlasse ich die Wurst eben dem Menschen. Allerdings frisst es nach dem Kommando „Nimm“ immer Enrico. Er lebt nach der Devise, nur nichts umkommen lassen. Und er ist schnell. Akira würde es auch nehmen, kommt aber gegen das Tempo von Enrico nicht an.

Mittags gehen wir wieder nur ans Wasser. Das ist doch langweilig hier. Wenigstens ist es heute nicht so voll. Ich tobe ein wenig mit Enrico. Aber eigentlich langweile ich mich hier. Bei diesen eher langweiligen Spaziergängen konzentriere ich mich hauptsächlich auf das Auffinden von Futter. Eine schöne Ergänzung zu meinem normalen Futter. Nur nichts umkommen lassen ist meine Devise. Wer weiß, wie lange es hier noch Futter gibt.

In der Höhle gibt es wieder Futter. Diese Regelmäßigkeit hat etwas Beruhigendes. Wie schön.

 

Tag 24

Am Morgen tritt Tantchen im Wohnzimmer in irgendein Zeug, das sie im dunkeln nicht gesehen hat. Nach dem Lichtanmachen sieht sie, es sind Katzensteine, das Klumpstreu aus der Katzentoilette. Nur, hier gibt es so etwas nicht. Nach der Entfernung von zwei erbrochenen Haufen findet Tantchen noch einen und noch einen. Mein Gott das dauert hier wieder, bis man mal auf die Toilette gehen kann. Ich gebe zu, es war eine Menge. Bin erst aus dem Schilf rausgekommen, als ich alles verputzt hatte. Warum sollte jemand das in die Landschaft werfen, wenn es nicht für uns Hunde gedacht war. Lag mir nur die halbe Nacht schwer im Magen, bis ich es dann doch erbrochen habe. Das hat aber dem Toben am Wasser keinen Abbruch getan.

Wie jeden Morgen versuchen wir den Sonnenaufgang zu sehen. Bisher hat es noch nicht funktioniert. Am Anfang ist es so dunkel, dass sich die Sonne noch nicht mehr zeigt, als einen roten Rand und plötzlich ist es hell. Kein Gebäude, das in wunderschönes rotes Licht getaucht ist. Nur grau. Menschen haben Ideen und Wünsche.

Auf dem Rückweg treffen wir eine Katze. Sie hat Leine. Nun soll ich getestet werden. Wie ich auf Katzen reagiere. Na, wie soll ich schon, ich kenne doch Katzen. Sie sind doof. Genau wie die hier. Erst faucht sie mich an, dann will sie wegrennen. Ich habe gar nicht erst hingekuckt. Was interessiert mich so eine doofe Tussi.

Enrico und Akira berichten anschließend von ihrer Katze Kinski. Die hat nie gefaucht. Dafür aber immer reichlich Backpfeifen verteilt. Manchmal ist sie extra aufgestanden um uns zu verprügeln. Wir wussten manchmal gar nicht warum. Katzen! Die Hunde sehen sich wissend an.

In der Höhle wird die Fütterung umgestellt. Nachdem Enrico nach dem Spaziergang immer noch spielen will, muss das Suchspiel nun schwerer werden. Bisher wurden die Wurststücke fast immer an der gleichen Stelle versteckt. Nun werden immer neue Stellen als Versteck gewählt. Enrico braucht immer ziemlich lange. Ich nicht. Beim Futtersuchen bin ich unschlagbar. Das beweise ich bei jedem Spaziergang. Irgendeine Leckerei finde ich bei jedem Spaziergang. Sehr zum Ärger von Tantchen.

Mittags fahren wir wieder an die Havel. Dort kommen uns zwei große Hunde entgegen. Oh, ganz schön groß. Und ohne Leine. Laufen einfach frei. Erst einmal verbelle ich sie lieber. Habe zur Sicherheit meinen Schwanz aber unten, fast zwischen den Beinen. Auch ist meine Stimme etwas hoch. Meine beiden Kumpels stehen gelangweilt herum und ich rette mich lieber zu den beiden. Die fremden Hunde sind mir doch etwas unheimlich.

Später treffen wir auf eine Mäusehöhle und Enrico und ich buddeln sie aus. Nur ganz knapp ist sie uns entwischt. Schade, wäre ein schöner Extrahappen gewesen.

 

Tag 25

Morgens laufe ich nun völlig ohne Leine. Da die Hundewurst ausgesprochen lecker ist und meine 45 cm Schulterhöhe auch gut gefüttert werden müssen, komme ich nun auch schon immer zum 3. Pfiff angerannt. Nach den 3 Pfiffen gibt es keine Hundewurst mehr. Dies musste ich mehrfach schmerzlich erfahren und wenn ich nicht gerade etwas anderes Leckeres gefunden habe, renne ich lieber sofort los, wenn der Pfiff ertönt.

Nachdem ich einmal mitten auf der Straße etwas Leckeres gerochen habe, musste ich natürlich dorthin und wurde furchtbar geschimpft. Dabei kam doch gar kein Auto. Man hier wird sich vielleicht angestellt. Dabei komme ich mit Autos und Radfahrern gut klar und weiche immer geschickt aus. Bemühe mich nun immer auf dem Bürgersteig zu bleiben. Es wäre aber vernünftig, wenn Tantchen nicht immer die Nuss für die Krähen auf die Straße werfen würde. Auch die sollten dann eben auf dem Bürgersteig gefüttert werden und nicht auf der Straße.

Mittags gehen wir wieder nur ans Wasser. Zu wenig Zeit für die Fahrt an die Havel. Auf dem Rückweg treffen wir eine läufige Labradordame. Enrico fängt gleich an zu spielen und auch ich düse sofort los. Die Labradorhündin vorneweg. Der Schwanz ist ein wenig geklemmt. Sollte sie Angst vor mir haben? Uih, das wäre toll. Weil wir alle fair sind, rennt dann mal Enrico vorneweg und dann renne ich los. Zur Sicherheit habe ich den Schwanz aber auch fast zwischen den Beinen. Es macht so viel Spaß, dass ich fast nicht aufhören mag. Immer wieder renne ich los und die beiden hinterher. Der Labrador ist ein wenig kurzatmig und stellt sich nun immer öfter in die Mitte unserer Kreise, um dann, wenn wir beiden anderen nah genug sind, sich wieder anzuschließen. Sein Herrchen übt dazwischen immer wieder das Abrufen. Was für eine Idee. Die Dame ist allerdings ganz froh. Ihre Kondition ist nicht die Beste.

Ich kann gar nicht mehr aufhören zu rennen. Selbst Enrico wird etwas kurzatmig. Aber inzwischen ist jedes Gramm Fett in Muskelmasse umgewandelt und ich habe jede Menge Kondition.

Mittags ist leider nur Wasser dran. Gut, dass ich morgens so viel gerannt bin. Enrico spielt hier nicht so gerne. Es gibt so viel zu Schnüffeln. Und allein rennen ist langweilig. So schaue ich, ob hier vielleicht irgendetwas Fressbares vorhanden ist. Aber hier muss ich leider immer in der Nähe des Rudels bleiben. Sag ich doch, langweilig.

 

Tag 26

Beim Morgenspaziergang düse ich, sobald ich von der Leine bin, sofort los um meine erste Futterstelle zu kontrollieren. Das sind die Bänke, auf denen gern Menschen sitzen, die immer etwas zu Essen dabei haben. Und meist fällt dabei etwas herunter. Auf dem Morgenspaziergang habe ich mehrere Stellen, an denen ich weiß, dass es dort Futter geben könnte. Also laufe ich immer ein Stück voraus um schnell die Stellen zu kontrollieren. Wird gepfiffen komme ich jetzt immer sofort angerannt. Schließlich gibt es nur bis zum 3 Pfiff ein Stück Hundewurst. Also komme ich schnell angerannt, hole mir mein Stück Hundewurst ab, muss dann allerdings warten, bis das Kommando „Und lauf“ kommt und düse zu meiner nächsten Futterstelle. Da hier immer die Krähen gefüttert werden ist Tantchen oft abgelenkt. So habe ich die Möglichkeit schnell mal zu verschwinden. Bis gemerkt wird, dass ich verschwunden bin, habe ich alles kontrolliert und falls vorhanden, auch gleich verputzt, was auch immer dort an Essbarem liegt.

Auf dem Rückweg pflastern Erdnussschalen unseren Weg. Die futtere ich aber nicht. Die schmecken nun wirklich nicht.

Für Enrico wird die Fütterung nun immer abwechslungsreicher. Immer mehr seines Futters muss er suchen. Ich nicht faul, fresse schnell mein Futter und mache dann mit. Werde aber meist ausgebremst.

Mittags geht es an die Havel. Hier gibt es leider keine Krähen und ich bin voll im Visier. Nachdem ich hier das Katzenstreu gefunden und weggemampft habe bin ich hier unter besonderer Kontrolle. So lasse ich mich von Enrico durch den Wald jagen und gehe nicht einmal in die Nähe des Schilfs. Den Berg rauf und runter zu jagen ist genau so schön. Enrico hält immer mit. Erstaunlich der Kleene. Wir brauchen beide lange bis wir uns endlich so ausgetobt haben, dass wir erschöpft nach Hause fahren können.

Nach dem Fressen wird geschlafen. Sie muss jetzt zur Arbeit weg. Und nun kommt der langweilige Teil des Tages. Schlafen und ein wenig umdekorieren.

 

Tag 27

Heute ist Sporttag. Also Sport für Tantchen. Langeweile für uns.Deshalb gibt es heute einen extra langen Morgenspaziergang. Unterwegs treffen wir einen Wischmopp. Nur weil er wie ein wildgewordener Handfeger auf uns losgeht, können wir erkennen, wo vorne und hinten ist. Beschnüffeln ist nicht möglich, jeder Annäherungsversuch wird mit wütenden Attacken gestraft. Er hing noch an der Leine, die er hinter sich herzog. Die Besitzerin rief. Was aber keinerlei Reaktion zur Folge hatte. Sie musste hinterherrennen und schaffte es schließlich auf die Leine zu treten. Schön blöd, hänge ich an der Leine fest, fange ich als lösungsorientierter Hund sofort an, alles was mich behindert zu zerbeißen. Habe ich z.B. die Leine zwischen den Pfoten, versuche ich sofort die Leine durchzubeißen. Schließlich musste ich mir früher auch immer selber helfen. Der Wischmopp hätte besser seine Leine sofort durchgebissen. Dann wäre er nicht so schnell von ihrem Menschen eingefangen worden.

Auf dem Rückweg trafen wir Wischmopp wieder. Die Dame hatte noch einen Hund, obwohl sie schon mit dem einem nicht klar kam. Sie saß auf der Bank und telefonierte. Die Hunde mussten neben ihr vor der Bank sitzen. Obwohl sie eigentlich abgelenkt sein sollte, sah sie uns und bläkte nur rüber, dass wir an die Leine gehören. Ich bellte zurück, dass wir dann genauso schlecht erzogen wären, wie  ihre Hunde. Und warum hat dieser Mensch zwei Hunde? Der ältere ist so schlecht sozialisiert, dass der neue junge Hund nichts Positives von ihr lernen kann.

Beim Ballspiel habe ich mal wieder Enrico den Ball gemopst. Um das Spiel lustiger zu machen, habe ich Enrico immer den Ball vor die Nase gehalten. Das hat er nicht beachtet. Raste einfach immer weiter. Dann habe ich den Ball wieder fallen lassen. Er hat ihn sich sofort geschnappt und ist abgedüst. Dachte er, es gibt zwei Bälle oder warum hat er nicht darauf reagiert, als ich mit dem Ball vor seiner Nase rumwedelte. Dann war endgültig Schluss mit Spaziergang.

Als das Futter fertig war, hopste ich fröhlich herum. Tantchen hatte schon ihren Pott Kaffee für die Fahrt fertig gemacht und an der Tür abgestellt. Durch mein Gehopse brachte ich die Ablage ins wanken und der Kaffeepott stürzte zu Boden. Obwohl Tantchen schon spät dran war, musste sie nun die Scherben aufnehmen und den Kaffee aufwischen. Das hat ganz schön gepoltert und ich habe mich dolle erschrocken. Jetzt wollte ich mein Futter nicht mehr und verkroch mich in meinem Korb. Ich musste aus dem Korb herausgeholt werden. Das Futter hat dann aber gut geschmeckt.

Viel ist an dem Tag nicht mehr passiert. Es gab nur noch Straße und damit Leine. Obwohl ich oft genug gesagt habe, dass ich das mit der Straße doch nun verstanden und verarbeitet habe.

 

Tag 28

Heute ist Sonntag und wir sollen für den etwas zu kurz gekommenen Samstag entschädigt werden. Beim Morgenspaziergang treffen wir keine anderen Hunde. Leider. Dafür tobt Enrico ein wenig mit mir. Na ja, was für den hohlen Zahn. Er meckert, weil ich ihn immer versuche festzuhalten und das tut ihm weh. Sag ich doch, Weichei.

Auf dem Rückweg muss ich nicht an die Leine. Während alle noch mit den Krähen beschäftigt sind, schaue ich auf der anderen Straßenseite was da so los ist. Vielleicht findet sich etwas Fressbares. Natürlich hat das Tantchen gesehen. Kann die sich nicht um ihre Vögel kümmern wenn man sie nicht braucht? Bekomme geschimpft und am Halsband wird geruckelt und dabei auf die Bordsteinkante gezeigt und „Halt“ gerufen. Das ist völlig daneben., weil ich erstens geschaut habe, ob ein Auto kommt und es kam keines, und weil ich zweitens weiß, das das die Stelle ist, an der ich auf Autos achten muss. Zur Strafe gibt es wieder Leine.

Im zweiten Teil darf ich wieder ab und tobe zur Sicherheit gleich los. Akira und Tantchen sammeln Walnüsse, also Akira knackt und frisst sie sofort. Enrico und ich wetzen los und ab geht die Post. Zwischendurch auch immer mal ins Wasser und schnell was getrunken.

Für Enrico wird nun die Hundewurst im anderem Zimmer versteckt und dafür die Tür geschlossen. Ich hätte sie sonst auch sofort gemopst. Wenn alles versteckt ist, wird die Tür geöffnet und Enrico saust los und wir bekommen unsere Hundewurst aus der Hand. Allerdings glaube ich, dass hier geschummelt wird. Enrico ist so furchtbar schnell und bekommt bestimmt mehr Stücke als Akira und ich.

Nach dem Verdauungsschlaf geht es ab ins Auto. Uns ist der Grunewaldsee versprochen worden. Super.

Beschiss, zuerst wird gearbeitet und wir müssen im Auto warten. Dann dürfen wir endlich weiter.

Am Grunewaldsee ist alles voll geparkt. Keine guten Aussichten. Wir mussten ziemlich weit an der Leine laufen. Hinter uns kamen auch noch zwei stürmische Huskys. Das Frauchen hatte die Leinen und den Säugling auf dem Arm. Der Mann hatte die Verantwortung. Die beiden gebärdeten sich ziemlich wild und wollten erkennbar endlich losrennen. Bis jetzt ist die Frau noch auf den Beinen. Mir rutscht so langsam das Herz in die Hose und auch Enrico fühlt sich schon ganz blümerant.

Endlich dürfen wir drei von der Leine. Die beiden Huskys allerdings auch und sie toben genau auf uns zu. Zum Glück kommt ein Labrador dazwischen. Hinter dem verstecke ich mich erst einmal. Leider ein Rüde. Das ist nun zu viel für Enricos Nervenkostüm und er geht auf den Labrador los. Dafür wird er von dem Rüden in den Hals gezwickt und erhält auch noch einen Klaps. Menschen eben.

Zum Glück sind die Huskys abgebogen. Den Besitzern ist wohl das Kampfgetümmel unheimlich gewesen. Die beiden Huskys fanden es jedenfalls lustig und hätten gerne mitgemacht.

Im Grunewald ist es wie letztes Wochenende am Wasser, überall wo man hinsieht, ein Gewusel von Menschen und Hunden. Dazwischen noch ein paar Jogger ohne Hund und jede Menge Kinderwagen. Nur die Radfahrer fehlen heute. Sie haben wohl vor der Masse an Mensch und Hund kapituliert.

Der Spaziergang ist, wie immer sehr aufregend. Drei große Hunde wollen mit mir spielen. Allerdings sind sie ganz schön grob und dann so viele. Ich bekomme Angst, klemme den Schwanz und renne immer im Kreis. Die drei finden das jetzt richtig lustig. Tantchen greift ein und ruft mich ran. Habe aber zu viel Angst um stehen zu bleiben. Renne weiter immer im Kreis und lasse mich auch nicht fangen. Dann greift ein wohlmeinender Fremder ein und greift nach mir. Nun bin ich endgültig in Panik. Da Tantchen mir aber hinterherrennt, die drei Hunde weiter gegangen sind, ihre Besitzer haben das weitere Spiel unterbunden, kann ich mich jetzt auf den Rücken sinken lassen und komme erst einmal an die Leine. Dann wird durchgezählt. Da Akira, aus Altersgründen, manchmal den Anschluss verpasst, muss immer aufgepasst werden, ob sie noch da ist. Enrico ist von manchen Rüden überfordert und greift manchmal lieber vorsorglich an. Vor allem bei Bulldoggen und Bullterriern. Die einen schnorcheln so schön und das hört sich nach knurren an und die anderen sehen den Schnorchlern so ähnlich, dass auch hier vorsorglich ein Angriff gestartet wird. Also ein ganz entspannter Spaziergang eben.

Heute sind hier allerdings so viele Hunde, dass Enrico jedem Rüden vorsorglich ausweicht. Außerdem hatte er heute schon eine Ansage erhalten. Das reicht ihm.

Endlich darf ich wieder ab von der Leine und das Wasser ist auch schon in Sicht und Enrico und ich sausen los. Ab ins Wasser. Akira bekommt Leine wegen Rheuma. Möchte aber auch gern.

Am Wasser finde ich es wunderbar entspannend. Hier sind alle Hunde damit beschäftigt etwas aus dem Wasser zu holen und ich tobe im seichten Wasser ein wenig hinterher. Selbst als Enrico und ich uns jagen, interessiert das keinen anderen Hund. Alle sind mit ihrem Spielzeug beschäftigt.

Leider gehen wir weiter. Einmal um den See. Na gut. Da kommt uns eine Gruppe mit sieben Molossern entgegen. Ich komme vorsorglich an die Leine und bin wirklich froh darüber. Enrico schnüffelt sehr ausdauernd an einem Zweiglein. Genau so lange bis diese Horde vorbei getobt ist. Hier hat jeder dieser Gruppe gern den Vortritt gelassen. Dabei haben diese Hunde nur unter sich gespielt und uns anderen Hunde gar nicht beachtet. Trotzdem, wir waren froh als sie weg waren.

Auf der anderen Seite des Sees gab es eine Stelle, die etwas leerer war. Hier konnten wir richtig loslegen. Dann kam ein einzelner Husky. Der wollte gern mitspielen. Enrico hat ihm großzügig seinen Platz überlassen und nun jagte der Rüde mich. Zum Glück bin ich inzwischen gut trainiert und wendig. Somit war ich dem Rüden immer voraus. Die Besitzer freuten sich, dass ihr Hund endlich jemanden zum spielen hat. Allerdings unterbrach Tantchen das Spiel, weil sie meinte, dass ich eigentlich Angst hätte. Enttäuscht ging der Husky weiter.

Zum krönenden Abschluss ging es noch ins Waldkaffee. Jeder wollte in der Sonne sitzen und so drängelte sich alles auf einer kleinen Ecke. Hier standen die Tische so eng, dass Akira, die mit der Nase genau auf Tischhöhe ist, nur den Kopf nach rechts zu drehen brauchte, dann lag er auf Tantchens Schoss und nach links, dann war er  5 cm vor der Schweinshaxe am Nachbartisch. Diesen kleinen Anstandsabstand hielt sie eisern ein. Sie zählte jeden Happen der gegessen wurde und gönnte ihnen keinen Bissen.

Enrico sprang auf Tantchens Schoß und fand den Überblick hier angemessen. Nur ich habe mich an meine gute Erziehung erinnert, machte „Sitz“ und blieb die ganze Zeit brav so sitzen. Den Nachbarn gönnte ich keinen Blick.

Da hier alle um den See laufen, trifft man viele doppelt. Zum Glück saßen wir gerade im Kaffee als die Molossergruppe wieder vorbei kam. Es gab niemanden, der denen gern noch einmal begegnet wäre.

Nach der Fütterung legten wir uns alle zufrieden schlafen. Also bis auf Enrico, er wollte spielen. Ist dieser Hund niemals müde? Enttäuscht rollte er sich in seinem Korb zusammen. Keiner hatte ihn beachtet, dass fand er gemein. Kaum war er eingeschlafen, schnarchte er los. Ach, doch so müde.

 

Tag 29

Der Morgenspaziergang läuft gewohnt gemütlich ab. Inzwischen kenne ich alle Stellen, an denen ich etwas Futter finden könnte. Vorsorglich schaue ich immer, ob ich beobachtet werde und natürlich lässt mich Tantchen nicht mehr aus dem Blick. Sie kennt meine Futterstellen inzwischen auch. Na gut, heute eben nicht. Leider sind so früh die Krähen noch nicht da, die für Ablenkung sorgen könnten. Die kommen erst wenn es hell ist. Also ich habe gelernt, wenn man nicht aufisst, gibt es Regen. Sollte es also anfangen zu regnen, an mir hat es nicht gelegen.

Auf dem Rückweg brauche ich an der Straße nicht an die Leine und zeige gern, dass ich weiß was eine Straße ist, dass ich darauf nicht laufen darf und auf dem Bürgersteig bleiben muss. Auch wenn kein Auto kommt.

Allerdings fährt am Wasser ein Auto der Reinigungstruppe. Ich weiche natürlich elegant aus. Enrico steht ratlos in der Gegend rum und Akira läuft direkt auf das Auto zu. Ha! Wer muss hier noch etwas lernen, hä, also wer?

Heute wird es nicht richtig hell. Es wird regnen. Alle Menschen reden ständig davon, dass wir endlich Regen brauchen, dabei ist der Kanal noch ziemlich voller Wasser. Da sollten sie mal in meine Heimat fahren. Da hatte ich im Sommer oft Probleme Wasser zu finden. Aber Regen stört mich nicht. Habe ein schönes dichtes Fell.

Mittags fahren wir an die Havel. Und es regnet. Also ich bin nicht Schuld. Ich hätte aufgegessen. Akira hebt unwillig die Pfoten. Sie würde wohl lieber im Auto bleiben. Enrico und ich legen los. Ab geht die Post. Enrico ist schon nach einer Minute von der Nasen- bis zur Schwanzspitze pudelnass. Er kraucht aber auch unter jeden Strauch und steckt seinen Nüschel überall rein. Allerdings wird der Regen so stark, dass auch ich bald entsprechend nass bin. Trotzdem müssen wir am Wasser toben. Am Ende des Spazierganges lasse ich mich wieder jagen. Der Kleene hält gut mit. Obwohl er natürlich keine Chance hat mich zu fangen.

Anschließend freuen wir uns alle auf unseren gut gefüllten Futternapf. Drei regelmäßige Mahlzeiten haben schon was.

 

Tag 30

Obwohl wir jetzt etwas später aufstehen, ist es immer noch dunkel. Also keine Chance ungestört meine Futterstellen zu kontrollieren. Aber wenn die Menschen unbedingt wollen, dass es weiter regnet. Bitte. Ich hätte immer aufgegessen und es damit verhindert.

Wenn jetzt gepfiffen wird, komme ich immer spätestens beim 3. Pfiff. Manchmal bin ich sogar vor Enrico da, der trödelt öfter etwas.

Das Werfen des Balls finde ich inzwischen ziemlich langweilig. Das der Kleene sich immer noch so sehr darüber freut. Unglaublich. Manchmal verstecke ich aus Langeweile den Ball und schaue zu, wie Enrico durch die Gegend rennt. Warum macht er das? Wir könnten doch ein wenig spielen.

Nachdem der Ball wieder verstaut worden ist, fordere ich ihn ein wenig zum Spielen auf. Aber er möchte sich nicht von mir jagen lassen. Ich bin ihm zu grob. Ph!

Frage bei Akira an, aber sie möchte lieber auch nicht. Ist nicht mehr das Richtige für ihre alten Knochen, meint sie.

 

In der Hoffnung noch einen Hund zum Spielen für mich zu finden gehen wir noch ein Stück weiter als sonst. Tatsächlich, da kommt ein Dackel angewackelt. Ich nichts wie hin. Er ist auch gar nicht abgeneigt. Leider an der Flexileine. Das wird also auch nichts. Schade.

An der Straße laufe ich ganz brav auf dem Bürgersteig. Allerdings habe ich das mit den Anhalten an der Kreuzung noch nicht so ganz verstanden. Aber das Kommando: „Halt“, kenne ich und bleibe somit ganz lieb stehen. Es kommen auch gerade zwei Autos. Da hätte ich doch gar nicht laufen können, das weiß doch jeder kluge Hund. So blöd bin ich dann doch nicht, dass ich so dicht vor einem Auto die Straße überqueren würde.

So richtig ausgelastet bin ich allerdings, Stunde hin oder her, noch nicht. Hoffe es gibt heute noch eine Steigerung, was die Spaziergänge betrifft.

Mittags fahren wir erst Arbeiten und dann in den Grunewald ins Hundeauslaufgebiet. Das Sitzen im Auto ist langweilig. Aber der Spaziergang ist super. Weil es ein wenig nieselt,  sind nur wenige Menschen und wenige Hunde unterwegs. Wir toben mitten durch das Gebüsch. Jeder Weg wird erkundet, vielleicht ist auf diesem Weg, hinter der nächsten Ecke, ein wunderbares Abenteuer. Ich muss alles erkunden. Enrico immer hinterher. Allerdings traut er sich nie zu weit von Tantchen weg. Irgendwann wird er unsicher, bleibt stehen und schaut zurück. Ich bleibe nicht stehen und schaue nicht zurück, bis ich nicht wenigstens gesehen habe, was hinter der nächsten Kurve ist. Allerdings komme ich beim dritten Pfiff sofort angedüst. Und dann gibt es ein Stück Wurst zur Belohnung. Wunderbar.

Kurz vor dem Auto kommt eine Gruppe mit 10! Rhodesien Ridgebacks. Es scheint ein Züchter zu sein. Es gibt mehrere Erwachsene und viele Junghunde. Wir werden an den Rand gesetzt und müssen warten bis die Gruppe vorbei ist. Sie kommen an uns ran und beschnüffeln uns. Der Besitzer versucht sie abzurufen, keiner seiner  Junghunde kommt. Endlich sind alle weg und wir können weiter. Das waren schon ganz schön viele. Ich bin dann doch froh wieder im Auto zu sein und freue mich auf unsere nächste Mahlzeit.

Dann gab es den Verdauungsschlaf. Einfach schön.

Tag 31

Morgens gehen wir immer den altvertrauten Weg ans Wasser. Erst im Lauf des Spaziergangs wird es hell, obwohl wir immer noch keinen schönen Sonnenaufgang gesehen haben.

Am Wasser steht ein Mann und fotografiert die aufsteigenden Nebelschwaden.

Auch Tantchen bleibt bewundernd stehen. Mein Häufchen dampft auch, wenn ich es gelegt habe. Da ist aber noch niemand bewundernd stehen geblieben. Und fotografiert hat es schon gar keiner.  Es wird kommentarlos eingesammelt. Weil ich es immer mitten auf dem Rasen ablege, gibt es auch kein Lob. Da ich nicht einmal in Erwägung ziehe es am Rande des Gebüschs abzulegen, bekomme ich auch kein Leckerli dafür. Schade eigentlich. Nun hat ein Hundetrainer geraten, dass mein Häufchen einen Namen bekommen soll und das dann lobend erwähnt wird, wenn ich es lege. Seitdem heißt es immer: “Schönes Häufchen, fein gemacht“ Und nun bekomme ich mein Leckerli doch. Allerdings Enrico und Akira auch, obwohl die gar kein Häufchen gemacht haben. Aber ich bin nicht kleinlich. In solchen Dingen bin ich großzügig. Der Sinn der Übung ist, dass ich nun weiß, was ein Häufchen ist und ich an jeder beliebigen Stelle aufgefordert werden kann es zu legen. Also ich weiß noch nicht, ob ich mich darauf einlasse.

Der Nachmittagsspaziergang ist nur Straße. Dafür fahren wir am Nachmittag an die  Havel. Erst geht es ganz langweilig los. Wir stehen eine Ewigkeit rum. Dann kommt ein nettes Pärchen dazu. Sie wollen mit uns mitgehen, dabei haben sie gar keinen Hund dabei. Unnützer Spaziergang, so ganz ohne Hund. Sie interessieren sich ziemlich auffällig für mich. Ich wittere Verrat. Soll ich hier etwa weitergegeben werden? Ständig beugt sich einer zu mir herab und will mich streicheln. Ich büxe erst einmal mit Enrico aus und wir toben den Hang rauf und runter. Ich zeige, dass ich eine temperamentvolle Dame bin und anfassen lasse ich mich auch nicht von jedem.

Zwischendurch gehen wir uns ein Stück Hundewurst abholen. Der nette Mann nimmt einen Stock in die Hand. Was wird das jetzt? Dann hebt er die Hand und ich ducke mich vorsichtshalber. Will er mich jetzt schlagen? Da fliegt der Stock. Erschrocken ducke ich mich weg. Nun halte ich lieber Abstand. Das kenne ich schon aus Griechenland. Manche Menschen mögen keine Hunde. Eigentlich roch er ganz gut, aber die Nummer mit dem Stock hat mich doch sehr erschreckt. Und anfassen lasse ich mich jetzt schon drei mal nicht.

Zur Sicherheit tobe ich wieder etwas mit Enrico. Der Abstand zu den Menschen ist mir dann doch lieber. Da kommt von dem Mann ein markerschütternder Pfiff. Nun renne ich doch lieber erst einmal ein Stück weg. Selbst Enrico ist erschrocken. Nur Akira schaut ruhig auf und meint, dass hier endlich mal jemand deutlich sagt, was er will, das findet sie schon sehr angenehm. Allerdings ist sie weitgehend taub. Obwohl sie meint, sie würde zwar ein wenig schlechter hören, aber taub ist sie nicht. Absolut nicht, meint sie. Wir anderen nennen sie immer die taube Nuss.

Am Auto wollen mir die beiden noch ein Stück Hundewurst geben. Hat denen noch niemand gesagt, dass ich nicht bestechlich bin? Enrico und Akira bieten an, dass sie das für mich fressen würden. Denen wollen sie die Stücke aber nicht geben. Da ist doch was im Busch. Halte also lieber Abstand, bis wir endlich alle wieder im Auto sitzen und das Pärchen seine Wege geht.

Dann wird gefüttert und anschließend schlafe ich den Schlaf des Gerechten. War aber auch ganz schön aufregend der Nachmittag.

 

Tag 32

Der Weg ans Wasser verläuft, wie immer  in trauter Gemeinsamkeit. Er verläuft immer auf die gleiche Weise. Jeder hat seine feste Position, die wir automatisch einnehmen, wenn wir an der Leine zum Wasser laufen. Ich laufe natürlich vorneweg. Ohne dabei an der Leine zu ziehen. Enrico dagegen zieht gerne, darum muss er immer Fuß gehen. Das findet er gemein. Er würde lieber neben mir laufen. Er kapiert nicht, dass er dafür immer so laufen muss, dass die Leine jederzeit locker bleibt. Er ist ja süß. Manchmal aber etwas doof. In jedem Fall nicht so klug wie ich. Das ist aber auch nicht leicht. Allerdings haben wir ganz unterschiedliche Interessen und sind deshalb auch in unterschiedlichen Bereichen clever.

Am Wasser steht ein riesiger Walnussbaum. Leider erst jetzt habe ich entdeckt, dass ich diese wunderbar lecker schmeckenden Nüsse knacken und fressen kann. Ich habe einige Versuche gebraucht, bis ich verstanden habe, wie das funktioniert. Zuerst habe ich nur das grüne und schwarze Äußere gefressen. Das schmeckt scheußlich. Dann die Walnussschale, die leider sehr hart ist, aber gar nicht so schlecht schmeckt. Zumal da die eigentliche Nuss drin ist. Inzwischen habe ich gelernt, die Nuss so zu knacken, dass ich nur noch die eigentliche Nuss rauspulen muss. Dauert zwar ein wenig länger, schmeckt dafür aber unvergleichlich gut. Versuche auch oft die Nüsse von Tantchen zu klauen, werde aber immer erwischt.

Straße laufe ich inzwischen ganz brav. Brav sein ist ziemlich langweilig. Deshalb wechsle ich auch mal die Straßenseite. Meckertante macht ihrem Namen alle Ehre und meckert. Dabei kommt gar kein Auto, kein Fahrrad, nicht einmal ein Fußgänger. Nur wir. Enrico meint immer, dass Erfahrung etwas ist, was man zu haben meint, bis das Schicksal einem noch etwas mehr davon zukommen lässt. Er meint aber, dass ich auch auf drei Beinen Toll aussehen würde. Blödmann!

Inzwischen ist es am Wasser auch lustig, Dort treffe ich immer viele andere Hunde. Die meisten sind zwar an der Leine, trotzdem laufe ich zu jedem hin und sage erst einmal freundlich guten Tag, frage dann, ob wir spielen wollen, was nicht geht, da die meisten an der Leine sind.  Dann trödele ich wieder zu den beiden anderen zurück. Enrico ist wie immer mit seinem blöden und langweiligem Suchspiel beschäftigt. Er hat keine Zeit für mich. Akira steht vor Tantchen und bettelt. Also stelle ich mich dazu und bekomme auch ein paar Hundekekse ab. Und das schöne ist, sie werden mir nicht von meinem Futter abgezogen. Die Hundewurst auch nicht. Hätte so eine schöne Figur.

Nachdem Enrico genug Ball gespielt hat, ist er dann doch bereit, mit mir zu spielen. Ich stürme auf ihn zu und überrenne ihn. Er überschlägt sich unter mir. Mein Gott, wer lacht da. Bin das etwas ich? Tatsächlich.

Mittags sind wir zum Grunewaldsee gefahren. Hier tobt auch Enrico gern mit mir. Es ist lustig im Wald und am Wasser mit anderen Hunden zu toben. Eigentlich bin ich weiß mit schwarzen Punkten. Nach dem Toben im Wald bin ich schwarz mit weißen Punkten. Und vor allem hungrig und müde. Viel passiert heute nicht mehr. Ist auch nicht nötig. Ich bin so schön müde.

 

Tag 33

Samstag ist immer Sporttag. Also langweilig. Dann kam Tantchen endlich wieder und wir fuhren zum Grunewaldsee.

Am Eingang sammelte sich ein Rudel von Hunden mit verschiedenen Besitzern. Ein Pulk von Hunden. Enrico und ich waren etwas verunsichert. Wer von den Hunden ist Freund und wer Feind. Akira trödelt wie immer hinterher.

Zu unserem Erstaunen ging alles gut. Alle sagten nur freundlich „Hallo“ zu uns.

Auf jede Frage von mir meinte Enrico immer nur, dass er noch nicht zum Spielen bereit ist.  Gut, es gab hier wirklich viel zu erschnüffeln. Endlich tobten wir los.Ich liebe es den Hang hinauf zu rennen. Enrico immer dicht hinter mir her. Plötzlich kam ein riesiger Rüde angerannt. Er dränge Enrico ab und rannte nun seinerseits  mir hinterher.  Dabei knurrte er auch noch. Schimpfend verfolgte Tantchen den Riesen. Wie schön, dass sie so eine liebe Meckertante ist. Natürlich war der Rüde ohne Halsband und ein Besitzer war auch nicht erkennbar. Ist der Hund verloren gegangen? Da war er auch schon weg. Vor Erleichterung seufzte ich laut auf.

So richtig haben wir beide jetzt keine Lust mehr aufs Spielen. Es gibt aber auch so viel zu tun. Da trafen wir den Rüden schon wieder. Zum Glück knurrte er gerade ein Rudel mit drei gleichgroßen Hunden an. Es war immer noch kein Besitzer zu sehen. Allerdings welcher Hund geht schon allein um den Grunewaldsee. So sind wir ungeschoren an ihm vorbei gekommen.

Ich liebe es andere Hunde zu treffen. Am liebsten mag ich Hunde, die gleich groß oder kleiner sind. Enrico vermöbelt genau diese Größen gern. Am Anfang des Spaziergangs läuft er an allen vorbei. Scheinbar wird seine Toleranz im Laufe des Spazierganges so weit überstrapaziert, dass er am Ende immer ein wenig knurrig wird. Da lässt er sich dann nur noch mit einem Leckerli an kleineren oder gleichgroßen Rüden vorbei lotsen. Gute Idee. Ich stelle mich auch immer gleich mit an.

 

Tag 34

Beim Morgenspaziergang musste ich zuerst zum Walnussbaum und mein Frühstück etwas aufpolieren. Wir sind heute etwas später dran, das sagt mir meine innere Uhr genau. Angeblich ist es aber eine Stunde später, weil die Menschen meinen die Uhr heute eine Stunde zurück stellen zu müssen. Ungewöhnlich, auf was für Ideen die Menschen so kommen.

Unter der Brücke konnte ich feststellen, dass die Lampen wieder nicht leuchten. Das Plakat zur Begründung, warum unter der Brücke Lampen angebracht worden sind, ist ja auch weg. Dann braucht man sie sicher jetzt auch nicht mehr anzumachen. Immerhin haben sie zwei Menschen vier Tage Arbeit gegeben und drei Tage lang jede Nacht geleuchtet. Das ist doch schon was. Ich habe nachgeschaut, die Lampen hängen noch. Vielleicht werden sie Weihnachten ja wieder angemacht. Mir fehlt das Licht nicht. Im Dunkeln kann Tantchen nicht sehen, wenn ich etwas Essbares gefunden habe. Das ist schon mal viel besser, als dieses grelle Licht.

Mittags sind wir wieder zum Grunewaldsee gefahren. Neben sehr vielen Hunden trafen wir heute dort auch einen Esel und ein Pony. Hatte ich ja noch nie gesehen und vor allem gerochen. Das musste ich erst einmal tun. Nach Hundemanier wollte ich den beiden erst einmal am Po riechen. Vor mir sprang ein junger Jagdhund ganz aufgeregt um das Pony herum. Sein Frauchen lockte und schmeichelte. Nichts half. Ich wurde langsam unruhig. Sollte das ein ganz gefährliches Tier sein? Vielleicht sollte ich es einmal zwicken? Der aufgeregte Rüde lief endlich zu seinem Frauchen. Meine Meckertante meinte nur, dass sie den Hund lieber an die Leine nehmen solle, da auch noch ein Esel kommt. Hat sie natürlich nicht gemacht. Sie hat erst gar keine Leine dabei. Sehr clever. Nun will ich aber doch mal am Po des Ponys schnüffeln. Werde aber zurück gerufen. Versuche mein Glück noch einmal bei dem Esel. Aber auch hier werde ich abgerufen. Na gut, na gut. Ich komme ja schon.

Enrico und ich toben jetzt los. Allerdings sind doch wieder sehr viele Menschen mit ihren Hunden unterwegs und wir werden immer wieder ausgebremst. Plötzlich hören wir eine laute Hunderangelei. Und immer wieder den sehr geläufigen und häufigen Menschennamen „Jürgen“. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verhört. Vielleicht ermahnt hier der Hund seinen Besitzer? Als wir hinkommen, muss Jürgen Platz machen und darf auch, als wir drei auftauchen, nicht aufstehen. Wir gehen natürlich in gebührendem Anstand vorbei. Schließlich wollen wir keinen Ärger. Die uns nachfolgenden Hunde wollen aber an Jürgen schnüffeln, was er leicht verschreckt, über sich ergehen lassen muss. Ob das die richtige Form der Hundeerziehung ist? Muss mal bei Enrico darüber nachdenken, ob dies nicht auch eine Idee für seine Erziehung sein könnte. Da ich das leider laut dachte, hat Enrico nun schlechte Laune und knurrt jeden Hund an, der ihm freundlich „Hallo“ sagen möchte.

Mit Leckerlis lässt sich sein Laune jedoch so sehr anheben, dass wir ohne Rangelei zum Auto kommen.

Esel und Pony haben wir kurz vor dem Auto noch einmal  getroffen. Nun haben sie mich aber nicht mehr interessiert. Schließlich hatte ich an ihnen schon gerochen. Nun ist aber plötzlich Akira aufgewacht und will unbedingt an den beiden schnüffeln. Lässt sich auch kaum abrufen. Schließlich muss jede ihrer  Geruchssynapsen einzeln bedient werden. Und dann muss sie noch darüber nachdenken, was das jetzt bedeutet. Außerdem kann sie nicht mehr gleichzeitig hören und riechen. Es ist nicht einfach älter zu werden. Das findet Akira auch.

Bei der letzten Runde, kurz vor dem schlafen gehen, werde ich durch lockende „Bravo, bravo“ Ausrufe freundlich aufgefordert, doch eine Pfütze zu machen. Die letzten drei Abende hatte ich, trotz geduldigem Hin und Her Gehen, mich nicht dazu bereit erklärt ein Pfützchen zu hinterlassen. Nun aber setzte ich mich doch dafür hin und wurde furchtbar mit erneutem „Bravo, bravo“ Rufen belohnt. Na so etwas Tolles ist es auch wieder nicht. Aber gefreut hat es mich trotzdem.

 

Tag 35

Heute Morgen, es ist jetzt noch etwas heller, wegen dieser komischen Zeitumstellung gehen wir plötzlich eine Stunde später Dadurch treffen wir plötzlich Hunde, die wir vorher noch nie getroffen haben. Interessant. Hat nur Tantchen die Zeit eine Stunde zurück gestellt? Jedenfalls finde ich es spannend, die vielen neuen, fremden Hunde zu begrüßen.

Als ich mir dann endlich die Zeit nehme um mein Häufchen zu machen, sitze ich, wie immer, zufällig mitten auf dem Rasen und Tantchen steht in der Nähe. Sie ruft sofort, „Schönes Häufchen, toll“. Vor Schreck so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, höre ich sofort auf, renne ein Stück weiter, kann den Rest nun nicht mehr halten und setze mein restliches Würstchen ab, das wiederum mit „Schönes Häufchen, toll“ begleitet wird. Etwas geduckt renne ich weg vom Ort des Geschehens. So viel Aufmerksamkeit beim Kotabsatz bin ich nicht gewohnt. Die anderen werden einfach nur beim Namen genannt und gelobt. Bei mir erhält der ganze Vorgang schon wieder einen Namen. Menschen eben.

Während des ganzen restlichen Morgenspazierganges versuche ich Enrico zum Spielen zu bewegen. Zwischendurch renne ich ihn auch einmal über den Haufen und zwicke ihn dabei. Nur versehentlich. Kann doch mal passieren. Jetzt schaut er mich gar nicht mehr an. Eingeschnappte Leberwurst. Ein anderer Hund zum Spielen ist auch nicht in Sicht. Überlege noch kurz, ob ich nicht die Krähen jagen soll, aber ein Blick von Tantchen genügt, um mir die Sinnlosigkeit dieses Unterfangens vor Augen zu führen. Schließlich will ich mein Frühstück nicht in Gefahr bringen.

Das Frühstück ist lecker, wie immer. So schön viel Fleisch ist unter dem Trockenfutter. Tolle Mischung.

Anschließend wird gearbeitet. Eine gewisse Hektik macht sich hier ungemütlich breit. Wir drei Hunde gehen im Schlafzimmer ins Exil.

Schließlich zeigt sich, dass genug gearbeitet wurde und wir fahren an die Havel. Wunderbar. Enrico hat mir verziehen und ich erlaube ihm auch mich zu jagen. Als Ausgleich, dass ich ihn morgens zwei mal über den Haufen gerannt habe. Dafür renne ich, was ich so gerne mache, den Berg rauf und wieder runter. Enrico immer dicht hinter mir. Hart im Nehmen ist er schon. Mehrmals ist er direkt an einem dicken Stamm lang geschrammt. Und auch ich ramme mir einen Ast in den Innenschenkel. Habe aber keine Zeit um stehen zu bleiben und mir meine Verletzung anzusehen. Hinterher stellt sich raus, es ist nur eine Schramme.

Ins Wasser rennen wir jetzt nicht mehr ganz so gerne. Die Temperaturen von rund 5 Grad Celsius Umgebungstemperatur laden dazu nicht mehr so richtig ein. Unsere Bäuche sind trotzdem nass. Macht nicht. Macht einfach riesigen Spaß.

Da wir am Morgen nicht gerannt sind, haben wir uns fast den ganzen Weg, die ganze Stunde über, gejagt. Ich könnte noch weitermachen. Allerdings geht Enrico so langsam die Puste aus. Sein freudiges Jagd Kläffen schafft er schon nicht mehr. Eigentlich nicht schlecht, nun ist es nicht mehr so laut, wenn wir zusammen spielen. Sollte ich ihn immer so viel hetzten, bis er nur noch die Wahl hat zu kläffen oder hinter mir her zu rennen? Muss ich mal darüber nachdenken.

Beim Nachmittagsspaziergang, gibt es nur noch Straße und damit für mich Leine. Beim Überqueren der Straße stellt sich Tantchen immer mitten auf die Straße, wir müssen am Straßenrand stehen bleiben, bis aus dem Kommando „Halt“ das Kommando „Lauf“ wird. Da hupt es Tantchen in den Hintern. Hat sie doch tatsächlich das Auto übersehen? Ich wusste auch nicht wo der plötzlich her kam. Aber das hätte uns mal passieren sollen, hätte es mal, da würde es aber ein Donnerwetter geben. So aber blieb Tantchen mitten auf der Straße stehen, rief uns Hunde rüber und gab dann erst die Straße frei. Allerdings bedankte sie sich dann noch bei dem Autofahrer. Wofür?

 

Tag 36

Heute Morgen habe ich gleich zu Beginn so etwas Wunderbares gerochen und mich ausgiebig damit parfümiert. Solchermaßen gestärkt konnte ich fröhlich in den weiteren Tag starten. Nicht, dass ich sonst nicht fröhlich wäre, es ist für eine Dame einfach schön einen ihrer Lieblingsdüfte zu tragen.

Da kommen auch schon die ersten fremden Hunde. Leider beide an der Flexileine. Enrico spielt Ball, ihm werde ich mich später präsentieren. Die beiden fremden Hunde sind allerdings leider nicht weiter an mir interessiert. Sie sind beide Enrico geschädigt und schielen nur nach ihm, ob er tatsächlich kommt. Er hat aber soviel damit zu tun seinen neuen Ball nun endgültig zu zerfetzten, dass er die beiden nicht weiter beachtet. Mich leider auch nicht.

So spiele ich ein wenig mit Akira, die ein Stöckchen in der Schnute hat, das sie eigentlich genüsslich zerkauen möchte. Geht aber nicht, weil ich am anderen Ende ziehe. Wenn jemand für mich einen Stock werfen will, dann bekomme ich Angst, weil die Bewegung des Werfens mich immer daran erinnert, dass ein Schlag auch so ausgeführt wird. Am liebsten mag ich es, wenn man ein Stöckchen nimmt und es ein wenig wedelnd von mir weg bewegt. Dann laufe ich freudig hinterher.

Akira hält eisern ihren Stock fest und so schaue ich mal, was es hier sonst noch so zu entdecken gibt. Leider wenig andere Hunde. Langweilig. Futter habe ich auch nicht gefunden. Ist wohl schon zu kalt für Menschen um draußen zu essen.

Dann kommen wieder die Leute mit den drei großen Hunden. Na, vielleicht kann ich mit denen spielen. Da bellt mich auch noch der Größte an. Erschrocken klemme ich den Schwanz ein und laufe schnell zu den anderen. Die bekommen gerade Hundewurst. Da stelle ich mich lieber gleich mit an. Die Hunde machen mir Angst. Zum Glück sind sie an der Leine. Nur einer hat Freilauf. Er möchte auch ein Stück Hundewurst. Bekommt aber nichts, wegen „fremde Hunde füttern ist doof“und so. Dafür hat er eine Ohrmarke mit Nummer. Warum? Habe das bei Tierheimhunden im Ausland gesehen. Die werden aber doch entfernt, wenn sie nach Deutschland importiert werden. Warum hat er eine Nummer am Ohrwaschel? Tantchen hat versprochen beim nächsten Treffen zu fragen.

Nachdem alles Spielzeug verstaut wurde, frage ich bei Enrico an, ob wir nicht ein wenig toben wollen. Zuerst renne ich vor. Enrico schaut nur ein wenig kariert. Dann fordere ich ihn liebevoll auf, indem ich ihn freundschaftlich über den Haufen renne. Beim ersten Mal sagt er nichts. Als ich diese lustige Aufforderung allerdings wiederholte, bekam er den schiefen Blick und ging knurrend und richtig böse auf mich los. Ich legte mich, als Friedensangebot, gleich auf den Rücken und zeigte ihm mein Bäuchlein. Er hielt seinen Kopf noch ein wenig über mir, schielte dabei aber schon nach Tantchen, was sie zu seinem Wutanfall sagt, und ging dann zufrieden weg. Er meinte nur noch, dass dies doch nun wirklich mal gesagt werden musste. Fand ich nicht. Spielverderber.

Also mit Enrico ist erst einmal an kein Spiel zu denken. Da sehe ich in der Entfernung noch einen Foxterrier. Uih, nichts wie hin. Allerdings reagiert der auf meine Spielaufforderung auch eher verschreckt. Da pfeift es auch schon. Stehe noch etwas unentschlossen rum und gehe dann doch zu den anderen. Die haben ihr Stück Hundewurst schon erhalten und ich werde nur noch gelobt. So ein Beschiss, da kann ich auch wieder gehen. Werde aber energisch zurückgerufen und wir kommen alle, für die Straßen Überquerung, an die Leine. Wenigstens gibt es jetzt Frühstück.

Mitten im Verdauungsschlaf klingelt es an der Tür. Das ist laut genug, da muss ich nicht bellen. Bin aber sehr gespannt, wer da wohl kommt. Enrico regt sich immer so auf, man sollte ihm in dem Zustand besser aus dem Weg gehen. Als es zum ersten Mal klingelt, steht er nur aufgeregt hinter Tantchen. Sie lässt ihn stehen. Schwerer Fehler, kann ich dazu nur sagen. Dann, etwas später,  klingelt das Telefon. Auf der Suche danach, wird er schon deutlich hektischer. Tantchen auch. Sie findet es, wie immer, erst im letzten Augenblick. Dabei hat es einen festen Platz, wo es immer liegt, sagt Tantchen. Als es dann später erneut an der Tür klingelt, gerät Enrico so in Rage, dass er Tantchen ins Hosenbein beißt und ordentlich daran zerrt. Warum  macht er das? Will er selber die Tür öffnen? Zur Strafe erhält er das Kommando „Korb und bleib“. Das macht er dann sofort und bleibt ganz brav im Korb liegen, bis er rausgelobt wird. Also von mir aus könnte er das Kommando im Korb zu bleiben den ganzen Tag bekommen. Sein ewiges Getobe mit einem seiner vielen Spielzeuge,macht mir schon auch noch Angst. Außerdem stört es meinen Schönheitsschlaf. Nach dem Fressen liege ich am liebsten in meinem Korb und schlafe bis zum nächsten Spaziergang durch.

 

Tag 37

Nun ist es morgens immer noch ein wenig dunkel wenn wir ans Wasser gehen. Das stört mich aber nicht. Ich warte brav in meinem Korb bis an der Tür geklappert wird, dann stehe ich auf um mir mein Halsband anlegen zu lassen. Enrico macht jeden Morgen Theater. Wenn er sein Halsband hingehalten bekommt, dann schaut er erst rechts vorbei, dann links, dann ob es von hinten anders aussieht als von vorne, dann muss er überlegen. Dieser Stau nervt jeden Morgen aufs neue. Erstaunlich, dass Akira das so gelassen erträgt. Sie sagt ihm dann immer, dass erst das Halsband angelegt werden muss, erst dann geht es raus. Das führt dann doch dazu, dass er von allein den Kopf durchsteckt. Ich habe jetzt schon mehrfach angeboten, dass ich sein Halsband auch noch trage, damit wir endlich los können, darauf reagiert hier aber keiner. Manchmal überlege ich mir, ob Enrico als Junghund nicht zu selten Popo Klatsche bekommen hat und ob man das nicht noch nachholen könnte.

Auf der Straße laufen wir brav in altbekannter Formation. Also Akira und ich laufen brav. Enrico, wie immer nicht. Immer noch versucht er zu ziehen. Dann bleiben wir stehen, müssen warten bis er sich wieder einsortiert hat und dann geht es erst weiter. Mein Gott das dauert immer.

Am Wasser schaue ich zuerst, ob irgendwo ein anderer Hund ist. Vielleicht sogar einer zum Spielen? Heute leider nicht. So schaue ich nach, ob ich irgendwo Wildspuren erschnüffeln kann. Nicht dass ich jage, also außer Vögeln. Denen renne ich zu gerne hinterher. Alles andere, Füchse, Wildschweine und Rehe, sind mir dann doch zu groß. Erschnüffeln tue ich auch gerne Mäuse und Ratten. Habe aber noch keine erwischt. Das hat mir Enrico beigebracht. Den Spuren folgen wir gerne, fangen lassen sie sich aber von uns nicht. Enrico meint, er hätte mal ein Mäusenest ausgebuddelt. Alles mit Stumpf und Stiel verputzt. Wäre sehr lecker. Allerdings buddle ich nicht. Somit ist das wohl eher nichts für mich.

Als Enricos Spielzeug ausgepackt wird, mache ich mich so langsam aus dem Staub. Muss mal meine Futterstellen kontrollieren und sehen, ob da nicht irgendwo eine Neue ist. Werde an einer neuen Stelle auch fündig und schlinge alles in mich rein. Da kommt schon Tantchen an, der meine etwas längere Abwesenheit wohl aufgefallen ist. Ich fühle mich verfolgt, werde etwas schneller und renne schließlich was das Zeug hält zu den anderen zurück. Tantchen immer hinterher. Anschließend habe ich Leine. Das Spiel ist für Enrico vorzeitig beendet und nun ist auch noch Enrico sauer auf mich. Hier herrscht ganz schön miese Stimmung. Später darf ich wieder ab und nun versuche ich Enrico ein wenig aufzuheitern, indem ich ihn über den Haufen renne. Das hat ihn aber nur erbost, so dass er mich jetzt wirklich zwickt. Na ja, miese Stimmung eben.

Bekomme schon seit einigen Tagen Antibiotikum Tabletten. Bei der Blutuntersuchung hat sich herausgestellt, dass ich mit etwas Kontakt hatte, was sich wie Rickettsien anhört. Kenne ich nicht. Allerdings habe ich festgestellt, dass die zwei Extrahappen doch etwas bitter schmecken. Unbemerkt von Tantchens beobachtendem Blick, gelingt es mir, das Fleischstück ab zu schlucken und ganz unbeobachtet die Tablette wieder aus zu spucken. Also ich lasse sie ganz unbemerkt fallen. Tatsächlich findet Tantchen sie kurze zeit später. Braucht die Frau nicht endlich eine Brille?

Bekomme sie dann noch mal mit noch einem Stück Fleisch. Auch keine schlechte Idee.

Mittags gehen wir nur wieder ans Wasser. Keiner zum Spielen hier. Langweilig. Futter finde ich hier auch nicht, werde mit Argusaugen bewacht. Enrico will auch nicht mit mir spielen. Selbst wenn ich losrenne schaut er mir nur unentschlossen nach. Er meint, ich hätte ihn schon so oft über den Haufen gerannt. Und das überschlagen macht ihm dann doch Angst. So stelle ich mich nur öfter hinter Akira an um mir einen Belohnungskeks zu holen. Hundewurst gibt es leider nur wenn gepfiffen wird und das auch nur, wenn ich beim 3. Pfiff da bin. Deutschland eben.

Abends gelingt es mir dann die Antibiotika wieder heimlich aus der Schnute fallen zu lassen und mir dadurch zwei Extrafleischstücken zu ergaunern. Aber dann schlucke ich sie brav ab. Akira hat mir erzählt, wenn ich sie dann wieder fallen lassen würde, dann werden sie mir pur in das Mäulchen gestopft und das will ich auf keinen Fall.

 

Tag 38

Morgens wird jetzt immer noch einige Zeit gekuschelt. Wir liegen alle auf einem Haufen und lecken uns gegenseitig ab. Irgendwann beendet das dann leider Hummelbirne, rennt zur Eingangstür und winselt. Er mimt den, mit der vollen Blase. Wenn es dann allerdings  später vor die Tür geht, kann er vor lauter Schnüffeln gar nicht pieschern. Aber unsere Schmuserei unterbrechen. Lecke Akira zum Schluss immer noch die Schnute ab.

Walnüsse gibt es leider keine mehr. Versuche es nun mit der Walnussschale. Werde aber erwischt und bekomme Schimpfe. Gildet denn Schale auch nicht?

Mein Häufchen mache ich weiter mitten auf dem Rasen. Werde weiter dafür gelobt und unterbreche, ob der vielen Aufmerksamkeit für mein Tun, dann schnell den Vorgang und versuche mein Glück noch einmal ein Stück weiter. Werde wieder gelobt, bin aber jetzt zum Glück schon fertig. Kann sie da nicht einmal versehentlich reintreten? Dann hört das Gelobe vielleicht wieder auf. Die Idee, dass ich das Kommando lerne und dann auch an einer anderen Stelle mein Häufchen absetzte, hat doch schon mit dem Pieschern nicht funktioniert. Jeden Abend sagt sie was von „Bravo, bravo.“ Habe schon auf den letzten drei Nachtspaziergängen extra keine Pfütze gemacht. Ich mach doch nicht auf Kommando eine Pfütze.

Mittags geht es wieder an die Havel. Wunderschön. Treffen dort eine Dame mit einer Enlischen Setter Hündin. Die würde gerne mit uns spielen und rennt was das Zeug hält oder sollte ich besser sagen, soweit die Schleppleine reicht, um ihr Frauchen herum. Die Dame schaut auch schon ganz streng Tantchen an und fragt, warum sie denn nicht zum Hundeauslaufgebiet kommt. Hier wäre doch Leinenzwang. Tantchens Antwort ist indifferent. Auf die Nachfrage, wie alt denn die temperamentvolle Dame ist, erfuhren wir 12 Jahre. Uih, fast wie Akira und noch so wild. Sie könnte doch vielleicht hier ihre Hündin ableinen? Das ginge wohl nicht, weil sie dann weg wäre. Bei der Frau ziehe ich freiwillig ein. Der Hund ist bei ihr so alt geworden und hat nur halb so viele Regeln, wie wir hier haben. Eigentlich super.

Hier habe ich Enrico zwar auch schön öfter umgerannt, aber hier rennt er mir dann doch hinterher und wir toben immer die Hänge rauf und runter und zwischendurch ab ins Wasser.

Anschließend schlafe ich bis zum nächsten Spaziergang. Immer noch gibt es hier drei Mahlzeiten. Wegen Akira, damit ihre Portionen nicht so groß sind. Also von mir aus könnten wir auch vier Mahlzeiten bekommen. Natürlich nur, damit die Portionen nicht zu groß für Akira sind. Das findet Enrico auch.

 

Tag 39

Morgens sind die Straßen immer noch so schön leer, der Park leider auch. Wo sind eigentlich die ganzen Hunde, wenn man sie zum Toben braucht? Nur die Krähen kommen dreist, bei ihrer Bettelei um eine Erdnuss, immer näher. Eine hätte mich fast gestreift. Bin aber nicht erschrocken sondern sofort auf die blöde Krähe los. Auch kein schlechtes Spiel. Morgens hat Enrico keine Lust mehr zum Toben. Er hätte angeblich am Wasser zu viel zu tun. Pfft!

Mittags steigen wir alle ins Auto, es soll zum Grunewaldsee gehen. Erst muss allerdings noch ein wenig gearbeitet werden. Nach einer endlosen Zeit, wir liegen alle brav im Auto auf unseren Decken, geht es endlich ab. Leider fängt es schon ein wenig an zu dämmern. Zum Glück sind aber noch genug Hunde da und Enrico spielt hier auch gerne mit mir. Allerdings ist er hier doch etwas knurriger als sonst. Vermutlich hat die Bangbüchs ein wenig Angst. Mir macht es nichts aus, dass es immer dämmriger wird, ich finde das spannend.

Auch hier gibt es Hänge und  die rase ich rauf und runter. Der Kleene immer hinterher. So genau kann er die Äste und Stämme nicht mehr sehen. Er überschlägt sich auch schon mal. Allerdings, das muss man ihm lassen, hier jammert er nicht. Aber wenn ich ihn umwerfe, dann macht er einen auf wehleidig. Das merke ich mir.

War ein schöner Abschluss für den Tag. Hat Spaß gemacht. War mal was anderes, hier in der Dämmerung. Auf dem Weg zum Auto folgt uns eine Dame mit vier Labradoren. Gibt es hier die Hunde eigentlich im Dutzend billiger? Ist schon ein wenig unheimlich vier so große Hunde als dunkle Schatten hinter einem zu wissen. Tantchen geht auch ein wenig schneller und scheucht uns regelrecht ins Auto. Kaum sind wir drin, schon laufen diese Hunde an unserem Auto vorbei. Ist so im Halbdunkeln doch etwas anderes als im hellen.

 

Tag 40

Heute ist wieder Sporttag. Einfach langweilig. Wir könnten doch zusammen joggen. Aber nein, es gibt nur eine extralange Runde am Wasser. Endlich ist auch mal wieder die nette langschwänzige Rumänin da, die sich so gerne jagen lässt. Also von allen nur nicht so gerne von Enrico, weil er erstens bei der Verfolgungsjagd ständig kläfft und weil er sie, wenn er sie erwischt, auch gerne mal zwickt.  Sie hat ihm auch schon mal gesagt, dass sie zurück zwicken wird. Er entschuldigt sich auch immer sofort. Es wäre halt sein Temperament. Ho, ho! Der Kleene und Temperament. Der ist doch eher nervös. Aber ich sage nichts dazu, also ich nicht.

Endlich ist Tantchen zurück und wir fahren an den Grunewaldsee.  Vorher wird noch alles eingesammelt, was ich zerbissen habe.  Das Fell ist aber auch zu schön und die Knöpfe an der Jeans und an der Bettdecke wollte ich auch einmal probieren. Nur der Knopf von der Jeans hat es nicht überlebt. Na, das kann doch mal passieren.

Am Grunewaldsee  ist es heute schön voll und Enrico wartet darauf, dass ich endlich losrenne und die wilde Jagd beginnt. Möchte allerdings nicht gleich mehrere an den Fersen haben und sage lieber nur zu allen freundlich „Hallo“. Der Kleene ist etwas überfordert und überlegt öfter, ob er den einen oder anderen von den Kameraden, die hier langlaufen, nicht doch einmal unterbuttern sollte. Wird aber jedes mal rechtzeitig von Tantchen entweder mit dem Ball, meist aber mit einem Keks abgelenkt. Der Keks ist mir lieber, den bekommen wir dann gleich alle. Akira hält auch besser Anschluss damit ihr ja kein Keks entgeht. Wer nicht rechtzeitig da ist, bekommt nichts. Das hat sie sich gemerkt.

Endlich kommen wir auf einen Weg, auf dem wir kaum andere Hunde treffen. Und los geht die wilde Jagd. Immer den Berg rauf und runter. Leider kommt bald ein Foxterrier und will mitspielen. Also erst einmal sagt er dem Kleenen, dass er jetzt draußen ist. Er, also der Terrier, würde mich jetzt jagen. Darüber mussten wir beide erst einmal nachdenken. In der Zwischenzeit bat Tantchen die Besitzerin des Terriers ihren Hund abzurufen. Die Antwort war: “Nö, der will mitspielen.“ Hat der Frau noch niemand gesagt, dass bei dreien einer zu viel ist? Auch der zarte Hinweis, dass Enrico mit Rüden nicht unbedingt verträglich ist und auf gar keinen Fall will, dass der neue mitspielt, brachte nichts. Beide Rüden standen sich inzwischen schon steif gegenüber. Ich schaute mir das Ganze sehr interessiert an. Endlich ging die fremde Frau weiter und ihr Hund rannte knurrend hinterher.

„Du Akira, warum ist der Rüde seiner Besitzerin knurrend hinterher gerannt?“

„ Weil er sich geärgert hat, dass er nicht mitspielen durfte.“

„Meinst Du er beißt sein Frauchen mal ganz kräftig?“

„Vermutlich eher nicht,. Hat wohl dann doch Angst vor dem Tierheim.“

Uih, vor dieser Drohung hätte ich auch Angst.

Leider hat sich dann keine Möglichkeit zum toben mehr ergeben. Die Wege sind hier dann mit Wildschutzzaun eingegrenzt. Schade eigentlich.

Tag 41

Heute gehen wir nicht ganz so lange ans Wasser. Tantchen muss weg. Ist auch egal, um diese Uhrzeit treffen wir hier sowieso keine anderen Hunde. Wann gehen die anderen Hunde am Sonntag morgen spazieren?

Enrico zerfetzt seinen Ball, Akira zerkaut Stöcke, ich suche Futter. Ist also wie jeden Morgen.

Mittags fahren wir dann wieder an die Havel. Der Grunewaldsee ist am Sonntag zu voll. Es wurde kurz angefragt, ob wir zur Arbeit mitkommen wollen und die Zeit im Auto warten möchten. Da wir aber keine Ahnung hatten wie schön das Gebiet ist, an dem wir dann landen, wollten wir lieber hier warten und dann an die Havel.

Selbst die Havel war erstaunlich voll. Wenn Menschen heute auftreten dann immer in Gruppen von zwei bis vier Personen. Wir mussten uns um die Menschen rumschlängeln, da sie den ganzen Weg einnahmen.

Zuerst haben wir alle erst mal gescheckt, welche Hunde hier heute schon gelaufen sind. Da wir gestern nicht so richtig toben konnten sind wir heute gleich abgedüst. Zuerst am Wasser und dann am Hang. Eines muss man dem Kleenen lassen, wehleidig ist er nicht. Mit seinen kleenen Beenen macht er mächtig den Berg unsicher. Immer rauf und runter. Mir immer hinterher. Akira steht nur da und staunt.

An anderen Hunden wird Enrico mit dem Ball vorbei gelockt. Tantchen hat heute so gar keine Lust auf einen Nahkampf. Zum Glück sind fast den halben Weg über die Laufrichtung der anderen Spaziergänger entgegengesetzt zu unserer Laufrichtung. Erst auf dem Rückweg läuft vor uns ein Paar mit einem Mops. Ausgerechnet ein Mops. Einer von Enricos Lieblingsfeinden, mit ihrer schnorchelnden Atmung. Ich fand ihn ganz süß. Enrico stand bei dem Erstkontakt  etwas ratlos rum. Ließ sich auch willig ranpfeifen. Ich kam gleich mit. Ein Stück Hundewurst ist immer etwas Feines.

Weil wir hier so rumstanden, damit die anderen voraus gehen können, dachte ich mir, könnten wir auch ein wenig toben. Und ab ging die Post. Musste zwischendurch auch mal im Schilf nachsehen was die Enten machen.  Vielleicht gibt es Entenküken? War aber nicht zu sehen. Und weiter ging die Jagd. Leider war der Mops irgendwie aber auch schon sehr langsam. Es ging nicht so recht voran. So trippelten wir fast auf der Stelle um einen erneuten Kontakt zu vermeiden. Man muss sein Glück nicht herausfordern, fand Tantchen. Das fand Enrico auch.

Am Wasser, trotz 13 Grad Lufttemperatur, picknickten hier viele Menschen. Kinder wollten uns streicheln. Ich machte das Angebot Bulette gegen streicheln. Auf den Handel wollten sie sich aber nicht einlassen. So drehte ich auf dem Absatz um und ging zusammen mit Enrico meiner Wege. Nur Akira fand das Streicheln toll und leckte als Belohnung den Kindern die Hände ab. Da war zwar keine Bulette drin, dafür schmeckten sie aber noch danach.

Enrico hatte die glorreiche Idee ein Schwanen-Paar vom Ufer ins Wasser zu jagen. Er fühlte sich hinterher wie ein König. Als die Schwäne aber mitbekamen wer sie da ins Wasser gescheucht hatte und vor allem, wie klein der war, kamen sie fauchend zurückgeschwommen. Wir gingen schnell weiter. Bulette war hier nicht zu erben. Somit nichts wie weg.

Auf dem restlichen Weg trafen wir keine anderen Hunde und so tobten wir los. Akira bellte uns auffordernd hinterher. Sie wäre wohl gerne mit gelaufen.

Dann gab es Futter und wir haben alle einen weg geratzt. Selbst Enrico wollte nicht mehr spielen. Er wird, mit seinen zwei Jahren, wohl auch älter und vernünftiger. Kaputt hat er nur ganz am Anfang was gemacht. Nun schon lange nicht mehr. Darauf hofft Tantchen auch bei  mir.

Tag 42

Heute bin ich morgens, als wir am Wasser waren, gleich zu der Stelle gerannt, an der ich gestern ein Stück Knochen ausspucken musste. Wurde natürlich dabei beobachtet und musste ihn gleich wieder ausspucken.  Da ich das nicht wollte, wurde meine Schnute geöffnet und der Knochen rausgefischt . Konnte ihn nicht so schnell abschlucken. So eine Verschwendung. Aber zumindest musste ich nicht an die Leine.

Ansonsten noch kein anderer Hund zum Spielen da. Stelle mich also neben Akira an und hole mir ein paar Hundekekse ab. Langweilig.

Endlich kommt eine kleine Hündin. Sie wohnt direkt am Wasser und wird jeden Morgen mit Ballspielen bespasst. Der Ball wird geworfen, Herrchen raucht, Hündin macht großes und kleines Geschäft, Herrchen hat auf geraucht und sammelt ein, dann gehen sie wieder über die Straße nach Hause.

Streusle mal so zu ihr rüber und mache ein paar Spielaufforderungen. Selbst Enrico vergisst sein Suchspiel und schaut zu uns rüber. Nachdem er seine ganzen Spielsachen einzeln gesucht und wieder brav abgegeben hatte, kommt er auch mal schauen. Will auch mal „Hallo“ sagen und mal ein bisschen schnüffeln. Sie aber wittert Verrat und haste nicht gesehen, fährt die kleine Dame rum, verbellt mich und zwickt tatsächlich Enrico in den Po. Vor Verblüffung bleibt er erst einmal wie  angewurzelt stehen und, ihr werdet es nicht glauben, der Mund steht im ungläubig offen. Wenn ich nicht sehen müsste, dass ich wegkomme, damit sie mir nicht auch noch in den Po zwickt, hätte ich laut heraus gelacht.

Tantchen ist aber schon aktiv und lockt Enrico mit dem Ball aus der Gefahrenzone heraus. So ganz nebenbei fährt sie mit der Hand über den Po von Enrico um zu sehen, ob es vielleicht mehr war, als ein einfaches Zwicken. War aber nicht. Also mit der kann man auch nicht spielen. Enrico ist morgens nicht mehr in Spielstimmung. Er macht morgens am liebsten nur noch seine Suchspiele. Schade eigentlich.

Wie schön, dass es nach dem doch recht langweiligen Spaziergang wenigstens das wunderbare Futter gibt. Gestern hatten wir alle Nudeln zum Essen. Das war das Schönste überhaupt. Dafür habe ich sogar die Hundewurst stehen lassen. Für Nudeln sterbe ich. Sie erinnern mich so schön an zu Hause und an meine Mutter und meine Schwester. Das waren dort die Feiertage, wenn wir jeder eine Portion Nudeln bekamen. Wenn die beiden meinen, jetzt immer gut gefüllten Futternapf sehen könnten. Ich schicke Euch Grüße. Hoffe es geht Euch gut.

Mittags gab es wieder nur Wasser. Es stand zu viel Arbeit an. Allerdings ist der Weg am Wasser nicht identisch mit dem Weg vom Morgen. Wir gehen in die andere Richtung. Hier treffen wir Enten und Schwäne. Enrico muss in dem Bereich an die Leine. Gänsejagen verboten. Kurze Zeit später musste ich auch an die Leine. Entenjagen macht Spaß, habe ich festgestellt. An einer Stelle gibt es hier Ratten. Enrico und ich riechen es ganz genau. Wir würden die Gänge zu gerne aufbuddeln. Aber da ist Spaßbremse dazwischen. Sie hat angeblich Angst, dass da Rattengiftköder ausgelegt sein Könnten. Pfft!

 

Tag 43

Heute war ich schnell. Meinen Knochen hatte ich gestern zwar fallen lassen, mir aber genau gemerkt wo. Ich also nichts wir hin und als Spaßbremse ankam, konnte ich ihn schnell abschlucken. Hatte ihn zwei Tage lang bearbeitet. Nun war er klein genug. Kurz gekaut und weg. Als Tantchen mir den Fang öffnete, war der schon leer. Legte mich vorsorglich auf den Rücken und schwänzelte ein wenig unbestimmt. Meckertante ist dann auch ohne ein weiteres Wort gegangen. Uff´!

Kurze Zeit später trafen wir die kleine Hündin wieder. Mein Bedarf an Toben war gestern nicht ausreichend gedeckt worden und so renne ich ganz erfreut zu der kleinen Hündin. Enrico schaut zwar, kommt aber lieber nicht mit. Meine Spielaufforderungen ignoriert sie und so stehe ich ein bisschen da, wie bestellt und nicht abgeholt und weiß auch nicht so genau. Da kommt auch schon Enrico an, ein wenig unentschlossen stellt er sich zu mir. Das unfreundliche Verhalten von gestern ist ihm noch in guter oder besser schlechter Erinnerung. Da hält er heute lieber Abstand. Und schon um die Hündin ein wenig zu ärgern, spielen Enrico und ich ein wenig. Die beachtet uns aber gar nicht. Eingebildetes Ding.

Schon auf dem Rückweg versuche ich noch einmal mit Enrico zu spielen. Endlich macht er mit. Es geht immer im Kreis rum bis er irgendwann plötzlich stehen bleibt. Ist ihm jetzt schwindelig? Also Spiel vorbei. Dann kann ich auch zu der kleinen Bucht rennen und etwas trinken. Oh, ein Angler. Warum stehen die eigentlich überall rum, wo man sie nicht braucht? Traue mich also nicht ans Wasser. Aber was riecht hier so lecker? Ein schöner Haufen Menschenkot. Bevor der Rest der Truppe nichtsahnend nachkommt, habe ich schon angefangen zu futtern. Nun wird aber Tantchen wild. Ich komme an die Leine, muss wider zu dem Kothaufen und sie ruft erbost: „Das ist pfui!“ Ist ja gut, ist ja gut, habe ich ja verstanden, dass ich an den Haufen nicht mehr gehen soll. Sie kann ihn doch haben. Wird hier sicher noch mehr davon geben. Suche ich mir eben einen anderen. Die stellt sich vielleicht an. Habe nun natürlich Leine und werde bis zur Haustür auch nicht mehr beachtet. Die beiden anderen bekommen an der Straße ihr übliches Stück Hundewurst, ich schwänzle ein wenig verlegen. Ist schon klar, ich bekomme nichts. Nicht mal gestreichelt werde ich. Einfach übersehen. Als Enrico Richtung Straße zieht, sich also verhält wie immer, wird er von Akira ermahnt, es herrscht schlechte Laune Alarm. So latschen wir alle brav zurück. Nur nicht negativ auffallen, ist jetzt unsere Devise.

Mittags geht’s an die Havel, wie schön.  Endlich richtig toben. Das tun dann auch Enrico und ich ausgiebig.

Endlich treffen wir auch mal einen anderen Hund. Eine kleine Zwergdackeldame. Enrico und ich stürmen los. Ich renne ja gerne so auf andere Hunde zu. Wenn ich ihnen dann den Schneid abkaufe und sie rennen weg, wunderbar. Bleiben sie stehen und sagen mehr oder weniger freundlich „Hallo“, dann verschreckt mich das. Ich mache einen krummen Rücken und lasse den Schwanz erst einmal hängen. Werden die anderen Hunde dann auch noch aufdringlich, dann werfe ich mich vorsorglich auf den Rücken und bleibe solange so liegen, bis der andere Hund weg geht.

 

Die Dackeldame war ängstlich. Wie schön. Enrico und ich, nichts wie hinterher. Leider steht Tantchen im Weg und noch schlimmer, ihre Hände. Von der Stimme brauche ich jetzt nichts mehr zu sagen, wir werden streng ermahnt und ich habe Leine. Dem Besitzer des Dackels hat es die Sprache verschlagen. Er geht wortlos vorbei und würdigt uns keines Blickes. Na, man wird doch ein wenig spielen dürfen. Kann ich doch nichts dafür, dass die solche Angst vor uns hat, da kann ich doch nichts für.

Rechtzeitig vor den Rattenlöchern darf ich wieder von der Leine los und ab geht die Post. Keine Ratte gefangen. Die treiben ihren Schabernack mit uns. Wenn wir euch erwischen, dann aber. Ja ha, ihr werdet schon sehen was dann passiert!

Auf dem Rückweg treffen wir wieder ein Dackelchen.  Diesmal ein Kerl und zwar ein ganzer und er hat Leine. Enrico muss „Sitz“ machen und da die Hundewurst rausgeholt wird, mache ich gleich ganz brav mit. Dackelchen fängt an zu toben und zu knurren und wird von seinem Frauchen vorbei gezerrt. Ich nehme manierlich mein Stück Hundewurst und laufe dann schnell zu dem wütenden Dackelchen um kurz „Hallo“ zu sagen. Also ich bin von meiner Mutter gut erzogen worden. Sei immer höflich, hat sie gesagt. Und ist es höflich grußlos aneinander vorbei zu gehen? Nein ist es nicht. Tantchen pfeift, Dackelbesitzerin schimpft. Ihr Hund würde das nicht mögen, ruft sie immer wieder. Ja, hat denn dem Kerl niemand Manieren beigebracht? Hä! Na ist doch wahr. Nur widerstrebend gehe ich zu den anderen zurück. Manno, konnte mich gar nicht in Ruhe unterhalten. Und Hundewurst haben auch nur die anderen bekommen und ich habe nicht das kleinste Fitzelchen erhalten. Das ist richtig gemein.

Zum Ausgleich tobe ich mit Enrico los. Und ab ins Schilf, mal sehen ob ich hier etwas Essbares finde. Da werden wir auch schon zurückgepfiffen.  Zumindest gibt es jetzt Hundewurst.

Nach dem Essen bekomme ich zwei mal am Tag meine Tabletten. Ich bin ein Künstler in im Mund auseinander fummeln. Tantchen starrt mich mit Argusaugen an um zu sehen, ob ich die Tablette wieder ausspucke. Später findet sie die Tablette dann auf dem Boden. Ich bin ja nicht blöd und spucke sie nicht sofort aus. Habe gesehen, was sie mit Akira macht, wenn die ihre Herztablette nicht nehmen will. Zuerst wird die in ein neues Stück Fleisch gepackt und noch einmal gegeben. Wenn sie die dann wieder ausspuckt, schiebt sie die ihr ohne alles in das Mäulchen. Das muss doch ekelig schmecken. Da bin ich schlauer. Hänge die Tablette solange in die Lefze, bis sie weg ist, um dann die Tablette in aller Ruhe raus zu fummeln. Nun bekomme ich die in einer Vitaminpaste. Wirklich lecker.

Anschließend suche ich mir den bequemsten Schlafplatz und mache meinen Schönheitsschlaf. Akira ist nicht so schnell und nimmt dann den Platz, der gerade frei ist und Enrico ist immer bei Tantchen. Läuft sie rum, rennt er hinterher, sitzt sie in einem Zimmer, sitzt er zu ihren Füßen oder auf dem Schoß. Sitzt sie in der Küche, sitzt er vor der Tür und heult, weil er da nicht rein darf. Wie kann man nur so ängstlich sein. Für mich ist wichtig, dass der Korb bequem ist. Dann stört es mich auch nicht, wenn jemand über mich hinwegsteigt. Ich hebe nicht einmal den Kopf. Nur wenn Enrico anfängt sein Spielzeug um sich herum zu werfen, dann bekomme ich immer noch Angst und gehe mit hängender Rute aus dem Zimmer. Weil mir früher gelegentlich Stöcker und Steine nachgeworfen worden sind.  Wenn man mich mit einem Stock locken will, dann ist es am schönsten, wenn man mit dem Stock vor mir weg rennt oder den Stock nur an einer Ecke anhebt und mich dann damit lockt, was das doch für ein feiner Stock ist. Dann schnappe ich mir den, wedele ein wenig vor Enricos Nase damit herum und dann nichts wie los. Enrico nichts wie hinterher. Für seine kurzen Beine ist er erstaunlich schnell und eines muss man ihm lassen, wehleidig ist er nicht. Wenn er mal wieder im Gestrüpp hängen geblieben ist. Hinterher leckt er sich seine wunden Stellen.

Am Abend zur letzten Runde lasse ich mich durch das ermunternde „Bravo bravo“ dann doch zu einer Pfütze hinreißen. Aber erst muss ich ein gutes Stück laufen. Und kurz vor der Haustür, wenn Tantchen mir sagt, dass ich jetzt die letzte Chance habe, dann mache ich doch noch mein Pfützchen. Bin ja nicht so und Tantchen freut sich dann immer.

 

Tag 44

Beim Morgenspaziergang hat Tantchen mich beim Haufen machen erwischt und freudig „Fein Schönchen“ gerufen. Erschreckt mich immer noch, so dass ich sofort aufhöre. Mich hat doch noch nie jemand gelobt, wenn ich mein Häufchen gemacht habe, weil es immer mitten auf dem Rasen ist. Ist es immer noch, nur jetzt lass ich es im Laub verschwinden. Das ist besser? Tantchen läuft immer wie eine Mienen Suchhund um nicht in mein „feines Schönchen“ zu treten. Und warum lobt sie mich dann? Da ist doch was im Busch.

Mittags geht’s wieder an die Havel. Wegen des schönen Wetters, das bald vom Regen abgelöst werden soll. Also ich gehe auch beim Regen.

An der Havel treffen wir die kleine Dackeldame wieder. Tantchen versucht mich einzufangen. Mir wird ein wenig blümerant. Ich habe doch gar nichts gemacht, Mensch ey, warum versucht sie da nach mir zu greifen? Lass mich nicht greifen und komme auch nicht näher, was hat sie vor? Als sie mich dann doch erwischt, nimmt sie mich an die Leine, na das ist ja toll. Was soll das jetzt für ein Spaziergang sein? Die Dackeldame wurde inzwischen auf den Arm gerettet. Feigling. So darf ich wieder losrennen. Gerade noch rechtzeitig vor der Rattenstraße. Wieder keine da. Schade.

Leider treffen wir auch sonst keine anderen Hunde. Wo gehen die alle spazieren?

Also toben Enrico und ich los. Der Abgebrochene immer hinter mir her, Berg rauf und runter. Und dann ab ins Wasser. Wie immer sehe ich eher schwarz als weiß aus. Im Auto kann ich ja trockenen.  Sehr zu Tantchens Freude.

Kurz vor dem Auto hat erst Akira und dann Enrico etwas leckeres zum Fressen gefunden. Mir haben sie nichts übrig gelassen. Das ist gemein. Dafür bekommen beide dolle geschimpft. Richtig so. Allerdings bekomme ich auch keine Hundewurst. Obwohl ich brav war. Na toll.

Nach dem Essen lege ich mich zu Akira in den Korb. Mir ist gerade so nach kuscheln.  Allerdings wurde es ihr dann irgendwann zu warm und sie ist abgedackelt. Auch nicht schlecht, habe ich den Korb für mich allein.

Mein Abendpfützchen mache ich wieder erst kurz vor der Haustür. Nach der Drohung, dass ich sonst bis morgen durchhalten muss. Hätte ich auch gekonnt. Tantchen hat sich so gefreut. Mach doch gerne den Menschen eine Freunde, bin ich doch nicht so.

 

Tag 45

Heute morgen haben wir einen kleinen Foxterrier getroffen. Der Hund war lieb. Der Besitzer eher nicht. Er wollte beinahe nach Enrico treten, weil er seinen Hund angeknurrt hat. Dann hat er furchtbar mit Tantchen geschimpft und er wolle nun endlich eine Entschuldigung. Sie fragte  ihn nur, wie er denn so früh am Morgen schon so schlechte Laune haben könne, der Tag hätte doch erst angefangen. Grummelnd geht er weiter. Wer weiß, was der Tag ihm noch an Querschlägen bringt. Vermutlich hat er schon mal vorbeugend schlechte Laune. Später treffen wir die kleine eingebildete Hündin wieder. Heute traut sich auch Enrico wieder ran. Zuletzt hat sie ihn gezwickt, heute ist sie hocherfreut, ihn zu sehen. Auch ich tobe mit, obwohl ich nicht so recht beachtet werde. Ah! Die Hündin ist läufig. Und dann auch noch Stehzeit. Enrico hat nun erst einmal Leine.

An der Stelle, an der ein Mensch so einen gut riechenden Haufen „Schönchen“ hinterlassen hat, machen Tantchen und ich immer ein Wettrennen. Wer ist zuerst da. Na wenn sie das unbedingt fressen möchte, bitte. Ich bin da großzügig. Aber nein, sie will nur nicht, dass ich den futtere. Warum nicht?

Kurz vor der Straße, hier muss ich eigentlich an die Leine, kommt noch ein Hund. Endlich. Tantchen pfeift, habe aber keine Zeit. Muss erst einmal „Hallo“ sagen. Will doch nicht unhöflich sein. Als ich dann komme ist Tantchen sauer und ich komme an die Leine. Hätte ich hier sowieso gehabt. Allerdings komme ich nun nicht mehr ab. Dabei darf ich doch nun schon immer auf breiten Bürgersteigen oder in sehr ruhigen Seitenstraßen ohne Leine gehen. Ich kann das schon gut, bleibe auch am Straßenrand stehen. Darf nur kein Hund auf der anderen Seite  kommen. Sonst steht gute Erziehung gegen Gerufen werden. Und Erziehung ist wichtiger, sagte meine Mama.

Mittags geht es wieder an die Havel, gut dass das Wetter noch hält. Tatsächlich kommt bei 13 Grad Celsius sogar die Sonne raus und das Anfang November. Mama hatte mir erzählt, dass es in Deutschland um diese Zeit schon den ersten Schnee geben soll. War schon sehr gespannt. Nun ist es erst einmal wie zu Hause in Griechenland. Auch nicht schlecht.

Unterwegs treffen wir ein übel gelauntes Pärchen. Natürlich muss Enrico gerade neben denen seinen Haufen machen. Er tut dies gern in Gesellschaft, wenn andere ihm zusehen oder zumindest mit riechen können. In der Zeit, in der Tantchen den Haufen einsammelt, stellt sich Akira ausgerechnet bei den beiden an, um sich eine Extraportion Streicheleinheiten abzuholen. Nun ist deren Geduldsfaden aber endgültig überspannt oder besser gerissen. Laut schimpfend beschwerten sie sich darüber, dass es leider Menschen gäbe, die sich nicht an Regeln halten würden. Tantchen meinte nur“Ja, ja“. Das ist nun absolut zu viel und es geht nun richtig los, dass wir alle sehr unhöflich wären und man uns erst einmal Manieren beibringen müsste. Und dies im schönsten Ur-Berliner Dialekt. Nun wird es auch Tantchen zu viel und sie meint, dass man deshalb doch nicht selber unhöflich werden müsste. Er kommt einen Schritt auf uns zu und fragte:“Was?“ Scheint schwerhörig zu sein oder der Satz war zu komplex für ihn. Also noch einmal in Kurzform: “Man kann trotzdem höflich bleiben.“Er macht einen weiteren Schritt auf uns zu und fragte wieder: “Was?“ Vielleicht geistig behindert? Oder der Satz ist immer noch zu schwierig, sollte der Satz vielleicht lauter gesprochen werden? Oder er versteht vielleicht  kein Hochdeutsch?

In der einen Hand immer noch den Kotbeutel, in der anderen Hand die Hundeleine meinte Tantchen, sich gerade hinstellend und nun vollends dem Mann zugewandt, im typischen Ausländer-deutsch für Menschen mit begrenztem Wortschatz :“ Höflichkeit!“ Das hat er dann doch verstanden. Er drehte sich um und geht wortlos zu seiner Begleitung. Na also! Vielleicht hatte es auch geholfen, dass Akira, neben Tantchen stehend, zu übersetzten versuchte? Enrico und ich haben inzwischen die Grashalme in der Umgebung alle einzeln inspiziert. Wir hatten viel zu tun.

Später treffen wir wieder die Dackeldame. Sie scheint hier auch fast täglich zu gehen. Ich werde nun mit Hundewurst angelockt und habe Leine. Enrico darf frei. Gemein. Aber der Herr hat seine kleine Hündin schon auf den Arm gerettet. Bätsch! Allerdings setzt er sie zu früh ab und Enrico düst sofort hin. Erschrocken bleibt der Besitzer stehen. Die kleine Hündin auch. Enrico ganz der Kavalier, der er sein kann, wedelt freundlich und dreht dann ab. Er meint nur, dass sie gerade nicht läufig sei und bis zur Läufigkeit hätte er sie von seinen Qualitäten überzeugt. Wir müssten sie bloß häufiger treffen. Wer es glaubt.

Dann toben Enrico und ich wieder die Berge hoch und runter. Es ist leider das passiert, wovor sich Tantchen immer fürchtet, vor einem verknacksten Bein. Diesmal hat es mich erwischt. Nun gibt es noch zwei zusätzliche Tabletten pro Tag. Prima, dann gibt es noch mehr von der leckeren Vitaminpaste.

Auf der Nachmittagsrunde laufe ich an den kleinen Seitenstraßen schon ohne Leine. Als wir einen großen Wolf treffen, der zum Glück einen Maulkorb und Leine trägt. Wir kommen nicht weiter, weil wir uns nicht vorbeitrauen und der Rüde steht und pieschert und pieschert. Kann man so viel in der Blase haben? Oder hat der arme Hund eine Blasenentzündung? Nach einer gefühlten Ewigkeit, in Wirklichkeit war das nur eine geschlagene ganze Minute, geht er endlich weiter und hängt sofort knurrend und bellend in die Leine. Daraufhin drückt der Besitzer den Hund, mitten auf der Fahrbahn, auf den Boden. Er liegt nun völlig Steif auf dem Rücken. Zum Glück sind wir vorbei, denn er drückt ihn eine volle weitere Minute runter. Kaum hat er den Bürgersteig erreicht, kommt der nächste Hund und das ganze wird wiederholt. So kommt er nicht zu einem richtigem Spaziergang. Und wenn man den Hundetrainern glauben darf, dann ist das so nicht ganz richtig. Der Hund sollte nicht auf dem Rücken liegen sondern  eher „Platz“ machen. Maximal darf er auf die Seite gedreht werden. Auf der Seite, er sollte allein und entspannt liegen bleiben, denn solange er so steif ist, hat er nicht aufgegeben und dann ist das doch alles für die Katz oder besser gesagt, quatsch. Vermutlich macht das den Hund nur noch frustrierter und damit aggressiver. Wenn ich einen anderen Hund treffe, dann werde ich gedrückt. Und alles nur wegen dieses blöden anderen Hundes. Warte nur, wenn ich den mal ohne Maulkorb und Leine erwische. Da er gar keinen Kontakt aufnimmt unterscheidet er vermutlich auch nicht zwischen Rüde und Hündin. Das ist aber ganz  schlecht für mich.

Enrico ist jedenfalls tief von dem Wolf beeindruckt. Er macht jetzt immer, wenn wir einen anderen Rüden treffen, ganz brav „Sitz“. Bekommt dann auch immer einen Keks dafür. Den großen aggressiven Rüden, möchte er lieber nicht noch einmal treffen. Ich auch nicht.

 

Tag 46

Heute treffen wir auf der Morgenrunde eine nette kleine Französische Bulldogge. Enrico kommt an die Leine und die Bulldogge und ich spielen miteinander. Diese Rasse ist eine von Enricos Feindrassen, genau wie Möpse, die er auch nicht mag. Sie schnorcheln beim Atmen und das kann er vom knurren nicht unterscheiden. Allerdings mag er auch keine Pitbulls, keine Staffs, keine Labradore. O.K., O.K. Ich zähle lieber die Rassen auf, die er mag. Das ist kürzer. Also lass mich überlegen, welche Rasse mag er? Ah, genau Ponys.

Als wir unter der Brücke ankommen ist es stockdunkel. Lampen also aus. Dafür sind die beiden Obdachlosen wieder da. Vielleicht haben die sich beschwert und man macht deshalb die Lampen wieder aus. Die Lampen sind sicher von der EU bezahlt worden, wenn es für irgend etwas Fördergelder gibt, wird das gemacht. Egal ob es gebraucht wird oder nicht. Es werden auch in Europa die städtischen Shelters – also die städtischen Tierheime gefördert. Das sind die mit den Tötungsstationen. Manche bekommen auch für jeden Hund einen Tagesbetrag. Dann bleiben die Hunde dort, bis sie von allein sterben. Eine Vermittlung ist nicht lukrativ, dann würde es für den Hund kein Tagesgeld mehr geben. Die privaten Tierheime, die versuchen Tiere tatsächlich auch zu vermitteln, die bekommen nichts. Sind ja privat. Sie haben keine Möglichkeit auch nur etwas für das Futter dazu zu bekommen. Sind die direkten Konkurrenten der städtischen Tierheime. Jeder Hund der in einem privatem Tierheim sitzt verhindert, dass die Betreiber der städtischen Tierheime noch mehr Geld verdienen. Versteht sich, dass von dem Geld bei den Hunden und Katzen  nichts ankommt. Wird ja nicht kontrolliert. Menschenwerk eben.

Mittags geht es ab an die Havel. Das Wetter ist unbeständig. Ab und zu kommt eine kleine Husche. Da sind fast keine Menschen unterwegs. Wir sind so gut wie allein. Allerdings bellen und toben im Hundeauslaufgebiet, auf der anderen Seite der Havel, einige Hunde. Würde zu gerne mittoben. Weiß aber nicht, wie ich da rüber kommen soll. Mir fällt nur schwimmen ein. Es erscheint mir allerdings fraglich, dass ich es bis zu anderen Seite schaffe. Gehe mal versuchsweise ins Wasser. Bis zum Bauch habe ich es schon mal geschafft. Arbeite weiter  daran. Vielleicht schaffe ich es dann doch quer durch die Havel zu schwimmen. Wenn es nur nicht so nass wäre.

Enrico lässt sich nur schwer zum Spiel auffordern. Auch wenn ich vorneweg renne, rennt er meist nur verhalten hinterher. Manchmal schaut er auch nur. Er wird doch gerade mal 2 Jahre alt. Fängt man da schon an steif und lustlos zu werden? Also tobe ich allein die Berge ruf und runter. Tantchen schaut besorgt auf mein linkes Vorderbein. Aber alles wieder gut. Die Traumeel-Tabletten haben geholfen.

Entsprechend dreckig und müde steigen wir alle wieder ins Auto. Schön so ein Spaziergang in Freiheit.

Am Nachmittag laufen wir nur Straße. In den kleinen Seitenstraßen darf ich nun schon ohne Leine laufen. Allerdings kürze ich immer noch ab, wenn der Straßenrand im Kreisverkehr endet. Warum soll ich außen rumlaufen, wenn ich auch geradeaus rüber kann. Hä! Kann mir das mal jemand erklären?

 

Tag 47

Heute ist wieder Sporttag. Also gibt es einen sehr großen Frühspaziergang. Und weil wir so schön viel weiter gehen als sonst unter der Woche, finde ich hier auch noch so einiges zum wegmampfen. Allerdings spucke ich jetzt, wenn „Aus“ gerufen wird, alles sofort aus, was ich in der Schnute habe. Sonst wird wieder mein Mäulchen geöffnet und alles raus geholt, was ich so gerne verspeist hätte. Das ist unangenehm, dass kann ich versichern und darum spucke ich es jetzt lieber sofort von allein aus. Manchmal echt leckere Sachen.

Als wir später alleine sind, hatte ich dann doch mal wieder die Idee, wir könnten umdekorieren. Keiner will mitmachen. Da habe ich allein auch so keine rechte Lust. Habe mal das eine oder andere Stofftier neu platziert und die Fernsehzeitung gelesen. War aber die, die gerade ausgelaufen war. Die neue ist noch nicht da. Erstaunlich langweilig, so eine überholte Zeitung. Dann habe ich noch ein Buch im Bett gefunden. Das wird gerade von Tantchen gelesen. Habe erst einmal den Einband durchgearbeitet. Hörte sich aber sehr kompliziert an und so bin ich am Einband hängen geblieben. Ich habe die Sätze immer wieder durchgekaut. Das macht man doch so, dass deshalb der Einband gleich kaputt geht, das kann doch mal passieren. Habe das Buch eben sehr intensiv gelesen. Tantchen hat gedroht, dass wir, wenn ich so weiter mache, nur noch einen Raum und einen Flur zur Verfügung haben. Enrico und Akira haben mich aus schmalen Augen angesehen und sind sich einig darin, dass ich bisher in meinem Leben zu wenig Popoklatsche bekommen habe und es sicher hilfreich sein könnte, wenn sie das jetzt noch nachholen. Denen geht es wohl nicht gut.

Nachmittags gibt es nur eine große Runde Straße. Ich darf zwischendurch immer wieder ab von der Leine. Ist trotzdem langweilig.

 

Tag 47

Heute haben wir alle verschlafen. Also ich nicht. Aber ich liege immer ganz lieb im Korb, bis die Halsbänder umgelegt werden. Macht keinen Sinn, so wie Enrico immer laut Gähnend hinter Tantchen herzurennet und sich zwischendurch winselnd vor die Wohnungstür setzt. Dabei muss er gar nicht und schneller geht es dadurch auch nicht. Nach dem Waschen und Anziehen wird Tee gekocht und die Hundewurst geschnitten. Lenken wir Tantchen ab, vergisst sie nachher noch die Hundewurst. Da sei Gott vor.

Beim Halsbänder Anziehen macht Enrico immer noch Theater. Hält Tantchen das Halsband hin, dann schaut er, wie es rechts von seinem Hals aussehen würde, wie es links davon aussieht, schaut auch noch mal von hinten. Dann wird es mir zu doof und ich strecke meinen Kopf hin und sage, dass sie es mir umlegen soll. Dann streckt er endlich den Kopf rein. Ich strecke natürlich, genau wie Akira, meinen Kopf immer sofort in mein Halsband rein.  Ich bin doch schon zu groß für solch einen Firlefanz.

Im Park ist es für die meisten noch zu früh. Wir sind allein. Nur der Straßenreiniger ist schon mächtig aktiv. Muss in der Nacht hoch her gegangen sein. Tantchen räumt noch zwei Flaschen Wodka in die Mülltonnen, die hat der Müllmann übersehen. Nun schlafen alle Hunde noch. Leider auch die Hundebesitzer. Kein Hund zum Spielen da und Enrico rast nur nach seinem Ball. Mit mir spielt er nicht mehr. Nur weil er sich gelegentlich überschlagen hat, als ich ihn umgerannt habe. Wie kann man so kleinlich sein. Habe mich schon vor ihm auf die Seite fallen lassen. Quasi als Aufforderung über mich drüber zu rennen. Aber selbst das will er nicht. Er möchte Ballspielen. Punkt!

Mittags fahren wir an die Havel. Zuerst scheint die Sonne. Als wir am umdrehen sind, fängt es an zu schütten. Also mich stört das nicht. Leider sind dadurch auch keine anderen Hunde unterwegs. Können wir mal wieder zum Grunewaldsee fahren? Mit Enrico wird es langsam langweilig. Er ist so brav geworden. Selbst andere Rüden interessieren ihn kaum noch. Hauptsache – Ball.

Das Mittagessen wird immer spannender. Enrico lässt immer etwas im Napf und fängt an mit dem Futterball zu spielen. Darin befindet sich die zweite Hälfte seines Futters. Den Rest aus dem Napf möchte er dann anschließend fressen. Inzwischen habe ich aber mitbekommen, dass er immer etwas in seinem Napf drin lässt und verputze dies in einem unbemerkten Augenblick. Wenn dann sein Futterball leer ist, kommt er zurück zu seinem Napf und staunt nicht schlecht. Oh, leer! Er soll sich nicht so haben. Schließlich wird jetzt für ihn Hundewurst versteckt, die er suchen muss. Natürlich bekommen Akira und ich die Hundewurst aus der Hand. Warum anstrengen. Ist doch Unsinn, wenn die Wurst erst versteckt wird und dann sollen wir die wieder finden. Blödsinnige Idee. Das kann auch nur Enrico Spaß machen. So stehen Akira und ich dann erwartungsfroh vor der Küchentür und warten auf unsere Hundewurst, während der Kleene im Nebenzimmer wie ein Irrer  rum rast.

Der restliche Tag vergeht in schweinchenrosa, kleinkarierter Langeweile.  Es wird geputzt. Auch so eine unnütze Erfindung der Menschen. Puh, ist das ungemütlich. Vor allem das Staubsaugen. Wir ertragen es alle mit Gleichmut. Obwohl Enrico zwischendurch, deutlich erkennbar, den Drang verspürt, in das laute Ding zu beißen. Ich verlasse, wohl erzogen, den Raum und lege mich ins andere Zimmer.

Tag 49

Beim Morgenspaziergang schnüffele ich gerade so schön, da wird gepfiffen. Ich soll unbedingt kommen. Habe aber noch nicht festgestellt, was hier so alles steht. Muss also noch ein wenig die Hundezeitung lesen. Bekomme geschimpft. Na, das ist ja mal ganz was neues. Dann geht es weiter und endlich mal wieder ein fremder Hund. Er möchte auch gern mit mir spielen. Leider hat er Leine und kann immer nur so weit rennen, so weit die Leine reicht. Es pfeift schon wieder. Spaßbremse ist unterwegs. Meine angestaute Energie muss ich aber erst los werden. Kann also nicht reagieren. Anschließend gibt es Leine, was aber nicht schlimm ist, da wir schon an der Straße sind und da muss ich immer an die Leine. Nach der großen Straße hoffe ich, dass ich wieder frei laufen darf. Ist aber nicht. Miese Stimmung und wir laufen alle so brav an der Leine wie die Oberstreber.

Mittags gibt es nur Wasser. Zu viel zu tun. Ach und was ist mit uns? Ich werde nun mit einem Futterbeutel trainiert. Damit ich mich besser abrufen lasse. Pff!

Enrico hat wieder nur seinen Ball im Nüschel und ich treffe endlich einen anderen Hund. Wow. Noch dazu einen kleinen Schisser. Wie schön. Er raste kläffend Enrico hinterher und fühlte sich super. Die Gelegenheit ergreife ich, um ihm hinterher zu jagen. Da ist er aber gerannt. Habe ich schon erzählt habe, dass es mir riesigen Spaß macht ängstliche Hunde ein wenig zu scheuchen? Er rettet sich zu seinem Herrchen. Ich habe dann freundlich „Hallo“ gesagt und ihn gefragt, ob er mich vielleicht ein wenig jagen möchte. Wollte er nicht. Konnte ich vor ihm wegrennen wie ich wollte. Er war eingeschnappt. Es gibt scheinbar in Deutschland keine richtigen Kerle, nur eingeschnappte.

Enrico ist schon wieder mit seinem Ball beschäftigt. Mir wird mal das eine oder andere Stück Futter auf dem Futterbeutel gereicht. Mir egal. Ich lecke Tantchen die Finger um ihr zu zeigen, dass sie mir das Futter auch ruhig wieder aus der Hand geben kann. Ich werde dem Futterbeutel nicht hinterher rennen. Kannste machen was de willst, kannste da. Mache ich nicht.

Nachmittags hat wieder jemand meinetwegen angerufen. Schien eine sehr liebe Dame zu sein. Allerdings wieder nur mit Rad oder Bus zur Arbeit und kein Auto für Urlaub oder auch nur Waldspaziergänge. Wo sind eigentlich die vielen Leute, die ständig die Luft mit ihren Autos so verpesten? Wollen die alle keinen Hund? Immerhin hat sie keine Kinder. Die machen mir immer noch schreckliche Angst. Hektische oder schnelle Bewegungen sind nichts für mich. Ob ich am Fahrrad laufen kann, habe es noch nie probiert. Wenn es ruhige Straßen sind oder Radwege auf dem Bürgersteig. Sonst wird es mich vermutlich eher überfordern.

Habe gerade gehört, dass ich im Bus einen Maulkorb tragen muss. Warum, ich beiße doch nicht. Das macht mir Angst und was ist wenn der Bus voll ist? Könnte mir da auch jemand auf den Fuß steigen? Ich glaub, ich fahr lieber Auto. Es könnte auch bequemer sein,  habe ich gehört. Bus ist nichts für Mamas Tochter.

 

Tag 50

Heute gehen wir schon sehr früh zum Morgenspaziergang. Es ist noch dunkel und Enrico drängelt wie immer nach einem Spielzeug. Ich nutze die Gelegenheit und gehe ein wenig durch die Gegend. Vielleicht findet sich hier ein wenig zum Fressen. Muss nur aufpassen, dass ich nicht dabei beobachtet werde, sonst gibt es wieder Ärger. Kleine Happen schlucke ich sofort ab. Nur bei den größeren muss ich kauen. Somit ziehe ich einen weiten Bogen und lasse die anderen links liegen. Fühle mich allerdings beobachtet und streusele so langsam zu den anderen. Akira bettelt um Hundekekse und ich stelle mich mal daneben. So fällt auch immer ein Keks für mich dabei ab. Lange wird nicht gespielt. Es ist einfach zu dunkel. Außerdem bin ich gerade auf der Suche um mein Hundehäufchen abzulegen. Natürlich suche ich mitten auf dem Rasen. Und da kommt auch schon die Spaßbremse an. Kaum habe ich mich gemütlich hingesetzt um ein Häufchen zu machen, da kommt sie auch schon an und ruft immer „Schönchen, schönchen.“ Diese Aufmerksamkeit mag ich immer noch nicht. Ich kann mit so viel Aufmerksamkeit einfach kein Häufchen machen. Also laufe ich ein Stück weiter und setzte mich noch einmal hin. Jetzt schnell anfangen ein Häufchen zu machen. Da kommt sie auch schon wieder an und ich höre schnell wieder auf. Setze mich dann noch einmal ein Stück weiter hin. Endlich habe ich das erledigt. Tantchen bemüht sich alle verschiedenen Stellen vorher zu finden, bevor sie reintritt.

Die Fütterung erfolgt heute ein wenig schnell und nicht so liebevoll wie sonst. Es wird keine Hundewurst versteckt. Und das Fleisch als Resthappen nach der eigentlichen Fütterung wird heute auch vergessen. Das ist aber eine echte Schlamperei. Anschließend wird schon wieder geputzt. Einfach ungemütlich heute hier. Anschließend werden wir in ein Zimmer gesperrt und draußen rumort es weiter. Es klingelt, ah es kommt jemand. Nein, die Müllabfuhr. Also entspanne ich wieder. Es klingelt erneut, kommt jetzt jemand? Nein ein Paket wird abgegeben. Was machen wir also hier in dem Zimmer? Ist doch wie immer. Es klingelt schon wieder. Noch ein Paket. Jetzt wird es aber aufregend. Warum sind wir nun eigentlich hier in dem Zimmer eingesperrt. Würde gern das Zimmer ein wenig neu dekorieren. Da aber draußen ständig Bewegung ist traue ich mich nicht. Beim nächsten Klingeln wundere ich mich schon nicht mehr. Was werden hier eigentlich ständig für Pakete abgegeben. Sind die alle für uns? Nun kommen aber Menschen. Also Besuch. Ich höre sie im Nachbarzimmer verschwinden. Allerdings habe ich kein anderes Tier gerochen. Also Besuch für Tantchen. Durch die Wand höre ich Gemurmel. Endlos lange passiert nichts weiter als Gemurmel und ein wenig Hin- und Her -Gelaufe.

Nach meiner inneren Uhr ist es nun langsam Zeit für den Mittagsspaziergang. Nichts passiert. Nebenan ist der Besuch immer noch da und das dauert und dauert. Man oh man. Hier läuft aber mal wieder etwas gewaltig schief. Ob ich vielleicht mal bellen sollte? Lieber nicht. Bellen ist hier nicht erlaubt. Schnüffele etwas unter der Tür. Wollen die nicht bald gehen?

Deutlich über der Zeit verlassen alle die Wohnung. Was soll das jetzt werden? Machen die unseren Hundespaziergang nun allein? Dann kommt Tantchen wieder und ab geht es endlich. Akira hat deutlich Druck auf der Blase und stürzt auf die Straße. Wir anderen haben nun auch erheblichen Bewegungsdrang. Und dann geht es auch schon wieder ins Auto. Wenn wir jetzt auch noch im Auto warten müssen, dann aber, ganz gewaltig aber.

Es geht zur Havel und zwar auf direktem Weg. Wir toben, endlich wieder aus dem Auto gelassen, gleich los. Mir fällt jede Menge Unsinn ein und Enrico macht immer alles mit. Wir sind ein tolles Team. Enrico düst immer hinter mir her. Manchmal renne ich hinter ihm her. Das mag er aber nicht. Da ich ihn leider zwischendurch immer mal wieder über den Haufen renne. Also ich finde das lustig. Er leider nicht.

Zu Hause angekommen ziehen wir uns  nach der Fütterung alle auf eine Hundedecke zurück. Tantchen hat schlechte Laune. Der Besuch war wohl nicht unbedingt erfreulich und nach ihrem Gemurmel zu urteilen, auch irgendwie völlig daneben. Wohl zu viele Forderungen, die Tantchen als unsinnig ansieht und trotzdem erfüllen muss. Warum eigentlich.

 

Tag 51

Heute morgen war es schon hell, als wir endlich los gekommen sind. Das hat heute wieder gedauert. Und dann war auch noch die Hundewurst vergessen. Na, das wird eine Woche. Sobald es hell ist kommen die Krähen. Es werden immer mehr. Das Gute ist, dann sind wir ohne das wachsame Auge von Tantchen und können alle Futterstellen, ohne Gefahr entdeckt zu werden, durchstöbern. Und wir verputzen alles restlos. Nur Enrico besteht auf sein Ritual ein Spielzeug geworfen zu bekommen. Allerdings  nur um es zu zerfetzten. So hat jeder etwas zu tun.

Endlich begegnet uns mal wieder ein Hund. Freundlich frage ich an ob wir spielen wollen. Toll, er macht mit. Wunderbar so über den Rasen zu toben. Enrico will auch mitmachen. Da er aber ein Problem mit Rüden hat, muss immer zuerst kontrolliert werden, welches Geschlecht der Hund hat. So tobe ich zuerst einmal allein mit dem neuen Hund los. Da es eine Hündin ist, darf dann auch Enrico mitmachen. Allerdings wollte Enrico lieber nur schnüffeln und ihm gehen die Spielaufforderungen der Hündin auf die Nerven. So kam was kommen musste, Enrico geht auf die Hündin los und unser schönes Spiel ist zu Ende. Die Besitzerin des fremden Hundes geht weiter und ich bleibe traurig zurück. Schade, es hat so viel Spaß gemacht.

Immerhin darf ich jetzt immer auf den kleinen Straßen ohne Leine laufen. Zwischendurch muss ich auch schon mal eine Krähe jagen. Vor allem wenn die sich um eine Erdnuss streiten. Bei unseren Spaziergängen sage ich immer, dass Erdnussschalen unseren Weg säumen.

Inzwischen habe ich, trotz meines vielen Tobens, doch ein wenig zu viel auf den Rippen. Obwohl jetzt der Winter kommt und dies eigentlich vernünftig ist. Aber auf mich hört Tantchen nicht. Mein Trockenfutter wird von 3 Händen pro Tag auf 2 Hände pro Tag gekürzt. Zum Glück wird an den 3 Händen Fleisch pro Tag nicht gekürzt. Das hätte mich wirklich schwer getroffen.

Mittags fahren wir jetzt fast täglich an die  Havel. Die kleine Dackeldame treffen wir dort auch jeden Tag. Aber es ist uns nicht gelungen noch einmal an ihr zu schnüffeln. Herrchen ist jetzt immer schneller und sie wird, wenn er nur unsere Nasenspitze sieht, sofort auf den Arm gerettet. Dackeldame dankt es ihm durch ein schnelles lecken über die Hand.

Für Akira ist es das Größte, wenn sie auf dem Spaziergang morsches Holz findet, was sie genüsslich verspeist. Um ihr eine Freude zu machen, nehmen wir dann manchmal einen Stock mit. Allerdings ist diese vorbildliche Hündin so erzogen worden, dass sie in ihrem Zuhause keine Unordnung veranstaltet. Kann ich nur bewundern. Ist aber auch ein wenig langweilig. Die Stücke zernagen dann Enrico und ich. Es sieht hinterher aus, schlimmer als in einem Park. Hat aber riesigen Spaß gemacht. Vor allem wenn wir beide um den Stock raufen. Wunderbar. Noch schöner wäre es natürlich, wenn auch noch Akira mitmachen würde. Aber man kann nicht alles haben.

 

Tag 52

So langsam kehrt wieder Harmonie bei uns ein. Die Anspannung die Tantchen verbreitet hat, lässt nun wieder nach. Die Unsicherheit, die das bei mir ausgelöst hat, kann ich nun wieder langsam loslassen und mich entspannen.

Heute morgen haben wir wieder die nette große schwarze Hündin getroffen. Sie hat uns sofort aufgefordert mit ihr zu spielen und ist losgerannt. Zwischendurch musste sie allerdings öfter anhalten, da sie am Vortag irgendwo etwas gefunden und gefressen hat. Somit hat sie nun Durchfall. Sie kleckert ständig etwas Kot, wenn sie sich zum Kotabsatz hinsetzt. Tantchen nickt wissend. Zwischen dem Toben müssen alle etwas Wasser aus dem Kanal trinken. Sicherlich auch nicht gerade förderlich bei Durchfall. Genau wie ich findet diese Hündin auch immer irgendwo etwas Essbares. Natürlich verputzt sie es auch sofort. Nutzt nichts verkommen zu lassen. Manchmal schlägt das dann auf  den Magen durch. Den Zusammenhang kann ich aber nicht sehen. Nur die Menschen behaupten das immer.

Nach dem Frühstück ist der Verdauungsschlaf dran. Wunderbar immer diese wunderbaren Gewohnheiten.

Mittags geht es an den Grunewaldsee ins Hundeauslaufgebiet. Hier finde ich meist einen Hund zum Toben. Oft sind aber einfach zu viele Hunde zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Das macht mir Angst, wenn alle gleichzeitig mit mir spielen wollen und mehr als ein fremder Hund mir hinterherrennt. Dann strecke ich mich nicht beim Rennen sondern ziehe den Rücken hoch und mache einen kleinen Buckel. Tantchen wollte immer feststellen, ob es Hunde gibt, die den Schwanz nicht hängen lassen, wenn sie vorneweg rennen. Macht aber kein Hund. Alle Hunde die vorne sind haben den Schwanz unten. Alle Hunde die hinterher rennen, strecken den Schwanz nach hinten aus. Kein Hund lässt den Schwanz beim Rennen nach oben gestreckt, auch wenn sie ihn normalerweise so tragen. Bei vielen Hunden schaue ich lieber nur den anderen beim Spielen zu. Mit Enrico fange ich erst zu spielen an, wenn wir allein sind. Manchmal kommt dann ein fremder Hund dazu. Dann höre ich aber lieber auf zu spielen. Verunsichert mich doch zu sehr. Einer Dame ist etwas herunter gefallen. Es gab ein leises Geräusch und ich habe mich furchtbar erschrocken und bin erst einmal ein Stück weggerannt. Konnte das Geräusch nicht zuordnen. Sicherheit geht vor. Deshalb renne ich erst einmal ein Stück weg und schaue erst dann, was da passiert ist. Macht ja keinen Sinn stehen zu bleiben und zu warten bis etwas Schlimmes passiert. Lieber in Sicherheit bringen und dann schauen was das war.

Am Abend ist Tantchen weggegangen. Eine gute Gelegenheit die Wohnung neu zu dekorieren. Am liebsten arbeite ich mit den Fellen, die hier zur Dekoration liegen. Ich zerpflücke sie und dekoriere die kleinen Stücke in der ganzen Wohnung. Danach kommt die Bettwäsche dran. Zuerst werden die Kissen ausgepackt. Leider kann ich nicht alle Knöpfe vorher abkauen. Ich rupfe es lieber auseinander. Geht schneller. Noch habe ich kein Kissen selbst zerrissen. Würde vielleicht Spaß machen die Federn überall zu verteilen. Hier sind mehrere Kissen, die ich heute nicht alle schaffe. Nach dem zweiten Kissen werde ich erst einmal müde und muss erst einmal pausieren.

Als Tantchen zurück kommt, staunt sie nicht schlecht, wie schön es jetzt hier aussieht. Allerdings sagt sie kein Wort und ich darf erst einmal mit den anderen raus um mein Pfützchen zu machen. Das mache ich auch ganz brav. Schließlich ist mir jetzt doch etwas blümerant, was meine tolle Deko betrifft. Trotzdem bin ich schon irgendwie stolz auf meine tolle Ideen.

 

Tag 53

Heute meint Tantchen sie müsste uns mal wieder erziehen. Also mussten wir im Haus warten, bis Enrico sich beruhigt hat und innen vor der Haustür „Sitz“ macht. Erst dann wurde für uns die Tür geöffnet. Wir haben ein bestimmte Laufordnung. Ich laufe in der Mitte zwischen Akira und Enrico. Das macht mich glücklich und gibt mir Sicherheit. Dann laufe ich gern vorneweg. Heute werde ich also mit der Hand an der Brust berührt. Ein wenig erschrocken und erstaunt gleichermaßen, schaue ich Tantchen an. Ich hab doch gar nicht gezogen. Bin nur ein wenig vorneweg gelaufen. Ist also ab heute auch nicht mehr erlaubt. Kein Problem für mich. Ich, also ich bin flexibel. Was man von einem Herren, der neben mir läuft, nicht sagen kann. Er versucht immer wieder zu ziehen. Dann wird er ermahnt, dann fängt er wieder an zu ziehen, dann müssen wir alle stehen bleiben. Mein Gott, das dauert immer mit dem. Darum ist es an der Havel so schön. Kaum aus dem Auto gestiegen und schon ab von der Leine.

Morgens gibt es aber nur Wasser. Schaue mal ob es an den altbekannten Futterstellen vielleicht etwas gibt. Bevor ich dann aber näher ran kann, muss ich erst sehen ob Tantchen durch die Krähen oder Enrico abgelenkt ist.

Was war jetzt das? Startet doch so eine freche Krähe einen Überraschungsangriff gegen mich. Sie hat den Happen auch entdeckt und möchte ihn auch haben.

„Nimm gefälligst Deine blöden Erdnüsse Du doofe Nuss.“

„Selber doofe Nuss. Und der Happen gehört mir.“

Das verschlug mir glatt die Sprache. So ein kleines freches Ding macht mir meinen Extrahappen streitig. Und bekommt dann auch noch ständig Erdnüsse von Tantchen? Was zu viel ist, ist zu viel. Ich wie nichts hinterher, hinter dieser frechen Krähe. Plötzlich trifft mich ein feuchter Klumpen. Musste erst einmal schnell zu Akira rennen und fragen: „Du Akira, ist das feuchte auf meinem Kopf von der Krähe, also ist das von vorn oder von hinten?“

Akira meinte nur lakonisch:“ Wenn Du Dich auf dem Rasen wälzt, dann geht das leicht ab.“

Schimpfend ging ich auf den Rasen um mich zu wälzen. Eines war klar, die nächste Krähe, die mir zu nahe kommt, ist meine. Anschließend stellte ich mich bei Tantchen an um mir einen Hundekeks abzuholen. Es geht nicht, dass immer nur die frechen Krähen gefüttert werden. Und dann streiten sie sich um jede Nuss. Da geht es bei uns sehr gesitteter zu. Es geht immer nach der Rangfolge. Jeder wartet bis sein Name genannt wird und dann erhält er seinen Keks. Nicht so lecker wie die Hundewurst, aber die gibt es nur nach dem Pfeifen. Warum eigentlich? Gekommen ist doch gekommen.

Zumindest das Frühstück ist mit Fleisch gut angereichert. Dazwischen immer noch Trockenfutter. Schmeckt mir in der Zwischenzeit auch ganz gut. Enrico hat seinen Futterball immer neben dem Napf und lässt manchmal etwas Trockenfutter für später im Napf. Für später ist hier gar nichts. Er steht dann immer, wenn er seinen Ball leer gespielt hat, völlig erstaunt vor seinem leeren Futternapf. Dabei war er sich doch so sicher noch etwas drin gelassen zu haben. Ich schaue dann immer ganz unschuldig. Es kann sich niemand vorstellen wie unschuldig ich gucken kann. Aber mal ehrlich, ein Hund der mit seinem Futterball spielt, dann sein Suchspiel machen will, den Ball einfach liegen lässt – obwohl er weiß, das vor dem Suchspiel erst die Aufgabe kommt, „Wo ist der Ball.“ Dann rennt er, immer verzweifelter werdend, in der Wohnung herum. Manchmal heult er dann schon, weil er den Ball nicht findet. Aber ohne den Ball abgegeben zu haben, geht das Spiel nicht weiter und ich habe den Ball nicht versteckt, ich warte auch auf meinen Teil des Suchspiels. Nichts geht vorwärts, weil er so dusselig ist und sich nicht merken kann, wo er den Ball gelassen hat. Dann hat er den endlich gefunden und legt ihn, ganz erleichtert, in Tantchens Hand. Dann kommt endlich die Aufforderung “Such.“ Während er sucht bekommen wir ebenfalls Hundewurst. Allerdings ohne Suchen. Mir macht es keinen Spaß und Akira ist zu alt. Heute legt Tantchen die Wurst vor uns auf den Boden. Was soll das jetzt? Ich wittere Ungemach. Akira hat ihre Wurst verspeist. Ich stehe da und warte. Schließlich ist es mir doch verboten etwas vom Boden zu fressen. Gut, wenn etwas herunter fällt, esse ich das auch. Das ist aber etwas völlig anderes. Zum einen könnte das ein Test sein, ob ich etwas vom Boden aufnehme und zum anderen geht es hier schließlich ums Prinzip. Entweder ich darf das oder ich darf das nicht. Punkt! Also wird die Hundewurst wieder aufgehoben und mir, wie immer gereicht. Na bitte, geht doch.

Nun ist erst einmal mein Verdauungsschlaf dran. Ich träume von weiten Feldern, Wiesen und Wäldern und renne im Schlaf schon einmal wuffend und mit den Pfoten zuckend los. So sieht das Paradies aus.

 

Tag 54

Heute müssen wir unseren Morgenspaziergang ein wenig verlagern. Wir gehen Hundefleisch holen. Dazu müssen wir zu dem Frischfleisch Laden laufen. Erst eine Runde am Wasser und dann Straße. Da ich schon gut erzogen bin darf ich auch hier schon ohne Leine laufen. Dadurch ist es nicht ganz so langweilig. Auf der Straße konzentriere ich mich darauf etwas Essbares zu finden. Meist bin ich erfolgreich. Tantchen ärgert sich dann immer erkennbar. Muss sie eben ihre Nase mehr anstrengen. Dann findet sie das auch.

Beim Hundefleischer werden wir entschädigt, es gibt für jeden einen Hühnerhals. Quer durch den Laden geworfen. Ich fange meinen natürlich in der Luft. Im Fangen von Futter bin ich spitze.

Leider gehen wir den gleichen Weg zurück. Langweilig. Alles was interessant ist, habe ich schon durch. Zu Essen finde ich auch nichts mehr. Ist schon verputzt. Immerhin macht sich ein wunderbarer Duft in der Wohnung breit. Blättermagen wird für die Mittagsmahlzeit auf Zimmertemperatur gebracht. Frühstück ist noch der Rest Pferdefleisch. Wird jeden Tag frisch gekocht. Nicht schlecht der Service hier.

Anschließend geht Tantchen zum Sport. Wir könnten einfach mal durch den Wald joggen. Das kostet nichts und macht uns allen Spaß. Gut Akira nicht. Aber Enrico und mir schon. Ist aber nicht. Es wird unnütz Geld für ein Sportstudio ausgegeben. Das wäre in unser Futter viel besser investiert. Dann könnte das ganze Futter aus Fleisch bestehen und wir würden nicht mehr Trockenfutter dazwischen gestreut bekommen. Das findet Akira auch. Allerdings das mit dem Joggen, das überlässt sie lieber uns. Tantchen ist davon unberührt. Sie hört nicht.

Generell ist der Samstag immer ein Tag an dem wir sehr viel Straße laufen. Zumindest für eine ordentliche Menge an Fleisch ist gesorgt. Das tut gut. Tantchen verspricht Besserung und einen extra langen Spaziergang am Sonntag an der Havel.

 

Tag 55

Heute ist das Wetter sonnig und somit sind wir schon alle voller Vorfreude auf unseren Spaziergang. Das Fleisch ist zwar abgedeckt, riecht aber herrlich durch die Ritze. Fast wie Weihnachten. Enrico gähnt schon immer sehr laut. Da Tantchen nicht reagiert, springt er ins Bett und auf ihren Bauch. Sie reagiert auf solche Art der Zuwendung immer sehr positiv, sie steht dann auf.

Diesmal muss er das Spiel nur zwei Mal wiederholen. Dann ist sie soweit wach, dass sie bereit ist aufzustehen. Endlich. Zuerst geht es, wie jeden Morgen, ans Wasser. Die schwarze Hündin ist da und wartet schon auf uns. Und so gut erzogen, lässt uns erst ganz ran kommen und dann düst sie los. Wir beide nichts wie hinterher. Akira holt sich derweil einen Begrüßungshappen bei der netten Besitzerin ab. Ich gehe nach dem ersten toben auch zu der lieben Frau, kuschele mich ganz eng an sie und lasse mich mit dem einen oder anderen Happen verwöhnen. Das ist mal wieder ein Spaziergang wie ich ihn liebe. Ich brauche nur zu der lieben Frau zu gehen und schon habe ich einen Happen im Mund. Da sollte sich Tantchen mal eine Scheibe von abschneiden, sollte sie sich mal.

Nach dem vielen Toben schmeckt das Futter noch mal so gut. Enrico kann aus Vorfreude so wunderbar schmatzen. Ich übe immer, gelingt mir aber nicht. Hört sich köstlich an. Das will ich auch können.

Mittags fahren wir an den Grunewaldsee. Das ist aber voll hier. Also jede Menge Hunde haben wir hier jedenfalls. Enrico hat eine Rüdenspur in der Nase. Vor sich hinknurrend folgt er ihr. In gebührendem Abstand vor dem Rüden bleibt er stehen. Auch wenn der Rüde genau so groß ist, er schaut sich lieber erst einmal nach Tantchen um. Vielleicht sagt sie ja, er soll ihn wegputzen. Also er ist bereit dazu.

Nö, es wird der Ball aus der Tasche gefummelt und Enrico ist im siebenten Himmel. Balljagen, dass schönste was es gibt. Schöner als Fressen. Na gut, vielleicht nicht ganz. Aber fast so schön wie Fressen.

Als er neben dem fremden Rüden steht, vergisst er fast seinen Ball und möchte sich doch lieber auf den fremden Rüden stürzen. Allerdings muss er irgendwo seinen Ball in Sicherheit bringen. Als er ihn ablegen will, versucht Tantchen ihm den Ball wegzunehmen. Das geht natürlich nicht. Das tolle Spiel soll schon zu Ende sein? Nicht mit Enrico. Schnell bringt er seinen Ball und sich in Sicherheit. Alle Kumpels wissen, dass, wenn Tantchen zu streng  mit Enrico spricht, dann bekomme ich doch ein wenig Angst. So wird die Hundewurst ausgepackt und dann der Ball eingepackt.

 

So ohne Ball hat er endlich Zeit mit mir zu spielen. Andere Hunde sind auch gerade nicht in Sicht und dann toben wir so wunderbar die Hänge rauf und runter. Das Leben ist schön. Und zu Hause wartet ein gut gefüllter Futternapf auf uns. Schön, dass es diese Gewissheit gibt.

 

Tag 56

Heute ist es so grau und trüb, dass Enrico Tantchen kaum aus dem Bett bekommt. Sie will nicht glauben, dass es schon fast 6.30 Uhr ist. Es ist stockdunkel und wird erst so gegen 7 Uhr etwas heller.

Das sieht am Wasser schön aus, wenn der Himmel so schiefergrau ist, der Fluss ebenfalls und dazwischen die schwarzen Bäume. Etwas aufgelockert durch die eine oder andere Kiefer dazwischen. Im Fernsehen habe ich gehört, dass es in Kalifornien furchtbar brennt. Ich denke an meine Brüder und Schwestern in diesem Land und drücke ihnen die Pfote. Ich hatte auch immer Angst vor dem Feuer. Der Präsident des Landes, er heißt Trump, hat gesagt, dass die Ursache dieser verheerenden Brände die Bäume sind! Also das Problem ließe sich leicht lösen. Schafft Euch mehr Hunde an! Die pieschern an die Bäume und verhindern so durch die Durchfeuchtung derselben  jedes Feuer. Sollte das jemand für völlig verrückt halten, dann muss ich sagen, dass zum einen ich nicht angefangen habe Unsinn zu erzählen und außerdem ist doch gerade das Zusammenhangslose bei Herrn Trump das eigentlich aufregende. Viele fragen sich, wie macht der Mann das? Er produziert jeden Tag eine dicke Masse an verkorksten Gedanken, die sich als zähe Pampe über die Köpfe der Menschen ergießt.

Nach dem Spaziergang gibt es Futter. Akira legt sich anschließend in ihren Korb. Ich kuschelte mich gerne an sie, was sie aber nicht unbedingt möchte. Meist wird es ihr zu warm. So versuche ich zu warten bis sie schläft. Es ist aber gar nicht so leicht zu erkennen, ob sie wach ist, oder nur so tut. Schließlich kann ein Hund nicht fast den ganzen Tag verschlafen – oder? Na gut, Akira inzwischen schon.

Mittags sind wir wieder an die Havel gefahren. Enrico riecht hier eine Rüden und rennt knurrend durch die Gegend. Für mich hat er keine Zeit und ich hoffe, wir treffen mal wieder einen Hund. So langsam ist mein kleines Rudel langweilig.

Als wir den anderen Hund dann treffen, einen schnuckeligen kleinen Pudelrüden, bin ich hin und weg. Endlich wieder jemand zum Toben. Enrico wird mit seinem Ball bespasst. Dabei versucht er sowohl den Ball in der Schnute, als auch den anderen Hund im Auge zu behalten. Ist nur möglich indem er beiden Augen unterschiedliche Aufgaben zuweist. Der Besitzer fragt freundlich, ob wir nicht die Hunde anleinen sollten? Erstaunt fragt Tantchen zurück:“Warum?“ Kommt mir so bekannt vor. Meine Geistesblitze hören sich auch immer so an.

Auf dem Rückweg kann ich endlich Enrico zu einer kleinen Jagd animieren. Wurde aber auch Zeit. So ganz allein die Hänge rauf und runter ist schon langweilig.

Auf dem Rückweg fängt es erst an zu Hageln, dann regnete es ausdauernd. Gut, dass wir so ein dickes Fell haben. Nur Tantchen sieht aus wie ein begossener Pudel. Also ihr Fell ist deutlich verbesserungswürdig.

 

Tag 57

Heute hatten wir schon wieder Probleme Tantchen zu erklären, dass es fast 6.30 Uhr ist. Dabei hatte sie uns eindeutig gebeten sie um 6 Uhr aus dem Bett zu werfen, weil erstens um 7 Uhr das Wasser, wegen Straßenarbeiten, für 2 Stunden abgestellt werden soll und um 8 Uhr ein Handwerker kommt. Steht sie später auf, geht das zu Lasten unseres Spazierganges. Enrico hat das Problem elegant gelöst. Er sprang ihr mitten auf den Bauch. Diesmal hat er genau getroffen. Sie sitzt sofort im Bett.

Als wir kurz vor 8 Uhr vom Wasser zurückkommen, ist der Handwerker schon da. Wir werden nur weggesperrt und bekommen nicht zu Essen. Ärgerlich, wenn es zu solchen Veränderungen im täglichen Ablauf kommt. Zum Glück ist der Handwerker nach 30 Minuten schon wieder weg. Schnell einen Kaffee gekocht, schließlich haben wir vorsorglich 10 Liter Wasser bereitgestellt. Versehentlich den Wasserhahn aufgedreht und das Wasser fließt. Das ist die neue Art um Wasser vermehrt zu verkaufen. Du klebst einen Zettel an die Tür, Wasser wird morgens abgestellt und dann machst Du genau das nicht. Habe mich oft gefragt, warum denn immer morgens Wasser abgestellt wird. Vielleicht macht es mehr Spaß, wenn die meisten Leute duschen wollen und Kaffee oder Tee für das Frühstück kochen und dafür ebenfalls Wasser brauchen, dann das Wasser abzustellen. Warum wird das Wasser nicht über die Mittagszeit, wenn die meisten Menschen gar nicht zu Hause sind, abgestellt. Vermutlich weil dann nicht so viele Menschen sich 10 Liter Eimer mit Wasser füllen und so weniger Wasser verkauft werden kann. Vor allem wenn sie es dann gar nicht abstellen.

So hatte an diesem Morgen jeder seinen Spaß.

Mittags geht es nur ans Wasser. Wir brauchen Hundefutter. Warum am Samstag nicht gleich mehr gekauft worden ist, keine Ahnung. So gehen wir erst eine Runde am Wasser, morgens gehen wie immer rechts entlang. Wenn wir am Mittag noch einmal gehen, dann gehen wir immer links entlang. Vermutlich hat Tantchen Angst, wenn wir es einmal andersherum machen würden, dass wir uns alle verlaufen. Normalerweise sitzen an einer Stelle immer die Wildgänse und die Enten. Heute waren alle im Wasser. Ich denke, sie haben bei dem Wetter einfach keine Lust zu unserer Belustigung sich scheuchen zu lassen. Aufreizend laut schnattern sie vom Wasser aus.

Irgendwann erwische ich eine.

Auf dem Nachhauseweg darf ich dann wieder auf dem breiten Bürgersteig ab von der Leine. Irgendwie fühle ich mich nicht ausgelastet und einen anderen Hund haben wir auch noch nicht getroffen. Endlich kommt eine kleine freche Jack Russeldame an. Ich nichts wie hin. Die ist aber nicht gerade begeistert von meinem Charme und zeigt mir erst einmal ihre morschen Zähne. Nun hält auch Enrico nichts mehr. Gehört sie doch zu seinen Lieblingen. Besitzerin und Hündin nun gleichermaßen von den beiden aufdringlichen Hunden überfordert, versuchen sie die beiden Helden auf Abstand zu halten. Hündin durch langanhaltendes Knurren und Besitzerin durch leises „Sch, sch! Sch!“ Tantchen erlöst sie durch Abrufen der beiden Charmbolzen. Enrico kommt. Soll es doch jetzt Futter geben und schlechte Stimmung könnte den Fleischanteil erheblich reduzieren. Ich höre nicht auf das freundliche „Nala-Pünktchen“. Allerdings bei dem etwas lauter und unfreundlicher werdenden Rufen höre ich auch nicht. Ein Geruch am Straßenrand muss auch noch untersucht werden und überhaupt habe ich viel zu tun. Tantchen dachte schon, ich bin auf die Straße gerannt. Na ich doch nicht. Nun kommt Tantchen an und macht mich an die Leine. Zur Vorsicht lege ich mich lieber auf den Rücken. Irgendwie wirkt das bei Tantchen nicht stimmungsaufhellend. Bei den Hunden in Griechenland hat das immer geholfen.

Meine übliche Fleischmenge habe ich trotzdem bekommen. Gott sei Dank.

 

Tag 58

Heute morgen war außer uns niemand am Wasser. Wann gehen eigentlich all die anderen Hunde spazieren?

Auf dem Rückweg treffen wir wenigstens noch den Mops. Er geht hier jeden Tag mit seinem Frauchen zur Arbeit. Sie hat es leider immer eilig. Deshalb hat er Laufleine. Manchmal darf er kurz ab zum Spielen. Leider nie bei mir. Obwohl er immer, wenn wir uns treffen, gerne mit mir spielen würde. Schade.

Mittags geht es erst zu einer Patientin und dann fahren wir in den Wald. Ein Gebiet, dass wir noch nicht kennen. Wunderbar. So viele neue Spuren. Enrico, den immer alle den Temperamentsbolzen nennen, was nichts anderes heißen soll, als das er ein total verrücktes Huhn ist, rast hinter mir her. Zusammen sind wir ein unschlagbares Team und erkunden erst einmal zusammen den Wald. Dass da noch drei fremde Hunde dabei sind, stört nicht weiter. Die fremde Tante hat einen ihrer drei Hunde an der Leine, die zweite hat sich in die Büsche geschlagen und kommt nur gelegentlich um zu zeigen, dass sie noch da ist. Nur die letzte fremde Hündin stört ein wenig. Ihr ist unser Getobe ein wenig zu wild und sie versucht uns, immer mal wieder, maßzuregeln.

So verlegen wir unsere Verfolgungsjagden in den Wald hinein und alle sind zufrieden.

Im Wald treffen wir so den einen oder anderen neuen Hund. Zu mehr als einem kurzem „Hallo“, reicht aber die Zeit nicht aus. Wir haben zu tun.

Dann treffen wir einen großen grauen Wolf. Angeblich ein Leonberger. Ich behaupte aber ein Wolf. Und sehr beeindruckend. Zum Glück ist er gutmütig. So ganz geheuer ist er mir nicht. Aber sein Frauchen riecht gut. Ob es dort so große Portionen Futter gibt, dass man so groß wird?

Anschließend geht es ab nach Hause. Enrico könnte zwar noch weiter toben, mir reicht es aber und nach dem Fressen gehe ich in mein Körbchen schlafen.

Nur Enrico hat den Ruheknopf noch nicht gedrückt. Er sortiert sein Spielzeug und überlegt, welches er davon gerne geworfen bekommen würde. Tantchen reagiert nicht. Enrico ist enttäuscht und geht nun auch schlafen.

 

Tag 59

Beim Morgenspaziergang hat heute Enrico mal wieder seinen Ball zerfetzt. Es muss schon wieder ein Neuer her. Unglaublich der Hund.

Der Mittagsspaziergang veranlasst Tantchen zu spontanem Handeln. Einen anderen Weg gefahren und wir sind an einer anderen Stelle im Grunewald rausgekommen. Das kennen wir noch nicht und es ist, wie jede neue Waldstelle, wunderbar aufregend. An einigen Stellen treffen wir auch Wildschweine, die ihren Schönheitsschlaf halten. Wir wollen nicht stören und schlagen uns wieder in die Büsche. Hier gibt es so viele Hügel, das ist toll. Wenn wir die Hügel auf- und abrennen, dann fühle ich mich wirklich frei. Manchmal sind meine Runden etwas weiter, dann wird es Enrico doch unheimlich und er bleibt zurück. Meist dackelt er dann zu Tantchen und steht etwas unentschlossen vor ihr. Da ich weiß und schwarz gefleckt bin, sieht man mich ganz gut durch die Büsche schimmern. So kann ich die Freiheit genießen und muss nicht ständig herangerufen werden. Meist vergesse ich noch, dass ich noch ein Rudel dabei habe. Zu lange bin ich allein unterwegs gewesen. Wenn es mir dann einfällt, renne ich schnell zu den anderen, die mich freudig begrüßen. Es gibt für uns alle drei entweder einen Keks oder ein Stück Hundewurst. Inzwischen habe ich schon mitbekommen, dass ich hier auch protestieren darf und dann gibt es für alle noch ein zweites Stück. Da lässt sich Tantchen nicht lumpen. Ich bleibe dann ganz überrascht vor ihr stehen, weil sie die Dose mit der Hundewurst schon wieder wegstecken will.  Und dann gibt es noch eines für jeden von uns.

Das neue Gelände ist aufregend. Ich bin sogar vorhin fast über ein Wildschwein gestolpert. Es hat auf meine höfliche Begrüßung aber nur mit dem Kopf geschüttelt. Es wollte nicht glauben, dass man so früh am Tag so wild unterwegs sein kann. Ich habe noch gefragt:“ Wieso so früh? Ist doch schon Mittag.“ Aber da war es schon wieder eingeschlafen. Hatte wohl eine lange Nacht hinter sich.

Als wir an einem Berg ankommen, deutlich erkennt man hier die Schlittenspuren vom letzten Jahr, legen Enrico und ich so richtig los. Immer den Berg rauf und wieder runter. Als wir müde getobt zum Rudel zurückkommen, muss ich erst einmal Tantchen daran erinnern, dass sie atmen muss. Sie hatte aus Angst um unsere Gelenke fast die ganze Zeit die Luft angehalten. Aber keiner humpelt nach dem Spaß.

 

Tag 60

Der Morgenspaziergang am Wasser ist ein wenig langweilig geworden. Immer der gleiche Weg, immer die gleichen Gerüche. Das bin ich nicht gewöhnt, ich liebe die Abwechslung. Wir könnten morgens ruhig einmal woanders langgehen. Tun wir aber nicht. Wenigstens treffen wir heute die Rumänin wieder. Als sie uns sieht, soll sie erst vor Frauchen „Sitz“ machen. Das sieht sie auch ein und setzt sich zwei Sekunden vor ihr Frauchen. Da die sich aber auskäst, hält sie nichts mehr und sie düst ab, mitsamt der Laufleine. Enrico und ich nichts wie hinterher. Und sie zeigt mir Stellen, zu denen ich sonst nicht hin darf. Sie liegen im Gebüsch am Wasser. Und was man hier noch alles so zu Fressen findet. Köstlich. Enrico hat ebenfalls dicht aufgeschlossen. Allerdings werden wir von Tantchen energisch zurückgepfiffen. Schließlich gibt es jetzt ein Stück Hundewurst. Die Rumänin kommt nicht. Das hier schmeckt besser als die Leckerbissen ihres Frauchens. Als sie dann irgendwann wieder aus dem Gebüsch kommt und sich zu ihrer Besitzerin gesellt, bekommt sie trotzdem ein Stück Käse hingehalten. Wie schön, es schmeckt ihr nicht. Leider steckt sie es wieder weg, obwohl ich genau daneben stehe. Leider ist die Rumänin futterneidisch. Auch wenn sie den Happen nicht will, mir läuft das Wasser im Munde zusammen, wie kann man so ein köstliches Stück Käse verschmähen, ich darf ihn nicht haben, den Happen. Enrico schon. Warum? Vermutlich weil ihre Besitzerin mit mir immer schmusen will. Angeblich würde sie gerne mein neues Frauchen sein. Ach so und dann darf ich den Käsehappen nicht haben? Schmusen mit Fremden ist so gar nichts für Enrico. Er hat zu viel zu tun. Ich nicht. Ich finde das schön, wenn ich die Menschen schon ein wenig kenne.

Mittags geht es wieder an die neue Stelle im Grunewald. Damit es nicht langweilig wird, wollen wir heute neue Wege erkunden. Gute Idee. Tantchen lernt, zwar nicht schnell aber immerhin.

Enrico und ich rennen schon mal einen neuen Weg vor. Plötzlich steht eine Familie mit Wolfsspitz vor uns, der nicht so genau weiß, was er von uns halten soll und erst einmal vorbeugend kläfft. Enrico dreht gleich ab und rennt zu Tantchen zurück. Feigling, der er ist. Ich bleibe so ein wenig unentschlossen stehen und versuche es mal mit einem freundlichem „Hallo“. Da pfeift Tantchen und ich drehe auch ab und renne zurück. Schließlich ist mein Stück Hundewurst sonst in Gefahr.

So müssen wir doch erst einmal den alten Weg gehen und da Familie Wolfsspitz leider auch unseren Weg gehen will, laufen wir entgegengesetzt und kommen so doch noch zu unserem neuen Weg. Leider endet er an einem Zaun oder wir müssen eine endlose Treppe hinauf. Arme Akira. Einen anderen Weg gibt es aber nicht. Bei 70 Stufen habe ich aufgehört zu zählen. Bin vielleicht auch ein wenig zu schnell gelaufen, schließlich musste ich Enrico ein wenig jagen. Oben roch es so schön nach Wildschwein und ich musste gleich hin um zu sehen, ob das meine Familie Wildschwein von gestern ist. Nö, eine andere Familie. Die grunzt nicht mal, schläft einfach weiter. Also ein wenig unhöflich ist das schon, nicht mal zurückzugrüßen, wenn man gegrüßt wird. Enrico meinte, wir sollten keinen Aufstand machen, die sind schließlich größer und stärker. Na und, na und? Obwohl, die sollen ganz schön schnell sein. Glaubt man gar nicht, wenn man die so träge und verschlafen da liegen sieht.

Die neuen Gerüche hier sind furchtbar aufregend. Hoffentlich gehen wie hier öfter her. Tantchen jammert, dass ihr kalt ist und sie gerne zurück möchte. Könnte ja auch mal rennen statt nur immer zu jammern. Könnte sie doch mal. Oder ?

 

Tag 61

Heute ist wieder Samstag und damit Sporttag. Also, nach dem Frühstück wird es erst einmal langweilig. Wir schlafen. Alle. Selbst Enrico liegt und schläft. Wird man mit 2 Jahren schon ruhiger? Oder sammelt er Energie für den Mittagsspaziergang?

Endlich kommt Tantchen wieder und wir fahren wieder an unsere neu entdeckte Stelle im Grunewald. Diesmal wird ein neuer Weg erkundet. Wunderbar und zu wissen, hinterher gibt es einen Napf voll Fleisch und Trockenfutter. Einfach köstlich. Das lässt selbst mich, die ich sonst immer so ruhig in der Wohnung bin, zu einer hohen Energieform mit Luftsprüngen und kleinen Tänzchen auflaufen. Ansonsten schlafe ich in der Wohnung meist.

Schon auf dem Rückweg treffen wir noch einen Husky. Wir sollen gerade an die Leine, da stürmt der Fremde auch schon auf uns zu. Ah, ein Hund, der soziale Kompetenz hat. Gut. Aber warum hat er die Rute oben und die Ohren vorne? Enrico wittert Verrat und knurrt schon mal vorbeugend. Der Husky nicht faul, Enrico sofort als Rüden erschnüffelt und drauf. Zum Glück stand Tantchen gerade daneben. Sie hat den Husky am Kragen gepackt und von Enrico heruntergezogen. Ich musste unbedingt an dem einen Baum schnüffeln und hatte viel zu tun. Akira, solche Unordnung in ihrer Nähe, gegenüber ihrem Rudel nicht duldend, wollte nun ebenfalls auf den Husky los. Zum Glück war Tantchen schneller. Akiras Knochen hätten solche sportlichen Übungen, wie auf den fremden Rüden stürzen und ihn ordentlich dabei zwicken, eher nicht mehr mitgemacht.

Der Husky hatte aber keine Lust sich so von seiner Beute zu verabschieden und macht einen dicken Hals. Tantchen schnauzt die Besitzerin an, sie solle nun endlich ihren Hund übernehmen, sie hat es nicht so wirklich eilig, will sie doch erst einmal sehen, wer bei diesem Zweikampf gewinnt. Endlich versucht sie ihren Rüden an die Laufleine zu nehmen, Eine andere hat sie nicht. Dabei rutscht ihr das Halsband über den Kopf. Der Husky nicht faul, will sich gleich wieder auf Enrico stürzen, der noch ein wenig benommen in der Nähe steht. Zum Glück hat Tantchen ihn noch mit einer Hand im Nacken, so dass sie ihn gleich wieder richtig festhalten kann. Dann wird er endlich von seiner Besitzerin weggezogen und ich kann aufhören am Baum zu schnüffeln. Die Huskybesitzerin war nun richtig fröhlich. Vermutlich hatte sie heute noch nicht so viel erlebt und wenn die Beute ihres Hundes nicht tot ist, ist sie weiterhin für jeden Spaß zu haben. Sie bedankte sich bei Tantchen, weil es “ So schön ist, dass alles so gut ausgegangen ist“. Und sie hat gedacht, dass die drei alles Hündinen wären.“ Klar, so etwas erkennt man schon von weitem. Sie lacht uns fröhlich hinterher. Das war schon richtig lustig, gell Enrico!

Im Bereich der Schulterblätter hatte Enrico ordentlich viel Spucke von dem Rüden. Hätte wohl auch ins Auge gehen können. Enrico bekam gleich etwas gegen blaue Flecken und einige Extrahappen Fleisch ins Futter. Habe ich genau gesehen. Ich zähle nämlich mit. Jaha, das tue ich!

 

Tag 62

Heute werden wir ziemlich schnell nach dem Frühstück ins Auto geladen. Nicht mal einen vernünftigen Verdauungsschlaf kann man hier halten. Und dann geht es erst einmal zum Patienten. Und was sollen wir dabei? Wir müssen doch im Auto warten, das wäre aber auch bequemer gegangen. Aber wir sollen mal wieder am Grunewaldsee, im Hundeauslaufgebiet, spazieren gehen. Ob das nach dem Beissvorfall mit dem Husky so eine gute Idee ist? Aber es stimmt schon, am Wochenende ist es überall so voll. Da ist es hier einfacher. Vielleicht aber nicht gerade entspannter.

Endlich dürfen wir los. Und treffen Hunde über Hunde. Gott so viele, wo sind die alle unter der Woche? Ein neuer Hund jeweils im Sekundentakt.

Zwei große Hunde toben ziemlich wild direkt vor unserer Nase. Enrico und ich schauen uns fragend an. Soll das hier den ganzen Spaziergang so weiter gehen? Endlich sind wir an den beiden vorbei, beschnüffeln die Neuen, die wir treffen und sagen mal hier mal da „Hallo“. Was für neue Bekanntschaften Hund man hier schließen kann. Erstaunlich viele Rüden. Mindestens die Hälfte aller Hunde heute. Enrico ist beunruhigt. Tantchen scheucht uns in schnellem Tempo vorwärts. Also einen Umrundungsrekord wollte ich hier nicht aufstellen.

Enrico wird von dem einen oder anderem Rüden mal mit Futter, mal mit dem Ball abgelenkt. Der Ball wird immer dann hervorgeholt, wenn zu viele Rüden um uns sind. Enrico kann aber auch mit Ball in der Schnute knurren. Nimmt sie den Ball eben wieder weg. Das hat er jetzt davon. Stürzt er sich eben auf den nächsten Rüden, einen Mops, das hat Tantchen jetzt davon. Leider ist Tantchen inzwischen ziemlich schnell und hat ihn sofort mit der Hand aus dem Knurrhaufen gefischt. Anschließend muss er „Sitz“ machen und wir anderen bekommen jeder ein Stück Hundewurst. Er nicht. Soll die Übung nicht so lange weiter gemacht werden, bis der Hund sich entspannt hat? Gute Idee, nur ist leider Enrico nach dem halben See restlos überfordert. Zu viele fremde Hunde hier. Am Ende hilft über die restliche Runde nur noch der Ball und die Hundewurst hinweg.

Der restliche Sonntag klingt dann in einem langem Mittagsschlaf und gemütlicher Dreisamkeit aus.

 

Tag 63

Der Morgenspaziergang wir mir nun aber wirklich langweilig. Enrico hat nur seinen doofen Ball im Nüschel, Akira hat immer gute Laune und freut sich, dass es bald Futter gibt und ich muss mir jetzt wirklich langsam etwas einfallen lassen, sonst sterbe ich an Langeweile.

Heute habe ich die Enten entdeckt. Ich stehe auf der kleinen Brücke und schaue sehnsuchtsvoll auf sie hinab. Sie schwimmen auf dem Wasser und blicken, auf Futter hoffend, sehnsuchtsvoll hoch. Auf Futter hoffe ich auch, nur meines schwimmt noch im Kanal.

Auf dem Rückweg versuche ich noch einen kleinen Angriff auf eine Ente, die in gebührendem Abstand zum Ufer schwimmt. Zwischen uns liegt auch noch die Kante, die den Kanal vom Ufer trennt. Ich kann gerade noch bremsen. Enttäuscht stehe ich am Ufer und denke, dass gegen meine Dummheit kein Kraut gewachsen ist. Das sind einfach kluge kleine zähe Krischpels, die da auf dem Wasser schwimmen.

Mittags geht es erst eine kleine Runde Straße und dann ab ins Auto. Uns schwant nichts gutes. Wenn wir vorher ein Pfützchen machen sollen bedeutet das, dass wir zuerst zum Patienten fahren.

Unsere Befürchtungen bestätigen sich. Wir müssen im Auto bleiben und warten. Mein Gott das dauert wieder. Was kann man da so lange beim Patienten tun? Dann geht es ab an den Grunewaldsee.

Heute gibt es jede Menge Parkplätze, ah ja, es ist unter der Woche. Wo gehen die ganzen Hunde heute spazieren? Heute treffen wir nur alle zwei bis drei Sekunden einen Hund und dann auch meist immer nur einen. Das schont Enricos Nerven ungemein. Es reicht sogar zu einem kleinem Spiel, bei dem Enrico leider, weil er immer vorwärts rennt und seitlich schaut, gegen einen Baum prallt und dann hat er keine Lust mehr. Manno soll er doch aufpassen. Tantchen scheucht uns wieder, genau wie gestern, um den See. Wir schaffen die Runde inzwischen in einer Stunde. Enrico schafft den See inzwischen zu zwei Drittel bevor er die Nerven verliert und auf den nächsten Hund losgehen will, der ihm zu nahe kommt.

Am Wasser fröne ich wieder meiner neuen Leidenschaft, Enten. Bis zum Bauch gehe ich rein, allerdings sind sie immer noch ziemlich weit von mir entfernt. Trübetassig starre ich hinterher, wie sie langsam davon schwimmen.

Wir stehen alle gerade so am See, jeder in seine Gedanken versunken, als eine Gruppe mit 9 Rhodesien Ridgebacks kommt. Tantchen reagiert zuerst, während Enrico noch die Hosen flattern, ruft sie uns schon an eine abgelegene Stelle und zeigt uns Hundekekse. Dankbar tun wir alle so als wenn wir nur wegen des Kekses hier stehen und nicht wegen der großen Übermacht an stärkeren Hunden. Dann sind alle vorbei. Wir atmen erleichtert auf. Selbst Akira war das dann doch ein wenig viel. Sie meinte nur, dass Erfahrung etwas ist, das man zu haben glaubt, bis das Schicksal meint, dass ein wenig mehr davon nicht schaden könnte.

Auf der Rückfahrt versucht Tantchen sich solange an jede Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, bis sie an Wichtigeres zu denken hat. Ihre Gedanken wandern weiter zu ihrer Freundin Martina. Leider vergisst sie den Fuß vorher vom Gas zu nehmen. So kurz vor Weihnachten hat die Polizei jede Menge Radarfallen eingerichtet. Schließlich muss das 13. Monatsgehalt der Beamten erst noch verdient werden. Da Tantchen der Meinung ist, dass Geben seliger denn Nehmen ist, lässt sie nur jeden zweiten Blitzer aus. Sie ist schon sehr sozial veranlagt. Das findet sie auch.

Nach dem Mittagessen legen wir uns alle zu einem kurzen Verdauungsschlaf. Also Akira und ich. Enrico hat zu tun. Er muss, wie immer sein Spielzeug sortieren. Dann wird jedes Stück einzeln zu Tantchen gebracht, damit sie es werfen kann. Wozu sie leider keine Lust hat. Wozu ist sie eigentlich da, scheint er sich dann immer zu fragen. Zumindest schaut er sie aus schmalen Augen so an.

 

Tag 64

Heute will Tantchen nicht aufstehen. Es ist so dunkel, kein Geräusch im Haus, sie meint es könne erst 5 Uhr sein. Natürlich hat meine innere Uhr die richtige Uhrzeit angezeigt und ich bin sofort aufgesprungen, als Tantchen ins Bad tapste.

Seid Air Berlin nicht mehr fliegt, funktioniert ihr Wecker nicht mehr richtig. Sonst ist immer um Punkt 6.10 Uhr das erste Flugzeug geflogen und jeder wusste, aha es ist nach 6 Uhr und heute muss man dafür tatsächlich auf die Uhr gucken. Auch hat der 2. Wecker, die Familie mit den drei Kindern über uns, nicht funktioniert. Sie stehen eigentlich spätestens um 5.30 Uhr auf. Aber seitdem die beiden älteren in die Grundschule gehen, weckt uns dieses Fußgetrappel und das Umwerfen der Stühle nicht mehr. Vermutlich haben sie vor der Schule nicht mehr die Kraft erst einmal alles durch den Raum zu pfeffern. Das heben sie sich jetzt für die Schule auf. Und der Jüngste schafft es nicht allein wie eine Horde Elefanten durch die Wohnung zu stampfen.

So ist es mir gelungen alle Schlafmützen zu überzeugen, es ist schon 6.30 Uhr. Aber noch Stockdunkel. Ja und? Um 9 Uhr wird gearbeitet und ich möchte bitteschön in Ruhe frühstücken. Soweit das bei dem Hippel Enrico überhaupt möglich ist. Wo ist der Knopf, an dem man ihn ausschalten kann? Als Chihuahua von den Vorbesitzern gekauft. Pfft!  Der hat so viel von einem Chihuahua, wie ich von einem Riesenschnauzer. So was kommt dabei raus, wenn man im Internet kauft und dann die Übergabe an der Haustür. Wer macht denn so was. Nun ist er bei Tantchen gelandet, sonst wäre er ins Tierheim gekommen. Er hätte es schlechter treffen können. Das findet Tantchen auch.

„Ay, werd mal hier nicht frech, sei froh, dass Du hier sein darfst.“

„Akira, so sollte es nicht klingen, ich bin gerne hier bei Dir und Enrico und jeden Tag frisch gekochtem Fleisch. Gut Trockenfutter ist auch dabei. Aber trotzdem, mir gefällt es schon ganz gut. Nur bleiben darf ich doch nicht. Was soll ich also sonst sagen? Vielleicht komme ich zu jemandem der barft. Machen doch jetzt so viele. Viele haben ein Auto und füttern frisches Fleisch. Nur für mich melden sich immer nur Leute, die nur ein Fahrrad haben und nur Trockenfutter füttern wollen und da sie kein Auto haben, wird irgendein billiges Futter aus dem Supermarkt gekauft. Da esse ich lieber wieder Essensreste. Das schmeckt mir wenigstens.“

So liefen wir dann in holder Eintracht ans Wasser. Wir laufen, sehr zur Freude der Zuschauer, wie die Orgelpfeifen. Ganz außen läuft Akira, dann ich und ganz innen Enrico. Das hat eigentlich nur den Grund, dass Enrico sich weigert zu lernen vernünftig an der Leine zu gehen. Und damit wir nicht alle zwei, drei Schritte stehen bleiben müssen, damit er wieder „Fuß“ geht, muss er ganz innen laufen. Er hat die Tendenz beim Laufen immer weiter nach rechts zu ziehen und ich habe die Tendenz immer nach links zu ziehen. In der Formation laufen wir beide geradeaus. Und sollte Enrico mal wieder ziehen, also das macht, was er immer macht, dann kann er sofort berührt werden um ihn daran zu erinnern, dass er nicht vorlaufen darf. Das muss ständig passieren und manchmal frage ich mich, ob nicht ein energisches Zwicken von mir da besser helfen würde als diese Berührungen.

So kommen wir denn endlich am Wasser an. Akira macht eine Pfütze, die eher an einen See erinnert, Enrico bekommt die Überreste seines Balles, der nicht mehr richtig fliegt, weil Tantchen nicht werfen kann und ein halber Ball nicht mehr kullert und ich schaue mich mal so um, was hier so in meiner Abwesenheit passiert ist.

Zum Glück ist ein Spielkamerad wieder da. Er sieht aus wie ein Schäferhund, der tiefer gelegt wurde, oder einfacher, mit zu kurzen Beinen. Er ist nicht höher als ich aber viel breiter. Schon das Schäferhund Fell macht ihn wesentlich mächtiger. Allerdings ist er ein kleiner Angsthase und so richtig mag er nicht toben. Er schielt immer nach Enrico. Dabei ist der mit seinem halben Ball beschäftigt, den er laut knurrend versucht weiter zu zerfetzten. Vermutlich damit er bald wieder einen ganzen Ball zum Toben bekommt. Als wir in Enricos Nähe kommen macht er einen weiten Bogen um ihn. Dabei ist der doch noch mit seinem Ball beschäftigt.

Zu Hause wird erst gefüttert und dann die nächsten Portionen Fleisch gekocht. Habe schon vorgeschlagen, dass ich das frisch gekochte Fleisch gerne für alle probiere, ob es auch zart und durch ist. Tantchen meint aber, dass das nicht nötig sei. Bisher hätte es doch uns immer geschmeckt. Das stimmt allerdings. Eine andere Ausrede fällt mir aber nicht ein. Blöd.

Also ab in mein neu entdecktes Körbchen zum Verdauungsschlaf. Ein alter Katzenkorb, den Enrico versucht hat zu zerfetzten, wer auch sonst, wurde von mir so platt gedrückt, dass ich mich genau auf der Unterlage zusammenrollen kann. Das ist kuschelig. Will ich ausgestreckt schlafen, lege ich den Rest von mir, der dann nicht mehr in den Korb passt, auf die nebenan liegende Hundedecke. Dafür habe ich extra meinen Korb so plaziert, dass er direkt neben der großen Hundedecke liegt, auf der Akira immer schläft. Wird es ihr durch meine Nähe zu warm, geht sie auf einen Teppich. Auch nicht schlecht. Aber ich mag den Körperkontakt. Ich gehe zwar nicht gerne auf den Schoss, kuschele aber meinen Kopf und Hals so gerne an die Beine von Menschen oder lege ihn über die Knie von Tantchen und lasse mich dabei kraulen. Das mag Akira auch gerne. Enrico springt lieber direkt auf den Schoss. Wird er dann gestreichelt, bekommt er Angst und springt wieder runter. Vielleicht ist dieses ewige rauf auf den Schoss, runter und wieder rauf auch nur seiner hibbeligen Art geschuldet. So spielt er auch mit seinem Spielzeug, wenn keiner mit ihm spielt. Mit Spielzeug auf den Stuhl, es runter fallen lassen, hinterher schauen und gucken, denken, dass es vielleicht doch geworfen wird – kann dieser Hund denken –  also nur gucken und runter springen und es wieder auf den Stuhl hoch holen.

 

Dann ist endlich Ruhe und wir halten alle Verdauungsschlaf. Ab und zu muss ich mal knurren wenn ich etwas höre. Schließlich will ich mir mein Futter auch verdienen. Aber auch Knurren ist hier eigentlich nicht erwünscht. Enrico hat seinen Drang zu Bellen in Bewegung übertragen. Wie auch sonst bei dem Hibbel. Hört man die Müllabfuhr rennt er zur Wohnungstür, zu Tantchen, zur Wohnungstür und zurück. Solange die Müllabfuhr zu hören ist. Vermutlich wartet er darauf, dass sie klingeln, was ihn dann in zusätzliche Bewegungsaufregung versetzt. Tun die aber nicht immer. Somit rennt er dann eben ohne Klingeln rum. Gott lass es Hirn regnen.

Zum Mittagsspaziergang machen wir uns wieder auf in unserem restlichen Grunewaldzipfel. Diesmal probieren wir einen Weg aus, den wir früher, wegen eines anderen Hundes, nicht gehen konnten. Der Weg ist schon toll. Leider muss man an seinem Ende 81 Stufen – zum Glück für Akira – hinab gehen. Auf der anderen Seite der Schlucht ist ein Trampelpfad hinauf. Ich natürlich vorneweg und Enrico hinterher. Akira wollte diesen steilen Aufstieg lieber nicht unternehmen. So sind wir beide wieder runtergedüst. Das macht schon Spaß.

Es gibt hier so wunderbar viele Hügel und Schluchten. Den Berg rauf und runter zu rennen ist für mich das Größte. Enrico, der kleine Stoppelhopper, flitzt kurz über dem Boden immer hinter mir her.

Heute treffen wir, wie erstaunlich, doch einige Menschen. Vorher haben wir nie jemanden getroffen. Haben wir die angelockt? Nun treffen wir auch immer öfter Hunde. Diesmal eine Boxerlady, die mit mir und Enrico etwas überfordert ist. Vermutlich ist sie nicht so schnell. Obwohl  noch recht jung, steht sie einfach nur da und schaut erstaunt zu, wie Enrico und ich uns jagen. Leider habe ich nicht genug Puste um zu  rufen: “Mund zu Mädel.“ Das wär ein Spaß.

So begnügen wir uns damit uns zu jagen und dann mit den anderen unseren Weg weiter zu rennen. Weil wir auf das Pfeifen hin gekommen sind, na gut, erst beim 4. Pfiff, gab es einen Hundekeks. Keine Hundewurst. Angeblich weil wir so lange gebraucht haben – dafür sind wir mächtig gerannt gekommen – und weil es so kalt an Tantchens Händen ist, dass sie nicht die feuchte und kalte Hundewurst anfassen mag. Gut, der Keks ist besser als nichts und eigentlich sind wir damit auch zufrieden.

Aber man wird doch noch mal meckern dürfen.

Am Ende des Weges treffen wir nur noch zwei Jack Russels, der eine darf, als sie uns sehen, von der Leine, der andere nicht. Er wäre „zickig“ meinte die Besitzerin. Enrico braucht nicht an die Leine. Bekommt bei dem Wort „zickig“ einen strengen Blick von Tantchen, was ihn eiligst weiterlaufen lässt. Dass hier kein Mädel dabei ist, hat er längst gerochen. Ist sowieso langweilig. Kann ich auch gehen, meint er. Nur kein Stress mit Tantchen so kurz vor dem Mittagessen, denkt er. Sie könnte nachtragend sein und meine Fleischportion kürzen.

Zu Hause gab es für jeden eine ordentliche Portion Fleisch. Uff!

Tag 65

Um kurz nach 5 Uhr klingelt heute der Wecker. Verschlafen reiben wir uns alle die Augen. Tantchen stolpert ins Bad. Kein Morgenkuscheln heute? Was wird das? Nach der Morgendusche wird dann doch noch gekuschelt. Irgendwie ist der Tag heute komisch. Aha, Handwerker kommen. Na ja.

Der Morgenspaziergang findet in absoluter Dunkelheit statt. Pech für Enrico, der wieder nur unter einer Laterne spielen kann. Die Lampen unter der Brücke sind nie wieder angeknipst worden. Dabei sind, wegen der Nachttemperatur von +0,5 Grad, gar keine Obdachlosen da.

Zum Ausgleich für das verkürzte Spiel wird unsere Runde größer. Dabei trifft Enrico auf einen seiner Lieblingsfeinde. Lasst mich nachdenken, hatte er einen Rüden in der Nachbarschaft, den er mag? Allerdings ist er inzwischen doch abrufbar, so dass ein Spurt von Tantchen zu ihm hin nicht nötig ist und er von allein zurück kommt.

Zu Hause gibt es Futter, das Gespräch mit dem Handwerker und schon zieht sich Tantchen wieder an und ab geht es zum Auto. Heute ist aber wirklich einiges durcheinander.

An unserem Zipfel des Grunewaldes dürfen wir wieder aussteigen und wir toben los. Nichts wie ab in den Wald. Da steht wieder der Husky vor uns. Dessen Besitzerin rennt aufgeregt zu ihrem Hund um ihn gleich an die Leine zu nehmen. Enrico freut sich, dass Tantchen pfeift und er zurücklaufen darf. Vorsorglich kommt auch er an die Leine. Der Husky würde gern mit mir spielen. Ich sehe gar nicht erst hin. Grobmotorige Hunde machen mir eher Angst. Die Huskybesitzerin bedauert, dass ihr Hund nicht mit mir, wegen Enrico, spielen kann. Junge, Junge, da habe ich aber Glück gehabt. Wer lässt sich schon gern von einem 30 kg Hund ins Kreuz springen.

Kaum ist der fremde Rüde außer Sicht darf Enrico rennen und wir toben los. Heute muss ich ihn erst mit einem Stock locken. Von allein will er noch nicht.

Ein wenig langweilig ist auch, dass wir wieder bekannte Wege gehen müssen, um dem Husky nicht wieder zu begegnen. Eine kleine Schleife drehen wir dann doch. Hier waren wir noch nicht. Ich halte die Nase in den Wind und ab geht es. Irgendwann dreht Enrico ab. Ihm ist es doch zu weit weg vom Rest des Rudels. Ich laufe weiter. Muss alles hier erkunden. Riechen, wer alles hier vorbeigekommen ist. Da kommt der Pfiff von Tantchen. Na gut, ich drehe auch um und laufe zurück. Vielleicht schaffe ich morgen mehr.

Auf dem Rückweg treffen wir die Dame mit dem Husky wieder. Das hatten wir schon befürchtet. Wie haben alle dasselbe gedacht, nichts wie weg hier.

Zu Hause gab es wieder Futter. Es ist doch erst 11 Uhr. Na schön, bei der Fütterung wollen wir alle nicht meckern. Vielleicht ist das nur ein kleiner Snack für zwischendurch?

Dann gehen wir schon wieder alle auf die Straße. Nun dreht sie völlig durch. Müssen wir uns Sorgen machen? Und was soll das, ich werde ans Treppengeländer gebunden. Die beiden anderen gehen in die Wohnung, ich staune nur. Da kommt Tantchen auch schon wieder raus. Haben die anderen noch mal Futter bekommen? Enrico heult enttäuscht und frustriert auf. Wird somit wohl eher nicht der Fall gewesen sein.

Im Auto rolle ich mich auf der Rückbank zusammen. Ein wenig ängstlich bin ich schon. Allein wurde ich noch nie irgendwo hingefahren. Was bedeutet das?

Dann kommen wir zu einer Dame, sie hat schon drei Hunde. Kenne ich. Wir waren schon zusammen spazieren. Nette Truppe. Dann kommt noch ein Leonberger dazu. Uih, wie groß. Eigentlich ein sanfter Riese. Aber ein wenig Angst macht er mir schon. Ich klemme den Schwanz und liege mehr auf dem Rücken als dass ich laufe. Sobald er kommt – oder inzwischen auch einer von den anderen dreien – lege ich mich lieber gleich auf den Rücken.

Wir gehen alle gemeinsam spazieren. Ein Gebiet, das ich noch nicht kenne. Eigentlich ganz nett. Aber mir fehlt Enrico. Zaghaft versuche ich mit der einen Hündin zu spielen. Geht aber nur, wenn der sanfte Riese nicht gerade in der Nähe ist. Er bildet gern die Nachhut und passt auf, dass keiner verloren geht. Vorne spiele ich mit einer von den drei Hunden. Die beiden anderen haben Leine. Sind zu sehr auf Futtersuche und werden vor allem zu oft fündig. Ich habe das auch schon mitbekommen und mich daneben gestellt um auch einen Happen zu erwischen. Gar nicht schlecht, was es hier so auf dem Speisezettel gibt. Ab und zu kommt Leo der Riese und schnüffelt an mir. Macht mir allerdings ein wenig Angst, so ein großer Hund. Ist auch am Ende des Spazierganges noch nicht ganz weg. Bin froh, als ich wieder ins Auto steigen darf und wir nach Hause zu dem Rest unseres Rudels fahren. Enrico schnüffelt mich ganz genau ab. Ein wenig enttäuscht ist er schon, dass er nicht mit durfte. Hält aber nicht lange vor und dann geht er zu Tantchen kuscheln. Eine Extraportion gibt es leider nicht. Aber jeder darf sich etwas aus der Vitamintube nehmen. Das schmeckt so gut, dass selbst die brave Akira versucht noch mit der Zunge in meinen Napf zu kommen. Obwohl sie ihre eigene Portion hatte. Fragend schaut sie, ob es nicht vielleicht doch einen Nachschlag gibt. Nein, aber eine Kaustange für jeden. Auch nicht schlecht. Ist auch gut so, dass wir heute ein wenig verwöhnt werden, weil Tantchen ein schlechtes Gewissen hat. Soll sie ruhig haben. Was macht sie auch für komische Unternehmungen mir uns. Nur mit einem weggehen Ts, ts!

 

Tag 66

Der Morgen beginnt wie immer, Tantchen muss durch Enricos lautes Gähnen geweckt werden. Beim Anziehen des Brustgeschirrs macht Enrico wieder seine üblichen Faxen. Ich, ganz Lady, bleibe in der Zeit noch im Korb liegen und schaue mir das, wie jeden Morgen gelangweilt an. Akira findet es auch nicht der Mühe Wert jetzt schon aufzustehen. Enrico schaut also, wie jeden Morgen, erst rechts an dem Geschirr vorbei, dann noch einmal von links, vermutlich fragt er sich, wie es von der Seite aus aussieht. Anschließend läuft er um Tantchen herum und schaut noch einmal von weitem. Dann noch einmal von vorn und als Tantchen aufmunternt damit klappert, steckt er endlich den Kopf hinein. Dann wird mit Akiras Geschirr geklappert. Sie kommt und streckt sofort den Kopf hinein. Ich stehe immer erst auf, wenn die Wohnungstür geöffnet wir. Dann komme ich aber sofort an, nicht dass mich hier noch jemand vergisst, und stecke sofort den Kopf durch mein Halsband.

Die Treppe laufen wir frei und vor der Haustür werden wir alle an die Leine genommen. Manchmal treffen wir kleine Kinder, die gerade in die Schule gehen. Sie haben furchtbare Angst vor uns und ich vor ihnen. Das lasse ich mir aber nicht anmerken, weil sie so herrliche Angst vor uns haben.

Am Wasser wird nun leider kaum noch gespielt. Hier geht jeder seiner Wege. Manchmal stelle ich mich neben Akira und hole mir einen Keks nach dem anderen ab. Enrico bekommt seinen Ball geworfen – oder das, was jeweils noch von ihm übrig ist und wir schnüffeln ein wenig rum oder stellen uns bei Tantchen nach Keksen an. Die Zeit, als ich den Weg am Wasser aufregend fand, ist lange vorbei. Meist hoffe ich auf einen Hund. Enrico nicht.

Mittags geht es wieder an unsere neu entdeckte Stelle im Grunewald. Hier sind noch so viele unentdeckte neue Wege, die wir noch nicht untersucht haben, das dauert noch ein wenig, bis es uns hier langweilig wird. Geht es eigentlich allen Hunden so, dass sie ihre täglichen Spaziergangswege langweilig finden? Auch wenn die im Wald oder am Wasser sind?

Hier jedenfalls ist es furchtbar aufregend. Treffen wir doch mal einen anderen Hund, dann muss Enrico ran und ich kann allein los toben. Ansonsten bin ich immer zu jedem Unsinn bereit und Enrico hinterher. Nur Akira mag es etwas langsamer und gemütlich. Sie bleibt meist bei Tantchen in der Nähe und bettelt um Kekse.

Hier gibt es so viele umgestürzte Bäume. Die Rinde, das habe ich auch schon festgestellt, schmeckt wirklich lecker. So schnappe ich mir ein Stück und düse los. Enrico nicht faul und hinterher. Versuche ihn abzuhängen, indem ich ein paar kurz Drehungen vollführe und ein paar Abhänge rauf und runter wetze. So gelingt es mir meine Rinde vor Enrico zu retten. Als ich mich vorsichtig umsehe, ist er direkt hinter mir und weg ist meine Rinde. Der Schubiak verputzt meine Rinde genauso schnell wie er rennt. Hat er doch meine Rinde ratzeputz verspeist. Also das ist ein Ding.

Leider treffen wir heute keinen anderen Hund. So kommen wir, noch mal einen Schlenker machend, zum Auto zurück. Wunderbar neue Wege haben wir heute kennen gelernt. Da muss ich noch einmal lang.

Zu Hause gibt es wieder eine große Portion Pferdefleisch. Die haben wir uns jetzt wirklich verdient.

 

Da hier drei Mal gefüttert wird, kommt an jede meiner Fleischmahlzeiten ein wenig Wasser dran. So mache ich jetzt jeden Abend zur letzten Runde auch immer schön meine Pfütze. Tantchen glaubt, dass es daran liegt, weil ich jetzt die letzte Runde immer ohne Leine laufen darf. Ich lasse sie in dem Glauben. Nicht dass ich nachher wieder an die Leine muss. Ist ohne einfach schöner.

 

Tag 67

Da es heute nieselt, wird es gar nicht richtig hell. Tantchen meint, es ist noch zu früh. Soll das jetzt jeden Morgen so gehen. Das müsste sie doch nun wirklich gemerkt haben, wir haben Winter und es wird eben morgens nicht richtig hell. Soll sie doch auf die Uhr gucken, soll sie doch. Na ja, es geht nur ans Wasser und wir latschen da einfach so lang. Nur Enrico freut sich, wie jeden Morgen, auf sein Ballspiel. Gott ist der Kerl langweilig. Heute zerfetzt er den Ball endgültig. Es war zum Schluss zwar nur noch ein halber Ball, aber immerhin ein Ball. Jetzt sind nur kleine Fetzen übrig, die alle eingesammelt und im Papierkorb entsorgt werden. Das macht Enrico aber nichts aus, weiß er doch, in der Tasche ist noch jede Menge Spielzeug drin. Hoffnungsfroh wartet er darauf welches Spielzeug nun zum Zerfetzen freigegeben wird.

Nach dem Frühstück muss Tantchen weg. Enrico und ich spielen ein wenig. Unsere Stoffpuppe haben wir beide schon ganz schön zerfetzt. Vor allem das Innenleben hat etwas gelitten und wird anschließend immer eingesammelt. Genau wie die Holzsplitter, die wir von den mitgebrachten Stöcken übrig lassen. In holder Eintracht liegen Enrico und ich dann nebeneinander und spielen das Spiel, wer kann mehr Holzbrösel in kürzerer Zeit produzieren.

Mittags geht es wieder nur ans Wasser. Dabei war uns eigentlich der Grunewaldsee mit einer Freundin versprochen. Die ist aber bei einem Arzt hängengeblieben und außerdem regnet es und der Boden soll leicht gefrieren. Tut er aber nicht. Ist nur eine Ausrede. Merke ich doch ganz genau, dass der Boden nicht glatt ist. Also nur Wasser und diesmal nicht rechts sondern links herum. Also zu den Enten. Na wenigstens etwas. Spielen tun wir hier nicht. Enrico will nur seinen Ball und ich schaue mal, was es hier so zu mampfen gibt. Nicht viel. Außerdem stehe ich unter Beobachtung. Bis zu den Enten gehen wir auch nicht vor, wir drehen vorher ab. Aber wenigstens muss ich mich noch in Entengrütze wälzen. Und weil das so schön ist, merke ich nicht, dass die anderen schon wieder weg sind. Kein Problem, ich kenne doch den Weg. Bin ich doch schon gelaufen. Also nichts wie hinterher. Aber da kommt ein Pfiff aus einer anderen Richtung. Was soll das jetzt? Etwas ratlos stehe ich da. Enrico kommt mir ein Stück entgegen gerannt. Soll ich dem jetzt folgen oder lieber meinem Instinkt. Sonst sind wir immer anders gegangen. Da kommt schon wieder ein Pfiff aus Enricos Richtung. Ein paar Schritte laufe ich auf Enrico zu. Aufmunternd dreht er sich um und rennt voraus. Gut dann laufe ich ihm mal hinterher. Eigentlich vertraue ich lieber mir selbst als einem anderem Hund. Aber hier ist das vielleicht ein wenig anders. Sehr erleichtert sehe ich dann den Rest unserer Truppe wartend dastehen. Gut, also diesmal hatte Enrico recht. Aber sonst bin ich es, die immer richtig liegt.

Nach dem Mittagsschlaf werden Enrico und ich vor die Wohnungstür geschickt, Akira gelobt und auf ihren Platz beordert und dann gehen wir los. Wie wir erfahren zum Hundefleischer. Der Weg ist für Akira ein wenig weit und so bleibt sie zu Hause.

Beim Hundefleischer bekommen wir, weil wir so lieb sind, jeder einen Extrahappen. Vermutlich meint die nette Dame, weil ich so lieb bin.  Aber gut, gut, ich bin höflich. Und ich teile gern. Enrico gönnt mir keinen Bissen.

Zu Hause bekommen wir alle drei einen Markknochen. Die beiden Anfänger wissen nicht so genau, was sie damit machen sollen. Tantchen überlegt schon, ob sie ihn uns wieder wegnehmen soll. Wehe.  Ich fange also ganz gekonnt an, den Knochen so zu benagen, dass ich das Mark rauslecken kann. Die anderen machen es mir nun nach. Na, viel ist nicht dran. Eine kleine Enttäuschung so ein Ding. Schaue mal vorsichtig, ob vielleicht die beiden anderen, aber nein, sie sind genauso weit wie ich. Schade. Akira lässt ihren, nach getaner Arbeit liegen und ich kontrolliere nun doch mal ganz genau, ob da nicht noch ein Fitzelchen ist. In der Zwischenzeit will sich Enrico meinen holen und da muss ich doch mal ganz energisch dazwischen gehen. Also geklaut wird hier nicht.

Anschließend kontrolliert jeder von uns beiden, ob in einem der Markknochen noch etwas zu holen ist. Leider nein. Ich knabbere mal so, weil es so lecker war, noch ein wenig an meinen beiden, der von Akira wurde aufgegeben und ist nun von mir übereignet, während Enrico wieder sein altes Spiel spielt. Mit dem Knochen auf einen Stuhl, Knochen fallen lassen, hinterher schauen, runter springen, wieder mit Knochen auf den Stuhl usw. Irgendwann ist es ihm langweilig. Mir auch und so hole ich mir meine Stoffpuppe und zerfetzte sie ein wenig. Dann kommt Enrico dazu und wir balgen uns. Jeder zieht an einem Ende. Wunderbar. In der Zwischenzeit hat Tantchen die Knochen eingesammelt und entsorgt. Ist aber egal. War nichts mehr raus zu holen aus den Resten.

Nun ist mir langweilig. Selbst Enrico schläft. Ich zeige Tantchen, dass wir die Wohnung neu dekorieren könnten. Sie reagiert aber nicht. Wenigstens entsetzt könnte sie sein. Aber gar nüscht zu sagen und zu machen? Tantchen verspricht morgen wieder in den Wald zu fahren. Gott sei Dank. Weiß nicht wohin mit meiner Energie.

 

Tag 68

Heute ist mal wieder Sporttag. Nicht so gut für uns, nicht so gut für Tantchen. Hinterher kommt sie immer angekrochen und jammert über Muskelkater.

Heute gibt es den Waldspaziergang somit leider wieder etwas später und wenn, treffen wir natürlich wieder am Aus- und Eingang? Richtig den Husky. Also ich finde ihn sehr nett. Enrico und damit auch Tantchen nicht. Der hat erst einmal Leine. Der Husky schaut aber auch wirklich richtig hungrig. Vielleicht sollte ich besser sagen, er schaut als wenn er Beute sieht. Tantchen will also schnell vorbei. Ich weniger. Erst einmal muss ich doch „Hallo“ sagen. Tantchen ruft inzwischen. Der Tonfall gefällt mir nicht. Spricht man so mit Mamas Tochter? Bleibe also etwas unschlüssig stehen und muss erst einmal überlegen. Was nun? Nun ist Tantchen richtig sauer.und füttert die beiden anderen mit Hundewurst. Schwerer Entscheidung, hingehen und auch auf ein Stück Hundewurst hoffen oder Abstand halten. Ich schaue dann doch mal vorsichtig vorbei. Zumal das Hundewurstgefüttere ziemlich lange anhält. Es hört genau da auf, als ich bei den anderen angekommen bin. Anschließend habe ich Leine. Kein nettes Wort, werde einfach nicht beachtet. Dafür werden die anderen umso mehr gelobt. Na und na und.

Dann darf ich doch wieder los und renne mit Enrico was das Zeug hält. Soll se mich doch suchen, soll se mich. Kann se sich die Augen aus dem Kopp heulen, kann se. Ich komme so schnell nicht wieder ran. Enrico wird das allerdings zu weit. Memme. Er dreht ab und rennt zurück. Kunststück, hat ja auch Hundewurst bekommen. Na gut, renne ich auch zurück. Und nun bekomme ich auch mein Stück Hundewurst. Ist zwar nur eines. Will aber nicht so sein. Ist ein Friedensangebot. Wir versuchen heute wieder neue Wege zu finden. Das ist das Schönste hier. Nie langweilig immer andere Wege tapern. Immer neue Gerüche und Herausforderungen. Gelegentlich mal Wildschweine, die ihren Schönheitsschlaf halten, und andere Hunde zum Begrüßen.

So treffen wir auch gleich den nächsten fremden Hund. Er ist an der Laufleine und Tantchen ruft uns ab. Also meine Mutter hat mir viel beigebracht. Nicht gelernt habe ich, dass ich immer gleich kommen muss. So sage ich also erst einmal höflich „Hallo“. Er bleibt steif und so lege ich mich zur Begrüßung erst einmal auf den Rücken. Nachdem er mich ausführlich beschnüffelt hat, Tantchen pfeift derweil, darf ich wieder aufstehen und er möchte nun gerne mit mir spielen. Eingeschränkt sind wir nur durch seine doofe Laufleine. Darum ist unser Radius etwas klein. Tantchen pfeift noch. Ja doch, komm ja schon. Unlustig gehe ich nun doch zu Tantchen und habe sofort wieder Leine. Hätte ich auch bei dem anderen Rüden bleiben können. Blöder Spaziergang. Als ich wieder von der Leine darf, habe ich keine Lust mehr auf Toben. Man darf hier ja doch nichts und ein Stück Hundewurst habe ich auch nicht bekommen. Wohl aber die beiden anderen. Schon wieder. Hänge nun also bei Tantchen am Hinterbein. Nun bekommen wir alle unser Stück Hundewurst. Gut geht doch. Ein zusätzliches Stöckchen, dass Enrico hingehalten bekommt und mit dem er losstürmt, lässt mich dann doch wieder fröhlich werden. Nun hält auch mich nichts mehr. Und ab geht es mit der Lucy.

Kurz vor dem Ende unseres Spazierganges treffen wir noch auf zwei Männer. Sie unterhalten sich freundschaftlich und ich stelle mich mal so mit dazu. Vielleicht haben die einen Keks für mich? Enrico hat mit seinem Stock zu tun. Fremde Menschen interessieren ihn überhaupt nicht. Mich schon. Werde aber nicht beachtet und schon gar nicht gestreichelt. Na, dann eben nicht.

Zu Hause gibt es jetzt Blättermagen. Schön.

 

Tag 69

Der Morgenspaziergang wird heute am Bäcker vorbeigeführt. Tantchen hat Sonntag und damit Brötchenzeit. Wir bekommen leider nichts. Das kennen wir schon. In solchen Läden gibt es kein Hundefleisch. Wann gehen wir wieder zum Hundefleischer? Da wirft uns die nette Tante was über den Tresen und Tantchen sucht für uns alle was schönes aus.  Aber beim Bäcker?

Zum Mittagsspaziergang wird uns versprochen, dass wir einen ganz neuen Weg versuchen werden. Ich hätte da einen Vorschlag. Würde gern mal zum Hundeauslaufgebiet an der Havel fahren. Mal sehen was da alles so los ist. Gut, so war das nicht gemeint gewesen. Also ein neuer Weg im Grunewald. Auch nicht schlecht.

Zuerst einmal müssen wir einen Umweg gehen, Leute mit Hund. Mensch Enrico, kannst Du mal ein bisschen freundlicher zu anderen Hunden sein? Enrico dackelt beleidigt ab.

Endlich sind wir in einem ganz neuem Gebiet angekommen. Enrico und ich toben erst einmal los. Dann treffen wir auf zwei Herren mit Hund. Würde gern mal bei denen vorbeigehen. Allerdings steht da Tantchen dazwischen. Der eine Herr muss pieschern. Er stellt sich an den Baum und strullt.  Nun hätten wir doch Zeit mal kurz zu dem Rüden rüber zu gehen. Allerdings steht Herrchen immer noch am Baum und strullt und strullt. Gott wie viel passt in die Blase eines Mannes? Vielleicht hat er eine Blasenentzündung? Sollten sich da Tantchen einmal darum kümmern? Irgendwann ruft Tantchen dann rüber, dass er das heute wieder gut macht. Da dreht er sich erschrocken nach uns um und hört auf. Ich kann auch immer nicht weiter pieschern, wenn Tantchen ihre Kommentare abgibt.

So schlagen wir dann ein großen Bogen um die Herren, hoffend, dass sie dann weg sind, wenn wir auf den selben Rückweg einbiegen, auf den sich schon die Herren begeben haben. Nö, sie trödeln. So schlagen wir noch ein kleinen Bogen und stehen dann wartend bis sie endlich in eine andere Richtung abbiegen. Uff, das hätte jetzt eng werden können für die pünktlich Verabreichung unseres Mittagessens. Zum Glück kommen wir aber pünktlich nach Hause. Immerhin muss ich auch auf meinen Schönheitsschlaf achten.

Bei der letzten Runde am Abend kommen wir an einer Stelle vorbei, an der sich ein Mensch erbrochen hat. Also so groß habe ich das bei Hunden noch nicht gesehen. Tantchen schaut, ob einer von uns daran schnüffeln will. Wir haben aber den Blick wohl bemerkt und ignorieren die Pfütze. Nun kommen uns auch noch drei Personen entgegen. Ein wenig bange ist mir nun schon. So viele Menschen, die auf mich zukommen.  Also heute muss ich keine Pfütze machen. Heute lass ich die mal ausfallen.

Tantchen registriert es kopfschüttelnd. Menno.

 

Tag 70

Schon wieder Montag. Also mir ist das eigentlich egal. Nur der Dienstag ist wichtig. Da hat der Hundefleischer offen. Aber Montag?

Der Morgenspaziergang verläuft in seinem gewohntem Einerlei. Kurz vor der Straße treffen wir noch die große Schwarze Rumänin. Sie heißt Schira und mit ihr kann man toll spielen. Wir toben auch sofort zu ihr los, hoffend, dass gleich das schöne Jagen beginnt. Doch leider ist da ein fremder Mann hinten an der Leine dran und der hat die Kraft sie zu halten. Obwohl sie auf den Hinterbeinen steht und sich gebärdet wie toll, hält er sie eisern fest. Shira erklärt uns, dass sei ihr Herrchen. Wir konnten ihr nur unser Mitgefühl aussprechen.

Ein wenig später war dann auch Tantchen heran und fragt ganz besorgt, ob sie sich wieder versprungen hat. Da sie tobt wie toll, humpelt sie gerne mal. Die Antwort war nein, sie würde nur nicht auf ihn hören. Tantchen hat uns dann lieber eingesammelt und ist  gegangen, der Mann hatte mächtig mit Shira zu tun. Enttäuscht sind wir alle unseres Weges gegangen.

„Du Akira, die liebe Hündin Shira lebt doch schon über ein Jahr in der Familie. Und sie war doch auch erst ein halbes Jahr, als sie dort einzog. Wieso hört sie nicht auf ihr Herrchen?“

„Weil er sich eigentlich nicht um sie kümmert.“

„Aber sie leben doch in derselben Wohnung.“

„Jeder hat andere Interessen, sie haben noch drei Katzen, habe ich gehört und vielleicht kümmert er sich lieber um die.“

Nun hatte ich etwas worüber ich nachdenken musste. Alle leben zusammen und doch macht jeder etwas anderes. Ist das nun gut oder schlecht. Und immer in Tantchens Nähe zu laufen hat auch seine Vorteile, da hört man doch so eine ganze Menge. Vor allem, wenn man so ruhig ist wie Akira. Sie bleibt gern in der Nähe der Menschen, lauscht, was so gesprochen wird, stubst dann und wann die Menschen an um Futter zu erbetteln und findet solche Spaziergänge richtig gut und gemütlich. Anstrengender sind da für sie schon die Waldspaziergänge. Da wird zügig losmarschiert und die „Alte“ muss sehen, dass sie hinterherkommt. Dabei schnüffelt sie gern und überlegt dann, was das wohl ist, was sie da gerade gerochen hat und wie sie das einordnen muss. Dieses schnelle Laufen ist nicht mehr für Mamas Tochter. Findet Tantchen allerdings nicht. Zügiges gehen, meint Tantchen, ist gut für die Lunge, für die Knochen und für den Kreislauf. Und jetzt diskutiere mal als Hund mit einer Tierärztin. Da hast Du schon verloren, bevor die Diskussion erst richtig in Schwung kommt. Verloren haste da.

Mittags ging es wieder in den Grunewald. Neue Wege suchen. Leider sind hier doch eine ganze Menge Hunde. Und leider fast alle nicht sehr freundlich. Zuerst treffen wir zwei weiße Schäferhunde. Beide müssen schnell an die Leine, genau wie wir und  dann führen sie sich auf, dass es selbst Enrico die Sprache verschlägt.  Wir biegen also rechtzeitig ab und leider kommt uns die Truppe hinterher. Also bleiben wir stehen und fragen, ob er noch mal ein Stück zurückgehen könnte, da wir eigentlich den anderen Weg nehmen wollten. Nur weil wir dachten er geht woanders lang, haben wir diesen Weg gewählt, aber wenn er hier lang geht, würden wir gern unseren ursprünglichen  Weg gehen. Nun macht Tantchen auch noch eine scheuchende Handbewegung. Ganz schlechte Idee, findet auch Enrico. Zuerst schnauzt er seine Hunde an, weil sich vor allem die Hündin so gebärdet als wenn sie uns zu ihrem Mittagessen erklärt hätte. Mir wird schon etwas blümerant und ich denke, wir sollten ihr Herrchen nicht ablenken durch unnütze Reden. Das findet auch ihr Herrchen und schnauzt dann uns an, wir sollten endlich weitergehen. Beschwichtigungsversuche von Tantchen verhallten nun ungehört. Er hing schon sehr an seiner schlechten Laune und an den Hundeleinen seiner wütenden Hunde.

Endlich aus der Sicht von diesen unfreundlichen Zeitgenossen tobten wir erst einmal los. Nur möglichst weit weg von denen. Zum Glück hatte Tantchen einen schnellen Schritt. Das fand nun auch Akira.

Kurz vor dem Ausgang stand ein uralter Opi. Er schaute ganz verzückt zu uns rüber und wollte eigentlich auf uns warten. Tantchen fragte nach, ob er noch laufen könne. Wir würden gerne hier raus aus dem Wald. Schritt für Schritt, mal schnüffelnd, mal nachdenkend, bewegte er sich im Schneckenschritt vorwärts. Irgendwann mussten wir an die Leine und so vorbei. Zu groß war die Sorge, wir könnten den alten Herrn noch versehentlich umwerfen. Tantchen grummelte vor sich hin, dass er eigentlich nur alt aussieht. Sie hätte gar nicht erkannt, dass der schon tot ist. Leider hat sein Herrchen da was gehört und meinte nun, dass wir alle schlecht erzogen seien. Also das ist gemein. Ich ja, also ich bin gut erzogen und Akira auch. Enrico vielleicht aber na ja, nicht immer geraten alle in der Familie gut und außerdem gibt er sich doch wirklich Mühe. Tantchen meinte nun, er solle den Hund doch mal einem Tierarzt vorstellen, vielleicht weckt so die eine oder andere Tablette noch mal seine Lebensgeister. Dann waren wir außerhalb der Hörweite. Schade eigentlich. Hätte gern gewusst, was der darauf wohl geantwortet hat.

Zu Hause gab es für jeden eine extra große Portion Blättermagen. Er muss alle werden. Morgen ist Dienstag und da gehen wir zum Hundefleischer. Juchu!

 

Tag 71

Heute haben wir wieder die Besitzerin von Shira getroffen toll. Endlich wieder toben. Leider hat sie nicht viel Zeit. Wann haben Menschen das schon mal. Sie hetzen immer durch ihr Leben und wundern sich dann, wenn das Leben plötzlich vorbei ist.

 

Viel zu schnell sind wir wieder bei Shira vor der Haustür. Allerdings hat die Besitzerin die Rechnung ohne ihre Hündin gemacht. Die sorgt für Entschleunigung und tobt einfach an der Haustür vorbei und ab  ans Wasser. Dort wird mächtig weiter gespielt. Muss sie kurz verschnaufen, geht sie ins Schilf und stellt sich mit den Pfoten ins Wasser. Nur kein Risiko eingehen. Nicht dass ihr Frauchen sie noch aus dem Schilf ziehen kommt. So ist sie sicher und erholt sich kurz um dann wieder aus dem Schilf heraus zu preschen und ab über die Wiese zu fegen. Ihre Besitzerin versucht durch Schreien und Hinterherrennen ihren Hund zur Aufgabe zu bewegen. Tantchens versuche, ihr zu erklären, dass der Hund jetzt doch nicht kommt, gehen in dem Kampfgeschrei unter. Akira bettelt lieber um Futter. Diese ganze Aufregung ist nichts mehr für sie. Und wenn Shira zurückkommt, dann achtet die große Rumänin ganz genau darauf, dass von ihrem Frauchen kein anderer Hund gefüttert wird. Da hat sie schon mal mich und auch Enrico ganz dolle gezwickt. So bettelt Akira lieber solange die andere Hündin noch unterwegs ist. Ist ungefährlicher. Wir anderen halten auch lieber Abstand, wenn sie bei ihrem Frauchen steht. Ich habe mich vorsorglich mal vor ihr auf den Rücken gelegt. Sie hat es wohlwollend zu Kenntnis genommen. Mich von oben bis unten abgeschnuffelt und dann durfte ich wieder aufstehen. Nun darf ich, natürlich mit kleinem Abstand zu ihr, auch bei ihrem Frauchen stehen. Ist eine ganz liebe Frau. Als wir alle dann weitergehen, musste ich erst überlegen, ob ich nicht bei ihr um Asyl bitten sollte. Etwas unentschlossen bin ich dann meinem Rudel hinterher.

Hier gibt es drei Portionen Futter mit hohem Fleischanteil pro Tag. Sollte man nicht so leichtfertig aufs Spiel setzten. Vor allem weil ich die anderen Mitbewohner nicht kenne. Da gibt es noch drei Katzen und eine soll nicht so freundlich sein.

Mittags geht es wieder nur ans Wasser. Heute ist schließlich Dienstag und da laufen wir Hundefleisch und Hundewurst holen. Das ist leider nur Straße, aber für eine schöne Portion Fleisch nehmen wir das alle in kauf.

Vom Hundefleischer gibt es wieder Hundewurst für uns drei.  Tantchen hält uns das vor die Nase und steckt es weg. Für später, wie sie meint. Wir haben das aber jetzt  geschenkt bekommen, wieso für später? Das sind unsere Würste.

Zu Hause gibt es eine große Portion Fleisch. Wunderbar. Es müsste immer Dienstag sein. Obwohl, kein Wald mehr? Nö, das wäre auch nichts.

 

Als wir abends zur letzten Pfütze gehen, habe ich ganz schnell gepieschert. Tantchen hat mich dafür dolle gelobt. Inzwischen höre ich ganz gut auf das „Bravo, bravo“, also manchmal, also wenn ich will. Na ja, fast immer – oder so.

Tag 72

Heute musste Tantchen schon um 5 Uhr aufstehen. Handwerker haben ihr Kommen angedroht. Uah, Vorsicht, schlechter Laune Alarm. Handwerker und Tantchen sind nicht kompatibel. Somit ist es nun wirklich noch stockdunkel als wir ans Wasser gehen. Somit gehen wir heute einen anderen Weg und viel Straße. Eben überall dort, wo sich Laternen befinde. Wir könnten ja zu der Brücke gehen. Dort hat man für viel Geld zur Verschönerung des Ortes, Lampen angebracht. Leider haben sie nur eine Woche gebrannt. Und das war schon im September. Seitdem sind sie nie wieder angemacht worden. Ist vielleicht auch vernünftiger, schließlich haben wir einen Klimawandel. Warum fördert der Bund und die EU solche Lampen, wenn sie doch versprochen haben den Klimawandel zu bekämpfen? Ist es vielleicht so , wie es Reinhard Mey in seinem Lied über den Meterologen  singt, dass die mit dem Wetter immer falsch liegen und wer immer lügt, dem glaubt man sowieso nichts mehr. Und die Politiker erzählen so viel und das Meiste davon stimmt nicht. Die eine Partei hat mal vor der Wahl erzählt, sie wollen die Mehrwertsteuer um 2 % erhöhen, die andere Partei wollte gar nicht erhöhen. Dann kam nach der Wahl die große Koalition und sie haben die Mehrwertsteuer um 3 % erhöht. Also sogar ich weiß, dass wenn einer sagt 0 und der andere sagt 2, dann ist der Kompromiss 1. In jedem Fall aber niemals drei. Ich habe gefragt, ob alle Menschen damals darüber gelacht haben. Akira meinte, alle Menschen hätten damals laut gelacht. Tantchen auch? Ja, nur nicht so laut.

Auf dem Rückweg habe ich dann noch leckere Dinge zum Futtern gefunden. Konnte somit erst zum vierten Pfeifen kommen und habe mir noch schnell die Schnute sauber geleckt.  Das hat Tantchen gesehen. Dafür gab es Leine und nur die anderen haben ihren Hundekeks erhalten. Mein gefundenes Futter war mehr. Vielleicht nicht unbedingt besser als der Hundekeks, aber eindeutig mehr.

Der Handwerker kam dann nicht um 7 Uhr sondern erst um 8 Uhr. War egal, Tantchen hatte eh schlechte Laune. Erst als der weg war besserte sich die schlagartig. Zur Entschädigung fahren wir heute wieder in den Wald. Wird aber auch Zeit. Muss mal wieder richtig rennen.

Tag 73

Jetzt ist es morgens, selbst um halb sieben, noch so dunkel, dass Enrico die tollsten Überredungskünste anwenden muss, um Tantchen zu überzeugen, dass es Zeit ist aufzustehen. Er beginnt ganz langsam mit lautem Gähnen. Außerdem kann er so wunderbar schmatzen. Das macht er meist nach dem Futter, aber auch, um Tantchen daran zu erinnern, dass er jetzt gern sein Frühstück zu sich nehmen würde. Führt das zu keiner Reaktion, dann springt er auf das Bett und kratzt am Fuß. Kommt dann der Fuß unter der Bettdecke vor, legt er sich darauf. Manchmal stubst er den Fuß mit der Nase an, was Tantchen immer vor Freude jauchzen lässt, weil seine Nase so wunderbar feucht und kalt ist. Schade, würde ich auch gerne mal probieren, aber leider darf ich nicht aufs Bett. Hilft alles nicht, dann springt er ihr auf den Bauch. Hat er richtig getroffen, dann sitzt sie anschließend und hat den direkten Blick auf den Wecker, lag sie falsch und er konnte nicht mitten drauf springen, dann ist sie zumindest so wach, dass sie, vom Schlaf noch kurzsichtig, nach dem Wecker greifen kann und ihn direkt vor ihre Augen halten kann. Jedes mal sagt sie dann: „Oje, schon so spät und noch so dunkel.“ Ach nee, ne.

Heute muss sie früher weg und so beeilt sie sich, weil schon bald nach dem Morgenspaziergang der Mittagsspaziergang folgt.

Am Wasser treffen wir um 7 Uhr andere Hunde als um 6 Uhr. Da es immer noch so dunkel ist, so gut wie keine. Schade, ich freue mich immer so über andere Hunde.

So verläuft der Spaziergang wie immer, Enrico spielt Ball und ich schnüffele so rum, ob vielleicht irgendwo Futter ist. Zwischendurch schaut Enrico nach, ob ich nicht Lust habe zu rennen und er kann mich jagen, habe ich aber nicht. Lieber stelle ich mich neben Akira an und hole mir einen Hundekeks.

Mittags fahren wir in den Grunewald. Nun sind wir leider zu früh dran und treffen hier Hunde, die wir eigentlich nicht so gerne treffen wollen. Der Husky geht immer um diese Zeit und der Foxterrier ebenfalls. Der Foxterrier ist arm dran. Er darf nur an der Leine laufen und dann auch nur so ein kleines Karree, das dauert gerade mal 10 Minuten. Dann ist er schon wieder raus aus dem Wald. Dabei ist sein Herrchen zwar alt, sieht aber noch recht fit aus. Und der kleine Foxterrier ist noch so jung.

Der Husky ist nun immer an der Leine und wir gehen alle zügig vorbei. Also Enrico. Wir anderen sagen kurz „Hallo“. Eigentlich würde er gern mit uns spielen. Leider mag er keine Rüden. Na ja, Enrico ja auch nicht unbedingt. Aber immerhin hat sich Enrico soweit gebessert, dass er jetzt, wenn wir einen Rüden treffen, zu Tantchen geht und seinen Ball verlangt. Je nach Schweregrad der Anforderung an Enrico die Nerven zu bewahren, was so viel heißt wie ist es ein großer, temperamentvoller Rüde, oder einer seiner Lieblingsfeindrassen, oder ein kleinerer, ruhiger Rüde, gibt es mal den Ball – für die schweren Fälle – oder einen Hundekeks.

Sind wir an allen lebenden Hindernissen erst einmal vorbei toben Enrico und ich los.

Erstaunlich, wie schnell so eine Stunde vergeht. Getröstet werden wir nur von dem Umstand, dass es jetzt wunderbares Futter gibt.

Der restliche Tag vergeht in langweiligem Einerlei.

 

Tag 74

Heute hat uns Tantchen ganz viel Spaziergang versprochen. Also morgens geht es ans Wasser. Na, das hatten wir ja schon zur Genüge. Allerdings treffen wir heute die tolle Rumänin Shira wieder. Und welch ein Glück, sie ist mit Frauchen unterwegs. Als wir sie sehen, stürmen wir los. Shira muss erst „Sitz“ machen und darf erst dann. Aber solange warten wir gerne, kommt doch diese wunderbare Hündin auf die tollsten Ideen und wir machen alles mit. So verschwinden wir regelmäßig im Schilf und schauen nach Futter. Anschließend schauen wir nach Enten, trinken ein wenig Wasser und kühlen unsere Pfoten. Enrico ist mal wieder zu weit rein und gleich nass bis zur Nasenspitze. Dann werden wir alle gerufen. Hähä, wir kommen aber nicht. Bätsch. Dann wird Tantchen energisch und Enrico bekommt Angst. Ich eigentlich noch viel mehr und so trollen wir uns zu Tantchen. Werden gelobt und erhalten einen Hundekeks. Ach Guck mal. Shira kommt nicht.  Ihr Frauchen ruft und ruft, Shira hat keine Lust. Na ja, jetzt bringt es auch nicht mehr noch zu kommen, jetzt ist ihr Frauchen bestimmt sauer. Shira löst das Problem genau wie wir auch, sie kommt aus dem Schilf gerast und wir toben sofort hinterher. Ihr Frauchen ruft weiter. Bringt aber nichts. Man sollte diesen ganzen Hundetrainern mal sagen, dass es schon stimmt, dass ein einmal gegebenes Kommando auch umgesetzt werden muss, es aber Situationen gibt, wie z.B. Toben, da kommt kein Hund. Hier wäre es doch besser, der Besitzer warte, vor allem wenn keine Gefahr der Verletzung besteht, bis das Spiel zu Ende ist. Na, liebe Hundetrainer, was sagt ihr dazu?

Nach dem Toben geht Shira brav zu ihrer Besitzerin und holt sich ihr Stück Käse ab. Das fällt ihr meist aus dem Maul. Sie sucht es dann noch am Boden, bräuchte sie aber nicht, weil es schon längst in Enricos Magen gelandet ist. Ihre Besitzerin schaut auch nach wo es ist. Enrico schnüffelt derweil an einem Grashalm und wartet, ob Shira noch ein Stück Käse erhält. Tantchen, die alte Petze, verrät, dass der Käse schon weg ist. Ich, also ich würde natürlich den Käse nie stibitzen. Dafür habe ich zu viel Respekt vor Shira. Enrico nicht. Ich bekomme dafür den Käse aus der Hand von Shiras Frauchen. Weil ich so lieb bin, was ja auch stimmt, und weil sie mich gerne als Zweithund hätte. Was ich auch ganz toll finden würde. Da steht aber der Ehemann dazwischen. Und dann erzählt sie, warum Shira nicht auf den Ehemann hört. Sie hatten einmal einen Fundkater, der war sehr lieb und verschmust. Dann wurde er im Alter schwer krank und der Tierarzt musste ihm helfen zu gehen. Da war der Ehemann sehr, sehr traurig und wollte nie wieder ein Tier. Aber die Ehefrau und die Kinder waren auch sehr, sehr traurig und wollten gerne wieder ein Tier. Also wurden zwei Katzen angeschafft.  Nun waren die Kinder und die Ehefrau wieder fröhlich. Nur der Ehemann trauerte noch. Dann kaufte die Mutter eine weitere Katze. Das half nicht die Trauer des Vaters zu überwinden. Dann kam der Hund und nun sollten alle wieder fröhlich sein. Aber der Vater war immer noch sehr traurig und hatte aus seinem Herzen einen Stein gemacht. Und wenn sie nicht gestorben sind. Moment, Moment, solche Geschichten enden doch immer mit einem Happyend. Akira schaut mich lange an und spricht dann: “Nur im Märchen. Und Menschen machen sich gerne das Leben selber schwer. Sie leben nicht wie wir im hier und jetzt. Sie wollen immer das haben, was sie einmal hatten. Und wenn das jetzt vorbei ist, dann trauern sie auch dem nach.“

„Aber wenn der Vater jetzt sein Herz versteinert hat, weil er glaubt, so nie wieder über den Tod eines geliebten Tieres trauern zu müssen, was macht er dann, wenn ein geliebter Mensch stirbt?“

„Dann geht er zum Arzt und lässt sich Psychopharmaka verschreiben.“

„Kommt er dann wieder davon los“

„Manche ja, manche nein.“

„Das ist aber traurig. Warum werden solche traurigen Geschichten erzählt? Wo ist der schöne Ausgang, dass alle wieder glücklich sind?“

„Den gibt es auch. Schau Dich an. Du warst traurig, als Du von Deiner Mutter und Deiner Schwester getrennt wurdest.  Nun lebst Du bei uns. Hast eine neue Familie oder bekommst eine ganz eigene neue Familie. Das ist doch aufregend und schön.“

„Stimmt. Ich freue mich darüber, wie ich jetzt lebe. Vielleicht bekomme ich eine andere Familie. Wer weiß schon was morgen ist. Ich habe gelernt, dass das Morgen völlig ungewiss sein kann. Hast du heute den Bauch voll Futter, mach dir keine Sorgen, ob es morgen auch noch etwas gibt. Genieße erst einmal, das heute der Bauch so schön gefüllt ist.“

Mitten in diese wunderschönen Überlegungen hinein kommt Steff Welpe angeschossen. Enrico nicht faul, schließlich erkennt er Rassen, die er nicht mag sofort und wenn sie dann auch noch – genau wie er – eine aufgeregte, nervöse Energie haben, dann gibt es aber Dickes, gibt es dann. In der Aufregung hat er übersehen, dass die Kleene eine Hündin ist.  Die wirft sich auch sofort auf den Rücken.  Tantchen greift ein und holt ihn runter.

„Also man wird doch noch mal meckern dürfen, wird man doch noch mal.“

Misstrauisch sitzt er zu Tantchens Füßen und beobachtet genau, was die kleine Steff Hündin macht. Keks gibt es auch nicht, weil Feind eine Hündin ist und da hat sich Enrico zu benehmen.

Dann tobt Shira los und alle hinterher. Dabei möchte Shira eigentlich nur mit der kleinen Hündin spielen. Das ärgert aber Enrico so ungemein, dass er laut jankernd neben Shira her rennt und immer versucht an ihr hoch zu springen und Shira dabei zu zwicken. Die Menschen stehen erstaunt am Rand und schauen zu.

Tantchen pfeift Enrico zu sich, nur ich mag nicht kommen. Zu schön ist das Spiel und ich weiß eigentlich nicht so genau, ob ich nicht lieber mit Shira nach Hause gehen möchte. Also toben wir anderen weiter. Tantchen wartet. Als wir eine kurze Atempause machen müssen, fängt Tantchen an Hundewurst zu verteilen. Oh, da muss ich auch hin. Schließlich möchte ich meinen Anteil. Zuerst müssen aber Enrico die Haare aus der Schnute entfernt werden, die er Shira, in seinem Bemühen Beachtung zu finden ausgerissen hat.  Diesmal hat Tantchen nicht gepetzt.  Trotzdem müssen wir jetzt alle an die Leine. Schade, ich wäre gern zurückgerannt und hätte weiter getobt.

Mittags  sind wir mal wieder an die Havel gefahren. Ist aber jetzt langweilig hier. Nur der große, graue Hund war diesmal nicht auf einem eingezäunten Grundstück, sondern auf dem Offenem beim Nachbarn. Enrico nicht faul, wollte mal näher ran. Das haben aber Tantchens Nerven nicht mitgemacht. Als wir auf dem Rückweg dort wieder vorbeikommen, steht nun das Tor ganz offen. Enrico und ich nicht faul, wollen gleich rauf aufs Grundstück um es mal zu erkunden. Da konnte aber Tantchen ganz schnell rennen und hat uns noch am Tor abgefangen. Alte Meckertante, hat gleich geschimpft. Dabei stand das Tor ganz weit offen und wenn ein Tor offen steht, dann ist das eine Einladung und dann darf man da auch mal rein gehen und alles abschnüffeln. Vielleicht hätten wir auch eine kleine Pfütze zur Erinnerung hinterlassen. Aber nur um zu sagen, dass wir eben da waren. Gehört sich doch so – oder?

 

Tag 75

Heute ist Samstag und damit Sporttag. Am Wasser ist nur das triste Einerlei. Wir sind spät dran und Tantchen ist durch die Krähen abgelenkt. Einer möchte noch eine Erdnuss und fliegt doch glatt so dich über meine stolz erhobene Rute, dass sie sie streift. Also, ich weiß, Krähenjagen ist verboten. Aber was zu viel ist, ist zu viel. Ich drehe mich um und renne hinterher was das Zeug hält. Damit hat die Krähe wohl gerechnet. Na jedenfalls habe ich sie leider nicht bekommen. Schade und so schlage ich mich ein wenig in die Büsche. Das darf ich eigentlich nicht. Aber erstens ist Tantchen durch die Krähen so wunderbar abgelenkt und zweitens macht das Shira auch immer und sie ist schließlich mein großes Vorbild.

Zum Glück gehen wir, weil heute Sporttag ist, nach einer Stunde noch einmal vor die Tür zum Pischern. Tantchen freut sich, dass ich mich hinsetzte, sieht dann aber, dass ich nicht Pfützchen sondern Häufchen mache. Und dann auch noch ganz dünn. So bekomme ich gleich zu Hause eine Tablette und es werden, bis auf einen Raum, alle anderen Türen zu gemacht. Sollte mir ein Malheur passieren, meinte Tantchen.

Als sie zurück ist, freut sie sich, dass nichts passiert ist. Wir werden gleich ins Auto eingeladen und los geht es in den Grunewald. Hier treffen wir erst den armen Foxterrier mit seinem 10 minütigen Rundgang wieder und dann die beiden weißen Schäferhunde. Diesmal allerdings nicht an der Leine und ihr Herrchen dreht uns den Rücken zu und  sieht uns nicht. Dafür aber die beiden, wobei einer gleich in die Jagdhaltung geht.Der zweite der beiden steht noch etwas unentschlossen und wartet auf den Startschuss der Rudelführerin. Wir stehen etwas erstarrt und wissen nicht so genau, was wir jetzt machen sollen. Da erlöst uns Tantchen und pfeift uns ab. Sie steht so lange und wartet, auch als wir an ihr vorbei sind, bis die weiße Schäferhündin abdreht und zu ihrem Rudel zurück geht. Wie schön, sie hat unseren Rückzug gesichert. Als wir außer Sicht sind, toben wir erleichtert los.

Zu Hause gibt es für jeden von uns eine extra große Portion Fleisch.

 

Tag 76

Da heute Sonntag ist, darf Tantchen ein wenig länger schlafen. Aber um 7.30 Uhr bekommt Enrico von uns den Startschuss und er legt los. Es beginnt, wie immer, mit lautem Gähnen. Erstaunlich wie viel Lärm man beim Gähnen machen kann. Nach dreimaligem Einsatz und mangelnder Reaktion seitens Tantchen, fährt er stärkere Geschütze auf. Zuerst legt er den Kopf auf ihren Bauch, dann kraucht er mit dem ganzen Oberkörper drauf und da alles nichts hilft, springt er mit allen vier Pfoten mitten auf den Magen. Nun sitzt sie wenigstens schon mal und schielt nach der Uhr. Um diese Uhrzeit ist es immer noch ein wenig dämmrig, das sollte sie doch nun schon mal mitbekommen haben und wir haben Hunger und wollen endlich in den Tag starten.

Ah, sie steht auf. Na endlich. Enrico kann ruhig noch mal springen, dann ist sie wenigstens wach genug.

Natürlich treffen wir niemanden mehr im Park. Um 8 Uhr am Morgen sind alle anderen Hunde schon durch. So latschen wir gelangweilt am Wasser entlang. Einziger Lichtblick ist der Hundekeks immer mal zwischendurch. Und, na ja, wenn ich sie erwische, die Enten am Ufer, dann jage ich sie ins Wasser. Das ist lustig. Also jedenfalls für mich. Und dann stehe ich am Ufer und träume davon einmal eine zu erwischen. Die Enten im Wasser lachen vor sich hin. Sie sagen, dass der Traum lustig ist. Jedenfalls für sie. Heißt das, es wird immer ein Traum bleiben?

Nicht lange nach dem Frühstück geht es wieder los und ab ins Auto. Ah der Mittagsspaziergang schon so früh? Uns ist es recht. Wir finden, das kann nie früh genug sein. Und so springen wir manierlich, immer wenn der Name aufgerufen wir, springt der Hund ins Auto, dessen Name gerade genannt wird. Und beim Ausstieg ist es umgekehrt. Außer natürlich der Hibbelhintern Enrico. Er flutscht manchmal raus, sobald sich die Vordertür öffnet. Dann bekommt er dolle geschimpft und muss wieder einsteigen. Man das dauert wieder heute.

Aber von Aussteigen kann keine Rede sein, wir müssen im Auto warten. Endlich kommt Tantchen wieder und weiter geht es. Dann wird wieder gehalten und nur ich darf aussteigen. So ganz geheuer ist mir das nicht. Was soll das? Ich werde einem sympathischen Pärchen vorgestellt. Beide streicheln mich und der Mann schmiert sich mit der Hand hinterher quer über sein Gesicht. Was soll das jetzt? Hat ihm noch niemand gesagt, dass sich so etwas nicht gehört? Die beiden Frauen stehen auch etwas sprachlos da und sperren den Mund auf. Das sei ein Allergietest, meint er seelenruhig. Ah ja,  dafür sollte ich also extra aussteigen? Nun will mich das fremde Pärchen ins Haus locken. Nun habe ich aber genug und will zurück zu meinen Hundekumpels. Ich höre nur etwas von Angsthund. Wer hat hier Angst? Ich doch nicht. Aber hier ist mir das nun wirklich nicht geheuer. Ich will hier weg.

Dann geht es wieder ins Auto und Enrico versucht sich auf der Fahrerseite, auf der verbotenen Seite, noch schnell raus zu quetschen. Und weg ist er. Leider wird er schnell eingefangen. Feigling, lässt sich von einer Drohung auf Popoklatsche einschüchtern.  Zum Glück sind wir aber schnell am Zielort und nun dürfen wir alle aussteigen. Endlich wieder Wald und endlich wieder ein Waldstück, das wir noch nicht so gut kennen. Enrico und ich düsen erst einmal ab und Tschüss.

Da werden wir schon wieder zurück gepfiffen und da ist auch mal wieder eine fremde Hündin. Leider bekomme ich sofort streng mitgeteilt, dass sie hier das Sagen hat und es gar nicht mag, wenn jemand widerspricht. Dazu zwickt sie mich auch noch. Ist ja gut, ist ja gut. Ich rede doch gar nicht, ich steh hier doch nur so, also quasi versehentlich. Gehe zu Tantchen und erkläre ihr, ich will auf den Arm. Enrico dauert das inzwischen zu lang und er tobt mit der Hündin, die Alma heißt los. So ein wenig zaghaft laufe ich hinterher. So ganz geheuer ist mir die Hündin nicht. Enrico und Alma toben was das Zeug hält, ich bin ihnen egal und mir ist das ganz lieb. Das ist doch ein wenig wild. Ab und zu quietscht Enrico auf und rennt dann aber sofort weiter. Wird sie ihn wohl gezwickt habe. Manchmal überschlägt er sich und manchmal darf er auch sie jagen. Die Besitzerin von Alma ruft immer:“ Nicht so dolle Alma.“ Alma hört nicht, sie hat zu tun. Dann rennt Alma geradeaus und schaut dabei aber zur Seite. Dabei übersieht sie einen Baumstumpf. Jiiih, fast hätte sie mich bei ihrem Salto noch erwischt. Aber, das muss ich ihr lassen, zimperlich ist sie nicht, sie steht nach ihrem Überschlag auf, rückt alle Knochen zurecht und rennt weiter. Enrico hat solange geduldig gewartet. Ich renne lieber allein durch den Wald. Sollen die beiden mal miteinander spielen. Mir ist das zu wild. Außerdem riecht es hier überall so schön und dann habe ich doch tatsächlich einen tollen Kadaver gefunden und mich ausgiebig darin gewälzt. Enrico und Akira konnten auch nicht widerstehen. Nur Alma verzichtet lieber. Das letzte Vollbad ist ihr noch in zu naher Erinnerung. Das muss sie nun so schnell nicht wieder haben. Wir drei freuen uns, dass der schöne Duft später das ganze Auto füllt und uns auf der langen Heimfahrt begleitet.

Zu Hause wird nur geduscht und dann gibt es endlich wieder Futter. Also wirklich, ich war kurz vor dem Verhungern. Ein wenig sollten wir schon auf die Zeiten achten.

 

Tag 77

Der Morgen ist trüb und grau. Winter eben. Oder besser Herbst. Der Morgenschlaf wird schnell wieder unterbrochen, es geht zum Mittagsspaziergang. So früh schon, dass verheißt nichts Gutes. Aber erst einmal toben wir im Grunewald los. Gerade als wir angekommen sind, fängt es an zu nieseln. Ziemlich schnell geht es in einen starken Regen über. Es regnet Bindfäden. Das stört uns aber nicht. Wenn dadurch unser Spaziergang nicht verkürzt wird. Tantchen hofft auf eine kurze Husche und läuft unbeirrt los. Erst als wir am weitesten Punkt unserer Runde angekommen sind, schwant es ihr, dass es nicht besser wird. Sie gönnt es den Pflanzen und Bäumen. Kleinlich ist sie nicht, sie gönnt jedem alles.

Tropfnass kommen wir wieder zu Hause an. Nicht etwa, dass wir trocken gerubbelt werden. Zuerst zieht sich Tantchen komplett aus und trocknet sich ab. Erst dann sollen wir bearbeitet werden. Na, nu braucht se ooch nich mehr. Nu sin mer fast trocken.  Ganz von selbst.

Dann muss Tantchen los und wir verdauen unser Mittagessen.

Erst ziemlich spät kommt Tantchen wieder und es gibt die Nachmittagsrunde und unsere letzte Mahlzeit. Auf dem Herd köchelt unser Fleisch für morgen. Nicht auszudenken, wenn sie das mal vergessen würde.

 

Tag 78

Diesen Morgen lässt es Tantchen gemütlich angehen. Sie steht erst um 7 Uhr auf. Andere Hunde gibt es am Wasser scheinbar nicht mehr. Wann gehen die anderen Hunde eigentlich mal raus? So ist die Morgenrunde eine gemütlich Trödelrunde. Unterbrochen nur von Hundekeksen und gelegentlichem Herangerufenwerden und dafür dann ein Stück Hundewurst abholen. Aufregend ist das nicht. Aber man kann nicht alles haben.

Mittags fahren wir in den Grunewald und es fängt wieder an zu regnen. Diesmal nieselt es allerdings nur. Uns ist es egal. Hauptsache wir kennen die Wege noch nicht. Tun wir nicht. Es gibt tatsächlich noch neue Wege, die wir noch nie gegangen sind. Toll.

Immer mal wieder entschwinden Enrico und ich aus Tantchens Sichtfeld. Dann überlegt sie erst einige Zeit ob sie uns heran pfeifen soll oder ob sie noch ein wenig wartet. Schließlich will sie nicht als Spielverderber dastehen. Och nö, Spaßbremse noch nicht. Da würde doch bei ihr niemand draufkommen. Schließlich hat sie gelesen, dass das Gehirn nicht unterscheiden kann zwischen wirklichem Lächeln und nur bloßem Mundwinkelverziehen. Es schüttet in beiden Fällen Glückshormone aus. Sie übt noch, ihr Gehirn hat noch nichts verstanden. Da kann sie noch so sehr gequält lächeln, ihr Gehirn schüttet einfach nichts aus. Also zumindest keine Glückshormone.

Keine Ahnung wie die Dinger heißen, die dann immer noch durch ihre Adern kreisen. Mit Glückshormonen haben diese Dinger jedenfalls nichts zu tun.

Leicht durchfeuchtet kommen wir zu Hause an und nach dem Futter gibt es wieder Mittagspause. Wird aber auch Zeit, wird das aber auch. Schließlich ist der Schönheitsschlaf wichtig. Nicht, dass ich unbedingt noch schöner werden müsste, also ich gefalle mir und so dem einen oder anderen Rüden auch. Schaden kann es aber auch nicht, wenn ich zumindest so schön bleibe, wie ich es schon bin.

 

Tag 79

Heute haben wir beim Morgenspaziergang einen sympathischen Rüden getroffen. Leider hatte er Flexileine und konnte nicht wie er wollte. Zuerst hatte Enrico nur von weitem geschnüffelt, gemerkt, dass es ein Rüde ist und ist wieder abgedampft. Als ich aber um den anderen Rüden herum gesprungen bin wurde er doch neugierig und musste auch mal schnüffeln. Der Rüde zeigt sich aber genau so ängstlich, wie es auch der Besitzer ist und so dackelt Enrico ohne einen Angriff zu starten, wieder ab. Der Hund hat nur seinen Ball im Nüschel. Allerdings ist es noch so dunkel, da kann der Ball nur ein wenig auf dem Weg gekullert werden.

In der Zwischenzeit gehe ich immer zur Haustür von der netten Dame, die mich immer füttert, wenn wir sie und ihre rumänische Hündin Shira treffen. Könnte ja sein, dass sie auch gerade mit der Hündin spazieren gehen will. Leider gehen die beiden meist erst später. So auch heute, kein Glück. Tantchen pfeift und ich renne zurück. Muss mir doch mein Stück Hundewurst abholen.

Auf dem Rückweg gibt sich Tantchen große Mühe uns mit einem Stöckchen zum Spielen zu animieren. Ich renne schon mal los. Bin aber zu schnell für Enrico und komme wieder zurück. Da nimmt er mir doch glatt den Stock weg? Frechheit. Musste ich mir sofort zurück holen. Aber Enrico fehlt so die rechte Lust. Zum Glück kommen da gerade die drei Jack Russels, alles Rüden. Ich renne schon mal hin um „Hallo“ zu sagen. Leider spielen die drei nicht. Aber es ist zumindest eine Abwechslung. Enrico will auch hin, besinnt sich dann aber anders, als er riecht wer es ist. Er ist dazu übergegangen sich zu sagen, dass er ab sofort seine Feinde lieben wird. Aha, statt seine Feinde zu lieben sollte er doch lieber seine Freunde mehr pflegen. Denn als ich ihm den Stock wieder weg nehmen wollte, wurde er richtig böse und ich habe mich lieber gleich auf den Rücken geworfen. Er hat sich dann den Stock wieder geholt und ist gegangen. Mit dem ist morgens nichts mehr los.

Mittags sind wir wieder in den Grunewald gefahren. Es hat geregnet. Was auch sonst. Tantchen ist im Sauseschritt durch den Wald. Das war toll. Dadurch sind Enrico und ich noch mehr gesaust. Leider keinen anderen Hund getroffen. Nur andere Spaziergänger. Bei schlechtem Wetter jagt man hier keinen Hund vor die Tür. Nur die Menschen müssen raus. Richtig so.

 

Tag 80

Wie immer ist es beim Morgenspaziergang dunkel. Wie immer macht Enrico Theater beim Anziehen. Schrecklich, wie der sich anstellt. Wie jeden Morgen schaut er sich sein Geschirr, das ihm hingehalten wird, zuerst von allen Seiten an. Nach jeder Seite muss er erst überlegen, ob diese Seite nicht vielleicht doch. Aber nein, er muss erst noch ein paar andere Seiten testen. Er hat es auch schon mal gebracht dem Halsband den Hintern zuzudrehen. Keine Ahnung, ob er damit seine Missachtung aussprechen wollte. Seiner Fantasie sind beim  morgendlichen Anziehen jedenfalls keine Grenzen gesetzt. Dann ist endlich angezogen und ich komme zur Tür um meinen Kopf hinzustrecken. Dann Akira, die sich genauso manierlich anziehen lässt. Inzwischen ist es aber schon besser. Am Anfang, hat Akira erzählt, hat er sich dann zwischendurch auch schon mal wieder in den Korb gelegt. Nur die unbändige Lust am Spaziergang hat ihn früher dazu gebracht dieses verhasste Geschirr anzuziehen.

Gut, er hat dann schon mal viel Energie durch das Geschirr Anziehen verloren. Wir anderen nicht und würden nun wirklich gerne los. Deshalb tobt er vermutlich morgens auch nicht mehr. Keine Energie mehr, das Weichei. Alles beim Anziehen rausgehauen.

So verläuft der Morgenspaziergang gemütlich mit viel Schnüffeln und nach anderen Hunden schauen. Enrico spielt Ball und Akira steht neben Tantchen und bettelt um Futter. So haben wir alle etwas zu tun.

Mittags geht es raus nach Ludwigsfelde. Futterbüchsen verteilen. Dafür müssen wir im Auto bleiben. Also wir würden das Büchsenfutter auch fressen, da brauchen wir nicht im Auto zu warten und spazieren gehen, können wir auch woanders. Aber nein, wir warten im Wagen und Tantchen, mit noch zwei anderen Menschen, verteilen die Futterbüchsen. Dann fotografieren sie das auch noch. Man, das dauert wieder hier. Also ich wurde noch nie beim Fressen fotografiert.  Ist mir aber auch egal, solange das Futter schmeckt. An der Futterstelle sind nun noch 8 Katzen. Sind aber nicht alle gekommen, waren zu scheu und haben lieber gewartet, bis wir alle wieder weg waren.

Anschließend durften wir endlich raus und toben. Hier riecht es so schön neu. Und dann das Feld. Lauter Mäuse wohnen hier. Musste sofort anfangen zu buddeln. Hat solchen Spaß gemacht, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte. War schon halb darin verschwunden als Tantchen darauf bestand, dass wir jetzt weitergehen. Fast hätte ich die Mäusefamilie gehabt. Enrico hat auch kräftig mitgeholfen. Aber nein, wir mussten weiter.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Labrador getroffen. Eine von Enrico Lieblings-kann-ich-nicht-leiden-Rassen. So wurde ich abgepfiffen und Enrico voraus gescheucht.  Man, das ist hier wieder eine Drängelei. Ich scheuche doch auch niemanden, wenn wir mal wieder im Auto warten müssen.

Also ab ins Auto und nach Hause zur nächsten Mahlzeit. Allerdings stehen noch einige Kartons auf dem Vordersitz. Also doch Futter für uns? Sehr vernünftig.

Und dann halten wir schon wieder und die restlichen Kartons werden ausgeladen. Wäre auch zu schön gewesen. Tantchen verschwindet mal wieder, die Büchsen leider auch und für uns heißt es wieder warten im Auto. Wir könnten ja auch mal mithelfen. Also nur so ein Angebot. Katzen interessieren mich nicht weiter – also wenn sie nicht wegrennen. Rennen sie weg und ich bin in Spiellaune, dann fasse ich das als Aufforderung zum Spiel auf. Habe ich keine Lust zum Spielen, dann schaue ich nicht mal hin. Ich stehe mehr auf Enten und Mäuse. Ratten würde ich auch nicht verschmähen. Aber ansonsten warte ich lieber darauf, was in meinem Futternapf wächst.

Doch recht spät kommen wir dann nach Hause. An der letzten Futterstelle musste Tantchen erst einmal Futter hinstellen. Die Katzen sind noch da, aber nicht an allen Stellen steht mehr Futter und eine Katze hat Angst vor dem Dobermann, der auf dem Hof frei rumläuft und auch gerne mal Katzen jagt, vor allem wenn sie Angst haben.

So muss diese Katze auf dem Heuboden gefüttert werden und das macht keiner mehr. Frei nach dem Motto, wenn sie Hunger hat, wird sie schon kommen. Kommt sie nicht, hat sie auch keinen. Nun muss ein Team gebildet werden, das die Katze wieder füttert.

 

Tag 81

Nach dem Morgenspaziergang, Tantchen hat wieder darauf gewartet, dass die Sonne aufgeht. Macht sie aber erst so gegen 7.30 Uhr. Wir gehen aber nur eine Stunde und so sind wir um diese Uhrzeit schon wieder zurück. Aber wenn sie ein bisschen länger darauf hofft, sind die Tage wieder länger und dann wird sie irgendwann auch ihren Sonnenaufgang wieder sehen.

Wieder zurück, gibt es jetzt erst einmal wieder etwas zu Essen. Während Tantchen das Trockenfutter mischt, geht mir Enrico so auf die Nerven, dass ich ihn erst einmal anknurre. Ganz verschüchtert steht er vor der Eingangstür und traut sich nicht weiter. Tantchen schaut mich strafend aus dem Bad an. Tut´s und entschwindet wieder im Bad. Ich nicht faul, knurr Enrico gleich wieder an als er sich mir nähert. Ich hänge heute sehr an meiner schlechten Laune. Es kommt wieder ein strafender Blick aus dem Bad und Enrico bleibt lieber in Tantchens Nähe. Dann gibt es endlich Futter. Enrico bekommt die eine Hälfte im Napf und die andere Hälfte im Futterball. Solch einen Unsinn wollte Tantchen mit mir auch einmal machen. Ich habe aber den Ball nur angesehen und gewartet, dass Enrico ihn bewegt und dann das gefressen, was da raus fiehl. So habe ich diesen Unsinn gleich im Keim erstickt. Nun bekommt nur Enrico den Futterball und ich esse mit, was da so raus fällt. Heute hatte ich aber nicht so die rechte Lust das Trockenfutter aus dem Ball mit Enrico zu teilen und schon gar nicht dem Ball nach zu wetzen. So bleibe ich einfach sitzen als der Ball in meine Nähe rollt und knurre nur einmal ganz leicht. In respektvoller Entfernung bleibt Enrico sitzen und schaut nur traurig auf seinen Ball.

Das Spiel geht nun nur weiter, wenn Enrico den Ball nimmt und ihn Tantchen in die Hand gibt. Erst kommt die Frage:“Wo ist der Ball.“ Und dann muss er genau seinen und keinen anderen Futterball Tantchen in die Hand geben. „Geht nu nich.“ Ich sitze davor und habe ihn gewarnt, ja nicht zu nahe zu kommen. So sitzt er etwas hilflos in gebührender Entfernung und schaut auf seinen Ball. Auf das Kommando:“Wo ist der Ball,“ traut er sich dann doch ganz erleichtert vor und schiebt den Ball noch ein wenig durch die Gegend um das restliche Trockenfutter aus dem Ball zu kugeln.

Nun kommt das Hundewurstspiel und Tantchen versucht mir ebenfalls das Kommando „Such“ beizubringen. Mit mir doch nicht. Während Enrico in dem einen Zimmer sucht verteilt sie schnell im anderen Zimmer ein paar Wurststücke und während ich noch nachschaue, ob ich noch ein paar Hundeballkekse von Enrico finde, stolpere ich zufällig über ein Stück Hundewurst. Dann sagt Tantchen schnell“Such.“ Hat aber zur Folge, dass ich sofort aufhöre nach Hundekeksen zu schnüffeln und Tantchen ganz interessiert anschaue. Meine ja, also meine Hundewurst findet in der Zwischenzeit Enrico und atmet sie ein. Kein Wunder, dass ich heute nicht gut auf ihn zu sprechen bin. Als er wieder in meine Nähe kommt, knurre ich ihn wieder an. Da bekomme ich von Tantchen einen Ärger. Schnell flüchte ich in meinen Hundekorb und bleibe dort für den restlichen Vormittag.

Tantchen meint, Glück ist das einzige Gefühl, das sich verdoppelt wenn man es teilt. Das stimmt nicht. Schlechte Laune auch. Habe ich schlechte Laune und zwicke Dich, dann hast Du auch sofort schlechte Laune und schon hat sie sich verdoppelt. Obwohl weder Enrico noch Tantchen nach der Aktion mit meinem Knurren schlechte Laune haben. Vielleicht sind Glück und schlechte Laune doch etwas anderes.

Mittags fahren wir zur Abwechslung mal wieder an den Grunewaldsee. Es ist nicht viel los, da dass Wetter immer noch regnerisch ist. So reicht Enricos Geduldsfaden mit anderen Rüden fast um den ganzen See. Nur am Eingang und am Ausgang, da wird es eng. Einfach zu viele tobende Rüden auf einem Haufen. Da hilft dann nur noch der Ball. Und manchmal muss er selbst den ausspucken und überlegt dann, dass er jetzt doch mal den einen oder anderen gerne zwicken würde.

 

Ich schaue mir alle Hunde ganz genau an und frage bei dem einen und dem anderen mal an, ob wir nicht spielen wollen. Immer nur Enrico ist doch auf Dauer langweilig. Schön ist es, wenn nur ein Hund mit mir spielt. Bei zwei Hunden, die mir hinterherrennen, wird mir etwas mulmig. Gesellt sich noch ein Dritter dazu, dann renne ich mit eingezogener Rute und hochgezogenem Rücken. Inzwischen renne ich aber nicht mehr vor Tantchen weg, sondern zu Tantchen hin. So ist die Verfolgungsjagd dann schnell beendet.

Wenn Fremde mich anfassen wollen, dann finde ich das bei Frauen sehr schön. Wenn allerdings Männer kommen, bin ich doch noch etwas vorsichtig. Vor allem, wenn sie mich nicht erst mit Futter ranlocken, sonder mich gleich so versuchen zu streicheln. Also ganz so einfach bin ich nicht zu haben. Allerdings habe ich nun mitbekommen, dass fremde Frauchens oft Futter in der Tasche haben und deshalb stelle ich mich auch gern mal vor eine Frau und frage nach Futter. Dafür darf sie mich dann streicheln.

Ein fremdes Frauchen hat mich heute im Grunewald gestreichelt. Meinst Du, sie hat mir anschließend Futter gegeben? Nö. Das war gemein. Das Frauchen im Park mit der Hündin Shira bringt mir nicht nur Betteln bei fremden Menschen bei, sondern sie findet es auch lustig, wenn ich hochspringe. Das mache ich nun immer bei ihr. Mal sehen, was andere Frauchens zu diesem Kunststück sagen. Vielleicht bekomme ich dann auch Futter von denen.  Tantchen meint ja, dass ich diesen Blödsinn schnell wieder vergessen soll, freut sich aber doch, dass ich nun so viel Vertrauen in die Menschen habe, dass ich ganz von allein zu Frauen gehe. Muss mal den Männern sagen, dass sie demnächst Futter mitnehmen sollen. Dann klappt das auch bei  mir mit dem Streicheln.

 

Tag 82

Es will einfach nicht hell werden. Egal, Tantchen muss aus dem Bett gebracht werden. Ich rate Enrico es mal mit dem Bauchspringtrick zu versuchen. Das schöne an ihm ist, er ist jeder Zeit zu jedem Blödsinn bereit. So rennt er erst über Tantchen der Länge nach hinweg und als das nichts hilft, kommt der Sprung auf den Bauch. Nun sitzt sie schon mal und kann bei der Gelegenheit gleich auf die Uhr schauen. Macht sie auch und springt schnell aus dem Bett. Na also. Geht doch.

Nach dem Morgenschmusen ab ins Bad und los geht es. Aha, heute wurde keine Hundewurst geschnitten. Na, das ist ein Ding. Also nur Kekse zur Belohnung. Da muss ich erst sehen ob es sich dafür lohnt sich anzustrengen.

Am Wasser soll ich vor dem Keks erst „Sitz“ machen. Nö, nicht für einen Keks. Enrico sitzt natürlich sofort und würde mich am liebsten zwicken, weil er nun seinen Keks auch noch nicht hat.

„Hey ja, für einen Keks mache ich nicht Sitz. Ich nicht.“

„Machst Du doch bei Shiras Frauchen auch Sitz für einen Hundekeks.“

„Das ist doch ganz was anderes, bei Tantchen habe ich den Hundekeks immer bekommen ohne Sitz zu machen und nur weil ich das bei der fremden Frau mache heißt das nicht, dass dies inflationär nun für alle gilt.“

„Wenn ich deinetwegen noch länger warten muss, dann zwicke ich Dich aber in jedem Fall.“

So setzte ich mich dann brav hin, nicht ohne vorher noch zwei Schritte zurückgegangen zu sein. Schließlich muss ich hier gleich klar machen, dass dies eine absolute Ausnahme ist.

So gehen wir weiter spazieren. Und als Tantchen gerade so schön am Hundewürstchen einsammeln ist, kommt von der Seite eine große schwarze Nase. Shira schaut mal nach, was da so eingesammelt wird. Manchmal kann man das noch essen. O.K. Das hier nicht. Enrico hat noch den Ball in der Schnute und kann nicht spielen. Ball ist wichtiger. So düse ich schon mal los um mit Shira zu spielen. Der Ball wird eingesammelt und Enrico muss nun auch hinterher. Leider kläfft er immer vor Freude, was allen Anwesenden tierisch auf die Nerven geht. Haben wir ihm auch schon oft gesagt, hilft aber nichts.

Shira ist zwar die Größte von uns Dreien, aber sie hat die geringste Kondition. So rennt sie schließlich runter ans Wasser. Sehr zur Freude ihres Frauchens, die sofort zu schreien anfängt. Sie schreit immer „Shira nein, Shira nein.“ Shira kümmert es nicht. Nachdem sie nun mit den Pfoten im Wasser steht schaut sie erst einmal, ob auch alle gucken. Dann legt sie sich rein. Ihr Frauchen ist nun absolut entsetzt. Und wir anderen stehen andächtig am Ufer. Also ich habe gehört, dass das Schwimmen im Winter angeblich sehr gesund sein soll und von vielen Menschen als Vergnügen praktiziert wird. Also ich komme aus Griechenland und das wäre mir dann doch viel zu kalt. Enrico auch, obwohl er nicht aus Griechenland kommt. Akira kommt zwar aus Schottland, ist ihr aber trotzdem zu kalt. Außerdem hat sie es mit den Knochen, sagt Tantchen.

Nachdem Shiras Frauchen lange genug geschimpft hat kommt Shira wieder raus aus dem Wasser und weil ihr jetzt kalt ist, stürmt sie gleich los. Wir anderen hinterher. Nur Akira bettelt wie immer um Futter. Zu schnelle Bewegungen schaden der Figur, meint sie immer.

Mittags gehen wir wieder nur ans Wasser. Heute soll ein neuer Weg ausprobiert werden. Also müssen wir alle zwischendurch an die Leine, weil eine Straße überquert werden muss. Kommt gar kein Auto aber bitte.

Auf der anderen Seite sieht es ganz nett aus. Leider wird der Weg aber schmaler, die Grünpflanzen hören auf und so ist auf der einen Seite ein Bauzaun und auf der anderen Seite das Wasser. Ich gehe mal vorsichtig an die Flusskante und schaue mal nach, ob es hier eigentlich Enten gibt. Nö, nur lauter große Schiffe. Langweilig. Also wieder nur ein Weg zum Schnüffeln und nicht zum Rennen. Na ja. Die Qualität der Spaziergänge hat hier deutlich nachgelassen.

Irgendwo können wir endlich abbiegen. Aber gerade an der Stelle gibt es wieder einen Uferstreifen und da sitzen wieder Enten. Enrico und ich nichts wie los. Alles Pfeifen nutzt nicht, wir kommen nicht bevor nicht auch noch die letzte Ente ins Wasser gescheucht worden ist. Schade, hätte gerne eine verputzt. Nun wird der Pfiff aber so scharf, dass ich den Gedanken gleich wieder vergesse. Auf dem Rückweg ist nun auf der einen Seite eine Straße und auf der anderen Seite ist wieder ein Bauzaun. Das ist doch wohl nicht wahr. Was ist das für ein langweiliger Spaziergang? Also hier möchte ich nicht mehr her. Das findet allerdings Tantchen auch. Uff. Gut, dass dies geklärt ist.

Am Nachmittag gehen wir Hundefleisch kaufen. Gut, dass dies über die Weihnachtsfeiertage nicht vergessen wurde. Nicht auszudenken die Läden haben zu und unser Fleisch ist alle. Ist zwar auch wieder nur Straße, aber das Ziel ist schön. Leider ist die nette Tante im Hundefleischerladen heute müde und überarbeitet. Es gibt nichts über die Ladentheke. Dafür nimmt Tantchen wieder Markknochen mit. Uih, das wird wieder lecker.

Auf dem Rückweg kracht schon der erste Böller. Ist noch nicht mal Weihnachten. Wo haben die das schon her? Da ich mich doch ganz schön erschrecke, habe ich fast bis nach Hause Leine. Enrico nicht, den hat das nicht gestört. So ein bisschen Krach, meint er.

 

Tag 83

Es nieselt und wird nicht richtig hell. Schlecht für Enrico und sein Ballspiel, gut für mich und meine Futtersuche am Wasser.

Tantchen pfeift und ich komme glücklich strahlend, meine Schnute leckend angerannt. Sofort hat Tantchen schlechte Laune. Sie ärgert sich, wenn ich irgendwo rumfresse, wie sie es nennt. Ha! Wie ist das mit dem Glück und dem Teilen und es verdoppelt sich dadurch? Also meine Gute Laune ist scheinbar nicht ansteckend.

Zu Hause gibt es Futter und ich halte einen ausgiebigen Verdauungsschlaf. Will alles wohl verdaut sein, was ich da so weggemampft habe.

Mittags fahren wir wieder in den Grunewald. Wir versuchen immer neue Wege zu finden damit wir Hunde uns nicht langweilen. Richtig so.

Plötzlich hören wir in der Stille die Krähen furchtbar schimpfen. Hört sich fast an wie in Mordor. Kommen jetzt die Orks? Nö, es ist die Polizei. Tantchen wird es etwas mulmig. Schließlich sind wir hier im Naturschutzgebiet mit Leinenzwang. Laut trampelnd kommt eine Gruppe von 20 Polizisten angerannt. In voller Montur. Mit Helm, dicken Stiefeln und den Polizei Jacken, unter denen die Kugelsichere Weste locker Platz hat. Sie stolpern einen anderen Weg entlang. Wir sind elegant ausgewichen. Schließlich wollen wir eine Übung der Polizei nicht behindern. Die Sorge hätte ich mir nicht zu machen brauchen. Sie trampeln jetzt querfeldein weiter. Obwohl überall Schilder stehen, dass bitte niemand die Wege verlässt, um die Wildkräuter nicht zu zerstören. Na, wenn es doch um einen Einsatz oder zumindest eine Übung für den Ernstfall geht!

Wir haben uns also weggerettet und schauen uns das Gekeuche und Gejapse lieber aus der Entfernung an. Zwei Männer tragen etwas, das sieht aus wie ein Tannenbaum. Sollten die Polizei hier mit Einsatzstärke in den Wald gerannt sein um heimlich einen Baum zu  schlagen? Also wir sind alle sprachlos.

Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist und wir wieder die Stille genießen können, fangen die Krähen schon wieder an zu kreischen. Tatsächlich, die Polizisten kommen zurückgerannt. Vielleicht haben die sich verlaufen und finden nun nicht mehr raus. Die Bauriesen rächen sich für das schlagen der Tanne. Aber da sehen wir, was aussieht wie ein Baum ist in Wirklichkeit eine Bahre.  In den Grunewald zu gehen und einen Baum heimlich für das Revier zu schlagen , hätte selbst die Berliner Polizei nicht gebracht. Obwohl sie seit dem G20 Gipfel im Jahr 2017 in Hamburg den Ruf hat, ein recht lockerer Haufen zu sein. Was soviel heißen soll wie :“ Wir haben es gerne lustig.“

Akira verbessert mich, es ist eine Trage und keine Bahre. Also, so wie die damit durch den Wald hoppeln , ist, sollte das , was da drauf geschnallt worden ist nicht schon vorher tot gewesen sein, dann anschließend garantiert tot sein.

Wir verdrücken uns jetzt lieber aus dem Wald. Nicht auszudenken, was die hier noch alles an Übungen absolvieren. Zuhause ruft das Futter und anschließend der Mittagsschlaf. Gibt es etwas Schöneres?

 

Tag 84

Es ist Weihnachten. Bei uns in Griechenland war dies immer das Fest der Familie und der Liebe. Hier scheint es das Fest des großen Fressens zu sein. Also nicht, dass ich mich beschweren möchte. Ich esse schließlich gerne. Und Tantchen hat viel leckeres Fleisch für uns gekauft. Keine schlechte Idee. Nur verstanden habe ich immer noch nicht, was Essen mit Liebe zu tun hat.

Aber erst einmal muss Tantchen aus dem Bett gebracht werden. Sie weigert sich aufzustehen, weil es erstens ein Feiertag ist und zweitens viel zu dunkel um schon nach 7 Uhr zu sein. Selbst Enricos Versuche unter die Bettdecke zu kommen und dann Tantchen mit seiner feuchten Zunge nass zu lecken, führen nur zu einem unwilligem Tantchenknurren.

Also auf sie rauf gesprungen und freudig gewinselt. Ich gebe auch alles und springe  mal versuchsweise aufs Bett. Allerdings fliege ich sofort wieder raus. Und Tantchen steht auf. Na also. Als wir endlich aus dem Haus kommen ist es fast acht Uhr. Tantchen weigert sich dies zu glauben. Jede Uhr, die wir unterwegs sehen, lügt, behauptet sie. So dunkel um acht Uhr, unmöglich. Nö, geht. Schließlich ist jetzt schon acht Uhr. Egal, Hauptsache wir sind unterwegs.

Zuerst geht alles seinen gewohnten Gang. Ich begrüße alle Hunde, die wir hier so treffen. Enrico spielt mit seinem Ball und Akira stellt sich für Hundekekse bei Tantchen an. Also, alles wie immer. Dann treffen wir einen süßen kleinen Münsterländermix. Ich renne freudig hin. Enrico nicht faul ebenso. Tantchen, schon mal wieder von einer Hundetrainerin verdorben, knurrt vorbeugend. Das sollte sie doch aber langsam wissen, dass dies bei Enrico nur dazu führt, dass er ab geht wie eine Rakete. Enrico also nicht faul und sofort rauf auf den anderen Rüden. Zu Enricos Freude hat er ein Mäntelchen an und Enrico kann so richtig schön dort rein beißen und daran zotteln. Tantchen versucht ihn vergebens einzufangen. Erst als er  ein paar Mal ordentlich an dem Mäntelchen gerüttelt hat trennt er sich von dem Rüden und wird am Schlawitchen gepackt, zu dem anderen Rüden getragen und auf die Seite gelegt.  Das ist nun wirklich rabiat und gemein. Außerdem bringt es nichts, weil der andere Rüde sich von seinem Herrchen nun nicht mehr einfangen lassen will, um an Enrico zu schnüffeln. Er kommt einfach nicht und hält lieber Abstand. So wird Enrico endlich wieder losgelassen und will sich gleich wieder auf den Rüden stürzen. Diesmal lässt er sich aber davon abhalten. Noch mal so grob behandelt zu werden, dazu hat er am Tag der Liebe nun wirklich keine Lust. Ha, wo bleibt hier das Fest der Liebe, hä? Akira meint nur trocken:“ Weihnachten fängt erst am Nachmittag an.“ Aha! Dann sollte sich in Zukunft Enrico lieber bis zum Nachmittag gedulden, bis er sich wieder auf einen anderen Rüden stürzt.

Vielleicht hat Tantchen nun mal endlich gelernt, dass Enrico in Situationen mit anderen Rüden es gar nicht gut verträgt, wenn er angemeckert wird. Das wirkt bei ihm wie ein Startschuss.

Vor dem Mittagsspaziergang wird eine Kerze angezündet und der Menschen und Tiere gedacht, die es nicht so gut haben wie wir.

Im Spätsommer hatten wir einen Freund, es war ein junger Mann und er schlief auf der Parkbank am Wasser. Tantchen hatte ihm öfter Geld gegeben und gebeten, doch um Hilfe zu bitten, da er noch zu jung sei, um weiter auf der Straße zu leben. Irgendwann hatte er entweder keine Lust mehr sich anzuhören, dass Tantchen ihm gerne helfen würde wieder Tritt zu fassen und hat sich entweder selbst  Hilfe gesucht oder eine andere Parkbank.

Wie schade, wenigstens können wir herrenlosen Katzen eine Freude machen mit unserer Futterspende. Dafür fahren wir jeden 2. Tag um die 40 km. Natürlich müssen wir dann immer im Auto warten. Schade, ich hätte gerne mal geschaut, was die Katzen immer so bekommen.

Nach dem Beissvorfall hat Enrico erst einmal Leine. Später wird noch einmal Ball gespielt. Allerdings scheint Enricos Adrenalinspiegel noch so hoch zu sein, dass er, als Tantchen den Ball  in der Hand hat, um ihn erneut zu werfen, Enrico hoch springt und versucht den Ball aus ihrer Hand zu reißen. Nun ist endgültig miese Stimmung. Der Ball kommt weg und wir müssen zurück. Also wirklich, was soll das jetzt?

Weil heute Weihnachten ist wird auf dem Rückweg doch noch einmal der Ball rau geholt. Das ist jetzt nicht mehr so richtig dolle, da hier ein wenig der Platz fehlt. Ein Postbote, warum fährt der hier lang? Hier ist doch niemand. Vielleicht landet hier ein Teil der Post, auf die wir vergeblich gewartet haben? Der Mann, der die PIN-Post ausfährt, hat aber scheinbar keine Lust auf einen Nahkampf mit uns drei Hunden. Er dreht kurzentschlossen wieder um.

Zurück gibt es erst einmal eine Extraportion Fleisch für jeden. Wie gesagt, das Fest den Essens.  Tantchen überlegt die ganze Zeit, was sie noch vergessen hat zu kaufen, damit der Braten ein Genuss wird. Jetzt endlich ist sie zu der gesunden Überzeugung gelangt, was wir nicht haben, brauchen wir auch nicht. Gute alte DDR Mentalität. Hat so viele Jahre überdauert. Dann wird sie doch wohl dieses Weihnachtsfest noch schaffen.

Mittags fahren wir in den Grunewald. Wird jetzt aber auch langsam langweilig. Obwohl wir schon versuchen jeden Tag einen neuen Weg zu finden. Ein paar fremde Hunde könnten wir wenigstens hier mal treffen. Enrico findet es ganz in Ordnung so, muss er sich nicht aufregen. Akira sowieso. Ihr ist alles recht. Hat dieser Hund so gar keine Interessen mehr, außer Fressen? Wird man im Alter so? Ich etwa auch? Nun treffen wir doch noch jemanden. Leider keinen Hund. Ein altes Ehepaar. Die Dame schaut sehr verkniffen. Ist sie böse oder schaut sie immer so? Als wir vorbei sind, ruft sie uns hinterher, dass es eine Frechheit ist, die Hunde ohne Leine und dabei ist hier Leinenpflicht. Recht hat sie. Schade nur, dass sie sich gerade zum Fest der Liebe so darüber ärgert. Sollte man da nicht milder gestimmt sein? Tantchen reagiert nicht. Also laut genug hat sie gerufen, das sollte selbst Tantchen gehört haben. Sollte ich mir über ihre Schwerhörigkeit Sorgen machen?

Endlich lässt sich Enrico zu einem Spiel überreden. Nur weil ich ihn versehentlich schon mal oder öfter mal, im Eifer des Gefechts, gezwickt habe. Das kann doch mal passieren.  Akira steht nur staunend da und wundert sich, dass so etwas Spaß machen kann. Am liebsten rennen wir die Berge rauf und runter. Da kann man so richtig viel Energie los werden.

Kurz bevor wir den Wald verlassen begegnen wir dem älteren Ehepaar erneut. Sie schaut immer noch sehr böse. Er lächelt genau wie vorhin. Tantchen wartet darauf, dass sie wieder etwas sagt. Tut sie aber nicht. Ah, sie hatte es doch gehört.,

Was ich mich allerdings frage, warum schaut die Dame immer so böse. Wie schaut sie in den Spiegel- oder wenn sie an Geschäften sich plötzlich mal im Spiegel sieht? Und was denkt der Mann darüber? Möchten wir selber den lieben langen Tag in solch ein böse dreinblickendes Gesicht schauen? Sind wir nicht alle für unseren Gesichtsausdruck selber verantwortlich? Menschen sind schon merkwürdig. Also mein Gesichtsausdruck ist immer freundlich. Ich kann auch lächeln. Mh! Mache ich auch gern. Vor allem wenn ich einen schnieken anderen Hund treffe oder wenn es Futter gibt.

 

Tag 85

Feiertag, natürlich schläft Tantchen bis in die Puppen. Es ist schon 8 Uhr als Enrico es endlich schafft sie aus dem Bett zu werfen.

Am Wasser ist es nun endlich mal wieder hell und die Krähen kommen in rauen Mengen und wollen ihre Erdnüsse. Hatte ich schon erwähnt, dass ich es sterbenslangweilig finde, jeden Tag den gleichen Weg zu gehen? Tantchen möchte hier keine neuen Wege ausprobieren. Sie meint, hier haben wir schon alles weggefressen. Auf neuen Wegen könnten wir noch jede Menge finden. Och, diese Einstellung finde ich aber schade.

Mittags geht es wieder in den Grunewald. Über die Weihnachtstage ist es überall voll und zu viele andere Hunde möchte Tantchen nicht treffen. Strapaziert zu sehr ihre und Enricos Nerven.

Wir versuchen also neue Wege zu entdecken. Die finden wir zwar nicht, dafür steht aber plötzlich, wie aus dem Boden gewachsen, ein fremder Hund auf unserem Weg.

Wo gehört der hin? Ah, er verschwindet wieder. Fast schade. Hätte ihn gerne begrüßt. Und schau, da ist er wieder. Diesmal hat er seinen Kumpel mitgebracht. Enrico hat es auch schon gerochen und steht etwas unschlüssig rum. Der Kumpel läuft zurück zu den Besitzern, die inzwischen auch aufgetaucht sind. Nur der Jagdhund, der uns längst gerochen hat, steht in einer eindeutigen Jagdhaltung da und schaut zu uns rüber. Hält der mich etwas für ein Kaninchen – oder was? Frechheit. Traue mich aber auch nicht so recht weiter und wedele mal, so ein wenig ungewiss, mit meinem Schwanz. Nun stehen wir alle vier wie bestellt und nicht abgeholt hier rum und hoffen, dass die Menschen nicht zu uns rüberkommen. Machen sie auch nicht, sie biegen ab, schauen aber ständig zu uns rüber, bleiben stehen und gucken, gehen weiter und gucken. Was denken die, was wir hier machen? Wölkchen zählen? Oder glauben sie, wir könnten hier auch auf den gestrigen Tag warten? Endlich haben wir so viel Abstand, dass wir weiter können. Uff! Endlich.

Kurz vor dem Ausgang treffen wir noch auf ein Paar mit zwei Hunden. Enrico weiß nicht, was er jetzt machen soll, ich gehe schon mal zur Begrüßung hin. Wie bei uns, ein großer und ein kleiner. Die große ist, auch wie bei uns, die Hündin, der kleine ist der Rüde. Die Hündin stürmt los und wir natürlich nichts wie hinterher. Das ärgert nun aber den Kleinen, der diese Unruhe so gar nicht leiden kann und immer versucht seine Kumpeline zu zwicken. Sie soll endlich aufhören und Ruhe geben. Bleibt sie stehen, rennen entweder Enrico oder ich los. Und die Hündin nichts wie hinterher. Schließlich greifen die Besitzer ein und rufen den Rüden zur Ordnung. Das stört den aber nicht. Der fremde Rüde wird nur noch wilder und springt nun fast auf  seine Freundin drauf. Dazu muss er immer Anlauf nehmen, da er deutlich kleiner ist. Das sieht lustig aus. Ärgert aber die Besitzer. Sie werden immer böser im Ton. Tantchen hätte ihnen erklären können, dass das so nicht geht. Kennen wir von Enrico. Scharfer Ton ruft nur eine umso schärfere Reaktion des Hundes hervor. So bleiben sie stehen und wollen uns vorbeilassen. Schade eigentlich. Fand die Hündin richtig toll. Wie schön, dass Enrico so gerne mitspielt und falls mal nicht, verbietet er mir mein Spiel auch nicht. Die Truppe hier ist schon in Ordnung.

 

Tag 86

Noch ein Feiertag und Tantchen schläft nun aber wirklich zu lange. Wo soll das hinführen? Hier scheint das blanke Chaos zu regieren. Endlich am Wasser, und wie jeden Morgen, renne ich sofort zu dem Frauchen von Shira. Muss mir meine Kekse abholen, solange die Hündin noch beschäftigt ist.

Enrico und Shira düsen über die Wiese und ich versuche es noch mal mit „Sitz“ vor ihrem Frauchen. Gibt noch einen Keks. Schön.

Dann treffen wir Schröder. Der nette kleine Münsterländermix, den Enrico erst so am Hemd hatte. Deshalb bekommt er nun Leine und wir anderen wollen Schröder gerne begrüßen gehen. Da steigt ein lieblicher Duft in meine Nase. Ein Waschbär und er lebt noch. Scheint krank zu sein. Was für eine köstliche Mahlzeit. Der fremde Mann verscheucht mich allerdings. Ach so, sein Essen. Schade. Das wäre ein Festtagsbraten gewesen.  Der Mann hat den Verdacht auf Staupe und will schnell nach Hause und die Polizei rufen. Schröder und er verschwinden und so stehen wir alle ein wenig gelangweilt da rum. Mein Vorschlag wäre es, nun wo wir alleine sind, könnten wir den Waschbären uns holen und dann aufessen. Gut, ich würde ihm auch etwas übrig lassen. Aber schon einmal anfangen könnten wir doch jetzt.

Da kommt er auch schon wieder. Also wenn wir so langsam sind, dann kann das mit dem Braten auch nicht gelingen. Er hat die Polizei angerufen, die schicken einen Streifenwagen und der Waschbär wird dann erschossen. Tantchen schaut zweifelnd. Das ist unsere Chance, lasst uns jetzt endlich loslegen. Also ich bin bereit. Nun meint Tantchen, dass sie den Waschbären doch lieber einschläfern würde. Das wäre vielleicht doch humaner und ob die Polizisten denn wüssten, wo sie hinschießen müssten? Das wusste nun auch keiner.

So gingen wir dann im schnellen Schritt nach Hause. N,a super, den Braten bekommen wir nicht und den Spaziergang dürfen wir nun auch nicht mehr genießen. Selbst die Krähen schauten enttäuscht. Gab es doch nur eine Handvoll Erdnüsse und wir düsten alle weiter.

Zu Hause gab es auch nichts zu essen. Na, das kann ja heiter werden. Tantchen nahm Medikamente und entschwand. Enrico und ich mussten uns zur Frustrationsbekämpfung erst einmal ein Stofftier holen und ein wenig Zotteln spielen.

Zurück beim Waschbären wurde der erst einmal in Narkose gelegt und dann kam auch schon die Polizei. Tantchen fragte an, ob man nicht schauen könnte, ob das Tier vielleicht nur verletzt ist, dazu müsste es eine Stelle, beim Förster oder so, geben, wo das Tier bleiben könnte. Zu schnell für die Polizei. Zuerst mussten die Personalien aufgenommen werden. Was, Tantchen hatte keinen Ausweis dabei? Keinen Ausweis haben, aber Medikamente zum Einschlafen lassen? Das is ja doll!

Tantchen erklärte, dass sie die gerade eben erst geholt hätte, sie würde mit solchen Medikamenten nicht jeden Tag einen Hundespaziergang machen. N,a meinten die Polizisten, sie könnte auch gerade auf dem Weg zu einem Patienten gewesen sein. Verstört schaut Tantchen an sich herunter:“ So?“ Also ich muss zugeben, mit dem Outfit war nun wirklich kein Staat zu machen. Olle Jogginhose – immerhin passend zu Weihnachten in rot –  dazu blaue Socken und braune Schuhe. Immerhin passt der Hundemantel mit blau wieder zu den Socken. Der Besitzer von Schröder ist etwas besser angezogen, was nun wirklich keine Kunst ist. Am besten war noch der Penner angezogen, der sich inzwischen aus Freude an der Geselligkeit, auch dazu gesellt hat. Vielleicht verrät er Tantchen mal, wo es solche schicke Kleidung gibt. Muss ich mich nicht mehr mit Tantchen so schämen, muss ich mich da nicht. Fragt sie natürlich nicht. Schade.

Nach längerer Beratung erfahren die Polizisten über Funk, dass Tantchen tatsächlich eine Tierärztin ist  und kein Förster einen kranken Waschbären nehmen will. Also erhält Tantchen die Erlaubnis das Tier zu töten. Da hat sie richtig Glück gehabt. Wenn sie jetzt nur eine Tierarzthelferin wäre und um zu helfen, die Medikamente aus der Praxis besorgt hätte, dann würde sie jetzt jede Menge Ärger haben. Wie schön, dass wir die Hilfsbereitschaft der Menschen so fördern. Hilfste, kannste Ärger kriegen, hilfste nich, kannste och Ärger kriegen. Also musste selber wissen, wat de machst. Am besten zu Hause bleiben. Kann nüscht passieren. Schlecht für uns Tiere.

Das hat nun lange genug gedauert. Die Polizei packt den Waschbären ein und entschwindet, und wir kommen endlich nach Hause und es gibt Futter. Also wirklich, das hat nun aber sehr lange gedauert. Erst den Waschbären verschwenden, den hätten wir doch wirklich essen können und dann auch noch so spät erst Frühstück.

Nicht einmal richtig Verdauungsschlaf halten konnten wir, dann ging es schon wieder ab in den Grunewald zum Mittagsspaziergang. Anschließend musste Tantchen los und versucht für Silvester ein Quartier zu bekommen. Sowohl im Ort als auch in der Stadt ist letztes Jahr viel zu viel geknallt worden. So will sie dieses Jahr, vor allem meinetwegen – weil ich doch recht schreckhaft auf Knallen reagiere – ein Hotelzimmer auf dem Land erwischen. Abends kommt sie wieder. Entweder sind sie voll oder Hunde sind nicht erlaubt. Warum?

 

Tag 87

Weihnachten ist vorbei. Wird aber auch Zeit. Habe schon gesehen, dass unser Hundefleisch langsam zur Neige geht. So führt unser Mittagsspaziergang auf dem Rückweg am Hundefleischer vorbei. Lecker. Leider gibt es heute nichts für uns Hunde über die Theke. Das wird zu dem anderem Futter in den Beutel gesteckt. Das ist doch gemein. Ich hätte jetzt gut eine kleine Zwischenmahlzeit vertragen. Die Dame, die uns unser kostbares Hundefleisch verkauft, ist immer fröhlich und freundlich.  Vermutlich weiß sie auch, dass jemand der kein Lächeln im Gesicht hat, erst gar nicht den Laden aufzuschließen braucht. Also unsere ist so freundlich, sie könnte ruhig jeden Tag den Laden aufschließen.

Wieder zu Hause bekommen wir unser Mittagessen und gleichzeitig wird ein Teil des neu gekauften Fleisches gekocht. Das riecht vielleicht gut. Gibt aber keinen Nachschlag. Hier warten vielleicht Herausforderungen. Bei diesem wundervollem Duft sollen wir jetzt schlafen. Na ja, Enrico schläft sowieso nicht. Er will immer erst noch spielen.  Heute tute ich ihm den Gefallen und springe dabei gern vor Tantchens Füßen rum. Wenn sie über mich lachen muss, dann gibt es vielleicht einen kleinen Belohnungshappen. Nö, gibt es nicht. Dann kann ich auch schlafen. Findet Enrico nicht. Soll er doch allein spielen. Macht er auch noch eine Weile. Schließlich muss der Angeber uns allen zeigen, dass er der Temperamentvollste ist.

Nach dem Mittagessen gibt es eine Stunde Cesar Millan. Tantchen möchte schauen, ob es Unterstützung bei der Erziehung von Enrico gibt. Ein Hundetrainer hatte ihr gesagt, dass Problem mit Enrico und seiner Rüdenaggressivität sei Tantchens Unsicherheit. Sie hätte schon vor dem Angriff von Enrico Angst vor einem Angriff und so würde Enrico eben angreifen. Tantchen meint, dass sie sich nicht unsicher fühlt. Erst wenn Enrico steif wird und versucht seinen Kopf über die Schulter des anderen Hundes zu legen, wird Tantchen unruhig. Die Aufgabe besteht allerdings darin vorher Enrico abzulenken. Nur diesen Moment zu erkennen, das ist das Problem. So ist Tantchen dazu übergegangen, dass Enrico jederzeit gut gehorchen muss. Zuerst wird zu Hause geübt à la Martin Rütter. So klappt es jetzt mit anderen Rüden so, dass Enrico unsicher zu Tantchen schaut, trifft er einen fremden Rüden. Sie spricht dann mit hoher Stimme und lobt ihn. Trifft er einen von seinen Todfeinden, auf die er sich vorher immer sofort gestürzt hat, dann kommt er jetzt angerannt und fordert seinen Ball.  Dann rennt er, mit dem Ball in der Schnute, an dem fremden Rüden vorbei. Er behält zur Sicherheit den fremden Rüden im Blick. Die Ursache für seine Aggressivität ist seine Unsicherheit. Er hat nervöse, aufgeregte Energie. So meint Tantchen. Zwei erfahrene Hundetrainer meinen allerdings, er wäre dominant aggressiv. Für Tantchen ist der Unterschied darin erkennbar, dass er vor allem aufgeregte Hunde nicht mag und sich sofort auf sie stürzt. Tantchen übt sich in Gelassenheit, indem sie, wie eine Schlaftablette, Enrico laufen lässt. So versucht sie ihm zu zeigen, dass alles in Ordnung ist.

Endlich kommt der Nachmittagsspaziergang. Freudig sind wir auf der Straße unterwegs. Dann kommt, auf der anderen Straßenseite, ein fremder Hund. Ich sofort rüber. Tantchens Rufe verhallen ungehört. Und schon gibt es Ärger. Der Rest des Rudels kommt ebenfalls rüber und ich bekomme geschimpft. Menno, es kam doch gar kein Auto. Wie kann man nur so pingelig sein. Den restlichen Spaziergang habe ich Leine. So kann ich aber keine Pfütze machen. So nicht. Also werde ich kurz vor der Tür doch noch einmal von der Leine gelassen und mache nun doch noch ein Pfützchen.

Und nach dem Spaziergang gibt es das leckere Hundefleisch, dass schon die ganze Zeit so wunderbar riecht.

 

Tag 88

Heute treffen wir mal wieder Shira beim Spaziergang und vor allem ihr Frauchen. Nach einigen Belohnungshappen kommt endlich der Rest des Rudels und Enrico kommt angedüst, um mit Shira zu spielen. Ich mache mit. Als wir eine Pause brauchen, stellen wir uns bei den Menschen an, um mal zu sehen, ob wir einen Keks abstauben können. Tantchen holte ihre Hundewurst hervor und gab uns allen ein Stück. Shira frisst nicht alles und überlegte erst, ob sie das Stück nehmen soll oder nicht. Wir anderen  stehen in gebührendem Abstand und warten, was passiert. Plötzlich verändert sich der Ausdruck von Shiras Augen. Auch Tantchen hat es gesehen. Nur Akira leider nicht. Sie bleibt, hoffend auf ein Stück Hundewurst, stehen.

Im Bruchteil einer Sekunde stürzt sich Shira auf die nichts ahnende Akira. Tantchen hat, wie immer, die Hände voll. So kann sie die wütende Shira nicht greifen. Tantchen versucht, ohne etwas zu sagen, Shira zu greifen. Sie hat bei Enrico gelernt, dass Schreien oder lautes Rufen die Situation nur verschlimmert. Allerdings erwischt sie ihr eigenes Frauchen und haut ihr erst einmal, laut schimpfend, eines auf den Po. Enrico nicht faul, hat in der Zwischenzeit das Stück Hundewurst gefressen, das im Getümmel auf den Boden gefallen ist. Ich bin von dem Hundekampf und dem Geschrei etwas verunsichert. Ich gehe zu Shiras lieben Frauchen und möchte zeigen, dass ich ganz lieb bin. Leider schreit sie schon wieder ganz aufgeregt und diesmal meint sie auch noch mich. So werfe ich mich erst einmal auf den Rücken. Leider wollte sie mit dem Geschrei nur verhindern, dass ich versehentlich in einen Haufen „Schönchen“ trete. So habe ich mich direkt hinein fallen lassen, was zu noch mehr Geschrei von ihr führte. Nun bin ich ganz verwirrt und schaue zu Tantchen. Tantchen steht da und lacht. Also, alles nicht so schlimm.Aber was hatte Shiras Frauchen nur?

Ich stehe also wieder auf und habe den Abdruck des Hundehaufens an meiner Schulter kleben. Tantchen nimmt`s gelassen. Ich komme zu Hause in die Badewanne, wird mir versprochen. Kenne ich noch nicht. Bin also sehr gespannt. Muss sagen, es hört sich lustiger an als es ist. Zum Glück wird nur meine Schulter gewaschen.

Mein Frühstück tröstet mich und ich gehe anschließend zum Verdauungsschlaf in meinen Korb.

Mittags geht’s in den Grunewald.  Dort treffen wir einen Zwegschnauzer an der Flexileine. Erfreut begrüßen wir ihn alle drei. Selbst Enrico hält sich zurück und ist höflich. Die Besitzerin des Schnauzers versucht uns zu verscheuchen. Tantchen pfeifft uns also zurück. Schade, konnte mich noch gar nicht richtig mit ihm unterhalten. Die beide Damen kommen uns nun auf unserem Weg entgegen. Tantchen fragt nach, wie das jetzt gehen soll, wenn sie uns doch nicht treffen wollen, uns aber entgegen kommen, dann treffen sich die Hunde zwangsläufig. Die fremde Dame meint, wir könnten auch alle an die Leine genommen werden, dann könne nichts passieren. Da kennt sie aber Enrico schleckt. An der Leine, auf einem Trampelpfad, kommt der fremde Hund, ohne von Enrico gezwickt zu werden, nicht vorbei. Tantchen, die Angeberin, verlangt nun von uns, dass wir ohne Leine „Fuß“ gehen. Akira und ich gehen ganz lieb. Nur Enrico rast immer wieder los. Typisch, der Unruhebolzen. Einfach schlecht erzogen, der Kleene.

Kurze Zeit später kommen wir auf eine große Wiese. Kaum betreten wir sie, bleibt eine Frau, mit zwei kleinen Kindern, wie erstarrt stehen. Obwohl wir noch ca 100 m weit entfernt sind kann ich ihre Angst bis hierher riechen. Also biegen wir in einen anderen Weg ein.  Auch die Erleichterung dieses Trios ist spürbar und wir können sie riechen. Wir laufen also, zwar in Sichtweite, an dieser Mutter mit kleinen Kindern vorbei. Ich finde ein interessantes Mäuseloch. Das restlich Rudel ist fast außer Sichtweite. Ich bin aber selbstsicher genug um dies gelassen zu ertragen. Tantchen meint, ich könne das selber entscheiden und pfeift mich nicht ran. Irgendwann renne ich dann hinterher. Zu weit lasse ich mich dann doch nicht zurückfallen. Ich gehöre doch dazu. Das finden die anderen auch.

Nach dem Nachmittagsspaziergang geht Tantchen auf einen Weihnachtsmarkt. Wir haben jetzt also Pause. Nach einem kurzen Nickerchen fangen Enrico und ich an zu spielen. Dabei verfangen wir uns leider in dem Computerkabel. Zum Glück passiert nichts und ich überlege kurz, ob ich es mal anknabbern sollte, um zu kosten wie es schmeckt. Verwerfe den Gedanken aber gleich wieder. Es riecht nicht so ansprechend

Wer weiß wie es schmeckt.

Als Tantchen nach vier Stunden zurück ist, zeigt sie ihre Erleichterung, dass das Kabel unser Spiel überlebt hat. Es gibt nach dem letzten Spaziergang eine große Portion Fleisch für uns alle.

 

Tag 89

Wie immer spielt Tantchen am Morgen mit Enrico Ball. Und wie jeden Morgen will Enrico den Ball dann nicht wieder hergeben. Langweilig. Dann knurrt Tantchen und Enrico spuckt ihr den Ball sofort vor die Füße. Egal was sie schon alles ausprobiert hat, nichts hat geholfen. Nur das Knurren wirkt.

An einer anderen Stelle wird der Ball und weiteres Spielzeug noch einmal hervorgeholt. Alles wird dann nacheinander geworfen, und da jedes Spielzeug einen eigenen Namen hat, muss er immer das Spielzeug holen, dessen Namen genannt wurde. Enrico gibt alles freiwillig in Tantchens Hand, nur den Ball möchte er nicht abgeben. Nimmt sie ihm den Ball ab, dann springt er gerne mal an ihr hoch und versucht ihr den Ball aus der Hand zu reißen. Nun haben ihr die Hundetrainer erzählt, dass dies respektlos sein soll. Also nimmt sie den Ball nicht und hebt ihn hoch sondern steckt ihn unter ihren Fuß. Ob das so eine gute Idee ist. Vor allem ist das keine endgültige Lösung. Aber mir gibt es Zeit mal so zu sehen, ob hier vielleicht etwas Essbares herumliegt. Muss allerdings aufpassen, dass ich nicht erwischt werde, sonst gibt es gewaltigen Ärger.

Mittags steigen wir alle ins Auto und fahren raus in die Einöde. Eine Freundin hat sich hier mit ihrem Mann zusammen ein Haus gekauft. Nachbarn vermieten in ihrem Haus eine Ferienwohnung. In der wollen wir alle zusammen Silvester feiern. Eigentlich wollten wir nur über die Silvesternacht weg sein. Aber unser Rudel ist wohl zu groß. Nur für eine Nacht will uns keiner. Bei drei Nächten war es dann möglich ein Quartier zu finden. Nachdem unsere Hundebetten und Tantchens Reisetasche im Zimmer standen zogen wir los um den Wald zu erkunden. Was für tolle Spuren hier doch waren.

Unser Fleisch stand in Tupperdosen auf der Fensterbank. Was für eine Erleichterung zu wissen, dass für den Nachschub gesorgt ist. Knallen tut es hier zwar auch gelegentlich, gleichzeitig soll es hier über Silvester schneller vorbei sein.

 

Tag 90

Nach dem Morgenspaziergang und dem Frühstück schauen wir die Hundetrainersendung mit Brandon Mcmillan an. Ich schlafe zwar immer wieder dabei ein. Andererseits bin ich so unproblematisch, dass ich das Training nicht brauche. Tantchen möchte mit Hilfe des Trainings versuchen mir das unkontrollierte Aufnehmen von herumliegendem Futter abgewöhnen.

Danach kommt Cesar Millan. Er erzählt, nachdem Herr Trump gewählt worden ist,  in seinen Beiträgen aus seinem Leben. Er ist mit 20 Jahren über die Grenze aus Mexiko gekommen. Er wählte eine Nacht aus, in der es in Strömen geregnet hat. Es glückte. In dieser Nacht schlief er unter der Brücke. Er konnte kein Englisch, hatte nur wenige Dollar in der Tasche und wusste nicht wohin. In den nächsten zwei Monaten war die Brücke in Chicago sein zu Hause. Er versuchte, mit Hilfe der Zeichensprache, einen Job zu finden. Neben Gartenarbeit führte er auch Hunde aus. Er wollte gern der beste Hundepsychologe der Welt werden. Erst später hat er erkannt, dass dies die Zukunft eines Hundetrainers ist.

Nach zwei Monaten hatte er das mexikanische Viertel in Chicago gefunden und erfahren, dass San Francisco besser für ihn ist. So zog er weiter. Seine Lieblingsrassen sind Rottweiler und Pitbulls.  Schon nach kurzer Zeit hatten ihm 10 Hundebesitzer ihren Hund überlassen. So kannte bald fast jeder den Mann, der mit 10 Rottweilern spazieren gehen kann. Das führte dazu, dass er sich bald vor Hundebesitzern, die schwierige Hunde hatten und Cesar um Hilfe baten, nicht retten konnte. So konnte er in kurzer Zeit das Geld aufbringen um eine alte Garage mit dem dazugehörendem Gelände zu kaufen. Da es in einem Gewerbegebiet liegt, störte das Bellen auch nicht.

Was Tantchen aber besonders fasziniert ist, dass dieser Mann niemals unhöflich ist. Egal was die Menschen erzählen, er lächelt. Hört sich das ungewöhnlich an? Natürlich. Aber es ist ein Teil seines Erfolges.

 

Tag 91

Heute ist Silvester. Irgendwo in der Einöde sind wir hier gelandet. In der Ferne knallt es trotzdem. Da hätten wir fast auch zu Hause bleiben können. Aber der Sessel hier ist schon sehr bequem. Ich darf darauf jede Nacht schlafen. Das ist schon mal ein Anfang. Die Spaziergänge hier sind allerdings ausbaufähig. Es gibt nicht viel Wald hier. Mehr Weiden und Felder. Und Autos fahren hier auch noch. So müssen wir viel an der Leine laufen.

Um 17 Uhr ist der letzte Spaziergang angesagt. Ich pieschere lieber auf dem Hof. Ist mir zu viel Unruhe hier. Auf dem kurzen Spaziergang mache ich aber auch noch einmal eine Pfütze. Wer weiß, wann ich wieder vor die Tür komme und die Gelegenheit zur erneuten Erleichterung habe.

Um 21 Uhr wird es auch hier lauter. Immer nur mal ein Bums, dafür aber recht laut. Wohnen hier doch alle etwas näher beieinander. Um 23 Uhr wollen wir alle einmal vor die Tür. Geht nicht, auch hier sind Leute mit Böllern unterwegs. Tantchen geht lieber schlafen. Nicht viel anderes ist hier möglich.

Um 1 Uhr wird sie wieder wach. Endlich jetzt geh es vor die Tür. Leider kam ein Mitbewohner mit seiner Familie gerade jetzt auf die Idee, seine Böller zu verschießen. Ob es hier um Mitternacht laut war, können wir nicht sagen. Wir haben alle wunderbar den Jahreswechsel verschlafen. Sind pünktlich zur Gassirunde aufgewacht und hängen nun alle am Fenster, in der Hoffnung, dass dies bald vorbei ist. Nö, es dauert tatsächlich 30 Minuten, bis die Familie ihr Pulver endlich verschossen hat. Es lag noch eine Menge von den Feuerwerksböllern vor ihnen. Nachdem die Tochter allerdings Funken ins Gesicht bekommen hat und der Sohn mit zwei Böllern überfordert war und er erst den noch nicht angezündeten Böller weg geworfen hat und den gleich explodierenden noch in der Hand hält, bis die Mutter, inzwischen ziemlich hysterisch, schreit: „Wirf ihn weg, wirf ihn weg.“ Ach so geht das, wenn man sich ein paar Finger absprengen möchte. Hatte mich schon gefragt, wie so etwas immer wieder passieren kann.

So können wir am Morgen um 1.30 Uhr endlich vor die Tür. Natürlich haben wir alle Leine. Wer weiß. Wer da noch so alles vorbei kommt. Futter gibt es keines mehr. Also das ist wirklich gemein. Erst müssen wir ins Exil, dann gibt es hier Lärm und wir können kaum vor die Tür zum Pieschern. Und nun auch noch dies, kein Leckerli nach der letzten Runde.

 

Tag 92

Schon wieder ein Feiertag und Tantchen packt gleich nach dem Frühstück wieder alles zusammen und wir fahren nach Hause. Endlich. Tantchen meint, das nennt sich Urlaub und alle freuen sich das ganze Jahr darauf. Also ich kann darauf gut verzichten. Ulkig diese Menschen.

Nach einer Stunde sind wir wieder zu Hause und machen erst einmal einen Spaziergang um die Schäden zu begutachten. Am Wasser sammelt Tantchen alle Glasflaschen ein. Zum Glück gibt es hier einige Mülltonnen. Wurde nicht ausdrücklich darum gebeten nicht zum Knallen in die Wälder, ans Wasser oder in die Grünanlagen zu gehen um die Vögel zu schonen? Dieser Bitte wurde hier jedenfalls nicht entsprochen. Es ist natürlich schön, man lässt den Dreck woanders, geht schön nach Hause und alles ist ordentlich. Nicht ganz, der Nachbar ist ebenfalls ein Haus weiter gerutscht und hat seinen Dreck vor dem Haus des Nachbarn hinterlassen. Immerhin in Zehlendorf sind die Straßenreiniger schon unterwegs. Selbst am Feiertag müssen die armen Menschen arbeiten. Zumindest erhalten sie Feiertagszuschlag. Allerdings würden viele Angestellte, zugunsten von mehr Freizeit, gern auf mehr Geld verzichten. Aber was tun wir nicht alles für unseren Spaß an der Silvesterknallerei. Wir sind sogar bereit Dieselfahrverbote zu akzeptieren. Jeder Lastenkahn mit seinem Dieselgestank riecht gegen die Silvesterknaller wie ein laues Lüftchen aus dem Klo. Dass der Feinstaub durch die Böller in einer Nacht so stark erhöht wird, dass alle Feinstaub verursachenden Autos, Maschinen, Kamine und Schlote dafür 2 Monate brauchen würden, egal. Für dieses kleine Vergnügen sterben wir doch alle gern etwas früher. Und tun uns die Wildtiere leid? Nicht mehr als unsere Nutztiere. Schließlich waren wir doch vorher noch schnell im Supermarkt und haben versucht noch das Beste Wurst- und Fleischschnäppchen zu finden. Viele noch sehr angespannt auf der Suche nach dem günstigsten Sonderangebot. Es soll doch etwas Gutes am Silvesterabend und am Neujahrsmittag auf dem Tisch stehen. Und möglichst billig soll es sein. Haben doch schließlich die Raketen so viel Geld gekostet. Für einen Gedanken an die arme Kreatur bleibt da wenig Zeit. Vielleicht ist es uns möglich auch kurz an solchen Festtagen an die Tiere zu denken. Schließlich waren sie auch zur Begrüßung unseres Jesuskindes zur Stelle. Und es waren genau die Nutztiere, die im Stall von Maria und Josef standen, die wir heute so gedankenlos schlecht behandeln. Einmal am Tag eine Minute innehalten und dankbar dafür sein, für das, was uns alles geschenkt wurde. Einmal am Tag auch an andere denken. An Menschen und Tiere. Ein wenig von unserem Reichtum teilen. Das ist vielleicht eine Möglichkeit unsere Dankbarkeit zu zeigen.

Nachmittags machen wir unseren gewohnten Neujahrsspaziergang mit einer lieben Freundin und ihrer Hündin. Es macht Spaß neben Enrico hinter ihr her zu rennen. Dann dreht sie um und jagt uns ein wenig. Das ist mir dann doch ein wenig unheimlich und ich laufe lieber neben Tantchen her. Die liebe fremde Frau füttert mich mit leckeren Keksen und ich springe sie an und umkreise sie aus Dankbarkeit und dem Wunsch nach mehr. Das nervt Tantchen, die versucht mich zu fangen, um das zu unterbinden. Es nützt nichts, ich weiche aus und springe sie von der anderen Seite wieder an. Dann erwischt mich Tantchen. Na gut, dann eben nicht. Ich halte mich ein wenig von den beiden fern. Aber nur solange, bis die liebe fremde Frau mir wieder einen Keks zusteckt. Nun springe ich sie wieder an, schließlich erlaubt die fremde Frau es mir. Oder nicht?

Die Hündin der lieben Frau springt nun Tantchen ebenfalls an. Schließlich will sie auch so gut behandelt werden wie ich. Aber da hält Tantchen sie an den Vorderpfoten fest. Etwas das ihr ganz und gar nicht behagt. Sie wehrt sich heftig dagegen, bis Tantchen sie schließlich loslässt. Da hat sie genug von Tantchen und hält sich lieber von ihr fern. Hätte ich ihr gleich sagen können, mit der ist nicht gut Kirschen essen. Sie sieht zu viele Hundeerziehungsfilme. Der Rat mit den Vorderpfoten festhalten ist übrigens von Brandon Mc Millan. Ich schaue mir die Filme mit an. Dann weiß ich, was ich lieber nicht tun sollte. Oder besser gesagt, wobei ich mich nicht erwischen lassen sollte.

 

Tag 93

Heute stehen wir wieder im Dunkeln auf. Am Wasser hofft Tantchen wieder auf einen Sonnenaufgang. Es wird Zeit, dass ihr mal jemand erklärt, dass sie nicht um 6 Uhr am Morgen, im Winter, auf einen Sonnenaufgang hoffen darf. Gut, die Jahreszeit arbeitet für sie. Bald wird sie auch schon um 6 Uhr am Morgen einen Sonnenaufgang sehen.

Heute wird wieder gearbeitet. Die Zeit der Feiertage ist vorbei. Nur der Dreck auf den Straßen erinnert noch an den Jahreswechsel. Tantchen sammelt bei jedem Spaziergang Glasflaschen ein. Jede intakte Flasche die in den Mülleimer geworfen wird, kann nicht mehr kaputt gehen und als Scherbe liegen bleiben. Jede Scherbe die eingesammelt wird, kann keine Hundepfote und keinen Fahrradreifen mehr zerschneiden. Also wird gesammelt, was das Zeug hält. Daneben auch der Silvestermüll von den Rasenflächen. Da kommt ein junger Mann auf uns zu und bittet uns um Hilfe. Er hat in der Silvesternacht seinen Autoschlüssel, irgendwo auf dem Rasen, verloren. Da Tantchen dort gerade so schön den Rasen nach Müll befreit, findet sie vielleicht das, was er schon vergeblich seit 6 Stunden sucht. Gut, so wie er sucht, bedeutet dies, dass es in normal gerechneter Zeit ca. 1 Stunde bedeutet. Eher zufällig läuft er mal hierhin und mal dorthin. Ohne System und Sorgfalt. Vielleicht macht das Laufen an der frischen Luft auch müde. Er hält Tantchen vom Müllsammeln und damit Suchen ab. Sein Redebedürfnis kann es nicht erwarten von der Leine gelassen zu werden. Kaum dreht sie den Kopf nach ihm, schon geht es los. Noch schnell einen Abstecher beim Erzählen zu einer Zahlungsaufforderung wegen falschem Parken. Dabei ist das falsche Parken an sich nicht der Grund für seine Erregung. Vielmehr kostet falsches parken Euro 15,-. Er aber muss wegen besonderer Schwere des falschen Parkens gleich Euro 25,- bezahlen. Nachdem ihn seine Erregung dazu gebracht hat dies gleich drei Mal hintereinander zu berichten, verabschiedeten wir uns. Er bedankte sich noch höflich für unser Zuhören. Ein höflicher junger Mann, muss ich wirklich sagen. Fast schade, dass er noch den Nachsatz zufügt, dass er doch nur kurz ans Wasser gekommen sei um seine Böller zu zünden. Er ist also extra ins Grüne zu den Vögeln gefahren um sein Feuerwerk zu zünden und nun sollen ausgerechnet wir, die wir hier auch seinen Müll einsammeln, mit nach dem verlorenen Schlüssel suchen. Zuerst musste ich überlegen, ob wir ihm helfen sollten. Doch gerade zum Fest der Liebe sollten wir verzeihen lernen und dann auch können.

Also werden wir helfen zu suchen und hoffen ihn auch zu finden um ihn zurückgeben zu können.

Nach dem Mittagsspaziergang muss Tantchen los und wir bleiben zurück. Eine Fernsehzeitung liegt in greifbarer Nähe. Etwas gelangweilt fange ich an zu lesen. Erstaunlich wenig Inhalt hat solch eine Zeitung, wenn man vom Fernsehprogramm absieht. Also lese ich sie noch einmal und noch einmal. Als ich fertig bin sind nur ein paar Schnipsel übrig. Dann sehe ich noch eine andere Fernsehzeitung. Als ich sie mir vornehme sehe ich, es ist eine alte, abgelaufene Zeitung. Das macht keinen Spaß, die noch einmal zu lesen. Ist langweilig. Soll ich mir noch einmal die von kommender Woche ansehen? Das geht nun leider nicht mehr. Ich bekomme die Schnipsel nicht mehr geordnet. So mache ich das lustige Spiel mir mein Fernsehprogramm selber zusammen zu stellen. Nach einiger Zeit langweilt mich auch dies und ich schlafe ein.

Als Tantchen nach Hause kommt, wundere ich mich über das Chaos, das hier herrscht. Sollte ich das allein angerichtet haben? Das kann doch wohl nicht sein -oder doch?  Tantchen sagt erst einmal gar nichts. Zuerst gehen wir Gassi und dann gibt es Futter. Gut, bis hierher alles wie gehabt. Dann sammelt Tantchen die ersten Schnipsel ein. Viel bessert sich dadurch nicht. Also meine Schuld ist das nicht. Ich kann so viel Unordnung allein bestimmt nicht verursacht haben – oder doch? Ich bin ein wenig ratlos. Eigentlich mache ich nichts mehr kaputt. Oder nur noch ganz selten. Ganz bestimmt. Ich bin nun schon eine erwachsen kleine Hündin. Also somit eine ganz große kleine Hündin und wer definiert eigentlich klein. Eigentlich bin ich eine ganz große, große Hündin. Ganz genau.

 

Tag 94

Die normalen Arbeitstage haben den Vorteil, dass wir schon um 6 Uhr aufstehen und bald darauf spazieren gehen. Der Nachteil ist, dass Tantchen an solchen Tagen auch einige Zeit weg muss.  Also Schlafenszeit und Langeweile angesagt ist.

Meine Mutter hat immer gesagt, dass ein Jammerlappen nie allein ist. Er hat immer Gesellschaft. Der Jammerlappen selbst und einer der über das Gejammer mitjammert. Schließlich jammern wir auf  hohen Niveau und fragt Euch deshalb immer zuerst, ob das nicht unter eurem Niveau ist.  Sie meinte ich soll mir, bevor ich losjammere, immer 5 Fragen stellen: Zuerst, wann hast du zuletzt etwas gegessen? Dann, wann hast du zuletzt geschlafen? Wann hatte ich meine letzte Gassirunde? Und wie lange dauerte die? Und mit wem bist du gegangen? Gibt es da einen Grund zum jammern? Doch wohl eher nicht. Na also.

Nachdem ich ausgeschlafen habe ist Tantchen auch schon wieder zurück. Und es geht los zur nächsten Runde. Wie schön. Anschließend gibt es Futter, Suchspiele nach Futter und wieder Futter. Kann das Leben schöner sein? Mit richtig guten Freunden kann man schließlich reden. Das Gute aber ist, ich muss es nicht. Und jeden Tag solltest du dich fragen, habe ich heute versucht meinen Feind zu lieben oder versucht meinen Freund besser zu behandeln? Überlege Dir, wer in Deinem Umfeld strahlt welche Energie aus? Wer strahlt Glück, Zuversicht und Spaß aus? Wo sind ansteckend glückliche Menschen? Zeichne in Gedanken Linien zu den Menschen, die Du jeden Tag triffst. Zeichne dicke Linien zu den Menschen, die Freude  und ein Lächeln verbreiten. Wen möchtest Du gerne öfter treffen und wer lässt Dein Herz leuchten? Das sind die Fragen, die uns unsere Mutter immer stellte. Kluge Mutter. Wie Du mir fehlst. Ich denke jeden Tag an Dich und hoffe es geht Dir gut.

Zuletzt gibt es eine kleine Belohnung. Dafür, dass wir nach der letzten Runde,  so schöne Pfützen gemacht haben. Gute Ideen hat diese Frau.

 

Tag 95

Heute wird früh aufgestanden. Na also, geht doch. Endlich haben wir Tantchen richtig erzogen.

Im Park treffen wir einen von Enricos Erzfeinden. Enrico fixiert ihn scharf und ist bereit, beim kleinsten Zwinkern seines Feindes, sich auf ihn zu stürzen. Meine Mutter hat immer gesagt: „ Vergib Deinen Feinden, sie werden es hassen.“ Den klugen Spruch gebe ich nun an Enrico weiter. Er schaut mich nur schief an. Dauert wohl noch ein wenig, bis er ihn verstanden hat. Ansonsten verläuft der Spaziergang im Dunkeln wie gehabt. Enrico bekommt den Ball nur gekullert, damit er ihn auch wieder findet. Wenn er ihn hat rennt er wie ein irrer durch die Gegend und freut sich laut bellend, dass er ihn hat. Manchmal denke ich, dass er ein ausgesprochen dummer Hund ist und ich überlege, ob ich den Ball nicht einmal wieder mopsen sollte. So wie in den ersten Tagen. Damals habe ich mir den Ball jeden Tag schnell geschnappt und woanders hin gelegt. Ich hatte beobachtet, dass er sich genau merkt, wo der Ball hinkullert. Wenn ich den Ball woanders hingelegt hatte, musste er länger suchen. Eines Tages ist Enrico, als wir gerade Verdauungsschlaf hielten, zu mir gekommen und hat gesagt:“ Du erwähnst doch immer so gerne, was Deine Mutter gesagt hat.“

„Mh“ machte ich schlaftrunken.

„Meine Mutter hat immer gesagt, ich soll mir Komplimente merken und Kränkungen vergessen. Und wenn Du weiß wie das geht, verrate es mir.“

„Und, weißt Du wie es geht?“

„Nein, aber vielleicht weißt Du es? Nein wieso?“

„Dann denk doch mal darüber nach.“

So habe ich mir überlegt, dass es vielleicht doch nicht so lustig ist, ihm immer den Ball zu mopsen und woanders hin zu legen. Würde ich andersherum auch nicht lustig finden. Deshalb hatte ich es gelassen. Ich bin schon ein richtig netter Hund. Das findet Tantchen sicher auch.

So habe ich heute den Ball nur kurz angesehen und bin dann lieber Schnüffeln gegangen. Das Wetter ist so schlecht. Hier liegt kaum noch Futter herum. Somit stehe ich nur gelangweilt da und schaue Enrico zu. Der Ball rutscht ihm heute ständig aus der Schnute. Und er versucht immer hektischer ihn zu greifen. Je hektischer er danach greift, desto schneller rutscht ihm der Ball wieder aus dem Maul heraus. Und es kommt wie es kommen muss, Die Kaiwand kommt immer näher und schließlich fällt der Ball über den Rand ins Wasser. Enrico steht fassungslos da und  linst über den Rand. Dann schaut er fragend zu Tantchen. Sie hat das Drama auch beobachtet und holt nun den Reserveball aus der Tasche. Tantchen zuliebe lässt er sich auf ein neues Spiel ein. Doch er weiß genau, sein Lieblingsball ist weg. So spielt er nur noch lustlos weiter um dann wieder zur Kaimauer zu gehen und noch einmal hinunter zu blicken. Tatsächlich, verschwunden. Schon der zweite Ball, der dort runter gefallen ist. Fragend kommt er zu mir:“Du Nala-Pünktchen, meinst Du, die Fische spielen auch gerne Ball?“

„Warum fragst Du so etwas Komisches?

„Weil ich dann, wenn ich wüßte, dass die Fische sich freuen nun ein Spielzeug zu haben, nicht ganz so traurig wäre, dass der Ball weg ist.“

„Weißt Du Enrico, eigentlich spielt doch jeder gerne Ball.“

„Meinst Du wirklich?“

„Neulich kam ein Film im Fernsehen. Der Film hieß Paddinton. Er handelt von einem Bären, der sein Zuhause verlassen musste, weil seine Eltern bei einem Sturm getötet worden waren. Nun war er ganz allein nach England gekommen und wusste nicht wohin. Eine liebe Familie nahm ihn auf. Und er brachte ihnen bei, dass, wenn man traurig ist, es nichts Aufmunternderes gibt, als Orangenmarmelade zu kochen und wenn hinterher alles klebt, alles zu schrubben. Oder war das bei Mary Poppins? Weiß nicht mehr. Jedenfalls hat Orangenmarmelade immer geholfen.“

„Wie kocht man Orangenmarmelade und meinst Du, wir können Tantchen überzeugen, welche zu kochen und dürfen helfen hinterher die Küche schrubben?“

„Vermutlich eher nicht. Oder hast Du Tantchen häufiger mal Marmelade essen gesehen?“

„Nö, allerdings habe ich auch noch nicht gesehen, dass Tantchen die Küche geschrubbt hat und hinterher so richtig fröhlich war.“

„Stimmt auch wieder. Vielleicht sollten wir sie daran erinnern, dass sie mal angefangen hat ein Glückstagebuch zu schreiben.“

„Wozu, sie hat doch uns. Wir bringen ihr jeden Tag Freude und Entspannung. Oder etwa nicht?“

Relativ früh starteten wir heute schon zum Mittagsspaziergang. Aha, Tantchen muss noch einmal weg und zwar scheinbar ohne uns. Und es geht wieder in den Grunewald. Unterwegs treffen wir einen Kindergarten mit Ausgang. Kaum sind wir von der Leine los, müssen wir wieder an die Leine. Tantchen fragt höflich, wo sie lang gehen werden.  Eigentlich nur um zu verhindern, dass wir versehentlich den gleichen Weg gehen. Die Antwort lautet:“ Ist doch egal wo wir langgehen, die Hunde dürfen hier nicht von der Leine.“

Tantchen meinte darauf nur: „Und ich hoffte immer, Erzieherinnen dürfen inzwischen nicht mehr belehren. Sie wäre jetzt erzogen.“

Eine Mitarbeiterin lächelte daraufhin. Aha auch ein Opfer dieser unhöflichen Frau. Zum Glück konnten wir dann in Ruhe weitergehen ohne noch viele Leute zu treffen. Enrico und ich tobten dann auch erst einmal richtig los.

In einer Kuhle fanden wir etwas richtig schön Duftendes. Selbst Akira wurde angelockt und wälzte sich mit. Leider ist mein Rücken weiß und man erkennt sofort, wenn ich solche eine Untat begangen habe. Zum Glück sagt Tantchen nichts. Meist werde ich mit einem Seifenlappen gereinigt. Nur bei großflächigen Einparfümierungen muss ich zum Abspülen in die Badewanne. Meist beschränkt es sich aber bei mir nur auf den Schulterbereich.

Zu Hause versucht Tantchen auch mich zur Futtersuche aufzufordern. Sie versteckt auch Hundewurststücken für mich und ruft mir zu :“ Such!“ Sofort kommt Enrico angeschossen. Während ich noch fragend dastehe, hat er alle Wurststücken schon gefunden und schon fast wieder verdaut. Aber ich verstehe das trotzdem nicht. Sonst bekommen Akira und ich die Hundewurst aus der Hand. Nun soll ich die plötzlich, genau wie Enrico auch, suchen. Warum? Natürlich suche ich auch ein wenig hier so herum. Nur sobald ein Kommando kommt, egal welches, höre ich auf. Stehe nur noch da und schaue Tantchen fragend an.

Natürlich denkt Tantchen es läge am Kommando und und hat nach der nächsten Fütterung das Kommando in :“Finde!“ umgewandelt. Nun kommt Enrico zwar nicht mehr angeschossen und frisst die Hundewurst weg, aber ich reagiere immer noch nicht auf das Kommando warte darauf, dass ich meine Stücken Hundewurst aus der Hand bekomme. Enrico hat schnell seine gesamte Hundewurst gefunden und erschnüffelt nun auch um mich herum.

So habe ich Tantchen ganz schnell den Gedanken wieder ausgetrieben, ich sei genauso zu dressieren, wie sie das mit Enrico macht. Nichts gegen Enrico, ich bin jedenfalls kein Zirkushund.

Nach dem Nachmittagsspaziergang geht Tantchen los. Wussten wir es doch.

 

Tag 96

Heute sind wir schon um 5 Uhr aufgestanden. Selbst Enrico war von der frühen Zeit überrascht.  Das ist doch viel zu früh. Vielleicht sollte jemand mal Tantchen erklären, dass man den Sonnenaufgang nur sehen kann, wenn man zu der Zeit darauf achtet, wenn die Sonne auch aufgeht. Und das ist im Januar definitiv nicht um 5 Uhr in der Früh.

Akira trottet missmutig im Nieselregen vor sich hin.

„Mhnn, doof, mhnn.“

„Was sagst Du Akira? Verstehe kein Wort,“

„Ich sagte doofe Uhrzeit, doofes Wetter, doof hier zu laufen. Und schlechtes Ohmen.“

„Warum schlechtes Ohmen?“

„Wenn wir so früh los gehen, muss Frauchen früh weg und bleibt nicht nur kurz, so für eine Stunde.“

„Was meinst Du, wo sie hin will, es ist doch Samstag, also eigentlich Sporttag.“

„Habe nichts gehört. Habe auch keine Einladungskarte gesehen. Und wer lädt schon zu so früher Stunde ein.“

So bekamen wir unser Frühstück und dann musste Tantchen weg. Zeit für uns wieder trocken zu werden.

Endlich kam Tantchen zurück und wir fuhren in den Grunewald. Eigentlich könnten wir mal langsam wieder zu einer anderen Stelle fahren. Hier wird es langsam langweilig. Inzwischen kennen wir hier jeden Erdhügel. Da macht das Toben nicht mehr so viel Spaß. Allerdings meinte Tantchen, dass wir heute nicht noch nach einer neuen Stelle suchen sollten. Außerdem nieselt es immer noch und da ist diese Stelle genau richtig. Da hätte sie etwas, was sie schon kennt und wo sie auch den Ausgang kennt. Neue Stellen erkunden würde nur bei schönem Wetter Spaß machen. Also, das ist jetzt mal eine Begründung, die muss einem auch erst einmal einfallen, muss einem die. Das findet Tantchen auch und stampft gut gelaunt durch den nieselprim Regen. Enrico und ich nicht faul, nichts wie hinterher. Nur Akira hat mal wieder keiner gefragt. Sie findet es bei Regen nicht ganz so schön. Schließlich ist sie inzwischen 13 Jahre und hat es schon mit den Knochen. Aber sie meint immer, auf sie würde hier niemand Rücksicht nehmen. Dabei nehmen Enrico und ich so was von Rücksicht. Nur nicht gerade auf sie.

 

Tag 97

Heute stehen wir schon wieder so früh auf. Man, da kommt mein ganzer Biorhythmus durcheinander. Und was sagt das Wetter? Zur Abwechslung regnet es mal wieder.

Will ich nicht beschweren, in Griechenland soll es auch regnen oder sogar schneien und ziemlich feuchtkalt sein. Also hier ist es, vor allem in der warmen Wohnung, doch sehr gemütlich. Mein Hundekorb ist bequem, ich will mich nicht beklagen. Allerdings versuche ich mich immer in den Sessel zu legen. Wenn niemand hinschaut liege ich drin. Morgens gibt es immer Schmuseeinheiten. Da versuche ich auch schon mal mich ins Bett zu kuscheln. Leider muss ich sofort wieder raus. Schade. Das muss schön sein darin schlafen zu dürfen.

Nach dem Frühstück geht Tantchen wieder. Ist egal, wir müssen sowieso erst trocknen. Es regnet natürlich wieder. Mein Fell ist schön dicht. Ich merke nichts davon und Tantchen findet, dass ich auch gar nicht haare. Warum sollte ich? Ist doch gar nicht die Zeit dafür.

Mittags fahren wir an den Grunewaldsee. Endlich mal wieder eine Abwechslung. Leider regnet es und wir treffen fast keine Hunde. Enrico ist mit der Spurensuche beschäftigt und reagiert nicht auf meine Spielversuche. Schade. So suche ich mir einen Stock und renne so ein bisschen selber um Tantchen herum. Leider beachtet Enrico mich immer noch nicht. Das ist langweilig und ich lasse den Stock wieder fallen.

Endlich, zwei Kanadische Schäferhunde. Freudig renne ich ihnen entgegen. Leider der eine von den beiden rennt auch.  Allerdings auf uns zu. Die Besitzer rufen schon, Tantchen pfeift uns zurück. Enricos Angriff vorausahnend. Unentschlossen bleibe ich stehen. Was soll ich machen, renne ich weg, kommt die Hündin hinterher. Bleibe ich stehen, stehe ich hier allein, weil Enrico zu Tantchen gelaufen ist und mit einem Keks abgelenkt wird. Also bleibe ich lieber stehen. Die Hündin wird inzwischen von ihren Besitzern ermahnt. Nutzt aber nicht viel. Vielleicht ist sie schwerhörig oder sie findet ihre Besitzer langweilig. Immer nur reden bringt sicher auch nicht viel. Da ich da nun im Weg so rumstehe, kommt die Hündin, sagt kurz „Hallo!“ Und geht weiter. Uff! Das wäre geschafft. Enrico hat inzwischen seinen Keks bekommen und wir bekommen nun alle einen, weil wir so schön brav waren.

Viel ist hier nicht mehr los. Ein bisschen lässt sich Enrico zum Toben überreden. Viel ist es nicht. Vielleicht schlägt ihm das Wetter aufs Gemüt und ich sollte mal Tantchen nach Orangenmarmelade fragen. Vielleicht hilft die auch bei Enrico.

Heute sind wir tatsächlich pitschenass geworden und freuen uns auf unsere warme Wohnung und den vollen Futternapf. Mir kommt es manchmal immer noch wie ein Traum vor, dass ich mir mein Futter nicht mehr zusammensuchen muss.

Zufrieden schlafe ich in meinem Körbchen ein. Wie schön, dass ich Tantchen die Idee gleich wieder ausgetrieben habe, ich könnte mein Futter, das sie hier in der Wohnung versteckt hat,  auch selber suchen. Nee, das ist nichts für Mamas Tochter.

Habe ich lange genug machen müssen. Wie schön, dass das jetzt vorbei ist. Menschen sind schon wunderbare Geschöpfe.

 

Tag 98

Die Woche hat uns wieder und wir stehen wieder im Dunkeln auf. Kein Sonnenaufgang Tantchen, kein Sonnenaufgang. Erst nach 8 Uhr, wenn wir schon wieder schlafen und unser Futter verdauen.

Also ich finde es ganz angenehm morgens noch nicht in die verschlafenen Gesichter meiner Mitmenschen sehen zu müssen, die meisten Menschen schauen, zumindest morgens, ziemlich finster drein. Ob die alle Schmerzen haben? Oder warum sonst sollten sie sich nicht darüber freuen morgens aufgewacht zu sein? Das ist doch etwas wunderschönes. Tantchen meint zwar, es könnte etwas später am Morgen sein. Aber ich habe mal gehört, dass der frühe Vogel den Wurm fängt und ich dann den frühen Vogel. Heißt das nun, dass der Vogel doch lieber nicht so früh aufstehen sollte?

Jedenfalls, Menschen schauen am Morgen gerne böse. Vielleicht haben sie nicht genug zu Essen? Oder sie haben in der Nacht furchtbar gefroren und konnten deshalb nicht schlafen? Daran, dass sie jetzt zur Arbeit gehen, Geld verdienen und sich ein angenehmes Leben machen können, kann es ja nicht liegen.

Mama sagte immer, beginne jeden Tag mit einem Lächeln, weil wir sind, was wir oft tun. Und so freue ich mich riesig, wenn Tantchen morgens aus dem Bett steigt, uns allen dreien einen schönen guten Morgen wünscht, bei uns sitzt, uns streichelt und dabei immer singt. Immer das gleiche Lied. Sollte ich ihr mal ein anderes vorsingen? Andererseits, ist egal, Hauptsache sie hat gute Laune und krault, vor allem mich. Ich lecke sie dafür immer ab. Das findet sie nun wieder etwas feucht und dann fängt sie an zu quietschen. Das finde ich so lustig, dass ich nun versuche ihr das Gesicht zu lecken. Leider steht sie dann auf und verschwindet im Bad. Da dürfen wir nicht rein.

Enrico legt sich immer auf die Schwelle mit dem Kopf im Bad. So hat er die Regel nicht übertreten, sie aber auch nicht eingehalten. Regeln sind so gar nicht sein Ding. Nach dem Spaziergang wird gefrühstückt. Das ist genauso schön wie ein Spaziergang und es macht das Ende des Spaziergangs erträglicher. Dann wird geschlafen. Also wir schlafen, Enrico nicht. Er bringt nacheinander sein gesamtes Spielzeug, bis sich Tantchen erbarmt und etwas davon wirft. Dann ist er glücklich. Also ich bin da ganz anders. Ich lege mich nach dem Frühstück in meinen Korb und da bleibe ich bis zur Mittagsrunde. Sollte allerdings Tantchen die Zeit verpassen, erinnern Enrico und ich sie immer gerne daran. Wir stehen dann auf und schütteln uns. Das laute Gähnen hebt sich Enrico immer für morgens auf. Über Tag setzt er das nicht ein. Er meint, dass nutzt sich sonst ab, wenn er es zu oft macht.

Den Vormittag über macht Tantchen meist Büroarbeit. Manchmal ist sie so darin vertieft – oder, auch nicht besser, will unbedingt noch etwas zu Ende machen, dass wir nur durch unruhiges Umherlaufen Tantchen aus ihrer Konzentration reißen können. Dann gibt sie auf und wir gehen gegen 12 Uhr los zum Mittagsspaziergang. Meist fahren wir raus in den Wald. Das dauert auch noch mal 15 Minuten, die müssen wir schließlich auch noch im Auto warten. Also bitte, da sollten wir schon gegen 12 Uhr spätestens los.

Nach dem Mittagsspaziergang gibt es wieder Futter und wir schlafen dann ein wenig. Tantchen macht dann noch ein wenig Büroarbeit, oder muss etwas lesen oder telefonieren. Um 16 Uhr freuen wir uns auf unseren Nachmittagsspaziergang und auf eine kleine Mahlzeit. Schließlich müssen wir etwas für unsere Figur tun. Dann fährt Tantchen los zu ihren Patienten. Gegen 20 Uhr ist sie wieder da und meist gehen wir dann auch gleich spazieren. Manchmal auch erst gegen 21 Uhr. Das ist die Zeit, an der wir spätestens zur letzten Runde raus gelassen werden.

Ich habe mal Enrico gefragt, warum er beim Pieschern und beim Kotabsatz so gern mit dem Po eine Wand hochklettert. Sehr gekonnt lässt er den Kot dann zwischen seinen Hinterbeinen durch auf den Boden fallen, kommt so wieder auf, dass er nicht hinein tritt und dackelt stolz von dannen. Er meint, das gekonnt eben gekonnt ist und ich doch auch einen Frosch nicht frage, warum er hüpft – oder?

„Nö, ist ja auch ein Frosch. Aber Du bist ein Hund genau wie ich auch. Und ich mache nicht so Groß“

„Hast Du Dich mal gefragt warum nicht?“

„Ist doch Blödsinn, habe noch nie einen Hund so groß machen sehen.“

„Da hast Du doch Deine Antwort, ich mache so Groß, weil ich einzigartig bin.“

„Könnte es sein, dass Du größenwahnsinnig bist?“

„Keineswegs, eher ein verkanntes Genie.“

„Also doch größenwahnsinnig.“

„Willst du anders sein? Andere gibt es schon, ich bin einfach immer ich selbst.“

„Ist ja gut, ich habe schon verstanden.“

„Ich habe noch einen für Dich – es ist einfach glücklich zu sein. Schwierig ist es nur, einfach zu sein.“

Manchmal ist Enrico richtig anstrengend. Ich verziehe mich lieber in das andere Zimmer. Manchmal frage ich mich, ober er vielleicht in seiner Kindheit einfach nicht genug Erziehung genossen hat. Ob es möglich ist, das jetzt noch nachzuholen und ihn einmal ganz ordentlich zu zwicken?

 

Tag 98

Heute habe ich in der Nacht von Rom geträumt. Und zwar von dem alten Rom. Liegt vielleicht daran, dass mir ein Heft von Asterix und Obelix vor die Schnute viel. Nee, habe es nicht so gelesen, wie das jetzt vielleicht jemand denkt. Das Heft ist heil geblieben. Aber was darin stand, das mit dem Brot und den Spielen. Das müssen unsere Regierungen auch gelesen haben. Angeblich hatten alle Menschen schon mal mindestens ein Heft davon in der Hand.

Also gib dem Menschen Brot, so dass er nicht hungert und gib ihm Spiele. Spiele, dass soll wohl in unserer Zeit der Fernseher sein, oder sind damit die Computerspiele gemeint? Dann sollen angeblich die Menschen ruhig und zufrieden sein. Ist das so? Nun schaue ich auch gelegentlich mit meinen Kumpels Fernsehen. Tantchen kann dabei so wunderbar einschlafen. Nach drei Stunden geht der Fernseher von allein aus. Sie kann also getrost durchschlafen, wenn sie dann schon vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Werden die Menschen also heute durch eine kleine Bezahlung, die als Mindesteinkommen berechnet wurde und ein Fernsehprogramm, das rund um die Uhr läuft, ruhig gehalten? Vor allem wenn man sich ansieht, was so rund um die Uhr läuft. Entweder Krimis oder Seifenopern, die dem Zuschauer eine heile Welt vormachen. Wenn wir morgens um 6 Uhr unseren Morgenspaziergang machen, dann sieht man in den Fenstern oft schon die Fernseher flimmern. Wenn Tantchen in der Nacht etwas trinken muss, dann schaut sie oft auch auf die Uhr und beim Trinken aus dem Fenster. Dann sieht sie noch einige Fenster durch Fernseher erhellt. Selbst um 4 Uhr am Morgen noch. Schlafen die nie? Wenn man nicht arbeiten muss, verschwinden oft die Grenzen zwischen Tag und Nacht. Mit einem Hund übrigens, erhält der Tag wieder Struktur. Ganz bestimmt. Es gibt so viel von uns in Tierheimen und auf Pflegestellen. Übrigens auch bei den Katzen sind viele Tierheime und Pflegestellen überfüllt.

Mittags geht es wieder in den Grunewald. Alte Stelle, na ja. Hatten wir schon. Trotzdem toben Enrico und ich gleich los. Ich vorneweg, Enrico hinterher. Am liebsten am Wasser oder sonst die Berge rauf und runter. Irgendwann hängt mir die Zunge bis fast auf den Boden. Enrico nicht. Na, wie finde ich das denn. Der rennt scheinbar in meinem Windschatten. Jetzt soll er aber mal vorneweg. Da quietscht er gleich auf. Was ist das denn für ein Weichei? Dass ich ihn mal im Überschwang zwicke, das kann doch mal passieren. Wenn er man mich ran kommen würde beim rennen, dann würde er mich auch zwicken. Na gut, schafft er  nicht, könnte aber sein.

So verläuft der restliche Spaziergang mehr mit Schnüffeln und mal so sehen, ob ich vielleicht ein Wildschwein finde. Das ist spannend. Wäre noch spannender, wenn Tantchen mich nicht ständig ermahnt, nicht zu weit in den Wald zu gehen. Warum?

Auf den letzten Metern treffen wir eine Familie mit Hund. Ist ein Rüde, weiß aber Tantchen nicht. Enrico verhält sich vorbildlich. Seit er den Streit mit Carlo hatte und von Tantchen streng ermahnt wurde, wird er zwar bei einem Rüden immer noch steif, geht aber weiter, ohne anzugreifen. Vor allem, wenn der andere Rüde keine Dominanz zeigt. Am Grunewaldsee hatte wir einen Cockerspaniel getroffen. Beide Rüden standen steif Seite an Seite, seinen Kopf über Enricos Schulter gehalten. Worauf Enrico sofort versucht hat, den anderen dort im Genick zu beißen. War etwas schwierig, wenn nicht gar unmöglich, da er sich bei seiner Größe auf die Hinterpfoten aufstellen musste. Der Besitzer des Cockers stand direkt daneben und schlug nach Enrico. Tantchen pfiff ihn ab und lockte ihn mit hoher, freudiger Stimme. Dem anderen Besitzer zu erklären, dass sein Cockerspaniel angefangen hat, weil es ein Akt der Unfreundlichkeit ist, dem anderen Hund den Kopf über die Schulter zu halten, dazu fehlte ihr einfach die Lust.

Hier und heute sind beide Rüden zwar etwas steif, aber doch höflich, aneinander vorbei gegangen. Tantchen war sehr zufrieden.

Sollte sich das ganze Hundetraining doch auszahlen? Kann ich mir bei dem hippeligem Enrico allerdings nicht vorstellen. So diene ich Tantchen weiterhin als Stimmungsbarometer für den fremden Hund. Bleibe ich in respektvollem Abstand vor dem fremden Hund stehen, dann darf Enrico gar nicht erst in seine Nähe. Dann kommt Tantchens stärkste Waffe, der Ball zum Einsatz oder lieber gleich die Leine. Das hängt davon ab, wie nah wir aneinander vorbei gehen. Gehe ich hin und sage freundlich „Guten Tag“, lass mich beschnüffeln und beschnüffele den anderen Rüden, dann reicht ein Hundekeks und das Kommando „Hier“ um ohne Komplikationen aneinander vorbei zu kommen. Fordere ich den anderen Rüden zum spielen auf, dann darf auch Enrico hinlaufen und ihn begrüßen. Ist es gar eine Hündin, erkennt das Tantchen am freudigen Schwanzwedeln von Enrico. Und dann darf er losrennen, egal wie groß die Hündin ist.

Übrigens habe ich festgestellt, wenn das Rudel groß genug ist, vor allem viele Hündinnen dabei sind, ist Enrico so beschäftigt, dass er andere Rüden ignoriert. Vielleicht denkt er, es reicht für alle oder der andere Rüde tut ihm nichts, bei so vielen anderen Hunden merkt der fremde Rüde gar nicht, dass er sich in dem Rudel versteckt hat.

Der eine Hundetrainer sagt, seine aufgeregte Energie macht ihn zum geborenen Opfer und darum greift er lieber vorher an, weil er sowieso angegriffen wird. Er würde also Angst Aggression zeigen. Der andere Hundetrainer sagt, er wäre einfach nur dominant aggressiv. Könnt ihr euch mal einigen?

Zum Glück habe ich diese Probleme nicht. Ich freue mich immer über jeden anderen Hund den ich treffe.

 

Tag 98

Heute ist Montag. Nicht gerade Tantchens Lieblingswochentag. Mir ist das egal, für mich ist jeder Tag schön. Morgens gehen wir im Dunkeln spazieren. Ich brauche kein Tageslicht. Nur ein paar mehr andere Hunde wären toll. Aber morgens um diese Zeit geht scheinbar noch keiner. Dafür sind die Spuren der Wildtiere alle noch schön frisch.

Wie immer unter der Woche muss Tantchen nach dem Frühstück am Computer arbeiten. In der Zeit schlafe ich. Also ich und Akira. Enrico nicht. Er versucht Tantchen zum Spielen zu überreden. Er gibt niemals Ruhe. Somit ist Tantchen dazu übergegangen, ihn einfach zu ignorieren. Dann legt er sich bald hin und fängt ebenfalls an zu schlafen. Das macht er solange bis das Telefon klingelt oder die Tür. Dann fängt er an Tantchen zu kontrollieren. Er rennt um sie herum, winselt und stellt sich vor sie. Das fand Tantchen zuerst lustig. Als er dann aber dazu überging sie am Hosenbein zu zuppeln, wurde es ernster. Auf einen rauen Ton hin wurde er erst richtig böse, sprang an ihr hoch und zwickte sie in den Oberschenkel. Das gab einen blauen Fleck und effektiv einen Grund etwas zu verändern.

Nun muss Enrico in den Korb, bevor Tantchen ans Telefon oder an die Tür geht. Als Enrico beim Staubsauger ebenfalls anfing nach dem Staubsauger zu beißen, wurde er sofort berührt und in den Korb geschickt. Das hat dieses Verhalten sofort geändert und Staubsaugen ist kein Problem mehr.

Wenn das Telefon klingelt, informiert er Tantchen durch Rennen zum Telefon davon, dass jemand anruft. Immer noch aufgeregt umkreist er Tantchen bis das Klingeln aufhört. Erstaunlicherweise macht er dies nicht, wenn Tantchen schläft. Klingelt das Telefon, läuft er zu Tantchen und wieder zurück zum Telefon. Reagiert Tantchen nicht, legt er sich wieder hin. Seine Aufregung legt sich dann sofort. Wenn es an der Tür klingelt, dann steht Tantchen auf, schaut Enrico an und er weiß, er muss jetzt in den Korb. Zuerst läuft er ein paar Schritte in Richtung Korb. Dann dreht er sich um und schaut zu Tantchen mit der Frage im Gesicht, muss ich weiter? Tantchen schon auf dem Weg zur Tür, bleibt ebenfalls stehen und sagt nur leise „Korb“. Erst dann wird die Tür geöffnet. Nachdem die Tür wieder geschlossen ist, geht Tantchen in das Zimmer, in dem der Korb steht und ruft ihn wieder raus. Erst dann darf er den Korb verlassen. Liegt er schon vor dem Korb, weil er schon vorher , als die Tür noch offen war, den Korb schon wieder verlassen hat, wird er wieder in den Korb geschickt, der Raum noch einmal verlassen und wieder zurückgegangen, um ihm zu erlauben, aus dem Korb zu kommen. Viele vergessen die Übung zu beenden. Wenn Enrico aber selbst entscheidet, wann die Übung zu Ende ist, wird er in Zukunft auch selbst entscheiden, ob er die Übung überhaupt erst anfängt und das Kommando muss dann wiederholt werden. Damit wird das Lernen für Enrico nur erschwert.

Der Moment, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen, dass Enrico in seiner Aufregung versucht, Tantchen zu kontrollieren, wurde von ihr verpasst. Nun ist es wesentlich Zeit intensiver und benötigt wesentlich mehr Konsequenz, als es von Anfang an zu unterbinden. So wie es bei dem Staubsauger geglückt ist.

 

Tag 99

Heute ist Dienstag und damit Hundefleischtag. Der Mittagsspaziergang führt immer am Geschäft vorbei. Und immer gibt es ein kleinen Kostehappen von den Verkäufern.  Heute sind wir zu Fuß zu dem Geschäft gegangen. Vielleicht treffen wir die netten Hunde von letzter Woche wieder. Aber erst einmal laufen wir durch die große Meute von Schulkindern, die jetzt alle Schulschluss haben.

Gestern habe ich in den Nachrichten gehört, dass die Bildungsministerin der  Meinung ist, dass Kinder in der Grundschule keine Fremdsprache mehr lernen sollten, sie sollen erst einmal richtig Deutsch lernen.

Nun, heute gehen wir also zum Hundefleischer und kommen dabei an einem Gymnasium vorbei. Wie so oft ist es genau in der Mittagszeit und viele Schüler haben jetzt Schulschluss. Während wir durch die Schülermeute hindurch laufen, inzwischen habe ich keine Angst mehr und laufe mit erhobenem Schwanz und erhobenem Kopf an den Schülern vorbei. Dabei höre ich ihre Unterhaltung und ich kann der Bildungsministerin nur sagen, dass vielleicht auf der Schule gar keine Fremdsprachen unterrichtet werden sollten. Selbst auf dem Gymnasium sprechen die Kinder kein richtiges Deutsch. Also! Eigentlich, was soll´s, ich spreche auch verschiedene Sprachen. Vielleicht beide nicht perfekt. Aber ich kann mich verständigen und verstehe, was die anderen Hunde oder Tantchen, von mir wollen. Gut, so richtig fremd ist die Sprache unter uns Hunden, in den verschiedenen Ländern eigentlich nicht. Körpersprache ist überall gleich. Menschen reden sowieso zu viel. Da macht es auch nichts, wenn die Sprache nicht ganz richtig ist und sich ein wenig nach Trapatoni anhört. Solange alle wissen was man möchte. Die Sprache gar nicht zu können ist da doch viel schlechter.

Als ich zum ersten mal Deutsch hörte, habe ich nur Bahnhof verstanden. Ich habe bei meinen beiden Kumpels zugesehen, was sie so machen, wenn mal wieder irgendein Kauderwelsch von Tantchen kam und habe es nachgemacht. So habe ich Deutsch gelernt. Jetzt bin ich eine kleine und wie Tantchen sagt, sehr gut erzogene Hündin. Nur manchmal, wenn auf der anderen Straßenseite ein Hund ist, möchte ich hinlaufen. Eine kleine Ermahnung bzw ein kleines Geräusch reichen schon aus um mich davon abzuhalten. Bin eben gut erzogen.

 

Tag 100

Morgens müssen wir immer, um vom Wasser in den Park zu kommen, eine kleine Einbahnstraße entlang laufen. Viel Verkehr ist hier nicht, darum war das auch die erste Straße, an der ich frei, also ohne Leine laufen durfte. Als ehemaliger Straßenhund laufe ich immer gern ein Stück vor. Ich klebe nicht so eng an Tantchen wie das Enrico und Akira tun. Wird gepfiffen, dann muss ich auch erst einmal schauen, wer hat gepfiffen, warum wurde gepfiffen und bin ich auch wirklich gemeint. Allerdings muss ich schon beim 3. Pfiff da sein, sonst gibt es keinen Hundekeks. Also läuft die Überprüfung in Sekundenschnelle ab. Zum Glück gilt es auch noch als rechtzeitig gekommen, wenn ich nach dem 3. Pfiff zu Tantchen gerannt komme. Ich muss nicht schon vor ihr stehen, wie es der Streber Enrico immer macht. Nur wenn er seinen Ball in der Schnute hat, den er nie hergeben will, dann zieht er auch schon mal einen Kreis um uns, die wir ungeduldig auf unsere Hundewurst warten. Dafür bekommen wir schon jeder das erste Stück . Ätsch! Enrico macht das wenig aus, er liebt seinen Ball und außerdem gibt es an der Stelle, an der er den Ball abgeben muss, zum Ausgleich immer für jeden 3 Stück. Dann bekommt er eben nur zwei. Sein Ball ist ihm heilig. Also ich verstehe das nicht, wegen solch einem blöden Ball verzichtet er auf eines seiner drei Stücke. Und mitzählen tue ich. Das weiß ich genau, ob Tantchen geschummelt hat.

Heute laufe ich, wie immer in den letzten Tagen, ein Stück vor. Da bekomme ich einen ganz wunderbaren Geruch in die Nase. Kindheitserinnerungen werden wach, liebe Menschen, die meiner Mutter, meiner Schwester und mir Futter und immer wieder Wasser hingestellt haben. Die auch mal ein paar liebe Worte für uns hatten. Wunderschöne Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit werden da wach. Ich laufe schnüffelnd hinter dem älteren Herrn her. Vergesse ganz, dass ich nicht allein auf die Straße darf. Und was heißt überhaupt allein, ich bin doch bei dem lieben Herrn, den ich noch von zu Hause aus Griechenland kenne. Da sieht mich Tantchen, wie ich witternd, dem älteren Herrn am Hosenbund, man kann schon sagen, fast hänge. Kann mich nicht satt riechen an ihm. Dann kommt auch schon der entsetzte Ruf: “Nala!“ Also schnell zurück auf den Bürgersteig und habe erst einmal Leine. Meine Erklärungsversuche verhallen erst einmal ungehört. Nur ein kurzes Streicheln zeigt, dass Tantchen nicht böse ist. Sie meint, ich darf erstens andere Leute nicht belästigen und zweitens nicht auf den Fahrdamm laufen, egal wie gut der Mensch, der da läuft, riecht. Wollte doch nur fragen, ob er mir etwas von meiner Mutter oder meiner Schwester Kira erzählen kann.

Im Park durfte ich wieder ab von der Leine und bin dann auch lieber in der Nähe von meinen beiden Kumpels geblieben. Zu sehr wollte ich den Bogen dann doch nicht überspannen. An der Stelle, an der für Enrico das Spielzeug und sein Ball wieder raus geholt werden, bemerkte ich zwei größere Kinder, die sich lachend unterhielten. Sind das nicht die lieben Kinder aus Griechenland? Als ich zu ihnen laufen will, kommt schon der warnende Pfiff von Tantchen. Muss die Frau auch ihre Augen überall haben? Also drehe ich um. Nicht sehr wahrscheinlich, dass die lieben Kinder aus Griechenland hierher  gekommen sind. Sind einfach nur liebe Kinder, die die selbe Stimme oder vielleicht auch nur die selbe Stimmlage haben.

Ich liebe Kinder, habe nur gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Allerdings erst ab einem Alter, in dem sie nicht mehr so hektisch herum rennen und mit den Armen fuchteln. Sonst machen sie mir Angst. Die älteren Kinder haben uns öfter besucht und mit uns gespielt. Das war schön.

So bleibe ich, genau wie Akira, wartend bei Tantchen stehen bis Enrico sein ganzes Spielzeug, dem Namen nach sucht und zurück bringt. Für Enrico ist es die größte Belohnung das nächste Spielzeug suchen zu dürfen. Für uns ist es schön, dass wir zwischendurch immer einen Hundekeks bekommen. Nachgesehen, ob es etwas Essbares hier zu Fressen gibt, hatte ich schon, dass überprüfe ich gleich wenn wir hier ankommen. Gibt es hier keine Leckereien, die vom Abend oder der Nacht übrig geblieben sind, dann stelle ich mich neben Akira und hole mir so den einen oder anderen Hundekeks ab. Finde ich hier Leckereien, dann muss ich aufpassen, dass sie nicht zu groß sind, sonst sieht Tantchen, dass ich kaue und wehe ich spucke das nicht sofort aus. Das Tantchen, neulich hatte ich leckere gekochte Nudeln gefunden, konnte sie aber nicht sofort abschlucken, da zu lang, versuchte mein Heil in der Flucht mit den Nudeln im Maul, als ich auch schon das donnernde „Aus“ hörte. Vor Schreck habe ich alles fallen lassen. Hätte mir auch nichts genutzt damit weiter zu rennen, Tantchen hatte schon zu einem Sprint angesetzt und blieb erst wieder stehen, als sie die von mir wieder fallen gelassenen Nudeln sah und dann auch noch in meiner Schnute nachgesehen hatte und feststellte, alles leer. Also wirklich, das ging nun in der Tat ein wenig zu weit. Gut, ich weiß, dass ich nichts auf der Straße fressen darf, aber in meinem Mäulchen nachsehen, ob ich noch etwas drin habe. Kennt die Frau so gar keine Privatsphäre?

 

Tag 101

Tantchen hat meine Bitten und Nachfragen erhört und bei der neuen Besitzerin meiner Schwester Kira angerufen. Endlich.

Kira war schwer krank, hatte Herzwürmer und die Ehrlichiose. Außerdem war sie tragend gewesen, als sie, der Embrio war abgestorben, genau wie ich, noch in Griechenland kastriert wurde. Ach der Vater war bestimmt der schöne Rüde, mit dem sie immer zusammen hockte. Es war auch wirklich Liebe zwischen den beiden. Was wohl aus dem geworden ist? War ein echter Casanova und so schnieke, mir hat er auch gefallen, aber ich hatte gegen meine Schwester keine Chance.

So hatte sie am Anfang ein wenig gesundheitliche Probleme, ist aber alles überstanden und es geht ihr jetzt gut. Da hatte ich mehr Glück, das hatte ich alles nicht. Na ja, saß auch nicht bei Mondenschein mit meinem Angebetetem unter dem Sternenhimmel und habe den Mond angeheult. Ich saß brav in meinem Zimmer und habe geschlafen.

Schlafen tun wir beide immer noch viel. Munter sind wir nur, wenn es los geht. Das haben meine Schwester und ich gemeinsam. Kläffen tun wir beide nicht. Bisher leben wir auch in einer Wohnung, das würde sonst die Nachbarn stören. Somit sind wir beide ganz lieb und pflegeleicht.

Tantchen hat noch gefragt, wie es kam, dass sie Kira und nicht mich bekommen hat? Kiras Frauchen meinte, sie hätte sich sofort nach dem Foto in Kira verliebt und wollte unbedingt sie haben. Gut, meine Schwester ist hübscher als ich. Aber nur ein ganz klitzekleines bisschen. Tantchen meint, ich sei bildschön. Und Tantchen hat immer recht!

Gehorchen, da bin ich schon weiter, ich laufe schon lange frei, schon nach 14 Tagen durfte ich ab von der Leine. Zuerst nur im Wald und am Wasser, dann in den kleinen Straßen und jetzt, bis auf die ganz Großen, überall. Aber auf den ganz großen Straßen darf hier gar keiner ohne Leine laufen. Na, also.

Mit anderen Hunden verstehe ich mich prima, ich bin das Barometer für Enrico. Mache ich Aufforderung zum Spiel, zeige ich damit Entwarnung an. Enrico läuft frei weiter und darf auch schnüffeln. Bleibe ich, in respektvoller Entfernung stehen, dann bekommt Enrico erst einmal das Kommando „Fuß“ und Tantchen wartet ab, wie es bei mir weiter geht. Ist der andere dann, nach vorsichtigem Beschnüffeln, freundlich, darf auch Enrico los. Gehe ich lieber weiter und rufe nur von weitem „Hallo“ rüber, darf auch Enrico nicht an den fremden Hund ran. Werfe ich mich gar auf den Rücken, weil ich Angst habe gebissen zu werden, dann muss Enrico an die Leine. Dann würde es bei ihm, als unkastrierten Rüden, auch nicht gut gehen.

Nun, bei meiner Schwester ist das etwas anders. Sie darf noch nicht ab von der Leine, läuft immer noch an der kurzen Leine und sucht sich die Hunde nach Sympathie aus. Ihre Besitzerin kann nicht erkennen, ob sie den Hund, der da ankommt gleicht beißt oder ihn freundlich begrüßt. Unabhängig von Geschlecht, der Größe oder der Farbe. Hatte ich schon erwähnt, dass Enrico schwarze Hunde nicht mag?  Und dass ich alle Hunde mag, habe ich auch das schon erwähnt?

Jedenfalls ist Kiras Frauchen darüber sehr unglücklich. Tantchen hat empfohlen die Schleppleine zu benutzen und vor allem Kira nicht in den Arm zu nehmen, wenn sie sich gerade über einen anderen Hund mächtig aufregt. Tantchen spricht immer mit hoher, heller Stimme mit Enrico, wenn ein anderer Hund unfreundlich zu ihm ist und lockt ihn so vorbei. Natürlich klopft das Herz, wenn ich mich aufrege. Dass Erregung den Puls in die Höhe treibt ist unbestritten. Nur wenn ich dann den Hund in den Arm nehme, dann belohne ich das unerwünschte Verhalten noch. Besser ist es zu sagen: “ Alles in Ordnung, komm weiter.“

So funktioniert es gut bei Enrico, der sich manchmal darüber ärgert, wenn ein gleich großer oder kleinerer Rüde ihn anknurrt und ankläfft. Bei Mädels ist er deutlich toleranter. Ich habe ihm allerdings nicht verraten, dass er nie ein echter Casanova wird.

 

Tag 102

Der Mittagsspaziergang heute fällt kurz aus. Wir gehen nur ein Karree. Also fahren wir später irgendwohin. Mal wieder etwas anderes schnüffeln. Super.

Später fahren wir eine gefühlte Ewigkeit mit dem Auto. Menno, da hätte mir dann der Grunewald doch besser gefallen. Mein ständiges Nachfragen, wie lange wir noch fahren, übernimmt Enrico für mich. Er kann so wunderbar winseln. Allerdings findet das wenig Beachtung und das Winseln, das Enrico so von sich gibt, findet Tantchen nicht so süß und lustig wie das Schmatzen, das er als Vorfreude auf eine Mahlzeit von sich gibt. Ich habe es auch schon mal versucht nachzumachen. Ist mir aber nicht ganz gelungen. Hat mir nur einen erstaunten Blick von Tantchen eingebracht.

Endlich sind wir da. Es ist kurz nach 14 Uhr und wir parken auf einem Netto-Parkplatz. Zum Glück dürfen wir aussteigen. Angeblich sind wir hier um 14 Uhr verabredet. Als wir an das Tor kommen ist keiner da. Na prima, und was heißt das jetzt? Fahren wir wieder zurück? Gehen wir jetzt nicht spazieren?

Gerade als wir wieder gehen wollen, kommt ein Auto angefahren. Also Tempo 30 fährt hier niemand. Ist hier nicht Tempo 30 Zone? Typisch! Autofahrer nehmen so wenig Rücksicht.

So warten wir dann, dass das Auto auf das Grundstück fährt und gehen hinterher.

Nach einer Begrüßung, mein Gott das dauert wieder, Menschen sind so umständlich, verschwindet die gut riechende Dame im Haus. Dafür erscheint einige Zeit später ein imposanter Rüde. Ich gehe erst einmal „Hallo“ sagen. Er baut sich ein wenig auf, weiß nicht so recht was er mit mir anfangen soll und ich lege mich vorsichtshalber auf den Rücken. Nach einer eingehenden Prüfung hat er das wohl für gut befunden und ich darf aufstehen. Wir trotten zurück zu den anderen und plötzlich überkommt ihn die pure Lebensfreude und er düst los. Enrico und ich beglückt hinterher. Wir ziehen ein paar Kreise durch den Garten. Als wir zurück zu Tantchen kommen, steht das fremde Frauchen daneben. Luka, so heißt mein neuer Kumpel, besinnt sich plötzlich auf seine Aufgabe und geht knurrend und mit gefletschten Zähnen auf uns los. Wen er eigentlich meint, ist nicht zu erkennen. Ist auch egal, wir haben beide vor Angst die Hosen voll. Tantchen geht dazwischen und wir kommen nun alle an die Leine.

Darüber müssen Enrico und ich erst einmal nachdenken. Akira zu fragen, dazu kommen wir erst einmal nicht. Wir sind noch ein wenig geschockt.

Wir dackeln also alle brav an der Leine, wir vorneweg, Luka mit seinem Frauchen hinterher. Sie müssen noch das Tor abschließen und haben sich deshalb hinter uns eingereiht. Alle nebeneinander laufen geht nicht, dazu ist der Bürgersteig zu eng. Somit ist auch kein Überholen möglich. Hielt auch keiner für nötig, bis Luka empört nach vorne springt und einem von uns, wen er eben erwischt, in den  Po zu beißen versucht. Enrico ist empört und meckert zurück. Nun wird er auch noch von Tantchen gemaßregelt. Also wir haben alle genug. Was, das soll jetzt der Spaziergang werden? Nö, Akira und Enrico müssen erst einmal wieder in das Auto. Was wird das jetzt? Und ich? Ich will nicht zu dem unfreundlichen Rüden. Muss aber.

Der baut sich sofort auf, als er mich sieht, ich werfe mich auf den Rücken. Er schnuffelt mich von oben bis unten ab und lässt mich dann gnädig aufstehen. Sofort versucht er mich zu besteigen, wird aber von seinem Frauchen weggezogen. Baut sich deshalb wieder vor mir auf und das altbekannte Spiel geht weiter. Ich liege auf dem Rücken und will nur noch auf den Arm. Endlich dürfen wir gehen.

Tantchen meint, dass wir das, nach der Kastration – was ist das – noch einmal versuchen sollen.

Am Auto dürfen meine Freunde wieder aus dem Auto aussteigen. Gott, bin ich froh sie zu sehen. Und dann geht es auch noch in den Wald. Renne auch freiwillig vorneweg. Eigentlich wäre Enrico dran mit vorneweg rennen. Aber ich bin heute nur einfach froh, bei meinen beiden Kumpels sein zu dürfen.

Müssen wir nicht so schnell wiederholen, Tantchen. Müssen wir nicht.

 

Tag 103

Samstag, also Sporttag. Na, ja. Anschließend fahren wir in den Grunewald. An einer Stelle trainieren jüngere Hunde. Also richtig warm ist es nicht und die Menschen stehen mit ihren Hunden recht viel und müssen warten. Ich würde hier nicht stehen wollen um zu warten, dass ich endlich dran komme. Aber alle stehen und warten geduldig. Einige Hunde schauen nach uns. Vermutlich überlegen sie, ob sie nicht Herrchen stehen lassen und einfach mal so rüber kommen sollten. Ist aber vom Trainer nicht erwünscht. Der Besitzer soll seinen Hund ermahnen. Oh, weh. Ich überlege ob ich mal rüber wackle und „Hallo“ sage. Tantchen steht mahnend neben mir. Also gehe ich weiter und tue so, als wenn mich das alles gar nicht interessiert. Ein Stück weiter bleibe ich wieder grübelnd stehen und überlege doch noch einmal, ob ich nicht mal hin gehen sollte. Tantchen lockt mich weiter und Enrico und ich toben los.

Ein Stück weiter hören wir einen leisen Pfiff. Enrico und ich bleiben stehen und warten, ob wir gemeint sind. Aber nein, Tantchen wundert sich auch. Hoffentlich ist kein Hund verloren gegangen. Immer wieder ertönt dieser leise Pfiff. Kann der Besitzer nicht pfeifen oder ist er so weit weg. Mh!

Es gibt so viel zu erschnüffeln und zu rennen. Wir vergessen das leise Pfeifen. Unterwegs treffen wir mal einen anderen Hund. Endlich. Laut Enrico ist es eine Hündin. Er fängt begeistert an zu janckern. Eine große wunderschöne schwarze Großpudeldame. Sie machte einen großen Bogen um uns. Enrico blieb erstaunt stehen und starrte entgeistert der Hündin hinterher. Ich versuche noch ein wenig hinterher zu laufen. Aber irgendwann gebe ich auf. Wenn sie nicht will. Akira hat von vornherein keine Lust gehabt sich zu der Hündin hin zu begeben. In einem großen Bogen umrundet sie uns alle. Dann eben nicht.

Versuche nun Enrico dazu zu bringen, mich zu jagen. Leider ist er etwas lustlos. So richtig kann er sich nicht aufraffen nun doch endlich los zu rennen. Also renne ich ein wenig allein. Trage einen Stock mit mir herum und versuche Enrico zu locken. Keine Chance heute. Auf dem Rückweg hören wir wieder dieses leise Pfeifen. Einen Hund, der allein unterwegs ist, den haben wir nicht gesehen. Also ist er entweder sehr weit weg oder es wird gar kein Hund heran gepfiffen. Merkwürdig.

 

Tag 104

Heute ist Sonntag und Tantchen besteht darauf bis 8 Uhr schlafen zu dürfen. Selbst Enrico hält sich daran.  Obwohl Ausschlafen einfach überschätzt wird. Ich schlafe über Tag immer dann, wenn nichts los ist. Bin somit jederzeit einsatzbereit, wenn es zur Tür raus geht. Und ich bin zwar etwas jünger als Enrico, spiele aber deutlich mehr und vor allem streite ich nicht. Also eigentlich nie.

Heute gehen wir mal wieder mit unserer Freundin Alma spazieren. Das ist bei unserem letzten Spaziergang etwas aus dem Ruder gelaufen und so halte ich mich heute zurück. Alma ist mir zu wild und da wir sonst hier nie spazieren gehen, gibt es auch so genug zu schnüffeln. Also ich bin zufrieden. Nicht so Enrico, der schon wieder dolle von Alma gejagt wird. Rennt er zu schnell und sie bekommt ihn nicht, versucht sie ihn da, wo sie ihn gerade erwischt, festzuhalten. Manchmal an seinem Geschirr, manchmal am Fell. Manchmal rennt sie ihn auch einfach über den Haufen. Wie oft er sich schon überschlagen hat, kann ich gar nicht mehr zählen. Und damit meine ich nur heute. Irgendwann merkt man ihm an, dass es zu viel wird und Tantchen ruft ihn zu sich, was er auch dankbar tut. Allerdings wird er dafür von Alma als Memme beschimpft, weshalb er wieder los rennt und sie nichts wie hinterher.

Irgendwann schreitet Tantchen ein und meint, dass Alma zu „heiß“ läuft und mal ein wenig „runter fahren muss“. Weiß zwar nicht so ganz genau, was das heißt, es bedeutet jedenfalls, dass Alma an die Leine kommt. Das finde ich super und Enrico und ich toben auch gleich los. Zur Entspannung von Enrico, renne ich vorneweg. Das findet allerdings Alma nun ganz schön doof und hängt sich mächtig in die Leine. Ihr Frauchen jammert ganz schön und sie schimpft ein wenig mit Alma. Tantchen fragt, ob sie helfen soll. Almas Frauchen nimmt das dankbar an. Alma kennt leider Tantchen nicht und zieht einfach weiter. Hatte ich schon erwähnt, dass ich noch nie an der Leine gezogen habe? Also mir ja, also mir brauchte das niemand beizubringen. Nun, Alma zog also auch bei Tantchen an der Leine. Hätte Alma gefragt, ich hätte ihr dringend davon abgeraten. Tantchen macht also das, was sie bei einer Hundetrainerin gelernt hatte, und was sie auch schon bei Enrico erfolgreich eingesetzt hat, sie pufft Alma mit den Fingerspitzen an der Brust. Bei der ersten Berührung ist Alma noch so in Rage, dass sie fast nichts merkt und nicht weiter darauf achtet. Deshalb wird sie dort noch einmal berührt. Nun bleibt Alma erstaunt stehen. Was sollte jetzt das? Sie wollte doch nur bei den anderen mitspielen. Was ist das für eine Spielverderberin, diese Frau. Schon beim Krallenschneiden ist sie ihr unangenehm aufgefallen. Gut, der Nagel war eingewachsen und hinterher tat es nicht mehr so weh, aber die Kralle abzuschneiden, hat dolle weh getan und damals hat diese Frau, über die sie sich auch noch so gefreut hat, die Krallenschere in der Hand gehabt. Bei mir ist so etwas nicht möglich. So etwas kommt nur bei den Rassehunden vor. Wir haben hinten keine Wolfskrallen. Also jedenfalls erkennt Alma, wer da nun gerade die Leine hält, Spaßbremse nämlich, und so entscheidet sie sich klugerweise dafür,  nun ganz brav hinter ihrem Frauchen, die die Leine nun wieder übernommen hat, her zu laufen.

Sie läuft solange ganz brav, mit zurück gelegten Ohren, immer darauf achtend, ihr Frauchen nicht zu überholen. So brav läuft sie, bis sie wieder von der Leine darf. Ihrem Frauchen tat es dolle Leid, dass ihre kleine Hündin nun an der Leine laufen muss und wir beiden anderen toben. Akira läuft wie immer vorbildlich neben Tantchen. Die Zeit, in der sie so wild durch den Wald gerannt ist, die ist nun schon eine ganze Weile vorbei.

Als Alma dann wieder von der Leine darf, stürzt sie sofort zu Enrico und der gibt einfach nur noch Fersengeld. Ich habe mich gleich wieder zurückgezogen. Als ich das letzte Mal mitgemacht hatte, hat Enrico tagelang nicht mehr mit mir gesprochen, weil Alma und ich ihn so dolle gejagt haben.

Irgendwann wird es Enrico dann doch zu viel und er fängt an Alma zu zwicken. Das hilft, im Gegensatz zu Tantchens Knuffen an der Brust, aber nur für Sekundenbruchteile und dann jagt sie ihn wieder quer durch den Wald.

Wir sind alle froh, als wir wieder ins Auto steigen und zum Nachmittagsimbiss fahren. Dann kommt für Tantchen der gemütliche Teil des Abends, mit dem heimlichen Bedauern, dass der Sonntag schon fast wieder vorbei ist.

 

Tag 105

Der Montag kommt und mit ihm zieht der kleinkarierte, lilarote Alltag wieder ein. Nach dem Morgenspaziergang, es wird jetzt deutlich früher hell und Tantchen hat den Wecker eine Viertelstunde vorgestellt, gibt es Frühstück. Anschließend arbeitet Tantchen und wir schlafen. Also alle bis auf Enrico. Aber das ist auch wie gehabt. Das ist wie jeden Morgen. Er fordert Tantchen mit seinem Ball zum spielen auf. Dann kommt endlich der Mittagsspaziergang.

Im Wald treffen wir öfter Menschen, seltener andere Hunde. Heute treffen wir beides öfter. Zwei nette Damen mit jeweils einem Hund. Ich finde das spannend und frage mal an, wie es so geht und steht. Als Enrico dazu kommt, gibt es mit einem ein wenig Geknurre. Sofort schimpft die eine fremde Dame mit ihrem Hund und streichelt Enrico. Tantchen atmet etwas flach. Das kann eigentlich nicht gut gehen. Aber vermutlich hatte die fremde Dame ihrem Hund schon öfter Popoklatsche angedroht oder er ist beleidigt, weil sein Frauchen versucht den blöden anderen Hund zu streicheln. Er geht weg. Dann macht Enrico den Trick, den er gerne einsetzt, er läuft freudig wedelnd auf die Dame zu um dann kurz vor ihr ab zu drehen. So als wenn ihm gerade ein betörender Duft in die Nase gestiegen wäre. Er mag es nicht, genau wie ich, wenn andere Menschen ihn streicheln. Das dürfen nur sein Frauchen und gute Freunde. Fremde interessieren ihn nicht, was er ihnen auch deutlich zeigt. Mir machen fremde Menschen immer noch Angst. Leider sieht man mir das auch an. Ich würde auch so gerne einfach desinteressiert einfach abdrehen. Aber mein ängstlicher Blick, wenn mich fremde ansprechen, und mein seitwärts gedrehter Kopf, verraten mich. Ich arbeite daran in dem Punkt so zu werden wie Enrico. Das gelingt mit noch.

Der fremde Rüde beachtet nun Enrico nicht mehr und der zieht auch einfach, nun völlig desinteressiert, weiter. Schließlich ist er hier als Sieger vom Platz gegangen. Obwohl Tantchen hatte schon streng geschaut. Das hat Enrico aber freundlich übersehen.

Später treffen wir tatsächlich noch einen Hund, was ist hier heute los? Ich renne freudig hin und wir beschnüffeln uns. Enrico steht weiter weg und Tantchen ruft mit freudiger Stimme Enrico zu sich ran. Dafür gibt es einen Hundekeks. Oh, den will ich auch und so stürme ich schnell zu den anderen um mich gleich daneben anzustellen. Ist man nicht zum 3 Pfiff da, gibt es keinen Keks mehr. So ungerecht geht es hier zu. Dabei kann man sich doch mal verzählen, kann man sich mal. Ist doch jedem schon mal passiert. Aber nein, dann gibt es keinen Keks mehr. So gemein ist das.

 

Tag 106

Tantchen erklärt mir, dass wir heute noch einmal zu lieben Menschen fahren, die mich gerne übernehmen möchten. Weiß zwar nicht was das bedeutet, aber liebe Menschen finde ich gut. Das erste Kennenlernen mit dem dort schon vorhandenen Rüden ist letzte Woche ziemlich in die Hose gegangen. Nun soll es noch einmal probiert werden, da der Rüde nun einen Hormonchip erhalten hat. Gut, als Hund vom Land muss ich jetzt nicht alles verstehen.

Nach einer Fahrt die durch Wälder und an Wiesen vorbei, kommen wir an einen See. Stimmt, hier sind wir schon gewesen. Enrico und ich toben erst einmal los. Der See ist recht klein, da läuft man in 20 Minuten drum herum und ein Teil soll auch noch als Badesee genutzt werden. Schmecken tut mir das Wasser. Akira möchte sich, wegen der milden 12 Grad – und das mitten im Februar – zu einem kleinen oder vielmehr ganzen Bad hinreisen lassen. Wird aber energisch von Tantchen zurückgepfiffen. Nur bis zum Bauch ist erlaubt. Das macht mir nicht aus, ich schwimme nicht so gerne. Am liebsten tobe ich durch das Wasser, das mir nicht weiter als bis zum Bauch reichen darf. Zwar spritzt es oft höher und dann bin ich trotzdem pudelnass, aber richtig schwimmen muss nicht sein.

Auf dem Rückweg treffen wir die Menschen und deren Rüden. Er läuft an der Leine und gebärdet sich wie toll. Will der was von mir? Ich mache einen weiten Bogen und halte lieber einen Sicherheitsabstand. Dann sind wir vorbei. Enrico und Akira kommen ins Auto, nur ich gehe mit Tantchen wieder zurück. Dort treffe ich den Rüden Luka wieder. Zuerst will er unbedingt zu mir, zieht und zerrt an der Leine, läuft auch ein Stück auf nur zwei Beinen. Ich dagegen laufe ganz brav neben Tantchen her. Schiele zwar ein wenig rüber, aber so ungestüm, das ist doch ein wenig viel. Irgendwann beruhigt sich Luka und wir gehen zurück zum Haus der lieben Menschen.

Im Garten dürfen wir ab von der Leine. Ich schaue mich so ein wenig um. Na ja, ganz nett hier. Nicht so schön wie im Wald, aber viel Spielzeug. Auch nicht schlecht. Ich schnappe mir eines und wedele Luka ein wenig damit vor der Nase herum. Er steht grübelnd vor mir und weiß nicht so recht, da war etwas, was er eigentlich lieber machen wollte, er weiß nur nicht so genau was. Tantchen fragt nach, wann er den Hormonchip bekommen hat. Gut, dass er nicht weiß, was das bedeutet. Irgendwann fällt es ihm wieder ein. Er versucht sogleich mich zu besteigen. Die Besitzerin meint, dass er dann doch kastriert werden muss und ermahnt ihn. Tantchen nickt wissend, er scheint einen starken Sexualtrieb zu haben. Ein wenig langweilig ist er schon, der bewegt sich noch weniger als Enrico auf der Wiese.

Endlich zurück zum Auto und wir gehen alle 4 noch einmal richtig um den See. Wie schön, wieder richtig toben. Einige Familien halten Picknick, also es riecht wirklich nicht schlecht. Ein wenig näher gehe ich schon hin, zu diesen wunderbar duftenden Decken. Werde aber von Spaßbremse sofort zurück gepfiffen. Ja, ja, ist ja gut. Die ersten Kinder spielen Federball, ob ich mitspielen darf? Sie sind barfuß, in kurzen Hosen und im T-Shirt. Es ist zwar erst Mitte Februar, aber schon ganz schön warm.

Wieder zu Hause, gibt es erst Futter und dann schlafe ich in meinem Korb wunderbar ein. Ich träume von Wiesen und Feldern und von dem einen Feldhasen oder dem anderem Wildkaninchen. Auch ein Reh springt durch meinen Traum. Entsprechend kräftig zucken meine Beine. Hoffentlich treffe ich noch auf viele solcher Jagdobjekte.

Tag 107  – Abschied

Heute schläft Tantchen nicht länger als unter der Woche. Finde ich eigentlich auch besser so. Noch im Dunkeln laufen wir unsere erste Stunde Gassi. Anschließend gibt es jetzt für mich nur noch Fleisch. Außerdem werde ich oft gelobt und gestreichelt. Schön.

Gleich um Zehn fahren wir wieder in den Wald zur nächsten Runde. Und wieder an eine neue Stelle. Hier riecht es ganz wunderbar. Anschließend gibt es wieder nur eine Fleischmahlzeit. Jedenfalls für mich. Ständig räumt Tantchen etwas ins Auto. Mein angeknabberter Hundekorb, für 4 Tage abgepacktes Fleisch, einen Sack Trockenfutter, ein Schaffell, eine Decke von Enrico. So ganz verstehe ich nicht, was jetzt hier los ist. Bin aber ganz entspannt und warte ab.

Dann müssen die beiden anderen da bleiben und nur ich darf mit. Enrico weint, was ist los? Bin etwas beunruhigt, aber trotzdem neugierig.

Wir fahren wieder zu der netten Dame, ihrem Mann, dem Kind und dem Hund. Zuerst spielen wir ein wenig im Garten, ich werde von allen oft gestreichelt. Dann gehen wir alle um den See spazieren. Der Rüde Luka ist aggressiv auf andere Rüden. Das kenne ich schon. Deshalb darf Luka nicht ab von der Leine und hätte trotzdem fast einen kleinen Hund gebissen. Immerhin ist Luka ein  Schäferhundmix. Das hätte erst werden können.

Tantchen verteilt großzügig Hundekekse. Die mir die nette Dame immer geben soll. Den Geruch in der Nase laufe ich der netten Dame hinterher. Am Gartentor drehe ich mich um, Tantchen ist weg. Und nun? Etwas erschrocken lasse ich mich von den lieben Menschen auf das Grundstück und ins Haus locken. Tantchen wird mich sicher bald holen kommen. Allerdings sagen die lieben Menschen, ich darf Herrchen und Frauchen zu ihnen sagen. Nun bin ich umgezogen und habe ein neues Zuhause.

So endet meine Geschichte.